Die Hymne und ihre Geschichte

Ex-Bundesminister Seiters war zu Gast

Bundesminister a.D. Dr. Rudolf Seiters wirkte einst an der Gestaltung des Hauses der Geschichte mit. In Neustadt sprach er zum Thema „175 Jahre Deutschlandlied“.

von Klaus Böttcher

Neustadt. Wieder einmal ist es Bürgermeister Thomas Groll gelungen, eine eindrucksvolle Jubiläumsveranstaltung mit prominentem Gast auf die Beine zu stellen. Diesmal kam Bundesminister a.D. Rudolf Seiters nach Neustadt, um vor weit über 100 Gästen an die Geburt des Deutschlandliedes vor 175 Jahren zu erinnern.

Der Festredner ließ immer wieder seine Erlebnisse als Spitzenpolitiker während der Wende und andere Anekdoten einfließen. Er berichtete, wie er als Kanzleramtsminister und Bundesinnenminister an der Gestaltung des Hauses der Geschichte in Bonn mitgewirkt habe und kam letztendlich auf Hoffmann von Fallersleben zu sprechen, der das Lied der Deutschen geschrieben hatte. Die Hoffnung auf eine Verfassung sei beim Wiener Kongress 1815 nicht erfüllt worden und es gab 39 Einzelstaaten und freie Städte im Deutschen Bund. Viele Menschen hätten jedoch eine nationale Einheit herbeigesehnt, so auch August Heinrich Hoffmann von Fallersleben.

Dieser sei verärgert gewesen, nachdem auf der Schiffsfahrt zur Insel Helgoland die französische und die englische Hymne gespielt wurden – aber keine Deutsche. Und so habe er in diesem Sommerurlaub des Jahres 1841 das dreistrophige Lied der Deutschen geschrieben.

Hoffmann von Fallersleben, der 1874 starb, erlebte den Aufstieg seines Liedes zur Nationalhymne nicht mehr. Zeitweise wurde sie außer Kraft gesetzt

und durch andere Lieder ersetzt. Im Jahr 1952 wurde festgelegt, dass die dritte Strophe als Nationalhymne gesungen werden solle. Allerdings gab es noch Ausreißer: Beim Aufstand in der DDR 1953 und beim Sieg der Fußballweltmeisterschaft 1954 wurde noch spontan die erste Strophe gesungen.

1989 gab es einen besonders emotionalen Moment

Einen sehr emotionalen Moment stellte Seiters besonders heraus: Es war der 9. November 1989 im Deutschen Bundestag. Seiters erhielt das Wort für eine Regierungserklärung, die er telefonisch mit dem in Polen weilenden Bundeskanzler Helmut Kohl abgestimmt hatte. Darin ging es um die vorläufige Freigabe von Besuchsreisen und Ausreisen aus der DDR, ein Schritt von überragender Bedeutung. Es sei einer der emotionalsten Momente in seiner 33-jährigen Mitgliedschaft im Bundestag gewesen, als alle Abgeordneten aufstanden und spontan die Nationalhymne „Einigkeit und Recht und Freiheit“ sangen.

Nach seinem Gastspiel in Neustadt zeigte sich Seiters begeistert von dem Festakt und lobte die musikalische Umrahmung durch das Trio Semplice (Wilfred Sohn, Michael Dippel und Karl-Joseph Lemmer).

IM BLICKPUNKT

Jetzt DRK-Präsident

Dr. h.c. Rudolf Seiters war von 1969 bis 2002 Bundestagsabgeordneter und von 1998 bis 2002 Vizepräsident des Parlaments. Er war Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes von 1989 bis 1991 sowie Bundesminister des Innern von 1991 bis 1993. In dieser Zeit gestaltete er die Deutsche Einheit entscheidend mit. Seit 2003 ist er Präsident des Deutschen Roten Kreuzes.

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