Stadt Neustadt renaturiert ein weiteres Stück der Wiera im Kleinod Bürgerpark
Von Florian Lerchbacher
Neustadt.
Durch den Bürgerpark rollt ein Bagger und gräbt direkt an der Brücke zum lokalen Supermarkt die Wiera beziehungsweise den Uferbereich um. Es ist bereits das zweite Mal, dass das kleine Gewässer im Naherholungsgebiet im Herzen der Stadt eine Veränderung erfährt: Vor fünf Jahren hatte die Stadt im Zuge der grundlegenden Umgestaltung des Bürgerparks in unmittelbarer Nähe des Kultur- und Bürgerzentrums eine Fischaufstiegsanlage bauen lassen, damit die Fische das Wehr – ein damals, laut Wasserrechtsrahmenrichtlinie, „unpassierbares Wanderhindernis“ – überwinden können. Zudem wurde ein Stück der Wiera renaturiert. Nun ist ein weiterer Teil des kleinen Flusses an der Reihe, dieses Mal ganz in der Nähe des Junker-Hansen-Turms. Laut Stadt „soll das Gewässerprofil auf einem circa 140 Meter langen Abschnitt partiell abgeflacht und aufgeweitet werden“, zudem ist „das Einbringen von Störsteinen und Totholz zur Förderung der eigendynamischen Entwicklung“ vorgesehen.
„Himmelsteich“ als Hochwasser-Auffangbecken
Will heißen, so erläutert Necati Karalar vom Planungsbüro akp: Die Wiera bekommt mehr Platz, und ins Wasser werden größere Steine und Totholz gelegt. Dies soll die Dynamik verändern und dafür sorgen, dass es in dem Fluss unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten gibt. Gerade in den ruhigeren Bereichen könnten sich Fische gut aufhalten und nisten.
An einer Stelle ist eine sogenannte „Grabentasche“ vorgesehen, also eine Verbreiterung, die als zusätzlicher Lebensraum dienen soll. Das trage auch zur Verringerung des Wasserabflusses bei, sagt Bürgermeister Thomas Groll. Hinzu kommt außerdem ein „Himmelsteich“ – der bei normaler Wasserhöhe nicht direkt an die Wiera angeschlossen ist. Der kleine Teich wird durch Regen gespeist, dient aber auch als Auffangbecken, falls die Wiera Hochwasser hat. „Dann kann der Himmelsteich volllaufen und so zur Entlastung beitragen“, erläutert der Rathauschef.
Im Zuge der Vorbereitungen auf das Bauprojekt, so berichtet Peter Lippert vom Neustädter Bauamt, gab es eine Elektrobefischung. Auf rund 180 Metern Länge sei Strom ins Wasser geleitet worden, um die vorhandenen Fische zu betäuben und zu entnehmen. Dann werden sie auf Art und Größe untersucht und wieder eingesetzt. „So wissen wir, wie viele Fische in dem Bereich leben und was für Arten es hier gibt“, sagt Lippert. Die Methode kommt in der Wissenschaft regelmäßig zum Einsatz und gilt als schonend.
Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass im betreffenden Stück der Wiera 512 Fische leben. Mehr als die Hälfte sind Rotaugen (264 Stück), gefolgt vom Westlichen Stichling (165 Stück). Hinzu kamen Bachschmerlen, Gründlinge, Flussbarsche, Döbeln sowie je eine Forelle und eine Rotfeder. Die größten gefundenen Exemplare waren drei Flussbarsche mit Längen von 23 (2 Stück) und 21 Zentimetern sowie ein weiterer Flussbarsch und die Forelle mit 18 Zentimetern Länge.
Für Bürgermeister Groll ist klar: Die Fortsetzung des Renaturierungsprojekts trägt nicht nur zur ökologischen Aufwertung des Gewässerabschnitts als Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten bei, sondern verschönert auch das Landschaftsbild des Bürgerparks und erhöht damit dessen Qualität als innerstädtisches Erholungsgebiet.
Die Baukosten belaufen sich laut Rathauschef auf rund 60.000 Euro, allerdings würden die „zuwendungsfähigen Leistungen“ mit einer Quote von 95 Prozent gefördert.

