Neustädter Mitteilungsblatt

Erster Spatenstich für neue Kindertagesstätte auf ehemaligem Kasernengelände

Vor zwei Jahren hatte die Stadt Neustadt (Hessen) den Hartplatz der ehemaligen Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne und einen Teil der angrenzenden Hindernisbahn von der Bundesanstalt für Immobi­lienmanagement für 12.000 Euro erworben. Der äußerst günstige Preis für die etwa 2,4 ha große Fläche erklärt sich aufgrund der Vergünstigungsrichtlinie des Bundes für den Ankauf von Kon­versionsflächen durch Kommunen. Diese ersparte der Kommune über 120.000 Euro.
Auf einer Teilfläche von 1,5 ha – einschließlich der Hindernisbahn – wird nun voraussichtlich bis zum Frühjahr 2028 eine neue Kin­dertagesstätte mit einer Grundfläche von rund 900 qm errichtet.
Die infrastrukturellen Arbeiten – Erschließung der Fläche mit Was­ser, Abwasser und Strom sowie Schaffung einer Zufahrt – durch die Fa. Bauscher aus Neustadt wurden kürzlich abgeschlossen. Durch die Kommune wurde zudem aufgrund einer vertraglichen Auflage ein 3 m hoher Zaun mit Übersteigschutz an der Grenze zur Außenstelle der hes­sischen Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete errichtet. Für diese Maßnahmen fallen insgesamt Kos­ten von 670.000 Euro an.
Der Neubau der Kindertagesstätte wurde vom Alsfelder Architekturbü­ro Schmidt und Strack Architekten geplant. Hierbei wurden die aktu­ellen baulichen und pädagogischen Anforderungen an eine moderne
KiTa berücksichtigt und mit dem Fachdienst Frühe Kindheit und Familie des Landkreises abgestimmt.
In dem Gebäude werden eine zusätzliche U3-Gruppe (Kinder von 1-3 Jahren) und zwei altersgemischte Gruppen (Kinder von 2-6 Jahren) untergebracht. Es entstehen insgesamt bis zu 62 Plätze, die sich durch Integrationsmaßnahmen oder zweijährige Kinder in den altersgemischten Gruppen aber verringern können.
„Wir haben in Neustadt einen größeren Bedarf an Krippenplätzen und erfüllen den Rechtsanspruch gegenwärtig noch nicht. Rund 40 Kinder unter drei Jahren besuchen KiTas, es könnten aber bis zu 130 sein. Bei dem wohl ab 2027 zur Verwirklichung anstehen­den Neubaugebiet „Stückertriesch“ rechnen wir mit Zuzug von außerhalb und damit einhergehend einer Nachfrage an Kinder­gartenplätzen. In den nächsten Jahren dürfte zudem die Zahl an Integrationen zunehmen, so dass die Gruppen verkleinert werden müssen“, begründet Bürgermeister Groll den Neubau der KiTa.
Der vierte Gruppenraum des Gebäudes wird als Schutzraum für den Waldkindergarten dienen.
Das Außengelände der herkömmlichen Kindertagesstätte wird vom Büro KuBus Freiraumplanung aus Wetzlar geplant.
Die bisherige Waldgruppe wird mitsamt ihrem Bauwagen auf die ehemalige Hindernisbahn umziehen und als Naturgruppe Be­standteil der neuen Einrichtung, die noch keinen Namen hat.
„Ein eingruppiger Kindergarten, wie es der Waldkindergarten bisher ist, bringt immer organisatorische Herausforderungen mit sich. Deshalb folgen wir dem Beispiel anderer Kommunen. Die Gruppe wird sich auch zukünftig vorrangig im Freien aufhalten, die Eingliederung wird aber zahlreiche Vorteile und Betreuungs­sicherheit mit sich bringen“, so Thomas Groll.
Insgesamt sieht die aktuelle Baukostenschätzung Bruttobaukos­ten von knapp 5,1 Mio Euro vor.
Im Beisein zahlreicher Kommunalpolitiker und Mitarbeitenden der Verwaltung, darunter Fachbereichsleiter Thomas Dickhaut, der das Vorhaben betreut, des Architekten Dr.-Ing. Stefan Strack und Karsten Schmidt sowie Michael Grebe von der den Rohbau ausführenden Firma Grebe aus Lahntal, vollzog Bürgermeister Thomas Groll am 14. September 2026 gemeinsam mit Mädchen und Jungen aus der Kindertagesstätte „Sonnenschein“, Standort „Arte Care“, zwei Kindern aus dem Waldkindergarten und der designierten Einrichtungsleiterin Irina Wiens sowie den Erziehe­rinnen Alexandra Bieker und Judith Eberwein den ersten Spaten­stich.
„Ich wünsche den Bauarbeiten einen zügigen und unfallfreien Verlauf und der Stadtkasse keine negativen Überraschungen. Wir stellen uns mit diesem Neubau unserer Verantwortung als Kom­mune für eine gute Betreuung der Kinder in Neustadt. Diese KiTa ist ein weiterer wichtiger Beitrag zur attraktiven Wohnstadt Neu­stadt“, so der Bürgermeister.
Finanziert wird der Neubau durch ein zinsverbilligtes Darlehen des Landes über 2,5 Mio. Euro aus einem Sonderprogramm für den Ausbau der Kinderbetreuung, 1,4 Mio. Euro Länder- und Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz und Eigenmitteln der Kommune.
Zum Stand des Schadensfalles „Kindertagesstätte Sonnenschein“ in der Eichsfelder Straße – hier gab es vor 12 Monaten einen grö­ßeren Wasserschaden – wusste Thomas Groll nicht grundlegend Neues zu berichten. „Die ganze Sache dauert leider sehr lange. Viel spricht für einen Neubau, denn da ist nicht nur der Wasser­schaden mit allen seinen Folgen, sondern auch das Dach, der an­stehende Austausch von Türen und Fenstern, die Zwischendecke, die veraltete Elektronik und der nicht mehr zeitgemäße Gebäude­zuschnitt. Allerdings können wir hier erst handeln, wenn wir uns mit der Versicherung verständigt haben. Wir stehen in Gesprä­chen, aber diese sind aufgrund baulicher und juristischer Fragen nicht einfach. Je eher wir hier zu einem Abschluss kommen, umso besser. Schließlich muss auch hier eine Förderkulisse aufgebaut werden.“

