„Ältestes Schaf“ hört als Leittier auf

Nach 20 Jahren an der Spitze zieht sich Stadtbrandinspektor Erhard Wölk zurück ins zweite Glied
Nach zwei Jahrzehnten der Kontinuität kommt es nächste Woche an der Spitze der Neustädter Feuerwehren während ihrer gemeinsamen Jahreshauptversammlung zu einem kompletten Wechsel.
von Florian Lerchbacher
Neustadt. „Es ist doch besser selber zu entscheiden, dass man aufhört, als wenn irgendwann die Kameraden oder mein Dienstherr, der Bürgermeister, sagen, dass es langsam Zeit ist, Schluss zu machen“, sagt Erhard Wölk, der sich kommende Woche nicht mehr zur Wiederwahl als Stadtbrandinspektor zur Verfügung stellt. 20 Jahre lang war er Chef der Neustädter Feuerwehren – die ganze Zeit über mit Arno Sack als Stellvertreter an seiner Seite, der diesen Posten aber ebenfalls abgibt. „Wir legen die Verantwortung nun in jüngere Hände“, betont Wölk und berichtet, dass es gar nicht so einfach gewesen sei, potenzielle Nachfolger zu finden. Nach Intensiver Suche sei nun aber Frank Bielert (Kernstadt) bereit, in seine Fußstapfen zu treten. Zukünftig soll es zwei Stellvertreter geben. Für diese Posten stehen Tobias Lotter (Momberg) und Mario Gräser (Kernstadt) in den Startlöchern. Und auch beim Nachwuchs stehen Veränderungen an: Stadtjugendfeuerwehrwart Sebastian Sack hört auf. Sein Amt soll Steffen Maurer mit Martina Zinser an seiner Seite übernehmen.

Seit 41 Jahren engagiert sich Wölk (57) als Feuerwehrmann: Mit 17 war er der Freiwilligen Feuerwehr Schönstein im Gil- serberger Hochland beigetreten. „Es war selbstverständlich, dass man als junger Mann in einem Dorf mit 120 Einwohnern in die Feuerwehr geht“, erinnert er sich und stellt heraus, dass dieses Ehrenamt vor allem ein Hobby sei, „das auch sinnvoll ist“. Bis zum Wehrführer stieg er in seinem Heimatdorf auf, ehe er Anfang der 1990er- Jahre nach Neustadt kam. Wenige Jahre später wählten ihn die neuen Kameraden zum Stellvertreter ehe er nur wenige Monate später zum Stadtbrandinspektor (SBI) aufstieg.
Als Höhepunkte seiner Zeit als Chef der Neustädter Wehren, die derzeit 140 Einsatzkräfte haben, bezeichnet er die Ausrichtung der Kreisfeuerwehrtage 2000 und 2005 (mit Boney M.). Tiefpunkt sei gleich zu Beginn ein Großbrand in der Marktstraße am Kirmessamstag gewesen. Da hatten die Neustädter ihren wahrscheinlich größten Einsatz schon hinter sich: Kurz nach seiner Ernennung zum stellvertretenden SBI saß Wölk im ersten Fahrzeug, das zu dem verheerenden Zugunglück in der Kernstadt ausrückte. „Das war ein Trümmerfeld. Es war total unübersichtlich – eine wahnsinnige Situation“, erinnert er sich und betont: „Aber wir haben in Kooperation mit vielen anderen Kräften alle Aufgaben erfolgreich abgearbeitet.“
Hand in Hand mit Tochter Ann-Kristin
„Natürlich war es schockierend“, resümiert Wölk, den diese Zeit aber auch geprägt hat: In der Nachbereitung arbeiten die Einsatzkräfte das Erlebte mit dem Kriseninterventionsdienst auf: „Das half allen. Ich habe mich in der Folgezeit nie gescheut, den Kriseninterventionsdienst an Einsatzstellen zu holen.“ Professionelle Hilfe sei wichtig, schließlich gebe es als Feuerwehr „viel Unschönes“ zu begleiten: „Aber wenn jemand Hilfe braucht, dann sind wir da.
Ohne Wenn und Aber. Das gehört dazu.“
Ein Vorteil sei dabei die hervorragende Kameradschaft, die in den Neustädter Feuerwehren herrsche: „Der Zusammenhalt ist toll“, lobt Wölk – der sich diesen Punkt ein Stück weit auch auf die Fahnen schreibt: „Ich bin sehr stolz darauf, dass aus vier Feuerwehren eine geworden ist. Wir sind zusammengerückt, arbeiten hervorragend zusammen und treten auch so auf. Ein Plus ist aber natürlich auch das sehr gute Miteinander mit der Politik: Es macht sich auch in der Truppe bemerkbar, wenn man immer auf dem neuesten Stand der Technik ist.“ Die Stadt habe auch in klammen Zeiten stets dafür gesorgt, dass ihre Feuerwehren gut ausgestattet sind: „Klar mussten wir auch mal auf etwas verzichten. Aber es war ein offenes Miteinander und haben selbst auch keine Forderungen gestellt, die jenseits der Realität sind.“
Nun tritt Wölk von seiner Führungsposition also zurück ins „zweite Glied“ beziehungsweise in die Einsatzabteilung – in der er sich dann gemeinsam mit Tochter Ann-Kristin (22) befindet (deren drei Jahre ältere Schwester Katharina das Reiten der Feuerwehrarbeit allerdings vorzieht). „Das ist kein Problem für mich. Ich bin dann einer der 140“, sagt er und stellt fest, dass er mit 57 Jahren dann „das älteste Schaf der Truppe“ sei. Und das wahrscheinlich noch für ein paar Jahre, denn Wölk – der im vergangenen Jahr auch aus dem närrischen Komitee des VfL zurücktrat – möchte wahrscheinlich verlängern und noch bis 65 für die Sicherheit seiner Mitmenschen sorgen.

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