Neustädter Mitteilungsblatt

Zeitreise durch Neustadts Geschichte begeisterte zahlreiche Besucher

Zeitreise durch Neustadts Geschichte begeisterte zahlreiche Besucher

Am 30. Mai 2026 um 14 Uhr erlebten die Teilnehmer der diesjäh­rigen Kostümstadtführung der NeuSTADT Guides eine rundum gelungene Reise durch die Geschichte Neustadts. Bei bestem Wet­ter begaben sie sich gemeinsam mit den Erzählern Hans-Werner und Andrea Sollorz auf einen abwechslungsreichen Spaziergang durch mehrere Jahrhunderte Stadtgeschichte.
Die Teilnehmer wurden auf eine Zeitreise mitgenommen, die sie von den Anfängen Neustadts über die Zeit des Junker Hans von Dörnberg bis hin zur Gründung einer Bürgergarde führte. Auf dem Weg durch den Bürgerpark erhielten sie bereits interessan­te Einblicke über die Wüstungen rund um Neustadt. Die erste Begegnung mit den Stationen, die die NeuSTADT Guides vor­bereitet hatten, fand mit zwei Marktfrauen (Sonja und Marlene Stark) aus dem frühen 19. Jahrhundert statt, die mit viel Witz und Charme aus ihrem Alltag berichteten. Anschließend traf die Gruppe auf einen Unter­leutnant (Sebastian Hen­kel) und einen Gardisten (Andreas Schönberg) der Neustädter Bürgergarde um 1840, die Einblicke in ihre Pflichten und das damalige Bürgerleben gaben. Am historischen Ern-Tennen-Haus, erfuhren die Teilnehmer Wissenswertes über die Wohn- und Lebensverhältnisse vergangener Jahrhunderte. Besonders für Heiterkeit sorgte dabei die anschließende Szene zum Thema Hygiene im Mittelalter. Als eine Hausbewohne­rin (Miranda Faber) kurzerhand ihren Nachttopf aus dem Fenster auf die Straße entleerte, waren viele Gäste zunächst überrascht, bevor herzliches Gelächter auf­kam. Die humorvolle Darstellung machte eindrucksvoll deutlich, unter welchen Bedingungen die Menschen damals lebten. In der Scheune des Ern-Tennen-Hauses zeigte der Erzähler (Hans-Werner Sollorz) Bilder aus vergangenen Zeiten und wusste so einiges zu berichten.
Vor der Pfarrkirche führte die Reise weiter in die Zeit der Reformation um 1530. Ein katholischer Pfarrer (Jakob Krapp) schilderte eindrucksvoll die Unsicherheit und den Wandel jener Jahre, als die neue Lehre Martin Luthers auch in Neustadt Einzug hielt und alte Gewohnheiten ins Wanken gerieten.
Auf dem Marktplatz begegneten die Besucher anschließend zwei Marktfrauen (Marion Hill, Miranda Faber) des 16. Jahrhunderts, die über Hexen glauben, Gerüchte und vermeintliche Hexerei tuschelten. Mit viel Spielfreude machten sie deutlich, wie schnell Verdächtigungen damals entstehen konnten und welche Folgen dies für die Betroffenen hatte.

