Früher war mehr Feuer drin

Bernd Malkus beendet nach 37 Jahren sein kommunalpolitisches Engagement
Von Florian Lerchbacher

Neustadt-Mengsberg.
„Ich bin schon so lange dabei, es reicht jetzt mal“, sagt Bernd Malkus – der zwar mit 66 Jahren eigentlich im besten Alter für einen Kommunalpolitiker ist, aber sich eben schon seit dem Jahr 1989 politisch in Neustadt für die CDU engagiert. Und in dieser Zeit so einiges erlebt hat. „Früher wurden sich in der Stadtverordnetenversammlung wenigstens noch richtige Kämpfe geliefert“, erinnert er sich an heiße Diskussionen. Das hat sich durchaus geändert. Inzwischen ist Neustadt eher dafür bekannt, dass viele Initiativen aus dem Magistrat kommen und bei Anträgen schon im Vorfeld Für und Wider in Ruhe diskutiert wird und auch Anregungen aus anderen Fraktionen eingepflegt werden. „Ein bisschen mehr Feuer dürfte schon drin sein“, meint Malkus.
Das Mengsberger Urgestein hätte sein kommunalpolitisches Engagement fast schon 1984 begonnen, als der damalige Ortsvorsteher Heinrich Hasenpflug ihn ansprach und anregte, sich auf die Listen für Ortsbeirat und Stadtverordnetenversammlung setzen zu lassen.

„Das fand ich interessant. Ich war ja bereits in Feuerwehr und Sportverein aktiv und merkte, dass vieles mit Kommunalpolitik zu tun hat und es wichtig ist, dorthin einen guten Draht zu haben.“ Doch dann kam erstmal alles anders und das Leben änderte sich komplett: Am 11. November 1984 hatte Bernd Malkus einen schweren Verkehrsunfall. „Ich lag in Trümmern. Die Ärzte gaben mir keine Chance, bekamen mich aber dann doch wieder hin“, erinnert er sich.

Gelernt hatte er Modellschlosser, um dann jedoch eine Umschulung zum Maler und Lackierer zu machen und im heimischen Betrieb tätig zu werden. Nach dem Unfall konnte er diesen Beruf aber nicht mehr ausüben und war erwerbsunfähig.

Wieder kam Hasenpflug auf ihn zu. „Er meinte: Die Poststelle in Mengsberg wird frei – und das wäre doch etwas für mich“, berichtet Malkus, der mit Blick auf seine Mini-Erwerbsunfähigkeitsrente dem Ortsvorsteher zustimmte und eine Ausbildung zum Posthalter machte: „Damals gab es noch in jedem Dorf eine Post. Doch das änderte sich bald.“ Und der Mengsberger wurde beinahe so etwas wie der Schrecken der Umgebung. Welche Poststelle er auch immer übernahm: Die Schließung ließ nicht lange auf sich warten.

Letzte Schließung bleibt ihm erspart

„Nach Mengsberg war ich noch in Rauschenberg, Niederklein, Mardorf und Treysa – alle wurden zugemacht.“ Dann kam Malkus nach Stadtallendorf – wo nach einigen Jahren ebenfalls die Schließung zunächst im Raum stand und später auch umgesetzt wurde. „Ich habe gesagt: Noch eine mache ich nicht mit. Aber mein Körper machte auch nicht mehr mit, und ich musste mich die letzten Monate krankschreiben lassen. So wurde mir wenigstens diese Schließung erspart“, blickt er zurück.

Sein kommunalpolitisches Engagement begann auch vergleichsweise kurios: Fritz Mütze (SPD) war zwar noch Bürgermeister, aber Manfred Hoim (CDU) stand schon als gewählter Nachfolger in den Startlöchern – während sich gleichzeitig auch in der Stadtverordnetenversammlung die politisch prägende Farbe änderte. „Wir verloren damals als CDU die Mehrheit an die SPD. Das war ganz komisch – aber auch die einzige Wahlperiode, in der dies während meiner Zeit der Fall war. Danach hat es sich wieder gedreht“, sagt Malkus.

Sorgenkinder bleiben in Erinnerung

Besondere Themen der 37 Jahre in der Stadtverordnetenversammlung seien „das Theater mit dem Soldatenheim“ und das Sorgenkind „Deutsches Haus“ gewesen – wobei er damals Bürgermeister Hoim den Tipp gegeben habe, mal bei Hephata nachzufragen, um sich des Deutschen Hauses anzunehmen (was Jahre später auch gelang): „Das war so ein Gedanke, den ich hatte.“ Fünf Jahre lang leitete der Mengsberger den Haupt- und Finanzausschuss, bekleidete aber auch noch andere Ehrenämter: Vor seinem Unfall war er Truppführer bei der Feuerwehr in seinem Heimatdorf, danach lange Zeit Zweiter Vorsitzender des Feuerwehrvereins. Und noch heute ist er Platzkassierer beim TSV Mengsberg, dem er – ebenso wie der Feuerwehr – seit mehr als 50 Jahren angehört.

„Das Dorf und die Vereinsarbeit liegen mir eben am Herzen“, stellt er heraus. Daher sei er auch passives Mitglied im Gesangverein: „Zum Singen hat es aber nie gereicht“, fügt er lachend hinzu.

Beim Blick zurück und dem Fokus auf Mengsberg freut sich Malkus, dass die Feuerwehr wieder ein vernünftiges Zuhause hat und der Sportverein über einen zweiten Platz verfügt. „Das Haus für alle hätte es aus meiner Sicht aber nicht gebraucht. Klar ist es schön, aber richtig glücklich macht es mich nicht. Jetzt ist es da oben so eng.“

Nach 37 Jahren steht Malkus – verheiratet mit Ehefrau Sabine und Vater zweier Söhne – also nicht mehr auf der Liste der CDU. „Die Folgen des Unfalls sind immer noch deutlich spürbar: Es geht mir so weit gut, aber ich will mehr Zeit haben und das Leben noch ein bisschen genießen – vor allem mit Enkelin Lilli“, resümiert er und betont, dass die Siebenjährige „so richtig Spaß macht“.