Neustädter Mitteilungsblatt

Starkregen sorgte am 17. Juni für überflutete Straßen und Keller

Fast neun Jahre waren seit dem letzten großen Starkregenereignis in Neustadt vergangen. Am 11. September 2011, dem letzten Tag des großen „Neustadt-Treffens“, gab es ergiebige Niederschläge und eine unter Wasser stehende Innenstadt. Nun war es leider wieder einmal soweit. Am vergangenen Mittwochabend waren in Neustadt kräftige Regenfälle zu verzeichnen und ab 21.30 Uhr hieß es „Land unter“. Der Starkregen – rund 70 1 auf den Quadratmeter in einer
Stunde – sorgte für überflutete Straßen und Keller. Die Freiwilligen Feuerwehren der Kommune waren mit Unterstützung anderer Wehren und des Technischen Flilfswerkes mit knapp 100 Personen unentwegt im Einsatz. Etwa 40 Mal rückten sie zu Flilfeleistungen aus. Schwerpunkt war eindeutig die Kernstadt, aber auch in Speckswinkel gab es Einsätze. Das von Fachbereichsleiter Thomas Dickhaut und Bürgermeister Thomas Groll eiligst herbeigerufene Team vom Bauhof begann nach dem Nachlassen der Niederschläge mit der Entfernung der Schlammmassen in der Marktstraße und der Lehmkaute. Eine Tätigkeit, die die Männer am Donnerstag und Freitag unterstützt von der Freiwilligen Feuerwehr Neustadt-Mitte u. a. in der Mauerstraße und der Schmiedegasse fortsetzten. Bürgermeister Thomas Groll und Erster Stadtrat Wolfram Ellenberg waren ebenfalls vor Ort und führten zahlreiche Gespräche. Im Nachhinein zollte Groll allen Betroffenen hohen Respekt: „Die Hauseigentümer kümmerten sich nicht nur um ihre Gebäude und Grundstücke, sondern halfen auch ihren Nachbarn und regelten auch bei Bedarf den Verkehr. Unverständlich, dass manche Autofahrer die Situation nicht erkennen wollten.“ Auch den Frauen und Männern der Freiwilligen Feuerwehren und des THW sowie dem Team vom Bauhof dankte der Bürgermeister im Interview mit Jochen Schmidt vom Hessischen Rundfunk. Zugleich zeigte er vollstes Verständnis für vereinzelte emotionale Reaktionen der Anlieger. In solchen Ausnahmesituationen seien diese nachvollziehbar. „Neun Jahre haben die Unwetter einen Bogen um Neustadt gemacht und Nachbarkommunen wie Kirchhain heimgesucht. Jetzt waren wir leider wieder an der Reihe“, so Groll, der ankündigte, dass die Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr wie auch in der Vergangenheit kostenfrei für die Betroffenen seien. „Naturgewalten sind nur schwerlich zu bändigen“, stellte der Bürgermeister fest. Er kündigte an, die Ereignisse gründlich zu reflektieren und zu fragen, wo es Verbesserungsbedarf gibt. Dies könnten manchmal durchaus auch kleine Dinge sein. Das Heidental mit rund 90 ha Einzugsfläche sei bei solchen Starkregenereignissen ein Problem für die Innenstadt. „Wir wollen im Rahmen der anstehenden Flurbereinigung wegen des Weiterbaues der A 49 hier Veränderungen in der Bewirtschaftung vornehmen, Hecken pflanzen und über zusätzliche Gräben nachdenken“, kündigte Groll an, dies werde aber noch etwas dauern. Diese Maßnahmen würden nach Auffassung für Verbesserungen sorgen und seien finanziell überschaubar. Kurzfristig wurde bereits veranlasst, dass in den nächsten Tagen zahlreiche Gräben z.T. vorzeitig geräumt („ausgebaggert“) werden.

Trotzdem! – Spielplatzbau in der Hochstruth findet statt

Im April sollte der Spielplatz beim Siedlerheim in der Hochstruth im Rahmen eines partizipativen Projektes von Kindern, Eltern und Großeltern des Wohnquartiers unter fachkundiger Anleitung der Pädagogen (und Handwerker von ALEA) umgestaltet werden. Sollte …, denn Corona kam dazwischen.