Vor dem Rathaus trat schließlich der Bür­germeister (Holger Michel) der Stadt auf.
. Er berichtete vom verheerenden Stadtbrand des Jahres 1556, vom Wiederaufbau Neustadts und von den Heraus­forderungen jener Zeit. Dabei spannte er den Bogen von den reli­giösen Um­brüchen bis hin zu den Hexenverfolgun­gen und der Entwicklung der Stadt nach der Reformation.
Den Höhepunkt der Führung bildete die Station am Junker- Hansen-Turm. Dort begegne­ten die Gäste dem mächtigen Hans von Dörnberg (Matthias Mix), seinem Baumeister Hans Jakob von Ettlingen (Markus Mix) und schließlich sogar dem Teufel (Tobias Sollorz) persönlich. Die humorvolle und zugleich spannende In­szenierung rund um den Bau des Turmes und die bekannten Neustädter Sagen sorgten für viele Schmunzler und begeis­terte Reaktionen. Auch im Inneren des Turmes wartete der Teufel mehrfach auf die Besucher und berichtete auf amüsante Weise von seinen angeblichen Diensten für den ehrgeizigen Junker.
Die Resonanz der Gäste fiel durchweg positiv aus. Beson­ders erfreulich war, dass Be­sucher nicht nur aus Neustadt und der Region, sondern sogar aus der Gegend von Braunschweig angereist waren. Diese zeigten sich begeistert von der Veranstaltung und betonten, dass es in Deutschland viele schöne Regionen und interessante Angebote gebe. Gerade Gästeführungen seien eine wunderbare Möglich­keit, immer wieder Neues zu entdecken und Geschichte lebendig zu erleben.
Auch die Darstellerinnen und Darsteller der NeuSTADT Guides hatten sichtlich Freude an ihren Rollen und begeisterten das Pub­likum mit großem Engagement und viel Liebe zum Detail.
Zum Abschluss luden die Gästeführer alle Teilnehmer zu Kaffee und Kuchen in das historische Rathaus ein. In gemütlicher At­mosphäre konnten sie die Eindrücke der vergangenen Stunden noch einmal Revue passieren lassen. So endete die Reise durch die Geschichte Neustadts nicht nur informativ und unterhaltsam, sondern auch mit vielen netten Gesprächen und einem geselligen Beisammensein.
Die NeuSTADT Guides bedanken sich bei allen Mitwirkenden, Helferinnen und Helfern sowie bei den zahlreichen Gästen und freuen sich bereits auf kommende Veranstaltungen.

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Neustädter Mitteilungsblatt

522. Trinitatis-Kirmes

Welches Wetter ist denn nun zur Neustädter Kirmes ideal? Der eine wünscht sich Sonnenschein, ein anderer ist hingegen schon zufrieden, wenn es nicht regnet und ein Dritter hofft auf ein kühlendes Lüftchen beim Festzug. So unterschiedlich sind also die Erwartungen. Letztlich muss man es aber so nehmen, wie es kommt… auch 2026, wo von allem etwas dabei war. Viele dürften sich in diesem Zu­sammenhang noch an einen Ausspruch des langjährigen Festausschussvorsitzenden Ludwig Dippel erinnern, der mehr als einmal gesagt hat, dass der Wettergott, wenn es darauf ankomme, doch ein Neustädter sei. Auch dies hat sich in diesem Jahr bewahrheitet.

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Neustadt feiert sich die Sonne herbei

Tausende beim Höhepunkt der 522. Trinitatis-Kirmes: Bunter Festzug schlängelt sich durch Straßen / Kritik am Ende
Von Nadine Weigel

Neustadt.
Da waren sie aber alle ganz schön erleichtert: Nachdem es am Morgen wie aus Eimern geschüttet hatte, verzog sich die Regenfront entgegen aller Prognosen pünktlich zum Festzug.
Kein Wunder, Neustadt feiert sich traditionell die Sonne herbei – und das seit mehr als einem halben Jahrtausend. Dementsprechend fand auch der Festzug der 522. Trinitatis-Kirmes am Sonntag bei bestem Wetter statt. Mehr als 40 Gruppen, Vereine und Initiativen zeigten mit prächtig geschmückten Wagen, fantasievollen Kostümen oder einfach nur gut gelaunt, wie bunt und vielfältig Neustadt ist.

„Immer wieder schön“, urteilten die Besucher am Straßenrand. Lediglich die Tatsache, dass bereits unmittelbar nach der letzten Zugnummer der Verkehr wieder fließen konnte, sorgte für Unmut bei vielen. Denn während bereits die ersten – zum Teil ungeduldigen – Autofahrer durch die Marktstraße drängten, war diese noch mit hunderten Menschen bevölkert. „Das ist doch gefährlich mit den Kindern, die Straße hätte man ruhig noch 20 Minuten gesperrt lassen können“, so eine Anwohnerin.

Bürgergarde sitzt auf dem Trocknen

Kirmes-Eröffnung in Neustadt: Louis Henkel ist der neue Junker Hans
Von Florian Lerchbacher

