Neustädter Mittteilungsblatt

513. Trinitatis-Kirmes — Neustadt feierte ein gelungenes Fest!

Vom 8.-12. Juni 2017 fand sie wieder statt, die Neustädter Trinitatis-Kirmes. In diesem Jahr wurde das größte traditionelle Volksfest im Marburger Land bereits zum 513. Mal in Erinnerung an die Weihe der unter der Herrschaft von Hans von Dörnberg im Jahr 1504 errichteten Stadtpfarrkirche gefeiert.

Den Auftakt zum Heimatfest der Neustädter bildet nun schon seit einigen Jahren der ökumenische Gottesdienst zum Kirmesanfang am Donnerstagabend. In diesem Jahr waren die Bänke vor dem Wallgraben-Pavillon um 18.30 Uhr bei bestem Kirmeswetter – 20 Grad und trocken – voll besetzt. Pfarrerin Kerstin Kandziora und Pfarrer Andreas Rhiel zeigten sich erfreut darüber, dass eine so stattliche christliche Gemeinde den Weg an die Stadtmauer gefunden hatte. Während die beiden Geistlichen für Liturgie und Dialog- Predigt verantwortlich zeichneten, umrahmten die Trinitatis-Bläser und der Katholische Kirchenchor mit Dirigent Berthold Möller den Gottesdienst. Pfarrerin Kandziora mit passender Kopfbedeckung unschwer als „Martina Luther“ zu erkennen und Pfarrer Rhiel mit weißer Haube als „Herr Käthe“ (in Anspielung auf Luthers Ehefrau Katharina von Bora) thematisierten passend zur 500. Wiederkehr des Thesenanschlags an die Schlosskirche zu Wittenberg im Jahre 1517 die Reformation und stellten dabei die Gemeinsamkeiten der beiden christlichen Kirchen in den Mittelpunkt.

Im Anschluss dankte Bürgermeister Thomas Groll den beiden Geistlichen, dass sie für die kommenden Kirmestage Gottes Segen erbeten hatten. Er wünsche sich, so der Bürgermeister, eine heitere und friedliche Kirmes bei hoffentlich trockenem Wetter. Groll lud alle dazu ein, Festplatz und Festzelt in der Lehmkaute zu besuchen. Der Bürgermeister hob hervor, dass die Trinitatis-Kirmes seit über fünf Jahrhunderten Bestand habe. Es sei die Aufgabe einer jeden Generation, das Fest zu bewahren und weiterzugeben. „Unsere Ahnen haben diese Verpflichtung trotz vieler Widrigkeiten stets erfüllt, nehmen wir uns ein Beispiel daran“, so der Bürgermeister. Er beendete seine Ansprache mit einem Zitat des englischen Staatsmannes und Philosophen Thomas Morus: „Tradition ist nicht, die Asche in den Händen zu halten, sondern die Flamme weiterzugeben.“

Danach folgten dann die drei „klassischen Kirmesbestandteile“: Fassanstich, Neubürgertrunk und Junker-Hansen-Einführung.

Trotz „bum bum“ fand der Zapfhahn zunächst nicht den Weg ins Fass

Die ehrenvolle Aufgabe des Fassanstiches kam diesmal Bürgergar- de-Hauptmann Andreas Gnau zu, der bekannte, doch ein wenig aufgeregt zu sein. Seine Gardisten würden schließlich Treffgenauigkeit erwarten und jeder Schluck Bier, der nicht den Weg in die Gläser fände, müsse von ihm anschließend an der Theke ausgeglichen werden. Es kam, wie es kommen musste: Das Bier spritzte zunächst munter aus dem Fass, aber nicht in die bereitgehaltenen Gefäße und das „Mitleid“ der Kameraden war dem Hauptmann gewiss. Mit dem Fassanstich, so der Bürgermeister, solle das vielfältige ehrenamtliche Engagement von Andreas Gnau für seine Heimatstadt gewürdigt werden. Gleich ob Karneval, Bürgergarde, Neustadt-Treffen, Kirmes oder Patenschaft mit der Bundeswehr: Andreas Gnau sei stets ein Aktivposten, auf den man zählen könne, stellte Thomas Groll heraus.

Im Verlauf des Abends sorgten in bewährter Weise immer wieder die „Coronas“ mit „Speckswinkels bekanntestem Busfahrer“ Konni Will für die passende Musik und gute Unterhaltung.