Nun heißt das von Bürgermeister Thomas Groll ausgegebene Motto „Trotzdem!“. Vom 10.-14. August 2020 soll das Vorhaben unter Beachtung von Hygieneregeln umgesetzt werden.
„Die Kinder freuen sich schon lange auf ihren neuen Spielplatz. Wir wollen sie nicht enttäuschen. ALEA hat bereits zwei Anlagen unter Corona-Bedingungen gebaut. Das geht, aber halt anders. Daran werden auch wir uns ausrichten“, erläuterte Groll Mitte Juni bei einem Vorbereitungstreffen und erntete Zustimmung von über 20 anwesenden Kindern, Eltern und Großeltern.
Auch der Siedlerbund steht bereit und unterstützt die Aktion. Man wird die Kinder „Trotzdem!“ verpflegen, aber eben die notwendigen Regeln beachten.
„Wir dürfen nicht leichtsinnig werden, aber was verantwortbar ist, wollen wir angehen. An der frischen Luft und mit festen Gruppen ist das Projekt verantwortbar“, betonte der Bürgermeister.
Alle Interessierten hoffen, dass sich in der letzten Woche der Sommerferien genügend kleine und große Helfer einfinden.
Die Stadtjugendpflege ist ebenfalls dann vor Ort und hat das Projekt in ihre Ferienspielaktionen aufgenommen.

Denkmalagentur Marburg-Biedenkopf Regionalbeauftragter des Landes informiert sich in Neustadt (Hessen)

Auf Initiative des Kreisausschusses des Landkreises Marburg-Biedenkopf und in Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden Amöneburg, Kirchhain, Neustadt, Rauschenberg, Stadtallendorf und Wohratal wurde 2018 das Konzept für eine Denkmalagentur entwickelt. Dadurch entsteht für die Bürgerinnen und Bürger der beteiligten Kommunen die Möglichkeit vor Ort, am Objekt oder in Sprechstunden eine kostenfreie Vor-Ort-Beratung und konzeptionelle Unterstützung im Umgang mit ihren Denkmalimmobilien in Anspruch zu nehmen. Die Agentur soll durch die Arbeit an und die Entwicklung von denkmalgeschützten Objekten die Bewahrung und die Akzeptanz historischer Substanz sowie eine zeitgemäße und nachhaltige Nutzung von bestehenden Kulturgütern fördern. Ein positiver Entwicklungseffekt soll in den Kommunen Impulse für Investitionen und Wiederbelebung erzeugen.
Kürzlich informierte sich der Regionalbeauftragte des Landes Hessen für Mittelhessen, Thomas Zebunke, in Neustadt über die Arbeit der Denkmalagentur. Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow und Bürgermeister Thomas Groll stellten gemeinsam mit dem zuständigen Sachbearbeiter Carsten Fehr die Denkmalagentur vor.
Der Bürgermeister verwies darauf, dass es mit Hilfe von Carsten Fehr gelungen sei, das ehemalige katholische Pfarrhaus in der Ritterstraße („Haus Heide“) zu veräußern. Es sei erfreulich, dass die neuen Eigentümer bereits mit weiteren Sanierungsarbeiten begonnen hätten. Nächstes Vorhaben sei es nun, eine Studie über Nutzungsmöglichkeiten für leerstehende Fachwerkgebäude für Auszubildende oder Studierende auf den Weg zu bringen. Dies soll mit Mitteln des Städtebauförderungsprogrammes „Soziale Stadt“ unterstützt werden.

Kommunale Baumaßnahmen schreiten voran – Finanzierung „passt“

Corona bedingte Auswirkungen auf den städtischen Haushalt dargestellt
Erstmals seit Anfang Februar kamen am 17. Juni 2020 die beiden Fachausschüsse der Neustädter Stadtverordnetenversammlung zusammen, um deren Sitzung am 22. Juni vorzubereiten. Um die Corona bedingten Abstandsregeln besser einhalten zu können, fanden die Zusammenkünfte im Historischen Rathaus statt.
Karl Stehl (CDU), der Vorsitzende des Fachausschusses II (Stadtentwicklung, Bauen, Umwelt, Landwirtschaft, Forsten, Soziales und Kultur), zeigte sich erfreut darüber, dass die sitzungslose Zeit nun vorüber sei und man nun endlich wieder kommunalpolitisch aktiv sein könne.