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Haushaltsdefizit wird wohl größer

Stadt Neustadt befürchtet, dass bei der Gewerbesteuer 500.000 Euro weniger als erwartet herausspringen
Von Florian Lerchbacher

Neustadt.
Die fetten Jahre – oder zumindest die dickeren Jahre – für Neustadt sind (zumindest vorerst) vorbei. Das hatte Bürgermeister Thomas Groll bei vergangenen Haushaltsreden mit Blick auf die Defizite des Finanzwerks schon mehrfach betont.
Auch in diesem Jahr rechnete der Kämmerer mit einem Minus. Doch das prognostizierte Loch im Haushalt von rund 100.000 Euro wird wohl deutlich tiefer, wie er jüngst während eines Zwischenberichtes erklärte.

Bei der Gewerbesteuer fließen voraussichtlich 500.000 Euro weniger als erwartet in die Stadtkasse. Dabei seien die ursprünglich vorgesehenen 2,3 Millionen Euro ein konservativer Ansatz gewesen, betont Groll. Problem sei, dass es aus dem Jahr 2024 zahlreiche Rückzahlungen geben müsse, außerdem boome die Wirtschaft nicht so, wie erwartet: „Das Wirtschaftswachstum fällt deutlich geringer aus.“

Und so geht er davon aus, dass sich die Zahlen auch in den kommenden Jahren nicht verbessern werden. „Bei den Schlüsselzuweisungen scheinen wir im Jahr 2027 etwas mehr zu bekommen. Aber wir wissen nicht, wie sich die Gewerbesteuer entwickelt“, sagt er und nennt ein konkretes Beispiel: „Noch ist nicht klar, ob die Windräder am Dreiherrenstein im nächsten Jahr wirklich schon stehen.“

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Feuer zerstört Scheune in Neustadt

80 Feuerwehrleute am Sonntag im Einsatz
Von Katharina Kaufmann-Hirsch

Neustadt.
Eine Fachwerkscheune in Neustadt ist am Sonntagmorgen bei einem Brand völlig zerstört worden. Wie es zu dem Feuer kam, ist bislang unklar.
Der Alarm bei der Leitstelle ging gegen 7.30 Uhr ein. Kurz nach dem Eintreffen der ersten Feuerwehrleute aus Neustadt zündeten die Flammen durch und die Scheune gegenüber des Freibads in der Straße An der Weißmühle stand in Vollbrand.

