Neustadts CDU vollzieht den Umbruch

Jakob Gnau übernimmt Fraktionsvorsitz von Hans-Dieter Georgi , dieser wird Stadtverordnetenvorsteher

Neustadt.
Mit 57,92 Prozent fuhr die CDU in Neustadt das deutlichste Ergebnis bei der Wahl einer Stadtverordneten- oder Gemeindevertreterversammlung im Landkreis Marburg-Biedenkopf ein. Damit hat die Fraktion die absolute Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung. Die SPD landete bei 23,08 Prozent, die FWG bei 19 Prozent.
Schon im Vorfeld der Kommunalwahl hatten einige CDU-Mitglieder angekündigt, nicht mehr weitermachen zu wollen. Ziel sei es auch gewesen, einen Verjüngungsprozess einzuleiten. Entsprechend stehen einige Veränderungen in der Stadtverordnetenversammlung an. Und dafür hat die Fraktion nun ihre Personalentscheidungen für die Legislaturperiode 2026 bis 2031 festgezurrt.

Auf Vorschlag des stellvertretenden Stadtverbandsvorsitzenden Thomas Groll und des Spitzenkandidaten der Christdemokraten zur Kommunalwahl, Wolfram Ellenberg, wurde Jakob Gnau (29 Jahre) einstimmig zum neuen Fraktionsvorsitzenden gewählt. Der Bankbetriebswirt gehört der Stadtverordnetenversammlung seit 2021 an und ist fest im Vereinsleben seiner Heimatstadt verwurzelt, wo er bereits ebenfalls Verantwortung übernommen hat.

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Aus Rohrbruch entsteht ein Naturschutzprojekt

Am Rand von Neustadt fließt jetzt ein kleiner Bach über einen Wanderweg / Kosten belaufen sich auf 90.000 Euro
Von Florian Lerchbacher

Neustadt.
Idyllisch plätschert etwas Wasser über die Gauklerrunde, die vom Junker-Hansen-Turm an der ehemaligen Grillhütte vorbei nach Gleimenhain und dann über „die Dick“ zurück nach Neustadt führt. Menschen, die auf dem beliebten Wanderweg unterwegs sind, müssen über einige in der Furt bereitgelegte Trittsteine laufen, möchten sie trockenen Fußes weiterlaufen. Doch der kleine Balanceakt wird belohnt durch das neue optische Highlight in dem Naherholungsgebiet, das vor allem Flora und Fauna zugutekommt – und ein Naturschutzprojekt ist, das eher zufällig aus einem Schaden an einem Brunnen entstand. Ort des Geschehens ist das sogenannte „Maculinea-Schutzgebiet“ am Rande der Stadt Neustadt und damit an der Grenze des Landkreises Marburg-Biedenkopf zum Vogelsberg.
Wurzeln wuchsen in alte Leitung

Namensgeber ist der Ameisenbläuling (Maculinea) – ein seltener Schmetterling, der dort vorkommt und eher klein und unscheinbar ist, wie Katrin Schneider vom Schutzgebietsmanagement der Oberen Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Gießen erklärt: Erst, wenn er seine Flügel ausbreitet, sehe man die blaue Färbung auf der Oberseite. Am nahegelegenen Waldrand befinden sich fünf Brunnen der ehemaligen Neustädter Wasserversorgung, deren Quellsammelschächte eine Tiefe von neun Metern haben – und in die Wurzeln einwuchsen und offenbar seit Sommer 2022 für unkontrollierten Wasserverlust sorgten, wie Thomas Dickhaut, Leiter des Fachbereichs III der Stadt Neustadt, erläutert.

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Erde aus Neustadt kommt in ein Beet in Berlin

Waldkindergarten beteiligt sich an Initiative von Sören Bartol

Neustadt.
Im nördlichen Lichthof des Berliner Reichstagsgebäudes strahlen in großen weißen Buchstaben die Worte „DER BEVÖLKERUNG“ in den Himmel. Besonders gut zu lesen ist der Schriftzug aus dem angrenzenden Plenarsaal des Deutschen Bundestages. Im Beet, das die Buchstaben umgibt, befindet sich Erde aus der ganzen Bundesrepublik, die die Abgeordneten aus ihren Wahlkreisen mit nach Berlin genommen haben.
Seit September 2000 gibt es das Kunstprojekt von Hans Haacke, das an den Schriftzug „DEM DEUTSCHEN VOLKE“ über dem Hauptportal des Reichstagsgebäudes anknüpft.

Nach über 25 Jahren soll das Beet wieder mit Erde aus den Wahlkreisen aufgefüllt werden. Damit möglichst viele Orte aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf vertreten sind, hat der heimische Bundestagsabgeordnete Sören Bartol eine Sammelaktion initiiert, an der Privatpersonen, Sportvereine, Landwirte, Kindergärten, Schulen und einige mehr teilnehmen können.

