Mitwirkende berichten über den Wert des Projekts für sie und die Gemeinde
Von Xaver Hartig
Neustadt-Speckswinkel.
Speckswinkel hat die 31. Auflage seines „Heimatkalenders“ vorgestellt. Er ist nicht nur ein simpler Kalender, sondern ein Stück Identität für Menschen aus dem Neustädter Stadtteil. „Wir arbeiten Jahr für Jahr gemeinsam an diesem Kalender, der einmal in der Vorweihnachtszeit erscheint“, berichtet Ortsvorsteher Martin Naumann, der an dem Heimatkalender mitgewirkt hat.
Nach dem plötzlichen Tod des langjährigen Arbeitskreis-Vorsitzenden Achim Kaisinger im Dezember 2024 stand das Projekt kurz auf der Kippe: „Es war letztes Jahr nicht klar, ob es überhaupt weitergeht“, erinnert Naumann. Am Ende fanden sich neue Unterstützerinnen und Unterstützer – insgesamt sind es heute elf Beteiligte. „Jeder hat seinen eigenen Tätigkeitsbereich“, sagt Naumann. Dagmar Theis kümmert sich um die Jubiläen und die Verstorbenen aus der Gemeinde, Ingrid Stehl liest Korrektur, weitere organisieren Material oder schreiben Texte.
Ein Kalender als Stück Dorfidentität
Bei dem Heimatkalender handelt es sich nicht um einen klassischen Kalender mit Datumsblättern. Vielmehr handelt es sich um ein kleines gebundenes Heft mit zahlreichen Texten, Bildern und Grafiken. Die Ausgabe für das kommende Jahr hat sich optisch verändert: Das Design wurde an den Auftritt der Dorf-Website angepasst. Peter Lauritis, der ein Fotostudio im Ort betreibt, half bei der Gestaltung. Seine Motivation: „Ich möchte dem Ort etwas Gutes tun“, sagt er und erklärt, warum ihm die einheitliche Gestaltung wichtig war: Die Website ist neu gestaltet worden, „und da war meine Empfehlung, das Design vom Heimatkalender an die Website anzupassen, dass man so eine klare Linie hat.“
Die Arbeit am Heimatkalender verteilt sich über mehrere Monate. Naumann beschreibt es als festen Rhythmus: „Wir treffen uns zum ersten Mal im April oder Mai und überlegen, was für Texte man zusammenfassen kann.“ Danach schreiben und sammeln die Beteiligten Material, „und dann geht es in die heißere Phase im September, wo wir alle Texte sammeln.“ In diesem Jahr endete die Arbeit an dem Kalender im Dezember.
Inhaltlich bleibt der Kalender das, was ihn seit 1994 ausmacht: Vereinsnachrichten, Rückblicke, Geschichten aus dem Ort, dazu Jubiläen, Todesanzeigen und ein Veranstaltungskalender: Neu sortiert ist das Ganze in Rubriken – etwa Speckswinkler auf Reisen, wo Dorfbewohner von besonderen Urlaubserlebnissen erzählen. Dazu kommen kleine Fundstücke und Kuriositäten: In dieser Ausgabe geht es darum, wohin Speckswinkler gerne reisen, was es mit dem „Bierzapf“ auf sich hat oder welche Gegenstände ein Mitbürger auf dem Dachboden entdeckt hat.
Ein Archiv für die Zukunft
Im Ort läuft der Aufbau eines Dorfarchivs, das künftige Geschichten sichern soll. „Wir haben ungefähr 200 Bücher angefangen zu archivieren“, erzählt Naumann. Parallel wächst das digitale Archiv: „Mittlerweile sind knapp 13.000 Bilder oder Dateien digitalisiert worden und befinden sich nun auf dem Server des Archivs.“ Allein zu den Kinderferienspielen der Jahre 1993 bis 2003 seien 2.500 Bilder digitalisiert worden. Zudem habe man auch Bilder aus dem Jahr 1980 vom Grenzgang archiviert. „Das ist ein gutes Beispiel dafür, was man hier als Bildmaterial hat, das man vielleicht die nächsten Jahre im Heimatkalender zeigen kann.“
Damit künftig weniger Wissen verloren geht, gibt es in Speckswinkel nun ein „Erzählcafé“. Ältere Speckswinkler sollen zu einem Thema, das sie selber vorgeben, ins Gespräch kommen. Naumann formuliert es so: „Dass man ältere Menschen zu einem Erzählcafé einlädt, die Leute einfach zwanglos sich unterhalten und daraus dann auch wieder Berichte erstellt.“
Wer alte Ausgaben des Heimatkalenders nachlesen möchte, findet diese bereits online: „Zurück bis 2007 kann man ihn digital einsehen“, sagt Naumann. Neuere Jahrgänge werden erst später hochgeladen – auch, weil der Kalender weiterhin verkauft wird.
Erhältlich ist der Heimatkalender 2026 zum Preis von fünf Euro beim Ortsvorsteher oder im NeuStadtLaden. Für Naumann ist klar, warum sich der Aufwand lohnt: „Allein durch diese 30 Jahre Heimatkalender gibt es so viel dokumentierte Geschichte – das lohnt es sich einfach weiterzuführen.“

