Neustädter bauen ihren Spielplatz selber

Mitmach-Projekt findet vom 27. bis 31. August statt • Belohnung ist ein Einweihungsfest zum Abschluss
ln fünf Tagen wollen Bürger mit fachlicher Unterstützung in der Emil-Rössler-Straße einen Spielplatz bauen. Anfangs herrschte Skepsis, inzwischen wächst der Glaube der Neustädter an das Projekt.
von Florian Lerchbacher
Neustadt. „Wenn wir mit bauen, dann sind wir ja 2022 noch nicht fertig“, lautete Leyla Purwins erster Kommentar, als sie vom Spielplatz-Bauprojekt hörte. Doch je mehr Details sie erfuhr, umso weniger wurden ihre Bedenken. Einen neuen Spielplatz in der Leipziger Straße haben die Neustädter bereits über die „Soziale Stadt“ bekommen, nun soll ein zweiter folgen. Das Besondere: Die Bürger sollen ihn selber bauen – was natürlich voll zum Grundprinzip des Förderprogramms passt, das die Menschen zusammenbringen will. Im Optimalfall rücken die Anwohner während des Bauprojektes ein Stück zusammen und bekommen auch noch einen Ort, wo sie die Gemeinschaft weiter pflegen können.

Früher habe es rund um die Emil-Rössler-Straße drei Spielplätze gegeben, erinnern sich Sandra Ramge und Ual Akin zurück – inzwischen sind es derer null. Lediglich ein paar privat finanzierte Geräte stehen auf einem Platz im Herzen des Wohngebiets – der für einen Spielplatz wie gemalt ist. „Während des ersten Treffens sind bei der Standortfrage auch alle ganz automatisch hierher gelaufen“, sagt betont Quartiersmanagerin Svetlana Nerenberg. Und so soll der Spielplatz auf einer Wiese unter einigen schattenspendenden Bäumen entstehen – mit ausreichend Abstand zur Straße. 40 000 Euro stehen zur Verfügung. Voraussetzung ist, dass die Neustädter selber anpacken und die Spielgeräte bauen und aufstellen – wobei sie Unterstützung von der Alea GmbH aus Marburg bekommen, deren Mitarbeiter seit vielen Jahren partizipative Bauprojekte in ganz Deutschland Umsetzern Bürgermeister, Stadtverordnetenvorsteher, Ortsvorsteher und Erster Stadtrat haben angekündigt, in der Woche vom 27. bis 31. August mit anzupacken. Einige Anwohner haben schon Urlaub eingereicht, um mitmachen zu können. Und Mitarbeiter des Bauhofs werden auch zum Einsatz kommen – vor allem bei den Vorarbeiten.
Als Basis soll Sand als Fallschutz dienen. An Spielgeräten sind bisher eine Nestschaukel, eine Wippe, ein Kletter- und Balancierbereich sowie eine Rutsche vorgesehen. Wobei die Pläne nicht in Stein gemeißelt sind, wie Nerenberg herausstellt: „Während des Bauprozesses kommen schließlich oftmals noch neue Ideen auf, die wir dann aufgreifen können.“ Die Alea-Mitarbeiter würden entsprechendes Material mitbringen, um auch auf plötzliche Veränderungen reagieren zu können. Für Ramge ist beispielsweise essentiell, dass auch eine Sitzgelegenheit am Spielplatz steht, damit die Bewohner Zusammenkommen und gemeinsam Zeit verbringen können.
Sie und Akin haben für die Nachbarschaft einen Flyer mit Infos rund um das Bauprojekt entworfen – den sie nicht etwa einfach in die Briefkästen stecken wollen, sondern ihren Nachbarn in die Hand drücken und für das Projekt sozusagen werben. Als Bauphase ist Montag, 27. August, bis Donnerstag, 30. August, jeweils von 8 bis 18 Uhr (je nach Engagement auch länger in den Abend hinein) vorgesehen. Ziel ist, dass möglichst viele Menschen mit anpacken. Auch Kinder sind willkommen. Und wer sich nicht handwerklich betätigen will, kann die fleißigen Baumeister mit Essen oder Getränken versorgen. Donnerstags nimmt der TÜV dann den Spielplatz ab, damit dieser freitags ab 16 Uhr eingeweiht werden kann – und zwar mit einem großen Fest. Da der Platz unter dem Namen „Weltreise“ läuft, sollen die Anwohner Spezialitäten aus ihren Heimatländern mitbringen. In dem Wohngebiet leben Menschen aus einem guten Dutzend Nationen – für Vielfalt sollte also gesorgt sein.

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