Dunkle Wolken überm „Sonnenschein“

Stadt Neustadt muss nach Wasserschaden gesamten Kita-Betrieb auslagern

Von Florian Lerchbacher

Neustadt.

Nun also doch: Die Kindertagesstätte „Sonnenschein“ muss eine Zeit lang geschlossen bleiben, und die mehr als 130 Kinder aus den sechs Gruppen müssen alle in andere Gebäude ausweichen. Ursprünglich hatte die Stadt Neustadt nach Entdecken des massiven Wasserschadens noch gehofft, parallel zu den Sanierungsarbeiten zumindest einen Teil des Betriebes im eigentlichen Haus in der Eichsfelder Straße aufrechterhalten zu können – doch dann gab es in der vergangenen Woche gleich zwei schlechte Nachrichten.

Eine Warmwasserleitung war im vergangenen Jahr gebrochen. Wie viel Wasser damals genau austrat, ließ sich nicht herausfinden. Doch die Auswirkungen waren erheblich – und nicht nur riech-, sondern auch sichtbar. Angesichts der Durchfeuchtungen und Schimmelspuren gab es zwischenzeitlich sogar die Befürchtung, dass ein Neubau unumgänglich sei.

Doch dann hieß es zunächst, dass eine Sanierung im laufenden Betrieb möglich ist und nur zwei Gruppen (die Pinguine und die Bienen) in den Pavillonbereich der Waldschule ausweichen müssen. Die Enten sollten im Mehrzweckraum Unterschlupf finden, während Rückbau-, Demontage-, Reinigungs-, Trocknungs- und später Wiederherstellungsarbeiten stattfinden.

Erst zwei, dann drei, dann sechs

Schon im Dezember 2025 habe sich dann gezeigt, dass auch der Mehrzweckraum betroffen sei und auch die Enten das Gebäude verlassen müssen, sagt Bürgermeister Thomas Groll und berichtet, dass kurz vor Weihnachten und zum Jahreswechsel noch einmal Proben genommen wurden – deren Ergebnisse nun bei der Stadt eintrafen. Diese hätten dann gezeigt, dass die Schadstoffkonzentration bei Schimmel und Bakterien noch einmal gestiegen sei. „Wir hielten es für angezeigt, schnell zu reagieren und haben das Gebäude in der vergangenen Woche sofort geschlossen. Wir messen dem Gesundheitsschutz große Bedeutung bei, daher haben wir so entschieden“, sagt Groll und betont, dass die Stadt schon seit Bekanntwerden der ersten Schäden in stetigem Austausch mit dem Gesundheitsamt und dem Fachdienst Frühe Kindheit und Familie des Landkreises sei.

Kita war zwei Tage lang komplett zu

Leichter gemacht hat der Stadt die zweite schlechte Nachricht, die in der vergangenen Woche eingetrudelt war: Es hatte sich gezeigt, dass der Wasserschaden größer als befürchtet und der weitgehende Teil des gesamten Fußbodens in dem rund 600 Quadratmeter großen Gebäudes betroffen ist. „Es muss also fast der ganze Estrich entfernt werden. Somit wäre der ursprünglich vorgesehene Weiterbetrieb ohnehin nicht möglich gewesen“, so Groll.

Am 15. und 16. Januar war der „Sonnenschein“ daher komplett geschlossen. In dieser Woche bietet die Stadt für die Katzen-, die Igel- und die Hasengruppe in den Räumen der Kindertagesstätte „Regenbogen“ eine Notbetreuung mit 25 Plätzen an (Pinguine, Bienen und Enten sind ja bereits in ihrer Ausweichunterkunft).

Parallel dazu richten die städtischen Hausmeister mit Unterstützung des Bauhofs und einigen Kitamitarbeiterinnen die Ausweichunterkunft für Katzen, Igel und Hasen ein. Diese finden „An der Ziegelei“ in den Räumen von Arte Care (ehemals Menetatis beziehungsweise der erste Unterschlupf des „Tagwerks“) ein neues Zuhause.

Nun heißt es in der Kita: improvisieren

„Die Räume stehen leer und sind neuwertig“, hebt Groll hervor. Natürlich seien sie aber nicht auf den Betrieb einer Kindertagesstätte ausgerichtet, wodurch einige Anpassungen und Veränderungen notwendig werden.

Aber ebenso wie das Außengelände werde die Stadt alles „zurechtbasteln“. Das sieht auch Irina Wiens vom Leitungsteam des „Sonnenschein“ so: Es gelte nun eben, etwas zu improvisieren und das Beste aus der Situation zu machen. „Aber wir sind flexibel und blicken zuversichtlich nach vorne.“ Er sei sich bewusst, dass die Situation eine besondere ist und eine Herausforderung von Kindern, Eltern und Erzieherinnen darstelle, kommentiert Groll. „Aber gemeinsam werden wir es meistern“, sagt er und freut sich, dass die Reaktionen der Eltern von Verständnis geprägt seien.

Wie hoch der Schaden insgesamt sei und wie lange die „Auslagerung“ der Kita dauere, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Die Stadt wolle die Sanierungszeit aber nutzen, um noch zusätzliche Veränderungen an dem mehr als 50 Jahre alten Gebäude vorzunehmen. Die Kosten für die Auslagerung trage der Versicherer, berichtet er: zumindest bis zu einer Höhe von 150.000 Euro.