Hochzeiter rattern am Krückeberg – MNZ

Monteure richten oberhalb von Speckswinkel fünf neue Windräder auf
Von Alfons Wieber (0 64 28) 44 88 40 redaktion.mnz@mitteLhessen.de
Neustadt-Speckswinkel . Das erste der fünf zusätzlichen Windkraftanlagen ist gestern auf dem Krückeberg zwischen Neustadt und Specks Winkel fertig gestellt worden. Pünktlich um 9 Uhr hob Kranfahrer Rolf Beckmann aus Hamburg mit seinem 85 Meter hohen Spezialkran das auf dem Boden liegende riesige Rotorblatt an.
„Hier in der Region gibt es solch großen Kräne nicht, deshalb greifen wir beim Aufbau immer auf die Hamburger Spezialfirma zurück“, begründet Michael Rudewig von der Mengsberger Firma „Rudewig Windpower“ , die das Projekt federführend betreut.
Arbeiter eilen herbei und schrauben die stabilen Stehbolzen, die das Windrad mit dem Generator in luftiger Höhe verbinden sollen, in Windeseile ein. „Fertig“, meldet Joachim Gossmann, von der Firma Enercon aus Aurich über Funk an den Kranführer und schon schwebt das dreiblättrige Rotorblatt langsam nach oben.
Etwa bis zur Mitte des Standfußes der Windkraftanlage befindet es sich noch in der Waagerechten, dann wird es langsam in die Senkrechte gedreht und vorsichtig bis zur Spitze des Rotorhauses angehoben. Der Spezialkran der Hamburger Firma hat nämlich zwei Seile, eines ist in der Mitte der Rotornabe, das zweite an der Oberkante des Rotorgehäuses befestigt. Beide können unabhängig voneinander angesteuert werden und ermöglichen damit die Drehung von der Waagrechten in die Senkrechte. „Beim Bau von früheren Anlagen wurde der Rotor zunächst mit nur zwei montierten Blätter hochgezogen, das dritte Blatt wurde oben befestigt“, erklärte Helmut Lampe, Mitbetreiber der Windkraftanlagen auf dem Krückeberg.
M Hilmar Papkes hat in acht Jahren 600 Windräder aufgebaut.
Zwei Arbeiter und zwei Elektriker der Firma Enercon aus Aurich in Ostfriesland sitzen in der nach vorne offenen Rotorgondel und warten schon auf die Ankunft des Rotorblattes. Nach einer halben Stunde ist das Werk vollbracht.
Von oben hört man das Rattern der Schlagschrauber, mit denen die Muttern auf den Stehbolzen befestigt werden. Dieser Vorgang wird bei den Windkraft-Anlagenbauern wie in der Automobilindustrie, wenn Karosserie und Motor zusammenkommen, „Hochzeit“ genannt.
„Glück gehabt, dass es heute relativ windstill ist. Bei Windgeschwindigkeiten über 10 Meter in der Sekunde hätten wir die Aktion abbrechen müssen“, sagt Hilmar Papkes, der den Aufbau vor Ort leitet und über große Erfahrung beim Bau von Windkraftanlagen besitzt. In den acht Jahren, in denen er bei der Auricher Firma beschäftigt ist, hat er schon mehr als 600 Anlagen zusammen mit seinem acht Mann Team aufgebaut. Der Turm war in drei Segmenten bereits in der vergangenen Woche zusammengesetzt worden.
Um sich dem Landschaftsbild anzupassen, ist er stufenförmig von dunkelgrün am Fußende über hellgrün in der Mitte bis weiß an der Spitze farblich abgesetzt.
In rund drei Wochen sollen die Montagearbeiten der fünf zusätzlichen Anlagen vom Typ Enercon E-53, die jede etwa 800 Kilowatt Strom erzeugen sollen, auf dem Krückeberg abgeschlossen sein.
Alle Fundamente sind seit Monaten fertig gegossen und bereit für den Aufbau des Anlagenfußes. Auf dem Parkplatz an der Bundesstraße 454 zwischen Stadtallendorf und Neustadt wartet schon der nächste Mast, in drei Teilen auf großen Anhängern verladen, auf das „Go“ von Bauleiter Hilmar Papkes.

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