Rund 80 Einsatzkräfte aus der Neustädter Kernstadt, den Stadtteilen sowie Stadtallendorf und Kirchhain kämpften rund zweieinhalb Stunden gegen die Flammen und ein Übergreifen auf die angrenzenden Gebäude.

Verletzt wurde nach Angaben des Einsatzleiters Rüdiger Wickel niemand. Die Bewohner des Hauses neben der Scheune kamen mit dem Schrecken davon.

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Neustädter Mitteilungsblatt

800 Jahre Momberg Kirmes in einem anderen Rahmen

Am 19. und 20. September 2026 findet das traditionelle Kirch­weihfest, die Momberger Kirmes, statt. Im Jubiläumsjahr wird diese aber nicht, wie gewohnt, auf dem Festplatz, sondern im Um­feld der Kirche und auf „Lecher’s Hof“ stattfinden.
In diesem gemütlichen Ambiente beginnen die Veranstaltungen am Samstag, dem 19.9.2026 um 17:00 Uhr mit einem Hof- und Scheunenfest.
Bei leckerem Essen und kühlen Getränken kann man zu live ge­spielter „Scheunenmusik“ bis in die späte Nacht hinein zusammen feiern und sogar der Line-Dance-Gruppe „Step by Step“ beim Reihentanz zuschauen und sich gerne auch einreihen.
Auch die Momberger Ranze-Gar- de wird ihren neuen Show- Tanz präsen­tieren.
Besonders gespannt kann man auf die Mundartmu­siker „Zwä vo ins“ sein, die nach lang­jähriger Bühnenabstinenz unter anderem mit ihren selbstkomponierten Gassenhauern auf „Momerjer“ Platt er­freuen wollen.
Auch für das leibli­che Wohl ist bestens gesorgt: Neben le­ckeren Grillspeziali­täten am Schwälmer Imbiss Richhardt gibt es im „Weinkel­ler“ leckere Weine des Weingutes Rück­ershäuser aus Gau Algesheim.
Gegen 22.30 Uhr fin­det dann endlich das im Sommer ausgefallene Feuerwerk statt.
Am Sonntag, dem 20.9.2026 findet um 10:30 Uhr das Pontifi­kalamt mit dem Fuldaer Bischof Dr. Michael Ger­ber in der Momberger Pfarrkirche statt. Mu­sikalisch umrahmt wird der Gottesdienst durch den St. Johannes Chor Momberg.
Alle Momberger und Gäste sind herzlich zu diesem besonderen Gottesdienst eingeladen.
Im Anschluss gibt es ein gemeinsames Mittagessen auf „Lecher’s Hof“ und um 13 Uhr tritt der Spielmannszug der Freiwilligen Feu­erwehr Momberg auf.
Gegen 14 Uhr werden die Sängerinnen und Sänger des Gesang­vereins Concordia Momberg auf der Bühne ihre aktuellen Lieder präsentieren bevor ab 15 Uhr die Original Momberger Blaskapel­
le die Besucher den ganzen Nachmittag unterhalten wird. Der Frauenverein wird mit leckerem Kaffee und Kuchen die Gäste zur Kaffeezeit verwöhnen und natürlich wird auch der Schwälmer Grill den ganzen Tag Spezialitäten anbieten.
Auf dem „alten Schulhof“ (der Parkplatz vor der Kirche) wird es einen kleinen Vergnügungspark mit Schieß- und Zuckerbude, Hüpfburg und weiteren Attraktionen für Kinder geben.
Am Abend wird das Kirchweihfest dann gemütlich ausklingen und alle Gäste können sich bereits auf die letzte Veranstaltung im Rahmen von Momberg800, dem Weihnachtsmarkt am 05. Dezem­ber 2026 freuen.