Rene Spatzier wurde von den Ausschussmitgliedern einstimmig zum Nachfolger der langjährigen Schriftführerin Guendalina Balzer gewählt. Spatzier verfügt über Erfahrung als Schriftführer, da er diese Tätigkeit bereits für die ehemalige Festkommission wahrnahm.
Der Fachausschuss befasste sich mit mehreren Magistratsvorlagen und gab hierzu jeweils einstimmige Beschlussempfehlungen für die Stadtverordnetenversammlung ab:
Im Zuge der Aufnahme der Kommune in das Städtebauförderungsprogramm Soziale Stadt wurde 2016/17 ein ISEK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) aufgestellt. Da es nun Überlegungen gibt, den bisher ungenutzten Teil der ehemaligen Ernst-Moritz- Arndt-Kaserne einer gewerblichen Nutzung zuzuführen, muss dieses Papier fortgeschrieben werden. Ansonsten würde das Land keine Zuschüsse für notwendige Erschließungsarbeiten (Wasser, Kanal, Strom usw.) gewähren. Bürgermeister Thomas Groll berichtete von „schleppenden Gesprächen“ mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Aufgrund des aufgerufenen Kaufpreises hält er einen Erwerb durch die Kommune gegenwärtig für unrealistisch. „Die Mehrzweckhalle und den Exerzierplatz konnten wir aufgrund der Verbilligungsrichtlinie letztlich für unter 10.000 Euro erwerben. Nun werden aber für den mittleren Kasernenteil die vom Gutachter ermittelten Beträge aufgerufen“, so Groll. Aber selbst wenn die Kommune nicht Eigentümerin des Geländes würde, hätte das erweiterte ISEK doch für Zuschüsse und weitere Planungen Sinn. Die Kosten für die Studie beliefen sich auf etwa 15.000 Euro, die Hälfte davon wurde vom Land bezuschusst. SPD-Fraktionsvorsitzender Hans-Gerhard Gatzweiler regte an, auch die positiven Wirkungen, die sich die Kommune durch den Weiterbau der A 49 für Gewerbeansiedlungen erhofft, aufzunehmen. Dies gelte für Ansiedlungen sowohl im bestehenden Gewerbegebiet „Am Gelicht“ als auch im möglichen Gewerbegebiet in der Kaserne.
Weiterhin wurde über die Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 34 „Kasseler Straße“ beraten. Hier geht es um den ehemaligen „Forsthof“. Gebäude und Freifläche wurden vor Jahren im Rahmen eines Insolvenzverfahrens versteigert. Der neue Eigentümer plant nun, die Fläche einer Wohnbebauung zuzuführen. Ein Ansinnen, das die Kommune, so der Bürgermeister, unterstützt. Daher habe man den Eigentümer bei zahlreichen Behördenkontakten begleitet. Das nun einzuleitende Verfahren kann insgesamt bis zu zwei Jahren dauern. In Neustadt will das Hamburger Unternehmen ENERPARC zwei größere Photovoltaik-Freiflächenanlagen errichten. Zum einen den Solarpark „Struth“ mit rund 14 Hektar. Das Gelände befindet sich zwischen der Niederkleiner Straße und der Bahntrasse. Zum anderen den Solarpark „Lotterberg“ mit etwa 10 Hektar. Die Gespräche des Unternehmens mit den Grundstückseigentümern, darunter auch die Kommune selbst, sind nach den Worten des Bürgermeisters „fortgeschritten“. Dem Grundsatzbeschluss der Stadtverordnetenversammlung nach Bürgerbeteiligung an den geplanten Anlagen durch den vorgesehenen Einbezug der Energiegenossenschaft Vogelsberg (EGV) Rechnung. Thomas Groll dankte in diesem Zusammenhang Hans-Gerhard Gatzweiler, der sich gemeinsam mit ihm für diese Lösung gegenüber Vorstand und Aufsichtsrat der EGV stark gemacht habe. Beide Kommunalpolitiker sind Mitglieder des Aufsichtsrates. Die Kommune wird durch Pachtzahlungen, Wegeentgelt und mittelfristig Gewerbesteuer ebenfalls von dem Vorhaben profitieren. Gatzweiler verwies darauf, dass die EGV einen Teil der geplanten PV-Anlage „Lotterberg“ erwerben wolle. Es gehe hier um etwa 6 Hektar. Die Genossenschaft wolle dann vorrangig für Neustädter Nachrangdarlehen für etwa eine Million Euro anbieten. Bei einer unterstellten Verzinsung von rund 3 Prozent würden in 20 Jahren 600.000 Euro für Neustädter erwirtschaftet. Der Fachausschuss empfahl in beiden Fällen der Stadtverordnetenversammlung die Aufstellungsbeschlüsse für die notwendigen Bebauungspläne zu fassen. Ausschussmitglied Volker Zinser (CDU) stimmte zwar nicht gegen die Magistratsvorlage, wies als praktizierender Landwirt dennoch auf die hohen Flächenverbräuche an landwirtschaftlicher Fläche hin, die durch die Baumaßnahmen der A 49 und die geplanten Solarparks entstehen.