Ein „goldener Türgriff‘ für das „Haus der Begegnung“

Bevor Thomas Schmid, der Sprecher der Neubürger, wieder gemeinsam mit Karla Schulze weitere Damen und Herren in den Kreis der neu nach Neustadt Hinzugezogenen aufnahm, richtete zunächst der Bürgermeister die erste „10 Euro-Frage“ an die Anwesenden (nachzulesen in der Kirmesbroschüre 2017): Was haben die für Thomas Schmid wichtigen Jahre 1959, 1993 und 1995 gemeinsam? Richtig, Deutschland wurde jeweils von einem Christdemokraten regiert und der FC Bayern München – der Neubürger- präsi ist bekennender Bayernfan – errang nicht die Deutsche Meisterschaft. Die Antwort wusste keiner der Anwesenden. Auch die „klassische 10 Euro-Frage“ von Thomas Schmid nach der Hauptstadt von Ost-Timor konnte nicht beantwortet werden. Die Herren Schmid und Groll waren sich einig: Die nicht verausgabten 20 Euro werden in den geplanten Neubau des „Hauses der Begegnung“ investiert und sollen für den ersten „goldenen“ Türgriff sorgen. Weitere Spenden – gleich ob klein oder groß – sind willkommen, der Bürgermeister kann sich nicht alleine auf die aufgespürten „Fördertöpfe“ verlassen.

Thomas Schmid hatte zunächst zwei Überraschungen parat. Alexandra Richber, die Betreiberin des REWE-Marktes, wurde als erste zur Neubürgerin 2017 ernannt. Sie wohnt zwar nicht in Neustadt, aber ihr Engagement für Kirmes, Kindergärten, Vereine und die Neustädter Gemeinschaft sind beispielhaft und eine Würdigung im Kreis der Neustädter wert. Außerdem verbringt sie sowieso mehr Zeit in Neustadt an ihrem Arbeitsplatz als in ihrem Wohnort Mücke.

Licher-Gebietsreferent Edgar Müller ist vor kurzem sechzig Jahre alt geworden. Seit zwei Jahrzehnten ist er mit kurzen Unterbrechungen für Neustadts Kirmes zuständig. Gerade um das 500. Kirmes-Jubiläum 2004 habe er sich besonders verdient gemacht, stellte Thomas Schmid heraus. Edgar Müller wurde, da er sich immer mit Herzblut für die Neustädter Kirmes einsetzt, zum ersten „Neustädter Kirmesbürger“ ernannt.

Italien grüßt Neustadt, ein roter Fiat fuhr vor

Weidenbrunnenwasser trank dann Anna Heinrich als nächste Neubürgerin. Sie stammt aus Lörrach und ist Serviceleiterin der Brücker Mühle am Fuße der Amöneburg. Sie lebt mit Karnevalsprinz David Borowka zusammen, was sie zu uns nach Neustadt brachte. Davids Prinzessin auf Zeit, seine Faschingsprinzessin Ricarda Hill, hatte am Donnerstag Geburtstag und bekam natürlich ein Ständchen von den „Coronas“.

Nachdem Carmine Pellegrino, der Besitzer der Melissa (so heißt übrigens sein Heimatort in Calabrien, jetzt wissen wir auch endlich alle, warum die Pizzeria „Melissa“ heißt) sich zu Recht bei Thomas Schmid beschwert hatte, wie denn seine Frau im letzten Jahr Neubürgerm werden konnte, wo er doch selbst noch gar nicht in den Kreis aufgenommen wurde, musste das natürlich in diesem Jahr korrigiert werden. Thomas Schmid konnte sich auch nur damit retten, dass er natürlich Martha gewählt hatte, weil sie doch viel hübscher sei als er. Aber dafür bekam Carmine in diesem Jahr nicht nur eine, sondern gleich zwei besondere Aktionen, die sich die Neubürger für ihn ausgedacht hatten. Zunächst wurde es feierlich. Ein Bänkchen wurde an den vorderen Rand der Bühne gestellt und Carmine Pellegrino musste darauf niederknien. Passend angezogen mit schickem Anzug und sogar Zylinder war er ja. Nein, er musste nicht seine Sünden gestehen, sondern nur unter anderem

allen Neustädtern versprechen, dass er uns auch in Zukunft mit leckerem Essen und gutem Service verwöhnen wird. Kein Problem für ihn. Mit galantem Winken in die Menschenmenge konnte er dies natürlich gerne unter großem Applaus versprechen. Und damit auch gewährleistet war, dass er alles, was er versprechen sollte, richtig versteht, sorgte Eliane Piddiu-Ripken als gebürtige Italienerin für die perfekte Übersetzung. Im Anschluss fuhr – dank persönlicher Verbindungen zum entsprechenden Besitzer aus Treysa, Dr. Bernd Gömbel – ein kleiner roter Fiat 500 älteren Baujahres unter Szenenapplaus für ihn vor bis zur Bühne. Carmine ließ es sich im Anschluss an den offiziellen Teil natürlich nicht nehmen, mit dem kleinen Italomobil für Fotos zu posieren.