Neustadt.
Das älteste Volksfest des Landkreises Marburg-Biedenkopf hat begonnen – und mit einer nicht ganz so alten Tradition gebrochen: Seit Jahren ist es üblich, dass die Bürgergarde nach dem feierlichen Anstich das erste Fass Bier verarzten darf. Ausnahmen bestätigen die Regel – wie im vergangenen Jahr, als die Feuerwehr die schäumende Leckerei erhielt. Und dieses Mal kam es auch wieder alles anders. Felicitas Trebes-Börner, seit mehr als 20 Jahren Sitzungspräsidentin der Sankta-Maria-Fastacht und noch an vielen anderen Stellen ehrenamtlich tätig, durfte unter Anleitung von Christian Dörnigmann von der Licher-Brauerei die ehrenvolle Aufgabe des Fassanstichs übernehmen.
Im Nu floss der Gerstensaft: Zunächst in die „offiziellen Kehlen“, danach in jene des Sankta-Maria-Komitees und der Biedermeierdamen, denen Trebes-Börner seit ihrer Gründung angehört – und die an die Bürgerwehr angedockt sind. Somit könnten die Gardisten unter Umständen Gnade walten lassen und Bürgermeister Thomas Groll im nächsten Karneval bei der Rathaus-Erstürmung gegen die Närrinnen und Narren unterstützen. Vielleicht. Denn der Bürgermeister vergaß auch noch, die Bürgerwehr ihren ersten Salutschuss abfeuern zu lassen. Doch Neustadt ist bereits in Feierlaune. Und so übte sich Hauptmann Andreas Gnau in Vergebung und Humor.

Eröffnung mit ökumenischen Gottesdienst

Apropos Humor: Die Eröffnung des Kirchweih-Festes begann, auch das ist seit einigen Jahren Tradition, mit einem ökumenischen Gottesdienst, den Pfarrerin Kerstin Kandziora und Pfarrer Andreas Rhiel hielten. Und die beiden Geistlichen waren dabei auch noch witzig: Kandzira suchte die Reihen der Gläubigen mit dem Fernglas ab und hielt auch noch nach „ihrer“ evangelischen Kirche Ausschau, während Rhiel gespielt auf dem Altar zusammensackte. Den musikalischen Rahmen gestalteten die Trinitatis-Bläser und der evangelische Kirchenchor – und im Anschluss, zwischen den anderen Programmpunkten, die „Coronas“.

Die Moderation des Abends hatte Bürgermeister Thomas Groll übernommen. Er erinnerte daran, dass Hans von Dörnberg (dessen 600. Geburtstag im kommenden Jahr gefeiert wird) von 1502 bis 1504 die katholische Stadtkirche Neustadts hatte bauen lassen.

Keine Fischbrötchen auf dem Festplatz

„Bei der Besinnung auf die Historie erkennt man, wie alt unser Heimatfest nun schon ist. Weder Kriege noch Pandemien ließen die Trinitatis-Kirmes untergehen. Es liegt an uns, ob wir den kommenden Generationen bloß Asche oder tatsächlich das Feuer weitergeben“, sagte Groll, der auch noch eine schlechte Nachricht hatte: Auf dem Festplatz gibt es in diesem Jahr keine Fischbrötchen.

Danach würdigte er Thomas Schmid, der alljährlich mit Unterstützung von Karla Schulze den Neubürgertrunk moderiert – vornehmlich aber 30 Jahre lang in Neustadt als Allgemeinmediziner wirkte und in wenigen Wochen in den Ruhestand geht. Schmid hieß anschließend zwei Neu-Neustädter willkommen. Zum einen Christine Kaufmann, die nach einer Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau jetzt in einem KFZ-Meisterbetrieb in Stadtallendorf arbeitet, Eulen sammelt und gerne Möbel restauriert und im Garten arbeitet. Zum anderen Tobias Geißel, einen Logistikmanager der Sparkasse Schwalm-Eder, der mit Ehefrau Ricarda (geborene Hill) zwei Kinder hat, bei den „Gassejongen“ der Kolpingfamlie mitsingt und das Neustädter Blasorchester dirigiert. Als Höhepunkt lüftete die Stadt das Geheimnis der Nachfolger von Nick Streichert, Natalie Walz und Antonia Huber als Junker Hans und Burgfräulein: Das nächste Jahr lang verkörpert Louis Henkel (18) die Symbolfigur Neustadts. Unter anderem spielt er Fußball beim VfL und gehört zum Elferrat der Kolpingfamilie.

Ihm zur Seite stehen die Burgfräulein Marie Pfab (19) und Melina Wesseler (18). Beide tanzen in der Roten Garde des Frauenvereins. Marie unterstützt ihren Vater und ihren Bruder (der 2023/2024 Junker Hans war) bei der Pflege des „Waldstadions“. Melina steht aktuell vor dem Abitur.

Die eigentliche Kirmes findet von Freitag, 29. Mai, bis Montag, 1. Juni, statt. Alljährlicher Höhepunkt ist der bunte Festumzug am Sonntag durch Neustadts Straßen (Beginn 14 Uhr).