In jeder Sitzung des Fachausschusses II informiert Bürgermeister Thomas Groll die Ausschussmitglieder und damit letztlich die Öffentlichkeit über den Stand der laufenden großen kommunalen Baumaßnahmen. Eingangs betonte der Rathauschef, dass ihm diese offene Kommunikation besonders wichtig sei. „Transparenz ist bei diesen Investitionen in die Zukunft unserer Heimatstadt für mich von großer Bedeutung. Wir haben diese Projekte gemeinsam auf den Weg gebracht, daher ist es auch selbstverständlich, regelmäßig über den Stand der Umsetzung zu unterrichten“, betonte Groll. So gäbe es bei etwaigen Mehrkosten und möglichen Schwierigkeiten beim Bauverlauf auch keine späteren unliebsamen Überraschungen für die Kommunalpolitiker. Der Bürgermeister verwies noch darauf, dass es bei allen Vorhaben bisher keine coronabedingten Verzögerungen gebe.
Größte Baumaßnahme in der Geschichte Neustadts ist der Neubau des Kultur- und Bürgerzentrums (KuBüZ). Hierfür sind mit der Ausstattung des Gebäudes insgesamt fast 6,6 Millionen Euro veranschlagt. Die Förderquote beläuft sich auf rund 75 Prozent und ist nicht zuletzt dem Einsatz des Bürgermeisters beim Land geschuldet. „Hier liegen wir immer noch sowohl im Kostenrahmen, als auch im Bauzeitenplan“, zeigte sich Groll sehr zufrieden und lobte insbesondere das Planungsbüro Schmidt & Strack aus Alsfeld für seine gute Arbeit und Begleitung. Gegenwärtig laufen Gespräche mit dem Landkreis über eine Nutzung des „KuBüZ“ durch die Volkshochschule und die Martin-von-Tours-Schule. „Unser Ziel ist es, täglich Leben in dem Gebäude zu haben. Daher freuen wir uns auf das Miteinander mit zahlreichen Partnern.“ Groll geht davon aus, dass das Gebäude – Stand heute – Anfang November fertiggestellt sein dürfte. „Wie wir in Zeiten von Corona dann die Einweihung gestalten werden, ist derzeit leider noch völlig offen. Den angedachten großen Rahmen sehe ich aktuell leider eher nicht“, bedauerte der Bürgermeister. Der Magistrat berät gegenwärtig über die Miet- und Benutzungsordnung, was „aufwendig“ sei. Groll hofft, dass das „KuBüZ“, in dem unter andrem das Familienzentrum der Kommune, die städtische Mediathek und das Büro der Bürgerhilfe untergebracht sein werden, ab 2021 trotz Corona und eventueller Einschränkungen rege genutzt wird. In Kürze findet eine Informationsveranstaltung für die karnevalstreibenden Vereine und die Kolpingtheatergruppe mit einem Fachmann über einzuhaltende Sicherheitsbestimmungen statt. Vor dem Gebäude soll ein vom Kirchhainer Künstler Hans Schohl angedachtes Kunstwerk in einem partizipativen Prozess mit Kindergarten- und Grundschulkindern umgesetzt werden. Hierfür sind rund 30.000 Euro veranschlagt. Das Werk wird Bezüge zur Neustädter Sage haben und soll den Junker Hans auf seinem Ritt mit einem Ziegenbock zeigen. „Kunst am Bau gehört einfach dazu und wertet ein öffentliches Gebäude auf. Wir bewegen uns mit knapp 0,5 Prozent der Bausumme am unteren Ende der Empfehlung, die von 0,5-1,3 Prozent reicht“, erklärte der Bürgermeister.