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Neustadt geht Millionenprojekt an

Rund 5,8 Millionen Euro fließen in den Bau einer neuen Kindertagesstätte
Von Florian Lerchbacher

Neustadt.
Die eine Kindertagesstätte in Neustadts Kernstadt wurde vor wenigen Jahren neu gebaut, die andere liegt nach einem Wasserschaden quasi in Trümmern – und bei der dritten, die seit vielen Monaten geplant wird, hat nun der Bau begonnen. Rund 5,8 Millionen Euro fallen für das Projekt insgesamt an, fast 700.000 Euro davon sind bereits geflossen: 12.000 Euro hatte die Stadt vor zwei Jahren für den Hartplatz der ehemaligen Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne und einen Teil der Hindernisbahn an die Bundesanstalt für Immobilienmanagement gezahlt. Ein Schnäppchen für ein 2,4 Hektar großes Areal, wie Bürgermeister Thomas Groll betont, denn Neustadt habe von der Vergünstigungsrichtlinie des Bundes für den Ankauf von Konversionsflächen (also ehemalige militärische Anlagen, die künftig zivil genutzt werden) durch Kommunen profitiert. So habe sie mehr als 120.000 Euro gespart.
62 neue Betreuungsplätze

Weitere 670.000 Euro wurden bereits in infrastrukturelle Arbeiten wie die Erschließung und die Schaffung einer Zufahrt investiert. Zudem errichtete die Stadt „aufgrund einer vertraglichen Auflage“, wie Groll betont, einen drei Meter hohen Zaun mit Übersteigschutz an der Grenze zur Außenstelle der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete.

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„Mutter Beimer“ schwärmt von Neustadt

Marie-Luise Marjan begeistert bei einer Lesung mit ihrem Humor und findet warme Worte für die Kleinstadt im Landkreis
Von Xaver Hartig

Neustadt.
„Das ist wie im Paradies.“ Das sagte eine Frau, die in ihrem Leben schon einiges erlebt hat, als sie am Donnerstagabend im Kultur- und Bürgerzentrum Neustadt auftrat. Mehr als sechs Jahrzehnte stand Marie-Luise Marjan auf Theaterbühnen und vor der Fernsehkamera. Millionen Zuschauer kennen sie durch ihre Figur Helga Beimer, genannt „Mutter Beimer“, aus der Kultserie „Lindenstraße“. Sie wurde so beliebt, dass sie auch als „Mutter der Nation“ bekannt wurde. Anlass für ihren Auftritt war der Mittelhessische Kultursommer. Dabei war sie mit ihrer Lesung „Mord mit Muttern“ zu Gast. Bürgermeister Thomas Groll (CDU) machte bei seiner Begrüßung deutlich, welchen Stellenwert der Besuch für die Stadt hat. „Es gibt ja viele Legenden, sagt man heute“, betonte er.


Spaziergang im Bürgerpark

Wenn ein Fußballer dreimal für Deutschland ein Tor schießt, dann spreche man schon von einer Legende, sagte er. Meistens seien das eher Eintagsfliegen. „Wir haben heute jemanden hier, auf den dieser Titel einer Legende wirklich zutrifft“, sagte Groll, der seit Langem großer Lindenstraßen-Fan ist. Dabei zeigt sich nicht nur das Publikum von ihrer Ankunft begeistert, sondern auch die 86-Jährige fand begeisterte Worte über die hessische Kleinstadt. Schon auf der Bühne hatte Marjan von ihrem ersten Eindruck geschwärmt. Sie war über mehrere Tage in Neustadt und übernachtete im Pfarrhaus.

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USA will nicht mehr „Weltordnungsmacht“ sein

Sigmar Gabriel analysierte die Veränderungen, die die Anschläge vom 11. September 2001 mit sich brachten
Von Florian Lerchbacher
Neustadt.
„Die Bilder, als viele Tausend Menschen ihr Leben vor unseren Augen verloren, haben sich bei uns allen für immer eingebrannt“, sagte Sigmar Gabriel, als er in Neustadt auf die 25 Jahre zurückliegenden Anschläge des 11. September 2001 zurückblickte.
Fast 3.000 Menschen hatten damals in den Twin Towers des World Trade Centers ihr Leben verloren – hinzu seien noch weitere 5.000 Menschen gekommen, die nach dem Einsturz der Hochhäuser in den Folgetagen freigesetzte, giftige Gase einatmeten und somit an den Spätfolgen starben, betonte der ehemalige Vizekanzler. Der Angriff der Al‑Qaida sei nicht nur ein Angriff gegen die USA gewesen, sondern gegen alle, die an Demokratie, Gewaltenteilung und die Meinungsfreiheit glauben.