Dr. Gömbel zeigte sich übrigens im Verlauf des Abends begeistert davon, dass man in Neustadt fünf Tage Kirmes feiert. Auch ein Festzug, mehrere Live-Bands und ein Rummelplatz seien heute leider nicht mehr selbstverständlich. Als Treysaer könne er da nur ein wenig neidisch in die Nachbarstadt schauen. Nachdem die Hutzelkirmes 2015 und 2016 ausfiel, gebe es 2017 zwar einen neuen dreitägigen Versuch, aber beispielsweise ohne Festzug. Als Neustädter sollte man diese Worte einmal bedenken. Erst wenn es etwas nicht mehr gibt, weiß man es oft erst richtig zu schätzen. Wir haben das Glück, es anders machen zu können.

Letztmals sprachen dann Junker Hans Dominik Weitzel sowie die Burgfräulein Sophia Keßler und Maja Stepanek zu „ihrem Volk“. Sie dankten für ein abwechslungsreiches Jahr mit einem Besuch beim Ministerpräsidenten als Höhepunkt und wünschten den „Neuen“ alles Gute für die kommenden zwölf Monate und ebenfalls viel Freude beim Repräsentieren Neustadts.

Ein Gnau kommt selten allein

Begleitet von den Gardisten der Bürgergarde zog dann das neue „Dreigestirn“ vom Rabenauplatz kommend ein. Bürgermeister Thomas Groll und Stadtverordnetenvorsteher Franz-W. Michels begrüßten Michel Gnau (18) als Junker Hans 2017/18 sowie Marie Geus (18) und Julia Schmidt (seit Kirmessonntag 19) als seine Burgfräulein. Der neue Junker Hans aus „feierfreudigem und vielfach aktivem Hause“ stammend, absolviert derzeit eine Ausbildung und möchte beruflich in die Fußstapfen von Vater Andreas treten. Burgfräulein Marie legte gerade ihr Abitur erfolgreich ab und Burgfräulein Julia hat ein Lehramtsstudium aufgenommen.

Während Michel Gnau, dessen älterer Bruder Jakob auch schon einmal die Symbolfigur der Kommune darstellte, u.a. in der Bürgergarde aktiv ist, tanzen die beiden jungen Damen mit Begeisterung in der Prinzengarde des VfL.

Gemeinsam richteten die drei kurz das Wort an die Kirmesgäste und riefen dazu auf, die Kirmes mitzufeiern. Dabei gab der Junker Hans

das Motto vor. Sein Spruch „Geht einfach erst wenn’s hell ist nach Hause, dann stolpert ihr nicht in der Dunkelheit“ erhielt viele Lacher und Applaus.

Bürgermeister Thomas Groll dankte zum Ende des offiziellen Teils allen Mitwirkenden für einen rundum gelungenen Auftakt. Er betonte zudem, dass es die richtige Entscheidung gewesen sei, die traditionellen Kirmes-Elemente von der „Lehmkaute“ in die Altstadt zu holen und diese allesamt auf den Donnerstagabend zu terminieren. Der Beifall der Besucher gab ihm recht.

Ab Freitag wurde dann in der „Lehmkaute“ Kirmes gefeiert

Am Freitagnachmittag gab es zunächst ein Gewitter und kräftigen Regen. Gegen Abend, als erstmals während der diesjährigen Kirmestage der Festplatz in der „Lehmkaute“ öffnete, klarte es erfreulicherweise auf. In diesem Jahr war die Bestückung des Festplatzes für Generalpächter Konrad Ruppert nicht einfach, denn der Hessentag in Rüsselsheim, Volks- und Stadtfeste in Hofgeismar, Lauterbach und Homberg/Efze standen aufgrund des diesmal eher späten Kirmestermins in zeitlicher Konkurrenz mit der Neustädter Kirmes. Aber alle Fahr- und Ausspielungsgeschäfte, so der Fachbegriff für Los- und Schießbude, die Ruppert im Frühjahr angekündigt hatte, waren vor Ort. Seit 2012 kann man sich auf seine Arbeit verlassen. Sie wird zu Recht von Verantwortlichen und Besuchern geschätzt. Zwei am Freitag noch vorhandene kleinere Lücken wurden am Samstag bzw. Sonntag erfolgreich geschlossen. Zunächst kam noch eine Donuts-Bude hinzu und am Sonntagvormittag baute die Neustädter Familie Marozsan, die zuvor noch in Hanau vertreten war, ihren „Schweinchen-Express“ für die ganz kleinen Besucher auf. Schade nur, dass 2017 ein „Familien-Karussell“ fehlte, aber die Zahl der zeitgleichen Veranstaltungen war diesmal einfach zu groß. Bürgermeister Groll hat den Generalpächter gebeten, hier im kommenden Jahr doch nach Möglichkeit wieder ein entsprechendes Angebot in die „Lehmkaute“ zu holen.

Im unteren Bereich hatte Konrad Ruppert zum wiederholten Male für ein vielfältiges Speisenangebot gesorgt. Ein Lob vieler Besucher verdiente sich hier übrigens die hervorragende Pizza aus dem Hause Ahlendorf.

Die Festwirte Adi und Toni Ahlendorf hatten wieder gute (Vor-) Arbeit geleistet. