Neustadt macht Jugendarbeit künftig selbst

Stadt schafft eigene Stelle und will Fokus auch auf Kinder legen / Für einige Jugendliche eine große Veränderung
Von Florian Lerchbacher

Neustadt.
Die Stadt Neustadt hat sich entschieden, bei der Jugendarbeit einen neuen Weg einzuschlagen: Zum 1. Januar 2026 nimmt sie die Verantwortung für die Kinder- und Jugendarbeit wieder selbst in die Hand und beendet mit dem Ende des Jahres 2025 die Zusammenarbeit mit dem Marburger Verein bsj, die sie seit 2011 gepflegt hatte. „Wir haben über viele Jahre hinweg gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet“, betont Bürgermeister Thomas Groll. Die Kommune wolle aber nun neue Schwerpunkte setzen und daher die „Weichen umstellen“ – in seinen Augen etwas völlig Normales. Nach über 14 Jahren könne Veränderung auch Positives hervorbringen.
Neuer Jugendpfleger beginnt im März 2026

„Beim bsj lag der Schwerpunkt der Arbeit auf den Jugendlichen und vieles wurde über Sportangebote gemacht – was auch gut funktionierte“, erläutert Groll. Allerdings hätten sich die Vorzeichen im Laufe der Zeit verändert. Inzwischen habe sich in Neustadt das Familienzentrum als Anlaufstelle etabliert und gut vernetzt: „Dort wollen wir die Jugendarbeit zukünftig andocken.“ Bisher gebe es in der Einrichtung vor allem Angebote für Drei- bis Neunjährige, die Jugendarbeit habe sich insbesondere an junge Menschen ab 14 Jahren gerichtet: „Aber dazwischen hatten wir eigentlich nichts. Das möchten wir ändern.“

Die Entscheidung, neue Wege einzuschlagen, sei nicht leichtgefallen und erst nach langem Überlegen getroffen worden, berichtet der Rathauschef: „Für einige Jugendliche wird dieser Schritt sicher eine große Veränderung bedeuten: Sie hatten ein gutes Verhältnis zu den Mitarbeitenden des bsj. Aber das wird sich nach einigen Monaten sicher wieder einspielen. Wir hatten in den vergangenen Jahren ja schließlich mehrere Wechsel in der Jugendpflege.“

Der neue Jugendpfleger wird zum 1. März 2026 beginnen. Es handelt sich um eine Vollzeitstelle. Daneben wird eine Mitarbeiterin des Familienzentrums nach Beendigung ihres Studiums von 12 auf 30 Stunden aufstocken. Aus finanzieller Sicht seien die Veränderungen nur minimal: „Geld sparen ist jedenfalls nicht Ziel der Veränderung. Wir wollen weiterhin gute Angebote machen.“ Wie genau diese aussehen, gelte es im Laufe der kommenden Monate herauszuarbeiten. Ideen gebe es bei Nicole Zinkowski vom Familienzentrum und ihrem Team genug. Er gehe davon aus, dass einiges fortgeführt werde, aber natürlich Neues hinzukomme.

99 Stunden für den Nachwuchs der Stadt

Vorgesehen sei in jedem Fall, auch in den Stadtteilen weiterhin Präsenz zu zeigen und im wöchentlichen Wechsel dort vor Ort zu sein: „In den ersten Monaten muss sich das Ganze erst einmal einspielen, der neue Jugendpfleger vor Ort ankommen. Eine Eingewöhnungsphase ist unumgänglich“, so der Bürgermeister.

Jährlich investiere die Stadt Neustadt jedenfalls insgesamt rund 200.000 Euro: in die „Jugendarbeit” und die künftige „Kinderarbeit“, den Mitmachcircus und die Ferienbetreuung Grundschule wird es aufdröselt.

Bisheriges Team verabschiedet sich

99 Stunden sollen zukünftig wöchentlich zur Verfügung stehen – vom künftigen Stadtjugendpfleger, Familienzentrum-Leiterin Nicole Zinkowski sowie einer weiteren Mitarbeiterin, die in der Kinder- und Mädchenarbeit tätig sein wird. „Ich glaube, dass wir damit schlagkräftig sein werden und gute Angebote machen können“, sagt Groll. Ein Pluspunkt des Familienzentrums sei schließlich auch, dass es mit anderen Kommunen gut vernetzt sei und so der Austausch gepflegt werden könne: „Diesen pflegen wir auch in anderen Bereichen. Zum Beispiel arbeiten wir sehr gut mit Kirchhain zusammen.“

Und das sei auch ein markanter Unterschied zum Beginn des Jahrtausends: Um das Jahr 2000 habe die Stadt Neustadt mit der Jugendpflege begonnen – damals zunächst in ehrenamtlicher Form: „Ein großes Problem war, dass unser damaliger Jugendpfleger Einzelkämpfer war und keine Vernetzung bestand. Das hat sich zum Glück geändert“, resümiert Groll und betont, dass auch der bsj mit seiner Arbeit dazu beigetragen habe.

Der Verein kümmert sich derzeit noch um das Quartiersmanagement, das allerdings mit Ende des Jahres 2025 auch endet, sowie um die Gemeinwesenarbeit. Diese läuft noch bis Ende des Jahres 2026. Dann beginne eine neue Förderperiode, sagt der Bürgermeister: Und ob dann die Stadt diese selbstständig mit eigenem Personal übernehme oder weiter auf einen freien Träger setze, müsse noch entschieden werden.

Stadtjugendpfleger Philipp Berg und Martina Troglic vom bsj verabschieden sich am Freitag, 12. Dezember, ab 15 Uhr mit einer Abschiedsparty am Jugendraum von Neustadt und den Menschen. Sie laden ans Lagerfeuer zu Essen, Getränken und Musik ein. Ihr letzter Arbeitstag in der Stadt ist dann am 19. Dezember.