Auch bei der Sanierung und Attraktivierung des Freibades bewegen sich die Arbeiten innerhalb des Zeitrahmens, aber die Kosten haben sich hier doch nach oben entwickelt. Gestartet ist man mit 2,88 Millionen Euro und liegt nun – Stand Mitte Juni – nach Berücksichtigung aller positiven und negativen Faktoren etwa 250.000 Euro über diesem Betrag. Da noch Aufträge mit geschätzten Kosten von
500.000 Euro zu vergeben sind, dürfte es hier aber noch zu Veränderungen kommen. Die Förderquote beläuft sich beim Freibad auf knapp 60 Prozent. Es handelt sich hier – wie beim Hallenbad – um Nettobeträge, da die Kommune die Mehrwertsteuer „ziehen“ kann, denn die Bäder stellen einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb dar. Verantwortlich für die Kostensteigerung sind auch die teilweise deutlich höheren Vergabeergebnisse aufgrund der Auslastung der Firmen. So fallen für die Badewasseraufbereitung über 100.000 Euro mehr an. Außerdem ist ein 50 Jahre altes Freibad nach den Worten des Bürgermeisters wie ein Altbau und man sei daher vor unliebsamen Überraschungen leider nicht gefeit. Bei allen drei Becken mussten die maroden Beckenköpfe abgesägt und erneuert werden. Dies schlägt mit 120.000 Euro zu Buche. „Wenn wir im Vorfeld alles bis ins Kleinste untersucht hätten, wären diese Kosten letztlich auch entstanden und wir hätten das Projekt dennoch umgesetzt. Dafür wäre es aber nötig gewesen, viel Geld für die Begutachtung in die Hand zu nehmen. Das ist dann so doch besser angelegt“, tröstete sich Groll ein wenig. Positiv ist, dass es dem Bürgermeister im Februar gelungen ist, einen 150.000 Euro-Zuschuss für den Wasserspielplatz und die Breitwellenrutsche bei der Region Marburger Land einzuwerben. Der Bauhof hat Demontagearbeiten für etwa 60.000 Euro erbracht und so ebenso zur Eindämmung der Mehrkosten beigetragen, wie positive Ausschreibungsergebnisse bei einigen Gewerken. „Aufgrund Corona ist die Schließung des Freibades in diesem Sommer leichter zu verschmerzen“, stellte Groll fest, der für 2021 auf einen „relativ normalen“ Badebetrieb hofft.
Auch beim Hallenbad läuft leider nicht alles nach Plan. Gegenwärtig liegt man bei geschätzten Gesamtkosten von 430.000 Euro für das Projekt. Bei Beginn ging man noch von rund 325.000 Euro aus. Seitens des Landes gibt es einen Zuschuss von 95.000 Euro zu dem Vorhaben. Kürzlich konnte der Bürgermeister noch 5.000 Euro vom Landkreis für barrierefreies Bauen einwerben. Es sind oder kommen noch Gewerke für etwa 180.000 Euro auf den Markt. Also sind auch hier weitere Steigerungen nicht auszuschließen. Im Mengsberger „Rotkäppchen“-Hallenbad werden die beiden Umkleide- und Sanitärbereiche vollständig erneuert, zwei barrierefreie Toiletten (eine vom Becken aus zugänglich, eine vom Bistro) geschaffen und umfangreiche Arbeiten an der Technik durchgeführt. Die Gründe für die Verteuerung sind vielfältig, hob Thomas Groll hervor. Zum einen seien es erhöhte Ausschreibungsergebnisse, zum anderen Massenmehrungen. So habe man sich etwa im Verlauf des Projektes entschlossen, auch den Vorraum und die dortigen Toiletten ebenfalls neu zu fliesen, damit sich ein „rundes Bild“ ergibt. Weiterhin habe der Schadstoffgutachter empfohlen, auch die Decke im Bistrobereich auszutauschen, da ansonsten regelmäßige Untersuchungen notwendig würden. Grund hierfür sind Ausdünstungen von heute nicht mehr verwendeten Farben, was für Gebäude der 1970er Jahre nicht ungewöhnlich sei. Der Magistrat habe daher den Beschluss gefasst, diese auch im Bistro auszutauschen. Weiterhin seien die Grundleitungen unter der Bodenplatte defekt gewesen, was eine
komplette Neuinstallation nach sich ziehe. Außerdem habe man dort Kanäle gefunden, die nun vergossen werden müssten. Auch seien die Ausgaben für die Wärme- und Wasserversorgung aufgrund des Vorgefundenen Schadensbildes deutlich angestiegen. „Altbau ist eben Mist“, so der treffende Kommentar des Bürgermeisters. Der städtische Bauhof hat sich auch hier eingebracht und Eigenleistungen für etwa 40.000 Euro erbracht, was sich ebenfalls positiv beim Kostenanstieg bemerkbar mache. Gegenwärtig rechnet man mit einer Fertigstellung Ende Oktober, das wäre ein Verzug von etwa vier Wochen.
