Maler widmen sich der Vielfalt

17. Auflage des Straßenmalerfestivals findet am 22. und 23. August in Neustadt statt
Von Florian Lerchbacher

Neustadt.
„Vielfalt – Menschen, Tiere und Natur“, so lautet das Thema des 17. Straßenmalerfestivals in Neustadt, das in diesem Jahr am 22. und 23. August in der Marktstraße stattfindet. Und wie immer ist es ein Thema mit Tiefgang, das der Arbeitskreis für seine überregional beliebte Veranstaltung auserkoren hat. „Man muss die Dinge ansprechen und nicht totschweigen“, sagt Vorsitzende Roswitha Trümpert und erinnert an Themen wie Krieg und Frieden, Menschen- oder Kinderrechte, die teilweise auch zu kontroversen Diskussionen auf der Straße führten. Daher sei es allen Kunstschaffenden offengelassen, ob sie mit ihren Bildern auch politisch Stellung beziehen wollen.
Mit dem diesjährigen Thema will der Arbeitskreis ausdrücken, „dass alles Leben auf der Erde zusammengehört, jedes Lebewesen seinen eigenen Wert hat und es wichtig ist, diese Vielfalt zu schützen, damit die Welt gesund bleibt“. Zudem, so stellt Trümpert heraus, baue Kunst Brücken und bringe die Menschen zusammen, wie sich gerade beim Straßenmalerfestival immer wieder zeige, wenn Menschen unterschiedlichster Herkunft und verschiedenster Altersgruppen zusammenkommen und gemeinsam mit ihren Werken die Stadt verschönern. „Genauso, wie verschiedene Pflanzen und Tiere ein Ökosystem widerstandsfähig machen, bereichern unterschiedliche Menschen unsere Gesellschaft“, stellen die Arbeitskreis-Mitglieder heraus.

Agnes Prenzler ist neu im Bunde der Teilnehmenden

Und unterschiedliche Menschen werden auch wieder das Straßenmalerfestival bereichern: Zum einen werden rund zehn Profi-Malerinnen und -Maler mitmachen und, neben den Hobby-Malerinnen und -Malern und vielen Kindern beeindruckende Werke auf den Asphalt der Marktstraße zaubern. Neu im Bunde sei die Italienerin Agnes Prenzler, berichtet Trümpert, und freut sich, dass sich die Neustädter Veranstaltung gerade auch in Künstlerkreisen großer Beliebtheit erfreue: „Jedes Jahr haben wir zahlreiche Anfragen aus der ganzen Welt.“ Aber angesichts begrenzter finanzieller Mittel könne nur ein kleiner Kreis eine Zusage bekommen. Und da kommen zunächst die „bewährten Kräfte“ zum Zuge, die seit vielen Jahren dem Neustädter Festival die Treue halten. Einer davon ist Lokalmatador Nikolaj Arndt, einer der besten 3D-Maler der Welt.

Vernissage, Vortrag und Honigprobe zum Auftakt

Er wollte in diesem Jahr eigentlich eine Hauswand mit einem seiner Kunstwerke verschönern. Doch leider habe sich niemand gefunden, der eine Wand zur Verfügung stellen wolle, sagt Trümpert. Und so werde auch er wieder den Asphalt der Straße als Leinwand nutzen.

Apropos Leinwand und weitere Menschen, die sich einbringen: Das Straßenmalerfestival wird am Freitag, 21. August, eröffnet. Zum einen findet ab 19 Uhr im Rathaus eine Vernissage statt. Die Neustädter Stadtarchivarin Andrea Freisberg widmet sich in ihrer Freizeit der Naturfotografie und präsentiert ihre Bilder, auf denen sie „schleimige Schlegel, nektarschleckende Schmetterlinge, schillernde Käfer und farbenprächtige Blumen“ festgehalten hat. Zudem hält Dr. Astrid Wetzel, die Leiterin des Naturschutz-Informationszentrums Amöneburg, einen Vortrag mit dem Titel „wunder.bar.bunt“, in dem es um die Vielfalt der Natur geht und die Frage, wie die Menschen diese bereichern können. Des Weiteren spricht Imker Georg Metz über „Die faszinierende Welt der Bienen” und organisiert eine Honigprobe. Für den musikalischen Rahmen soll die Marburger „Waldphilosophin“ Samya Bascha-Döringer sorgen.

Finanzielle Unterstützung erhält der Arbeitskreis in diesem Jahr über das Förderprogramm des Landes „LandKulturPerlen – Kulturelle Bildung in ländlichen Räumen“. Allerdings, so Trümpert, bleibe die finanzielle Ausstattung der Veranstaltung ein Problem. Immer wieder würden Förderanträge abgelehnt, weil der Arbeitskreis Straßenmalerfestival kein Verein sei: „Und dadurch fallen wir oft durchs Raster und haben es schwer, Mittel zu bekommen.“ Es gebe daher durchaus die Überlegung, einen Verein zu gründen: „Allerdings funktionieren wir als Arbeitskreis sehr gut. Die Mitglieder sind alle gleichberechtigt, und das Team ist toll. Diese Struktur wollen wir nicht verlieren. Außerdem richten wir lediglich eine Veranstaltung im Jahr aus“, gibt Trümpert zu bedenken.