Und vor allem habe sich dadurch vieles in der Folge geändert – vor allem auch im Verhältnis zwischen Deutschland und den USA. Gabriel erinnerte daran, dass die Vereinigten Staaten maßgeblichen Anteil an der Befreiung von Hitler und Stalin hatten und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges innerhalb weniger Jahre aus einer Feindschaft der beiden Länder eine Freundschaft geworden sei.

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Neustädter Mitteilungsblatt

Bundesverfassungsrichter Prof. Dr. Radtke sprach zur Geschichte der Kriegsverbrecherprozesse

Am 2. September 2026 fand im Kultur- und Bürgerzentrum ein weiterer Termin der beliebten zeitgeschichtlichen Veranstaltungs­reihe der Stadt Neustadt (Hessen) statt.
Erfreulicherweise konnte Bürgermeister Thomas Groll hierzu über 140 Interessierte begrüßen, darunter auch Stadtverordneten­vorsteher Hans-Dieter Georgi, Ersten Stadtrat Wolfram Ellen­berg, seinen Amtsvorgänger Manfred Hoim und Rauschenbergs Bürgermeisterin Alexandra Klusmann.
Ehrengast war diesmal der Strafrechtler Prof. Dr. Henning Radt­ke, der 2018 vom Bundesrat zum Richter des Bundesverfassungs­gerichts gewählt wurde. Bevor er Mitglied des I. Senats in Karlsru­he wurde lehrte er an den Universitäten in Saarbrücken, Marburg und Hannover und gehörte verschiedenen Obergerichten an, von 2012 etwa dem Bundesgerichtshof. Radtke beschäftigte sich wis­senschaftlich intensiv mit dem internationalen Strafrecht und der Geschichte der Kriegsverbrecherprozesse.
Ausgangspunkt der Ver­anstaltung, die gekonnt von Nina Köhler am Klavier umrahmt wurde, war das Ende des Nürn­berger Hauptkriegsver­brecherprozesses im Herbst 1946, also vor 80 Jahren.
Seinerzeit waren 22 Hauptkriegsverbrecher angeklagt, die führen­den politischen, wirt­schaftlichen und mili­tärischen Vertreter des NS-Staates. Die Richter aus den USA, Groß­britannien, der Sowjet­union und Frankreich verhängten damals zwölf Todesurteile, drei le­benslange und vier zei­tige Freiheitsstrafen und drei Freisprüche.
In Nürnberg saßen erst­mals die Siegermächte über die Hauptkriegs­verbrecher einer besiegten Nation zu Gericht. Zu jener Zeit fand noch ein vergleichbarer \ Prozess in Japan statt. Das Kaiserreich gehörte ebenfalls zu den Verlierern des II. Weltkrieges. Bei allen Kriegen zuvor, waren die führenden Vertreter der unterlegenen Seite ins Exil gegangen oder die Kriegsparteien hatten sich gegenseitig Amnestie zugesichert.
Prof. Dr. Radtke blickte zunächst zurück. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hätte das Komitee vom Roten Kreuz erst­mals über internationale Gerichtshöfe zur Ahndung von Kriegs­verbrechen nachgedacht, allerdings ohne Resonanz bei den Re­gierenden. Nach dem I. Weltkrieg wurde der Ruf nach einem internationalen Strafgerichtshof größer, aber Herrscher wie Kai­ser Wilhelm II. oder Österreichs Kaiser Karl I. gingen ins Exil und man wurde ihrer nicht habhaft.
1942 begann sich die Niederlage des 3. Reiches im Weltkrieg ab­zuzeichnen. Die Alliierten, so der Bundesverfassungsrichter, be­gannen damals bereits Beweise für einen folgenden Kriegsver­brecherprozess zu sammeln. Dieser begann im November 1945 in Nürnberg, jener Stadt wo Hitler mit großen Pomp die Reichspar­teitage abhielt.
Angeklagt wurden Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbre­chen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Verschwö­rung zum Angriffskrieg.
Bereits kurz nach dem Ende des II. Weltkrieges brach die Allianz der Sieger auseinander und der „kalte Krieg“ zwischen West und Ost brach aus. Damit war dann auch die Zeit des internationa­len Völkerstrafrechts schon bald wieder vorbei, betonte Prof. Dr. Radtke.
Eine solche Art der Strafverfolgung erlebte in den 1990er Jahren ihre „Blütezeit“, genoss Respekt und Anerkennung. Dies bröckelte dann langsam aber sicher.
Heute verhängen die USA unter Präsident Trump Sanktionen gegen Richter des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag und Russland erkennt das Gericht nicht an.
„Dabei haben wir heute eine internationale Verfolgung von Kriegs­verbrecherprozessen wieder sehr nötig. Die Ukraine ist nur ein Beispiel von vielen“, hob der Gast aus Karlsruhe zum Abschluss seines vielbeachteten Vortrages hervor.