Bei der barrierefreien Umgestaltung und städtebaulichen Aufwertung des Rathausplatzes können Beobachter den Baufortschritt nun täglich erleben. Mittlerweile verlegen portugiesische Arbeiter Pflaster. Bei dem auf 490.000 Euro (Förderung 400.000 Euro aus dem Kommunalen Investitionsfonds des Bundes) taxierten Projekt belaufen sich die Mehrkosten voraussichtlich auf rund 30.000 Euro,
was unter den gegenwärtigen Voraussetzungen sicher einen „guten Wert“ darstelle, so der Bürgermeister. In diesem Betrag kommen unter anderem notwendige Bodenverbesserungsarbeiten, ein „Unterfangen“ der Treppe mit Beton, Statiker- und Bodengutachterkosten, zusätzliche Leerrohre und Mauerdurchbrüche zum Tragen. „In den nächsten 50 Jahren wird diesen Platz bestimmt keiner mehr öffnen. Wir schaffen daher jetzt bereits die Möglichkeit, einmal die Heizungen von Rathaus und Nebengebäude zusammenzuführen“, erläuterte Groll. Der Bürgermeister hob in diesem Zusammenhang den Einsatz von Fachbereichsleiter Thomas Dickhaut hervor, der sich eng mit Planer und Firma abstimme, um ein „Optimum“ zu erreichen. Auf einer Grünfläche soll, ebenfalls von Hans Schohl, ein Kunstwerk zur Erinnerung an die in den Konzentrationslagern der Nazis ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger entstehen. Die Kosten von etwa 38.000 Euro sind haushälterisch über Kunst im öffentlichen Raum abgedeckt. Zu dem Vorhaben ergaben sich ebenso wie zum Kunstwerk beim KuBüZ keine Einwände aus dem Ausschuss. Die Idee, möglichweise Stolpersteine mit den Namen der ermordeten Neustädter und Momberger Juden vor dem Denkmal einzubringen und diese später vielleicht vor den jeweiligen Häusern zu verlegen, fand Zuspruch. Hans-Gerhard Gatzweiler regte an, hierfür über einen Spendenaufruf nachzudenken. Die geplante E-Ladestation soll nun nicht auf dem Rathausplatz errichtet werden, sondern neben der Trafostation in der Ritterstraße. Grund hierfür ist eine Kosteneinsparung, denn ansonsten müsste von dort bis zum Rathausplatz die befestigte Oberfläche aufgebrochen und wiederhergestellt werden.
Der Anbau eines Mehrzweckraumes und eines Büros an den Kindergarten in Momberg verläuft bisher „im Rahmen des derzeit üblichen“. Der Rohbau liege mit 130.000 Euro etwa 30 Prozent über der Kostenschätzung. Dies sei einzig auf die Marktsituation zurückzuführen. „Das, was wir bis zum Frühjahr nicht erlebten, hat uns nun auch ereilt: Wenige oder gar keine Angebote und teilweise deutlich erhöhte Preise“, stellte Thomas Groll ernüchtert fest. Es sind noch Gewerke für über 100.000 Euro zu vergeben. Das Projekt war mit 390.000 Euro veranschlagt. Die Förderung aus dem Kommunalen Investitionsprogramm des Bundes beläuft sich auf knapp
300.000 Euro. Im Herbst soll der Anbau bezugsfertig sein. Nachdem bereits im Frühjahr Rodungsarbeiten im Bürgerpark stattgefunden haben soll kurzfristig mit den Wegebauarbeiten und einer Teilmöblierung begonnen werden. Im Rahmen der Sicherheitsoffensive KOMPASS setzt eine Firma gegenwärtig zusätzliche Lampen für rund 40.000 Euro. Die bisherigen Ausschreibungen bezeichnete der Bürgermeister als erfreulich gut. Die Baukosten des Vorhabens, das mit über 70 Prozent im Rahmen der Sozialen Stadt gefördert wird, belaufen sich auf über 600.000 Euro. Die Fertigstellung wird für den Spätsommer 2021 erwartet, da in mehreren Bauabschnitten gearbeitet wird.