Neustädter Mitteilungsblatt

Schäden in der KiTa „Sonnenschein“ besichtigt

Im Rahmen eines Vor-Ort-Termins machten sich der Magist­rat und die Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD und FWG ein Bild über das Schadensausmaß in der Kindertagestätte „Sonnen­schein“ in der Eichsfelder Straße.
Hier war Anfang September 2025 ein Wasserschaden – Bruch einer Warmwasserleitung in einem Bad – entdeckt worden, der zu
erheblichen Schäden in verschiedenen Räumen, einhergehend mit Schimmelbildung, geführt hatte.
Die Verwaltung stand bei der Bewertung des Schadens und den daraus zu ziehenden Folgerungen in engem und regelmäßigem Kontakt mit dem Fachdienst Frühe Kindheit und dem Gesund­heitsamt des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Zunächst wur­den im November letzten Jahres drei Gruppen der KiTa in das Pavillongebäude der „Waldschule“ ausgelagert. Die restlichen drei Gruppen sind seit Ende Dezember in Räumen der Seniorenwohn­anlage „Arte Care“ untergebracht.
Zwischenzeitlich wurden der komplette Estrich und Teile der Ständerwände in der KiTa „Sonnenschein“ entfernt. Dabei hat sich ein bisher unentdeckter Wasserschaden in der Küche gezeigt. Zudem wurden weitere bauliche Mängel im Bodenbereich festge­stellt, die u.a. zu Ungeziefereintrag geführt haben.
Die Schadensaufnahme durch die Versicherung ist noch nicht ab­geschlossen und wird für Ende Juni 2026 erwartet.
Nach den Worten von Bürgermeister Thomas Groll muss in der Folge über das weitere Vorgehen entschieden werden. „Großflä­chige Sanierung oder Neubau lauten hier letztlich die Alternati­ven“, so Groll, der daran erinnert, dass man sich 2009 bei der KiTa „Regenbogen“ in der Allee bei Vorliegen eines geringeren Scha­densbildes für einen Neubau entschieden habe.
„In die Bewertung des Sachverhaltes müssen wir einbeziehen, dass das Dach etliche Schäden aufweist und auch die Deckenplatten er­neuert werden müssen. Wenn Fußboden und Wände offen sind, muss man auch über die Erneuerung von Elektrik und Heizung nachdenken, die nicht mehr zeitgemäß sind. Die Kosten hierfür, die aber zum größten Teil keinen Versicherungsfall darstellen, lassen wir nun ermitteln“, erläuterte der Bürgermeister weiter. Mittelfris­tig stehe dann auch der Austausch von Fenstern und Türen an.
Die KiTa „Sonnenschein“ wurde 1974 eingeweiht. Folgerichtig entspricht weder die energetische Situation noch die Raumauftei­lung heutigen Anforderungen.
„Für eine abschließende Beurteilung liegen wie aufgezeigt noch nicht alle Erkenntnisse vor. Wir arbeiten gegenwärtig daran. Nach Aussage des Gutachters würde aber selbst eine reine Sanierung einen Zeitraum von einem Jahr in Anspruch nehmen“, so Bürger­meister Groll.
„Ich werbe dafür, den Sachverhalt gründlich aufzuarbeiten, mit der Versicherung zu sprechen und Finanzierungsfragen zu klären. Ziel muss es sein, dass die Einrichtung zukunftsfähig ist und wir nicht nach 3, 4 Jahren schon wieder größere Arbeiten vergeben müssen“, stellt der Bürgermeister abschließend fest.

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Ausnahmezustand in Neustadt

Vom 28. Mai bis 1. Juni findet die 522. Trinitatis-Kirmes statt / Organisatoren stellen Programm vor
Von Florian Lerchbacher

Neustadt.
Am Donnerstag, 28. Mai, beginnt die 522. Auflage der Trinitatis-Kirmes, und ganz Neustadt steht dann wieder im Zeichen des Kirchweihfestes. In drei Jahren steht die 525. Kirmes und somit ein Jubiläum auf dem Programm. Er könne sich gut vorstellen, dann die ein oder andere Besonderheit auf die Beine zu stellen, sagt Bürgermeister Thomas Groll: Vielleicht werde eine bekannte Kapelle verpflichtet oder ein anderes Highlight gesetzt, orakelt er. In diesem Jahr setze die Stadt aber auf das in den vergangenen Jahren bewährte Programm – in Verbindung mit einem gut gefüllten Festplatz und einem passenden Angebot an Essen und Getränken.
Gemeinsam mit Generalpächter Konrad Ruppert und Toni und Adi von der Festwirtsfamilie Ahlendorf berichtet Groll, dass beispielsweise ein Autoscooter, eine Geisterbahn, ein Karussell oder ein 3D-Simulator sowie eine Schießbude auf mehr oder weniger wagemutige Kirmesgäste warten. Hinzu kämen unterschiedliche Essens- und Getränkebuden.

