Stadtverordnetenversammlung verabschiedet kommunale Wärmeplanung / Umsetzung in vollem Gange
Von Michael Rinde
Neustadt.
Sie ist Grundlage für alles, was in Sachen Wärmeerzeugung zeitnah im Neustädter Stadtgebiet geschehen wird: die kommunale Wärmeplanung. Neustadts Stadtparlament hat sie einstimmig verabschiedet. Doch die Junker-Hansen-Stadt mit ihren Stadtteilen Momberg und Speckswinkel ist über das Stadium des Analysierens, Dokumentierens und Vorausberechnens weit hinaus.
„Es ist gut, dass wir uns schon so früh auf den Weg gemacht haben, auch im Vergleich mit anderen Städten“, lobte Hans-Gerhard Gatzweiler, der Fraktionsvorsitzende der SPD im Stadtparlament.
Die kommunale Wärmeplanung ist eine Auflage aus dem „Heizungsgesetz“ an Städte und Gemeinden. Sie haben je nach Einwohnerzahl unterschiedlich lange Zeit dafür, sie fertigzustellen. Städte bis zu 100.000 Einwohnern haben dabei bis zum 30. Juni 2028 Zeit für die Vorlage.
Interesse klar erkennbar
Mengsberg ist dabei außen vor, denn dort existiert ein Nahwärmenetz bereits. In Momberg und Speckswinkel gibt es sehr konkrete Bestrebungen und vor allem auch Anschlusswillige. In Speckswinkel sind es aktuell 86 Interessenten, in Momberg 91 Interessenten. In der Antwort auf eine große Anfrage der CDU-Fraktion sieht der Magistrat schon jetzt eine ausreichend große Zahl an Anschlusswilligen, immer gemessen an der Größe des Ortes. In Momberg sollen möglichst noch mehr Anschlusswillige hinzukommen.
Nahwärmenetze brauchen Mindestzahlen, um wirtschaftlich errichtet und betrieben werden zu können. In beiden Stadtteilen gibt es Initiativ- beziehungsweise Arbeitsgruppen, die das Projekt Nahwärme weiterverfolgen. In der Kernstadt haben sich bei Umfragen mittlerweile knapp 200 Interessierte gemeldet.
Großwärmepumpen als Quelle
Sie können sich einen Anschluss an ein Nahwärmenetz vorstellen. Die Idee: Die Wärme könnte von Großwärmepumpen kommen, die wiederum ihren Strom aus heimischer Windenergie und Photovoltaikanlagen erhielten.
Planen, bauen und betreiben sollen örtliche Nahwärmegenossenschaften die Netze in Speckswinkel und Momberg. In der Kernstadt steht die von der Stadt und der Energiegenossenschaft Vogelsberg beziehungsweise deren Unternehmen Vobeg Beteiligung GmbH gegründete „Energie Neustadt GmbH“ bereit. Die Stadt und die Vobeg GmbH sind jeweils mit 50 Prozent an der Gesellschaft beteiligt. Denkbar ist aber auch noch, dass eine eigene Gesellschaft dafür gegründet wird.
„Der Charme dieses Vorgehens ist, dass wir eigenen Strom von der Energiegenossenschaft Vogelsberg, ihren Windrädern und Photovoltaikanlagen kaufen können“, sagt Bürgermeister Thomas Groll (CDU) der OP. Er rechnet bis Mitte 2027 mit entscheidungsreifen Planungen.
Noch ist aber grundsätzlich offen, wo die Nahwärmeleitungen herlaufen werden. Denkbar ist, dass die Stadtbezirke in Neustadt zuerst Nahwärme erhalten, in denen sich Schulen und öffentliche Gebäude befinden. Der Landkreis hat bereits sein Anschlussinteresse signalisiert. Großabnehmer sind wichtig für die Wirtschaftlichkeit.
Jetzt wird es zeitnah an konkrete und geförderte Machbarkeitsstudien gehen. Dabei wäre auch zu klären, wo ein oder mehrere Heizhäuser entstehen oder welche Netzlängen und Kosten sich abzeichnen. Klar ist, dass die Stadt dies alles nicht finanzieren kann. Es wird über Beteiligungsmodelle nachzudenken sein. Interessierte können jetzt schon unverbindlich signalisieren, ob für sie eine Kapitalbeteiligung infrage käme. Einen Fragebogen für die Kernstadt gibt es auf der Projekt-Internetseite www.energie-neustadt.de. Öffentlichkeitsarbeit wird bei den nächsten Schritten sicherlich eine zentrale Rolle spielen. Es wird jetzt auch um Förderanträge gehen, speziell für Planungskosten in einem ersten Schritt.
Auf der Internetseite ist angekündigt, dass die „Energie Neustadt GmbH“ einen Wärme-Beirat aus Bürgern an die Seite gestellt bekommen soll, um sicherzustellen, dass Anschlusswillige immer unmittelbar an allen Entwicklungen beteiligt sein werden.