Nachdem Bürgermeister Thomas Groll über die einzelnen Bauprojekte berichtet hatte, zog er ein Gesamtfazit: „Mit den in unserer Bauherrschaft stehenden Nebenanlagen bei den Straßenbauarbeiten in der Querallee verbauen wir gegenwärtig über 12,5 Millionen Euro in Neustadt. Dies ist für eine Kommune unserer Größenordnung ein gigantischer Betrag. Nimmt man alle Maßnahmen zusammen, dann dürfte sich nach derzeitigem Stand die Kostensteigerung nach Abzug von Eigenleistungen und zusätzlichen Fördermitteln am Ende auf etwa 5 Prozent bezogen auf alle Projekte belaufen. Dies erscheint mir doch ein sehr respektables Ergebnis zu sein. Endgültiges wissen wir natürlich erst nach Prüfung aller Schlussrechnungen. Da wir noch über Rücklagen in Höhe von knapp 2 Millionen Euro verfügen, passt auch die Finanzierung. Aufgrund unserer investiven Großprojekte müssen wir keine Kredite aufnehmen. Wenn es nicht die Corona bedingten Einnahmeeinbrüche geben würde, ginge es uns wirklich gut. So müssen wir uns aber wieder neuen Herausforderungen stellen.“ Der Bürgermeister bezeichnete es als Glücksfall, dass für die „Leuchtturmprojekte“ frühzeitig erhebliche Fördermittel eingeworben werden konnten.
Die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen für die überplanmäßigen Voraussetzungen soll die Stadtverordnetenversammlung im IV. Quartal fassen. Dann, so Bürgermeister Thomas Groll, habe man einen viel genaueren Überblick als heute.
Auf die Frage des FWG-Fraktionsvorsitzenden Karsten Gehmlich, ob die Verwaltung diese immense Arbeit bewältigen könne, antwortete der Bürgermeister, dass dies eine große Herausforderung sei, die ohne Zweifel zu Arbeitsspitzen führe. Da es auch noch längere Krankheitszeiten gegeben habe, seien die Mitarbeiter an der Kapazitätsgrenze angelangt. Groll bat daher um Verständnis, dass nicht jedes kleinere Anliegen unmittelbar behandelt werden könne. „Wir müssen als kleine Verwaltung Prioritäten setzen“, so der Bürgermeister. Gleiches gelte für den Bauhof. Wenn dieser Eigenleistungen von 100.000 Euro erbringe, fehle der Personaleinsatz an anderen Bereichen. „Es sind besondere Jahre für uns, da müssen wir durch. Ich hoffe, dass es dann wieder etwas ruhiger wird und danke allen Mitarbeitenden für ihren Einsatz“, schloss der Rathauschef.

Extremer Starkregen sorgt erneut für Großschadenslage in Neustadt (Hessen)

Großeinsatz für die Feuerwehren der Stadt und des Landkreises Marburg-Biedenkopf
Mehrere Warnungen kündigten bereits am späten Nachmittag des vergangenen Mittwochs (17.6.2020) an, was Neustadt schon viele Male heimgesucht hat. Nachdem ein Unwetter mit Starkregen über Teile des Landkreises hinweg gezogen war, suchten sich große Mengen Regenwasser den Weg bergab in Neustadts Innenstadt. Wieder einmal mehr war hier der Bereich rund um den Weidenbrunnen am stärksten betroffen.
Zum ersten Hochwassereinsatz, allerdings in der Leipziger Straße in Neustadt, alarmierte die Zentrale Leitstelle Marburg-Biedenkopf die Kernstadtwehr gegen 21:45 Uhr. Hier stand eine Wohnung unter Wasser.