„Es wäre schön, wenn die Angebote in der Lehmkaute angenommen werden, denn Schausteller kommen nur dann weiterhin nach Neustadt, wenn Karussells und Buden nachgefragt werden. Wir können dankbar sein, immer noch einen gut bestückten Festplatz zu haben“, betont Groll und verweist darauf, dass die deutsche UNESCO-Kommission die Schaustellerkultur auf Volksfesten in das Verzeichnis der immateriellen Kulturgüter aufgenommen hat. Das für Bildung und Kultur zuständige Gremium habe damit über 1.200 Jahre gelebte und gewachsene Tradition auf über 9.000 Volksfesten in Deutschland gewürdigt.

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Neustädter Mitteilungsblatt

Ranzemänner-Dorf wird 800 Jahre alt


Teil des vielfältigen Vereinslebens in Momberg ist auch eine Gruppe eingeheirateter Männer
Von Laura Lansche

Neustadt-Momberg.
Die Menschen aus Momberg sind auch als Ranzemänner bekannt. Viele Momberger liefen früher mit Ranzen aus Leder auf dem Rücken zu ihren weit entfernten Arbeitsorten, steht in der Momberger Dorfchronik. Darin waren Werkzeuge und Essen. In Momberg waren viele in der Landwirtschaft und im Handwerk tätig. Die Momberger übten alle erdenklichen Handwerksberufe aus, weil ihre kleinen Höfe in der damaligen Zeit nicht mehr zum Leben reichten. Sie waren in der Umgebung für ihre gute Handwerksarbeit geschätzt.
In dem Dorf mit knapp 1.200 Einwohnerinnen und Einwohnern sind mehr als 20 Vereine aktiv. Besonders außergewöhnlich ist der „Club der Beigefreiten“. Mitglieder sind Männer, die nach der Heirat zu ihren Schwiegermüttern nach Hause zogen. „Dort hatten sie nichts zu sagen“, erklärt Sonja Stark, die sich in der Feuerwehr und im Festausschuss engagiert. Zudem bekamen sie angeblich kein gutes Essen, sondern nur Blutwurst. Daher schlossen sich die eingeheirateten Männer zusammen. Jeden September am Kirmesmontag organisieren sie ein Treffen, um zu feiern und rote Wurst zu essen.

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Beim „Sonnenschein“ sieht’s düster aus

Schäden an der Neustädter Kindertagesstätte sind schlimmer als befürchtet
Von Florian Lerchbacher

Neustadt.
Die Kindertagesstätte „Sonnenschein“ ist eine riesige Baustelle – und zwar eine, die immer mehr schlechte Nachrichten für die Stadt Neustadt produziert und eine zentrale Frage aufwirft: sanieren oder neu bauen? Denn: Hinter den Fassaden treten immer mehr Schäden und Defizite zutage.
Seit Ende 2025 ist der „Sonnenschein“ geschlossen und der Kita-Betrieb in zwei Notunterkünfte ausgelagert. Grund dafür ist ein massiver, durch den Bruch einer Leitung in einem Bad entstandener Wasserschaden, der im September entdeckt worden war und zu Schimmelbildung führte. Inzwischen hat eine Firma auf Geheiß der Versicherung den kompletten Estrich und Teile der Wände entfernt, wie Bürgermeister Thomas Groll berichtet. Ans Licht kamen dabei zahlreiche zusätzliche Mängel.

In der Küche wurde ein weiterer Wasserschaden entdeckt, mehrere Rohre im Gebäude sind defekt, und im Boden gibt es bauliche Mängel, „die unter anderem zu Ungeziefereintrag führten“. Außerdem ist das Dach an verschiedenen Stellen undicht, was auch an der mehrfachen Erweiterung des Gebäudes liege, so Groll. „Und wenn Fußboden und Wände schon einmal offen sind, dann muss man auch über die Erneuerung von Elektrik und Heizung nachdenken, die nicht mehr zeitgemäß sind“, erklärt der Rathauschef während eines Vor-Ort-Termins.

