Die „Wandelbar“ wandelt sich

Beliebter Treffpunkt soll nach Ausscheiden des Trägers ans Familienzentrum angedockt werden
Von Florian Lerchbacher

Neustadt.
Ein letztes Mal in diesem Jahr war am Mittwochabend Neustadts beliebte „Wandelbar“ geöffnet – ein soziales Projekt, das seit einigen Jahren die Bürgerinnen und Bürger zusammenbringt. Die Idee kam während der Corona-Zeit auf, als Treffen nur bedingt möglich waren und eine Lösung gefunden werden musste, um im Freien zusammenzukommen. Damals wurde die Idee für ein mobiles Caféhaus geboren.
Es entstand als Netzwerk-Projekt, an dem neben dem Familienzentrum und dem Sozialteam von Hephata noch das Quartiersmanagement und die Jugendarbeit mitwirkten. Dessen Mitarbeitende stammten vom Marburger Verein zur Förderung bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit (bsj) – ebenso wie Martin Methfessel von der Gemeinwesenarbeit, der damals gemeinsam mit Geflüchteten den Bauwagen zum mobilen Café umbaute. Die Finanzierung erfolgte über den Verfügungsfond, in dem Mittel von Bund, Land und Stadt steckten, sowie über den Verein.

Andocken ans Familienzentrum

Methfessel ist inzwischen in Rente, zudem enden mit dem Jahr 2025 auch das Quartiersmanagement sowie die Jugendarbeit unter Federführung des bsj. Was passiert also mit der „Wandelbar“? „Sie bleibt in Neustadt“, erklärt Annika Schlüter, die als Mitarbeiterin von Gemeinwesenarbeit und später Quartiersmanagement über viele Jahre ein zentrales Gesicht des mobilen Cafés war. Zunächst sei geplant, dass Corina Zabel und Anne Baum von der Gemeinwesenarbeit – um die sich der bsj noch ein Jahr lang kümmert – das Angebot in „leicht reduziertem Umfang“ weiterführen. Dann sei angedacht, es an das Familienzentrum anzudocken. „Ich hoffe, die Wandelbar wird weiter genutzt und wird auch weiterhin Vereinen zur Verfügung gestellt, denn sie ist sehr beliebt“, hofft Schlüter.

Für sie selbst heißt es nun nach zehn Jahren Tätigkeit in Neustadt Abschied nehmen von der Stadt, was sie ein bisschen wehmütig macht: „Aber ich schaue auch mit viel Freude zurück. Ich hatte in Neustadt viele Möglichkeiten, durfte viel aufbauen und zur Entwicklung beitragen. Und es hat sich auch vieles verändert und Strukturen sind gewachsen.“ Und das sei ja auch eine Idee des Programmes „Sozialer Zusammenhalt“: Dinge anstoßen, auf den Weg bringen – und sich dann, wenn sie am Laufen sind, zurückziehen.

Und das hat geklappt, wie Mathilde Bradt vom „Team Heizhaus“ bestätigt: In der Leipziger Straße ist aus einem ehemaligen Heizhaus eine Art Treffpunkt geworden, in dem es einen Bücherschrank und eine Tauschbörse gibt. Die ersten Schritte ging das Team mit Svetlana Nerenberg, die weiteren mit Schlüter. Inzwischen finden dort Veranstaltung wie Sommer- oder Kürbisfeste statt – die auch beibehalten werden sollen. Allerdings, so stellt Bradt heraus, brauche das Team noch Verstärkung: am liebsten junge Menschen, um die Altersstruktur zu durchmischen. Und Annika Schlüter werde sie natürlich vermissen: vor allem die guten und konstruktiven Gespräche – auch über kontroverse Themen.

Ein Jahr lang wird der bsj – nach fast 15 Jahren Tätigkeit in der Stadt – noch in Neustadt vertreten sein. Dann beginnt eine neue Förderperiode bei der Gemeinwesenarbeit – ob die Stadt diese selbstständig mit eigenem Personal übernimmt oder weiter auf einen freien Träger setzt, muss noch entschieden werden. Der bsj jedenfalls werde nicht mehr dabei sein, sagt Geschäftsführerin Monika Stein auf Nachfrage der OP: Denn ohne Quartiersmanagement und ohne Zuständigkeit für die Jugendarbeit (diese macht die Stadt künftig selbst) fehle die Verzahnung. Eine ganzheitliche Gemeinwesenarbeit ist also aus ihrer Sicht nicht mehr möglich.

Kein Grund für Endzeitstimmung

Endzeitstimmung müsse aber nicht aufkommen, betont sie und verweist darauf, dass in der Gemeinwesenarbeit für das kommende Jahr bereits einiges geplant werde. Vor allem der Begegnungsgarten in der Justus-Liebig-Straße solle (unter anderem durch die Wandelbar) belebt werden, berichtet Zabel: Dort gehe es ab den Osterferien weiter.

Zudem sei beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Kita in der Allee ein Mutter-Kind-Projekt geplant. In Kooperation mit dem Dienstleister in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung sollen des Weiteren Kochabende stattfinden, um bei Essen aus unterschiedlichen Ländern die Menschen in Neustadt zusammenzubringen.

Zudem finde ab dem 13. Januar 2026 wieder immer dienstags von 14 bis 17 Uhr ein „Flick Café“ im Begegnungstreff in der Marktstraße statt: „Und wir wollen die Wandelbar renovieren – hoffentlich mit Menschen aus dem Quartier.“