Nachdem sich die Anrufe bei der Leitstelle aufgrund ähnlicher Szenarien an anderen Stellen in Neustadt häuften und die Regenfälle zudem nicht aufhörten, wurde durch die Einsatzleitung gegen 22:30 Uhr die Feuerwehr aus Neustadt-Momberg, sowie die Örtliche Technische Einsatzleitung (ÖTEL), die bei Großschadenslagen die Koordination der Einsatzstellen übernimmt, nachalarmiert.
Nachdem die Wassermassen aus Richtung Momberg und Speckswinkel auch durch das Feuerwehrgerätehaus in der Lehmkaute flössen, wurde gegen 22:50 Uhr Großalarm für alle Feuerwehren der Stadt Neustadt ausgelöst. Ebenfalls wurde aufgrund des sich herausstellenden Ausmaßes überörtliche Hilfe angefordert.
Hierzu machten sich Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr Dautphetal-Holzhausen und Gladenbach-Erdhausen mit den Hochwasserkomponenten des Landkreises auf den Weg zum Landratsamt nach Marburg. Hier traf man sich zusammen mit dem Technischen Hilfswerk (THW) aus Marburg, die mehrere hunderte Sandsäcke sowie Wassersauger an Bord hatten, um unter Leitung eines Kreisbrandmeisters im Verband nach Neustadt zu fahren. Weiterhin wurden Einsatzkräfte der Feuerwehren aus dem Ebsdorfergrund alarmiert, die den Grundschutz in Neustadt sicherstellen sollten. Dies dient dazu, dass im Falle weiterer Einsätze (wie bspw. Feuer oder Verkehrsunfällen) dafür vorgesehene Einheiten einsatzbereit bleiben. Aufgrund der Einbindung an den zahlreichen Einsatzstellen im Stadtgebiet hätten die Neustädter Feuerwehren dies so nicht mehr umsetzen können.
Weiterhin sorgte man hier auch im Falle von Gefahrguteinsätzen vor, die bei Hochwassereinsätzen durch austretendes Heizöl Vorkommen können.
Unter der Leitung von Stadtbrandinspektor Frank Bielert waren somit ca. 100 Einsatzkräfte der Feuerwehren Neustadt-Mitte, Mengsberg, Momberg, Speckswinkel, Dautphetal, Gladenbach, Ebsdorfergrund und vom THW bis in die frühen Morgenstunden im Einsatz. Die Einsatzleitung wurde dabei durch den Führungsdienst des Landkreises unterstützt.
Nach und nach konnten im Laufe der Nacht die Einheiten der überörtlichen Hilfe wieder aus dem Einsatz herausgelöst werden. Die letzten Einsatzkräfte aus Neustadt konnten schlussendlich gegen 5:00 Uhr Feierabend machen.
Die Einsatzstellen erstreckten sich dabei über die Talstraße, Lehmkaute, Kleine Brunnenstraße, Heidenbrunnen, Ringstraße, Marktstraße, Mühlenstraße und Mauerstraße, in der Innenstadt. Weiterhin waren die Leipziger Straße, Freiherr-vom-Stein Straße und Hochstraße in Neustadt betroffen. Weitere Einsatzstellen galt es in Speckswinkel und Momberg abzuarbeiten.
Der Feierabend der Neustädter Einsatzkräfte war allerdings nicht von langer Dauer. Bereits um 08:00 Uhr forderte der städtische Bauhof Unterstützung durch die Feuerwehr an. Hier unterstützten die Einsatzkräfte unter Leitung des Zugführers Sebastian Schäfer bei der Beseitigung der Schlammmassen und Reinigung der Fahrbahn im Bereich der Lehmkaute und Innenstadt.
Insgesamt wurden im Laufe des 17.6. und 18.6.2020 so rund 40 Einsätze abgearbeitet.
Bei der Abarbeitung der zahlreichen Einsätze haben sich auch die über die vergangenen Jahre hinweg angeschafften Ausrüstungsgegenstände bewährt.
Zur Grundreinigung der verwendeten Schläuche und Gerätschaften, sowie der persönlichen Schutzausrüstung traf man sich bereits am frühen Abend wieder im Feuerwehrhaus in Neustadt, um die vollständige Einsatzbereitschaft wiederherzustellen.

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