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Neustädter Mitteilungsblatt

Neustadt feiert sein Traditionelles Heimatfest


Im Jahre 1504 wurde die im Auftrag des Junker Hans von Dörn­berg erbaute Stadtpfarrkirche in Neustadt geweiht. Aus diesem bedeutsamen Ereignis entwickelte sich die Trinitatis-Kirmes, die in diesem Jahr zum 522. Mal gefeiert wird.
Vom 28. Mai bis 1. Juni 2026 feiern die Neustädter und ihre Gäste wieder dieses traditionsreiche Heimatfest, das für sich in Anspruch nehmen kann, das älteste Volksfest im Marburger Land zu sein.
Seit fast zwei Jahrzehnten beginnt die Tri­nitatis-Kirmes nun schon mit einem ökume­nischen Gottesdienst. Im Laufe der Zeit hat sich der Wallgraben-Pavillon als Veranstal­tungsort etabliert. Mit dieser gemeinsamen Feier beider christlichen Konfessionen wird versinnbildlicht, dass „alle“ zur Neustäd­ter Kirmes willkommen sind, die friedlich
feiern wollen. Hinzugekommen sind am Donnerstagabend später noch der Fassanstich, die Einführung des neuen Junker Hans und seiner Burgfräulein mit Verabschiedung der Vorgänger und der Neubürgertrunk, sodass am „Vorabend“ des eigentlichen Kirmeswochenendes die traditionellen Kirmesbestandteile zusammen stattfinden. Wenn das Wetter mitspielt, bietet der Wallgrabenpa­villon umrahmt von Stadtpfarrkirche, Rathaus und Junker-Han­sen-Turm hierfür eine prächtige Kulisse.
Bürgermeister Thomas Groll, Pfarrerin Kerstin Kandziora und Pfarrer Andreas Rhiel sowie Thomas Schmid von den Neubürgern würden sich über zahlreichen Besuch am 28. Mai, 18.30 Uhr, freu­en. Den ökumenischen Gottesdienst umrahmen wieder der evan­gelische Kirchenchor und die Trinitatisbläser. Im weiteren Verlauf spielen die „Coronas“ auf. Die Historische Bürgerwehr ist ebenfalls mit dabei und wird Salut für den neuen Junker Hans schießen.
Ab Freitag spielt sich die Kirmes, wie seit über 100 Jahren üblich, in der Lehmkaute ab. Dort werden Generalpächter Konrad Ruppert und die Festwirtsfamilie Ahlen­dorf wieder für den passenden Rahmen sorgen. Zahlreiche Karussells, eine Geis­terbahn, Imbissbuden und Ausspielungs­geschäfte stehen für Jung und Alt bereit.
Der Festplatz öffnet am 29. Mai am späten Nachmittag und gegen 21.00 Uhr beginnt die Discoparty im Festzelt mit DJ ASAP.
Am 30. Mai laden die Schausteller ab 15.00 Uhr zum Besuch ein. Bürgermeis­ter Thomas Groll verweist darauf, dass die deutsche UNESCO-Kommission die Schaustellerkultur auf Volksfesten in das Verzeichnis der immateriellen Kulturgüter aufgenommen hat. Das für Bildung und Kultur zuständige Gremium würdigt da­mit über 1.200 Jahre gelebte und gewach­sene Tradition auf über 9.000 (!) Volksfesten in Deutschland. „Es wäre schön, wenn die Angebote in der Lehmkaute angenommen werden, denn Schausteller kommen nur dann weiterhin nach Neu­stadt, wenn Karussells und Buden nachgefragt werden. Wir kön­nen dankbar sein, immer noch einen gut bestückten Festplatz zu haben“, so der Bürgermeister.