„Ich würde mich insbesondere freuen, wenn Kindergartenkinder gemeinsam etwas Erde sammeln, die ich dann in das Beet im Reichstagsgebäude einbringen kann. Das Projekt bietet sicherlich auch einen Anknüpfungspunkt, die Themen Demokratie und Parlament im Rahmen der frühkindlichen Bildung zu bearbeiten“, so Bartol in einem Schreiben an die Stadt Neustadt. Eine Idee, die die kommissarische Leiterin des Waldkindergartens Carmen Schneider gemeinsam mit der Erzieherin Judith Eberwein gerne aufgriff und die Kinder der Einrichtung Erde in einem Marmeladenglas sammeln ließ.

Bürgermeister Groll kam zu der Aktion hinzu. Er stellte den Kindern die Aktion, Sören Bartol und den Reichstag anhand von Fotos näher vor. Zukünftig findet sich also Erde aus Neustadt im Berliner Reichstag, dem Sitz des Deutschen Bundestages.

Zwölf neue Stolpersteine erinnern an jüdische Familie

Der Künstler Gunter Demnig verlegte Stolpersteine in Neustadt / Eine Nachfahrin kam zur Zeremonie
Von Laura Lansche

Neustadt.
Zur Verlegung von zwölf Stolpersteinen in Neustadt ist eine Angehörige aus London angereist. Der Künstler Gunter Demnig verlegte die Stolpersteine am Dienstag, 17. März, vor den Häusern in der Bahnhofstraße 6 und der Bogenstraße 1. Sie erinnern an die jüdische Familie Levi, von der die meisten Angehörigen in Konzentrationslagern oder Gettos der Nationalsozialisten ermordet wurden. Nur drei Personen gelang die Auswanderung in die USA oder nach Palästina.
„Es war sehr bewegend und emotional“, sagte Tova Taylor, die mit dem Namen Levi geboren wurde, nach der Zeremonie. Die 39-Jährige aus New York ist die Urenkelin von Moritz Levi, der in die USA geflüchtet war. Insgesamt gebe es rund 400 Nachfahren der Familie, sagte sie. Seit dem Jahr 2019 beschäftigt sie sich intensiv mit ihrer Familiengeschichte. Vieles erfuhr sie auch von ihrem Vater. Bereits 2023 besuchte sie Neustadt, um den Spuren ihrer Familie nachzugehen.

Stolpersteine wurden

vor zwei Häusern verlegt

Tova Taylor traf sich auch mit Schülerinnen und Schülern der Martin-von-Tours-Schule. Die Jugendlichen recherchierten zur Familie Levi, stellten die Familienmitglieder während der Verlegung der Stolpersteine vor und zeigten Bilder von ihnen. Eine Schülerin sagte: „Bei dem Projekt haben wir gemerkt, dass es sich um echte Menschen handelt, nicht nur um Geschichten.“

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Zwölf Stolpersteine erinnern an zwei Familien

Verlegung am Dienstag, 17. März, wird durch besonderen Programmpunkt bereichert

Neustadt.
„Erinnern – gedenken – nicht vergessen!“ Unter diesem Leitgedanken steht die Stolpersteinverlegung, die am Dienstag, 17. März, in Neustadt stattfindet. In der Lehmkaute wurden bereits sechs Stolpersteine zum Gedenken an die Familie Stern verlegt. Dieses Mal wird Künstler Gunter Demnig insgesamt zwölf Stolpersteine vor zwei Häusern platzieren.
Die Zeremonie beginnt vor dem Haus Bahnhofstraße 6, wo die ersten Steine für Hermann Levi, seine Frau Jettchen sowie fünf ihrer Kinder und für seinen Bruder Moritz Levi verlegt werden. Im Anschluss findet die zweite Verlegung vor dem ehemaligen Haus Bogenstraße 1 statt. Es hatte früher die Bezeichnung Krumme Gasse 1 und wurde 1952 in Marktstraße 8 umbenannt. Die dortigen Stolpersteine werden an die ehemaligen Bewohner Sally Levi, dessen Frau Frida und Tochter Alma sowie Fridas Mutter Lina Stern erinnern. Die meisten dieser Familienmitglieder wurden in den Ghettos und Lagern der Nationalsozialisten ermordet. Nur drei von ihnen gelang die rechtzeitige Auswanderung in die USA und nach Palästina.

Schüler recherchierten Schicksale

Wie bereits im vergangenen Jahr ist die Verwirklichung dieser Stolpersteinverlegungen ein Gemeinschaftswerk: Der Arbeitskreis „Neustadt erinnert“, Schülerinnen und Schüler der Martin-von-Tours-Schule und die Stadt Neustadt haben unter der Federführung der Stadtarchivarin Andrea Freisberg eng zusammengearbeitet. Die Schülerinnen und Schüler recherchierten in den Dokumenten des Stadtarchivs und sammelten Informationen aus zeitgenössischen Quellen.