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Anzeige nach rassistischem Vorfall

Verunglimpfung auf Bild eines Kindes überschattete das Straßenmalerfestival Neustadt
Von Florian Lerchbacher

Neustadt.
Klare Kante zeigen – gegen Rassismus, Hass, Verunglimpfung, Sexismus. Etwas anderes kommt für Roswitha Trümpert nicht infrage. Und so hat die Vorsitzende gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Arbeitskreises Straßenmalerfestival nun Anzeige gegen unbekannt wegen Beleidigung, Verleumdung und Sachbeschädigung erstattet. Sie reagierten damit auf einen rassistischen Vorfall, der sich bei der jüngsten Auflage ihrer beliebten Veranstaltung ereignet hatte.
Am späten Samstagabend hatte eine Unbekannte oder ein Unbekannter auf dem Bild eines Kindes einen rassistischen Schriftzug in arabischer Sprache hinterlassen (die OP berichtete). Zunächst habe sie befürchtet, die Worte richteten sich gegen die aus Syrien stammende Familie des Jungen – die hervorragend integriert sei, wie Trümpert betont. Nach einer Übersetzung habe sich gezeigt, dass die „sehr beleidigenden Worte“ gegen Syrien insgesamt gingen. Die Straßenkünstler und die Mitglieder des Arbeitskreises seien fassungslos gewesen, sagt die Vorsitzende. Die Worte stünden „im starken Gegensatz zu den friedlichen Kunstwerken des Festivals“, bei dem in diesem Jahr das Thema Vielfalt im Mittelpunkt stand.

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Pfarrerin ist ihr Traumberuf

Dorothee Becker ist neue Pfarrerin der St.-Elisabeth-Gemeinde Mengsberg

Neustadt-Mengsberg.
Dorothee Becker ist neue Pfarrerin der evangelischen St.-Elisabeth-Gemeinde Mengsberg, zu der auch Florshain und Wiera gehören. Beim Antrittsbesuch im Neustädter Rathaus berichtete sie kurz über ihren Werdegang.
Die 36-Jährige wuchs in Alsfeld auf und studierte Evangelische Theologie in Marburg. Nach dem Vikariat in Neuenstein und Kalbach bei Fulda wurde sie 2021 ordiniert. Ab November 2021 war sie in Schenklengsfeld tätig. „Durch die Übernahme der Pfarrstelle in Mengsberg ist sie besser in der Lage, ihre pflegebedürftige Mutter, die bei Alsfeld lebt, zu unterstützen“, berichtete Bürgermeister Thomas Groll und freut sich, dass Becker in Mengsberg mit dem TSV-Vereinsjubiläum und der Kirmes bereits zwei öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen bestens absolviert habe.

Becker sagt über sich, dass Pfarrerin ihr Traumberuf sei. Bürgermeister, Pfarrerin und Ortsvorsteher Karlheinz Kurz waren sich darüber einig, dass das gute Miteinander zwischen Kommune, Kirchengemeinde und Dorfgemeinschaft auch zukünftig eine Fortsetzung erfahren solle, da es den Zusammenhalt in Mengsberg stärke.

Stadt übernimmt Friedhof

Im Herbst soll die Übernahme der Friedhofsverwaltung zum 1. Januar 2027 durch die Kommune gemeinsam vorbereitet werden. Die Stadtkommt damit einem Ansinnen der Kirchengemeinde aus dem Jahr 2025 nach.