Kosten für Großbauprojekte steigen

Nur beim Kultur- und Bürgerzentrum ist alles im Rahmen / Groll zeigt sich trotz fünf Prozent Mehrkosten zufrieden
Von Florian Lerchbacher

Neustadt. 12,5 Millionen Euro steckt die Stadt Neustadt derzeit in Steine und Beton: „Für eine Kommune unserer Größenordnung ein gigantischer Betrag“, weiß auch Bürgermeister Thomas Groll, erinnert aber auch daran, dass jede Menge Fördermittel für die Umsetzung der Projekte in die Stadt fließen und der Bauhof bereits die Kosten durch Eigenleistungen gedrückt hatte. Aber: In den vergangenen Wochen zeigte sich, dass die Gesamtkosten wohl um rund fünf Prozent steigen.
Kein Grund für Groll, die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen. Vielmehr sagt er: „Das erscheint mir doch ein sehr respektables Ergebnis zu sein.“ Und auch die Finanzierung sei angesichts von zwei Millionen Euro an Rücklagen kein Problem. Die Stadt müsse nicht einmal Kredite aufnehmen. Allerdings steht die endgültige Gesamtsumme auch erst fest, wenn die Schlussrechnungen der einzelnen Projekte vorliegen.
Bei ihrem größten Bauprojekt, dem mit rund 6,5 Millionen Euro veranschlagten Neubau des Kultur- und Bürgerzentrums, musste die Stadt bisher keine Nacken- oder Rückschläge hinnehmen: „Hier liegen wir immer noch sowohl im Kosten- als auch im Zeitrahmen“, freut sich Groll.
Der Magistrat beschäftigt sich dieser Tage mit der Miet- und Benutzungsordnung. Anfang November soll das Gebäude fertiggestellt werden. In Kürze findet eine Infoveranstaltung für die karnevalstreibenden Vereine und die Kolpingtheatergruppe rund um Sicherheitsbestimmungen statt: Die Stadt geht schließlich davon aus, dass Corona auch im kommenden Jahr bei Veranstaltungen für Einschränkungen sorgen wird.
Vor dem Gebäude soll der Kirchhainer Hans Schohl übrigens gemeinsam mit Kindergarten- und Grundschulkindern ein Kunstprojekt umsetzen, das Bezüge zu Neustadt hat und den Junker Haus beim Ritt auf dem Ziegenbock zeigt. „Kunst am Bau gehört einfach dazu und wertet ein öffentliches Gebäude auf“, kommentiert Groll und berichtet, dass 30 000 Euro dafür eingeplant seien.
Schohl soll auch auf dem Rathausplatz, der derzeit umgestaltet wird, ein Kunstprojekt umsetzen. Dort wird er auf einer Grünfläche ein Kunstwerk schaffen, das an die in Konzentrationslagern von den Nazis ermordeten jüdischen Mitbürger der Stadt erinnert. Die Kosten in Höhe von 38 000 Euro seien haushalterisch über „Kunst im öffentlichen Raum abgedeckt“, erklärt Groll und berichtet, dass es bei dem 490 000 Euro schweren Rathausplatz-Projekt insgesamt bisher 30 000 Euro an Mehrkosten zu verzeichnen gegeben habe – unter anderem für Statiker, Bodengutachten und Leerrohre, die in den Boden kommen. „In den nächsten fünfzig Jahren wird diesen Platz bestimmt keiner mehr öffnen. Wir schaffen daher jetzt bereits die Möglichkeit, einmal die Heizungen von Rathaus und Nebengebäude zusammenzuführen“, erläuterte Groll. Dafür kommt die Ladestation für Elektrofahrzeuge statt auf den Rathausplatz in die Ritterstraße neben die Trafostation – sonst hätte die Stadt auf der ganzen Strecke die Straße aufbrechen und wieder schließen lassen müssen.
Beim Freibad liegt die Stadt inzwischen über drei Millionen an Nettokosten. Das Plus von derzeit rund 250 000 Euro sei Resultat der höheren Ausschreibungsergebnisse, die wiederum Resultat der gut gefüllten Auftragsbücher der Firmen seien, so Groll. Allerdings müssen auch noch Aufträge mit Kosten von rund 500 000 Euro vergeben werden, sodass der Rathauschef mit weiteren Veränderungen im Vergleich zu den Plänen rechnet. Immerhin sei positiv, dass es gelungen sei, 150 000 Euro Zuschuss für den Wasserspielplatz und die Breitwellenrutsche bei der Region Marburger Land einzuwerben.
„Beim Mengsberger Hallenbad läuft leider nicht alles nach Plan“, gibt der Bürgermeister zu. Die Kosten sind von 325 000 auf 430 000 Euro gestiegen. Die Gründe seien vielfältig – neben den Ausschreibungsergebnissen nennt er vor allem zusätzliche Arbeiten. Beispielsweise sollen auch er Vorraum und die dortigen Toiletten neue Fliesen bekommen, damit ein „rundes Bild“ entsteht, und bei der Wärme- und Wasserversorgung sehe es schlechter aus als befürchtet. „Altbau ist eben Mist“, kommentiert Groll. Beim Anbau eines Mehrzweckraums und eines Büros an den Kindergarten Momberg (mit 390 000 Euro veranschlagt) liegen alleine schon die Rohbauarbeiten mit 130 000 Euro rund 30 Prozent über der Kostenschätzung. Auch dies sei der Marktsituation geschuldet, resümiert Groll, er freue sich aber, dass es bei all den Projekten wenigstens keine Corona-bedingten Verzögerungen gebe.

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