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Ganz im Sinne der Demokratie

Professor Norbert Lammert sprach vor 250 Gästen in Neustadt

Neustadt.
„150 Jahre Konrad Adenauer – wir wählen die Freiheit“ lautete das Thema, dem sich der ehemalige Bundestagspräsident und Ehrenvorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Professor Norbert Lammert, in Neustadt widmete.
Bürgermeister Thomas Groll hatte ihn für die zeitgeschichtliche Veranstaltungsreihe der Stadt gewonnen und freute sich, den 250 Besucherinnen und Besuchern einen „herausragenden Parlamentarier, hervorragenden Redner und unabhängigen Geist“ präsentieren zu dürfen.

Der ehemalige Spitzenpolitiker Lammert gehörte dem Deutschen Bundestag von 1980 bis 2017 an, war Parlamentarischer Staatssekretär, Vizepräsident und von 2005 bis 2017 Präsident des Bundestages. Er sprach rund eine Stunde lang und stellte dabei heraus, dass Konrad Adenauer in seinem langen Leben fünf unterschiedliche Staatsformen in Deutschland erlebt hatte: Bereits im Kaiserreich amtierte er als Oberbürgermeister seiner Vaterstadt Köln. In der Weimarer Republik wurde er zusätzlich Präsident des Preußischen Staatsrates.

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Nahwärmenetz in Neustadt ist auf dem Weg

Aktuell können Bürgerinnen und Bürger ihr Interesse bekunden / Netz könnte in vier bis fünf Jahren fertig sein

Von Laura Lansche

Neustadt.

Eine Nahwärmeversorgung in der Kernstadt von Neustadt, in Momberg und Speckswinkel könnte bald Realität werden. Ein Nahwärmenetz ist in der Anfangsphase. Ob es umgesetzt wird, hängt aber davon ab, „ob genügend Menschen bereit sind, mitzumachen“, sagt Neustadts Bürgermeister Thomas Groll (CDU).

Aktuell wird überprüft, ob genügend Hauseigentümerinnen und -eigentümer an dem Projekt interessiert sind. Dazu gehen Ehrenamtliche von Tür zu Tür, fragen das Interesse ab und laden zu einer Infoveranstaltung ein, erklärt Groll. Momentan sind sie in Neustadts Süden unterwegs. In den Dörfern sollen sich Menschen zusammenfinden, die nach weiteren Interessenten an einer Nahwärmeversorgung suchen, sagt Dr. Sebastian Guth, Technikvorstand der Energiegenossenschaft Vogelsberg. Ziel ist es, in Speckswinkel und Momberg Genossenschaften zu gründen. „Die ersten Gespräche sind positiv verlaufen“, sagt der Bürgermeister. Bürgerinnen und Bürger mit einem Interesse an einer Nahwärmeversorgung haben momentan die Möglichkeit, ihren Wärmeverbrauch unverbindlich anzugeben, damit besser geplant und ein Wärmepreis berechnet werden kann. Durch die Gespräche entstehen noch keine Verpflichtungen, teilt die Energiegenossenschaft Vogelsberg mit.

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Wie lässt sich die Lebenssituation der Menschen in Neustadts Stadtteilen verbessern?

Neustädter Listen positionieren sich vor der Kommunalwahl 2026 zu ihren Plänen für die kommenden fünf Jahre

Von Florian Lerchbacher

Neustadt.

Eine Frage, knappe Antwort: Verschiedene Kandidatinnen und Kandidaten der drei in Neustadts Stadtverordnetenversammlung vertretenen Listen äußern sich zu kommunalpolitischen Themen. Ging es in den ersten zwei von drei Teilen der Wahl-Vorberichterstattung um Vorhaben, Ziele und Projekte sowie die Finanzen, so stehen im letzten Teil der Befragung die Pläne für die Stadtteile im Mittelpunkt.

Konkret lautet das Thema beziehungsweise die Frage, mit der die Oberhessische Presse die Vertreter von CDU, SPD und Freier Wählergemeinschaft (FWG) konfrontiert haben:

Die Dinge des täglichen Lebens kann man in den Stadtteilen nicht mehr kaufen. Wie wollen Sie die Lebenssituation der Menschen dort verändern?

Karsten Gehmlich (FWG): Alltag darf nicht an fehlenden Einkaufsmöglichkeiten scheitern. Mögliche Wege sind ein Dorfladen auf Rädern, Automaten von regionalen Direktversorgern oder eine Erweiterung und Verknüpfung des Bürgerbusangebotes mit Abholservice bei örtlichen Supermärkten und Apotheken. Dies kann auch im Rahmen von Nachbarschaftsinitiativen geschehen, so entsteht Nähe – praktisch, verlässlich und menschlich.

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