Kleine und große Kunst

Neustädter Straßenmalerfestival findet an diesem Wochenende statt / Fotoausstellung im Rathaus
Von Florian Lerchbacher

Neustadt.
Ein Raster ist des Rätsels Lösung, sagt Marion Ruthardt. Dann sei es gar nicht so schwierig, Straßenmalerei umzusetzen und große Bilder auf den Asphalt zu bringen. Die Duisburgerin gehört seit der Erstauflage des Neustädter Straßenmalerfestivals vor bald 20 Jahren zur Riege der Profis, die an der Veranstaltung teilnehmen. Am Donnerstag gab sie einem guten Dutzend Kindern zwischen 9 und 11 Jahren einen Einblick in ihr Können und erklärte ihnen, wie man ein Bild aus dem Kleinen ins Große überträgt.
Das Wichtigste sei, dem Bild ein Raster zu verpassen und dann Kästchen für Kästchen zu übertragen. „Das kann jeder“, betonte sie und animierte dazu, einfach mutig zu sein und sich an den großen Kunstwerken zu versuchen: „Übung macht den Meister.“ Als Motiv für den Workshop – den der Arbeitskreis Straßenmalerfestival und die Stadtjugendpflege mit finanzieller Unterstützung aus dem Förderprogramm des Landes „LandKulturPerlen – Kulturelle Bildung in ländlichen Räumen“ initiiert hatten – hatte sie eine Mangafigur ausgewählt. Diese sollten die Kinder auf Spanplatten übertragen und mit einem eigenen Hintergrund versehen.

Das Thema lautet „Vielfalt – Menschen, Tiere und Natur“

Die entstandenen Werke sollen dann am Sonntag, 23. August, an dem zwischen 14 und 17 Uhr geöffneten Junker-Hansen-Turm ausgestellt werden. „Und vielleicht noch zu anderen Möglichkeiten, damit wir für unsere Veranstaltung werben können“, sagt Roswitha Trümpert, die Vorsitzende des Arbeitskreises.

Ob sie ihr neu erlerntes Können dann auch tatsächlich direkt anwenden und am Straßenmalerfestival teilnehmen, wussten zumindest Janis (10), Felix (11) und Maximilian (11) noch nicht. Den Workshop wollten sie sich aber nicht entgehen lassen: weil sie allesamt Spaß am Malen haben. „Und man kann ja immer mal was lernen“, sagte Janis, der im vergangenen Jahr beim Festival einen Hund gemalt hatte und nun auch gerne wissen wollte, wie dies noch einfacher geht. „Ich hatte einfach Lust, hier mitzumachen“, ergänzte Felix, während Maximilian bekannte: „Ich male so mittel. Hoffentlich wird das besser.“

„Vielfalt – Menschen, Tiere und Natur“ lautet das Thema des 17. Straßenmalerfestivals, das am Samstag, 22. August, und Sonntag, 23. August, in der Marktstraße stattfindet. Gemalt werden kann am Samstag zwischen 10 und 18 Uhr sowie am Sonntag zwischen 9 und 16 Uhr – auch die spontane Teilnahme ist noch möglich.

Zum Rahmenprogramm gehört neben Musik des Saxofonisten „Thato“ eine Ausstellung im Rathaus: Andrea Freisberg zeigt dort rund 50 kleine und große Fotos von Naturmotiven. Es ist bereits das zweite Mal, dass die 64‑Jährige – die in Neustadt als Stadtarchivarin tätig ist – Bilder im Rathaus ausstellt. Zudem hat sie als Mitglied der Fotografenvereinigung „Blaue Linse“ in Marburg an Gruppenausstellungen teilgenommen, aber auch schon Einzelausstellungen bestückt.

Fotografin hat Ehemann mit ihrem Hobby angesteckt

Seit vielen Jahren sei sie leidenschaftliche Fotografin, erklärt sie und betont, dass die Natur in ihrer ganzen Vielfalt seit einigen Jahren ihr liebstes Motiv sei. „Sie umgibt uns, ohne sie könnten wir nicht leben, und sie ist einfach faszinierend“, schwärmt sie und stellt ihre Liebe zum Detail und auch zu den kleinen Dingen heraus. Fliegen, Raupen oder Libellen seien nicht minder spannend als die großen Tiere. Und je genauer man hinschaue, umso mehr gebe es zu entdecken: „Ich verstehe inzwischen auch viel mehr.“ Entsprechend gehöre das Mobiltelefon mit Apps zur Erkennung von Vogelstimmen und Pflanzen beim Fotografieren in der Natur zum wichtigen Begleiter – neben ihrem Ehemann Achim Fritsch, der ihr liebstes Hobby inzwischen teilt und mit ihr beispielsweise viele Stunden in Slowenien verbrachte, um frisch geschlüpfte Libellen oder Scharen von farbenprächtigen Bienenfressern zu fotografieren. Diese Vielfalt zeigt sie in ihrer Ausstellung im Rathaus. Zu sehen sind Insekten, eine Wildkatze, die erwähnten Bienenfresser, Wälder und Seen mit spektakulären Spiegelungen, aber auch Schnecken oder eine Feldgrille: „Die ist vielleicht nicht so schön, aber besonders – und auf den ersten Blick sieht man sie beim Gang durch die Natur auch nicht“, erklärt Freisberg ihre Bildauswahl für die Ausstellung „Vielfalt Natur“. Die Fotografien stehen zum Verkauf und werden in den kommenden Wochen während der Öffnungszeiten des Neustädter Rathauses zu sehen sein.