Ab 21.00 Uhr gehört die Bühne „Dezibel“. Die sechsköpfige For­mation sorgte mit ihrer Bühnenshow beim Kreisfeuerwehrtag 2025 in Neustadt für eine Bombenstimmung und so stand für die Verantwortlichen der Kirmes rasch fest, die Band mit ihrem breit­gefächerten Angebot auch einmal zu verpflichten.
Gegen 22.30 Uhr wird das große Brillantfeuerwerk gezündet.
Sonntag, 31. Mai., steht zunächst um 10.30 Uhr der Festgottesdienst beim Wallgra­benpavillon auf dem Programm. Hieran wirken wieder die Trinitatisbläser mit.
Um 14.00 Uhr startet dann der große Festzug durch Neustadts Straßen. Zahl­reiche Motivwagen und Fußgruppen wer­den hieran wieder teilnehmen und für ein buntes Bild sorgen. Für den guten Ton sorgen der Musikverein Gla­denbach, das Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Marburg, die Emsdorfer Blasmusik, die „Schwalmgranaten“, das Neustäd­ter Blasorchester, der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Momberg, die Junker-Hansen-Musikanten und die Blaskapelle Momberg. Dazu kommen nach die Trachten- und Volkstanzgruppe Speckswinkel und die Schwälmer Trachtengruppe aus Rollshausen. Gegen 16.00 Uhr schließt sich eine Musikschau im Festzelt an. Hieran werden der Musikverein Gladenbach und das Neustädter Blasorchester mitwirken.
Der Tag klingt dann ab 18.00 Uhr mit dem „Partyband-Sunday“ aus, das bis 21.00 Uhr beliebte Hits spielen wird.
Am Kirmessonntag, 1. Juni, versammelt man sich zunächst um 10.00 Uhr zu einem Gottesdienst in der Laurentiuskapelle auf dem Friedhof, um der Toten zu ge­denken. Das Gotteshaus feiert in diesem Jahr sein 450. Weihejubiläum. Die Toten­ehrung durch den VfL 1864/87 Neustadt e.V. schließt sich um 11.00 Uhr an.
Der Frühschoppen der Trinitatis-Kirmes beginnt gegen 11.30 Uhr im Festzelt. Um 12.00 Uhr wird Bürger­meister Thomas Groll die Gäste begrüßen. Die Veranstaltung zieht sich wieder bis in den späteren Nachmittag hinein. „The Mu­sic Jokers“ spielen bis um 16.30 Uhr auf. Seit über 40 Jahren sorgt die erstklassige Live-Coverband für Stimmung und Unterhaltung. Auf dem Festplatz ist am letzten Tag der Kirmes wieder Familien­tag mit ermäßigten Fahrpreisen.
Familie Ahlendorf bietet zum Frühschoppen erstmals Käse­- oder Wurstplatten zum Preis von jeweils 18 Euro an. Zwei Per­sonen, so Toni Ahlendorf, werden hiervon gut satt. Die Platten können bei Rene Spatzier von der Stadtverwaltung (06692-8931, spatzier@neustadt-hessen.de) verbindlich vorbestellt werden. Er nimmt auch Reservierungswünsche von Vereinen, Firmen usw. für Tische am Kirmesmontag entgegen.
Die 522. Trinitatis-Kirmes endet gegen 20.00 Uhr.

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Neustadt-Treffen ist ein wichtiges Zeichen

Delegation aus Hessen nahm an der 48. Auflage in Bergneustadt teil

Neustadt.
„Europa lebt dann, wenn sich die Menschen dafür begeistern. Das tun Sie in der Neustadt-Bewegung. Wir brauchen in Europa keine trennenden Grenzen, wir brauchen das friedliche Miteinander der Völker.“ Dies betonte Hendrik Wüst, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, während des 48. Neustadt-Treffens, das dieses Jahr vom 14. bis 17. Mai in Bergneustadt – also rund 50 Kilometer von Köln entfernt – stattfand.
Neue Partner in Frankreich werden gesucht

Rund 600 Menschen aus 27 Neustädten aus fünf europäischen Ländern waren in die Kommune im Bergischen Land gereist, die zugleich ihren 725-jährigen Stadtgeburtstag feierte. Unter ihnen aus Neustadt/Hessen – also dem Neustadt im Osten des Landkreises Marburg-Biedenkopf – der amtierende „Junker Hans“ Nick Streichert mit Burgfräulein Natalie Walz, eine Abordnung der Bürgerwehr, die Radfahrergruppe, Bürgermeister Thomas Groll und weitere interessierte Bürgerinnen und Bürger. Die Arbeitsgemeinschaft Neustadt-in-Europa wurde 1979 gegründet und ist die größte Städtefreundschaft des Kontinents. „Aktuell versucht man Neustädte aus Frankreich für eine Mitgliedschaft zu gewinnen“, sagt Groll, der inzwischen auch bei den Neustadt-Treffen der dienstälteste Bürgermeister ist.

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