Straßenmaler interpretieren das Thema Vielfalt ganz weit

Festival in Neustadt litt unter verregnetem Samstag / Gute Resonanz am zweiten Tag
Von Florian Lerchbacher

Neustadt.
Mensch und Tier, Fuchs und junge Frau, verbindet der Blick aus den Augen. Kimberly Hillebrandt ist eine der zehn Profimalerinnen und Profimaler beim Straßenmalerfestival in Neustadt. Wie ihre Mutter kommt sie seit mehreren Jahren zum Festival. „Es gefällt mir hier sehr“, sagt sie.
Das wird der Arbeitskreis Straßenmalerfestival gern hören. Er weiß um die enge Bindung, die viele auswärtige Künstler zum hessischen Neustadt inzwischen haben. Bei der 17. Auflage des Straßenmalerfestivals in der Marktstraße hat nur das Wetter nicht so mitgespielt. Der Samstag war teils verregnet. „Darum sind sicherlich viele weggeblieben und kommen auch heute nicht mehr“, sagt Roswithe Trümpert traurig. Doch der Andrang nimmt am Mittag des zweiten Festivaltages noch zu. Am Ende werden es deutlich mehr als 60 Straßenmalerinnen und Straßenmaler sein, die dabei sind. Und dennoch, es hätte noch einige Plätze für Kunstwerke gegeben an diesem Tag.

Blick auf Wetter-Apps

Am Samstag habe der Blick in die Wetter-Apps und auf die Regenradare eine große Rolle gespielt, berichtet Trümpert. Die Profis hätten ihre Arbeiten bei Regen schnell abdecken können, das sei nicht allen Laien möglich gewesen. Mancher fing aber erst am Sonntagvormittag so richtig an, seine Gedanken zu Vielfalt, Mensch und Natur in Bildern zu formulieren.

Ein Kind hat einen Fisch ganz in Gelb auf blauem Grund, sehr abstrakt, aber sehr ansehnlich, gemalt. Der Marburger Profikünstler Nikolaj Arndt hat sich für einen Eisbären entschieden, begleitet von einem Pinguin. Arndt ist einer der Veteranen unter den Straßenmalern in Neustadt.

Das Motto des 17. Straßenmalerfestivals im Jahr 2026 lautet „Vielfalt – Menschen, Tiere und Natur“. Künstlerinnen und Künstler zeigen bei der Umsetzung des Mottos große Kreativität und einen breiten Interpretationshorizont. Das sei auch sehr gewollt, sagt Roswitha Trümpert.

Livemusik und Wein

Es gibt kleine Neuerungen bei dieser 17. Auflage des Straßenmalerfestivals. Der Künstler „Tatu“ spielte Livemusik. Erstmals gibt es einen Wagen, der eine kleine Weinprobe anbietet. Das käme hervorragend an, freut sich Trümpert. Ab Sonntagnachmittag gab es wie gewohnt dann auch Kaffee und Kuchen im historischen Rathaus.

Mit dem Interesse an der Vernissage am Freitag, 21. August, ist der Arbeitskreis sehr zufrieden, es gab rund 60 Besucherinnen und Besucher. Auch der Workshop vorab, über den die OP ausführlich berichtet hatte, lief nach Wunsch. Leider kamen aber gerade einmal zwei der Kinder, die teilgenommen hatten, am Wochenende auch zum Festival.

Sperrungen missachtet

„Doch der Funke ist übergesprungen, wie die entstandenen Bilder am Ende gezeigt haben“, sagt Trümpert. Bedauerlicherweise gab es auch 2026 Unerfreuliches aus Sicht des ehrenamtlichen Arbeitskreises. Wieder hätten Rad- und auch Autofahrer die Sperrschilder missachtet, wieder kam es vor, dass Fußgänger einfach über die Bilder gelaufen seien und sich auch bei Ansprache uneinsichtig gezeigt hätten.

Eine Beschimpfung

Besonders bitter ist ein weiterer Vorfall. Unbekannte versahen in der Nacht von Samstag auf Sonntag das begonnene Bild eines Kindes von einem Hasen mit einem arabischen Text.

Nach einer ersten Übersetzung und Einschätzung sei das eine Beschimpfung, ärgert sich Trümpert. „Wir sprechen mit der Familie des Kindes und überlegen, ob wir Anzeige erstatten“, sagt die Arbeitskreis-Sprecherin. „Das Festival steht für Vielfalt, so was hat keinen Platz hier“, sagt sie. Bei der Familie handelt es sich laut Arbeitskreis um syrischstämmige Neustädter, die sehr gut integriert sind.

Mehr Kinder mit Kreide

Unabhängig von diesem Vorfall hat der Arbeitskreis ein Anliegen.

Er wünscht sich, dass wieder mehr Eltern ihren Kindern die Möglichkeit geben, teilzunehmen und mitzumalen, am besten gleich bei der nächsten Auflage im Jahr 2027.