Franz-W. Michels zieht sich nach drei Jahrzehnten aus der Kommunalpolitik zurück
Von Florian Lerchbacher
Neustadt.
Stück für Stück wird klar, wer im Landkreis Marburg-Biedenkopf auf den Listen bei der Kommunalwahl 2026 steht – aber eben auch, wer nicht mehr vertreten ist. Besonders auffällig ist dies dann, wenn altgediente Kommunalpolitikerinnen und -politiker sich nicht mehr aufstellen lassen, die teilweise über Jahrzehnte die Geschehnisse in ihren Heimatstädten und -gemeinden mitbestimmten. So wie in Neustadt Franz-Wilfried Michels, der 1997 erstmals auf der Liste der CDU stand, sofort in die Stadtverordnetenversammlung gewählt wurde und fortan zahlreiche Posten bekleidete.
„Es hat mich zwar immer interessiert, aber ich wollte eigentlich nie selbst in die Politik, denn als Vorsitzender der DLRG wollte ich ja viel eher etwas von der Politik“, erinnert er sich – was umso außergewöhnlicher ist, wenn man bedenkt, dass er aus einer in Rheinland-Pfalz politisch bedeutsamen Familie stammt: Sein Onkel Peter Altmeier war dort von 1947 bis 1969 Ministerpräsident, sein Cousin Peter Volkert von 1985 bis 1991 Landtagspräsident.
Franz-W. Michels war
29 Jahre Stadtverordneter
Als Michels dann aber politisch losgelegt hatte, tat er dies so richtig: Der inzwischen 83-Jährige brachte es auf 29 Jahre als Stadtverordneter, 14 Jahre als Stadtverbandsvorsitzender, 14 Jahre als Kreisvorsitzender und sieben Jahre als Landesvorstand der Senioren Union, sechs Jahre als Kreistagsmitglied, zwölf Jahre als Fraktionsvorsitzender der CDU Neustadt sowie zehn Jahre als Stadtverordnetenvorsteher.
Doch damit nicht genug des Ehrenamts: „Außerpolitisch“ war er 27 Jahre Vorsitzender des MiniCar-Teams Neustadt, 25 Jahre Vorsitzender und fünf Jahre Jugendwart der DLRG (dort gehört er zu den Gründungsmitgliedern, ist Ehrenvorsitzender und Bronzemedaillengewinner mit der Staffel bei den Deutschen Meisterschaften 2000), fünf Jahre im Vorstand des Stadtjugendrings sowie zehn Jahre Vorsitzender und fünf Jahre Stellvertreter im Vorstand des Fördervereins Hallenbad.
Als Soldat kam er nach Neustadt
„Ich habe mich vor Ämtern nie gescheut und mich seit meiner Kindheit für die Allgemeinheit eingebracht“, sagt Michels, als wäre so großes Engagement eine Selbstverständlichkeit, und nennt ein weiteres Beispiel: Mit neun Jahren sei er in die katholische Jugend eingetreten – und mit 14 Jahren bereits Gruppenführer gewesen.
Nach Neustadt kam der gebürtige Koblenzer als Soldat: Mit 18 Jahren war er zur Bundeswehr gegangen, hatte sich für zwölf Jahre verpflichtet – weil er Panzeraufklärer werden wollte. Und so ging es über Stadtallendorf in die Junker-Hansen-Stadt, wo Michels seine Roswitha traf, die er 1965 heiratete und mit der er zwei Kinder bekam. Wenig später absolvierte Michels ein Rechtspflegestudium und war nach dem Examen zwei Jahre am Landgericht in Frankfurt tätig, ehe er zum Amtsgericht Schwalmstadt wechselte.
Beruflicher Höhepunkt sei gewesen, als er nach der Wiedervereinigung in Thüringen Aufbauhilfe geleistet und dabei ein Vereins- und Handelsregister aufgebaut habe: „Das Kreisgericht Artern wollte mich sogar übernehmen, aber ich wollte aus familiären Gründen in Neustadt bleiben“, erinnert er sich. Und so konnte er dann in der Junker-Hansen-Stadt die kommunalpolitischen Geschehnisse mitprägen: Besonders gerne erinnert er sich an zahlreiche von ihm als Fraktionsvorsitzendem organisierte Fahrten in verschiedene Neustadts, besonders stolz ist er darauf, dass die CDU mit ihm als Spitzenkandidaten vor fünf Jahren die absolute Mehrheit holte.
Hallenbad-Rettung war ein Höhepunkt
Zudem sei toll, was in den vergangenen Jahren in Neustadt alles an Großprojekten umgesetzt wurde. Ein Höhepunkt sei aber auch gewesen, als Kommune das Hallenbad behalten zu können, zu retten und zu renovieren. Dass er da als Stadtverordneter und Vorsitzender der DLRG vorangegangen sei, maßgeblich an der Gründung des Fördervereins Hallenbad mitgewirkt und die Satzung erarbeitet habe, sei eine Selbstverständlichkeit gewesen. Sagt er. Inzwischen ist Franz-W. Michels 83 Jahre alt – und seit wenigen Monaten auch Großvater. Und so soll es für ihn künftig eher Enkelkind als Ehrenamt heißen. Auch wenn er sich weiter in der CDU, im Förderverein Hallenbad und im Bürgerparkverein einbringen werde, wie er verspricht.
Aber dass ehrenamtliches Engagement alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist, zeigt sich schon jetzt: Den Vorsitz im CDU-Stadtverband hat er abgegeben. Ein Nachfolger fand sich bisher nicht – in Thomas Groll und Michael Dippel (Momberg) lediglich zwei Stellvertreter.

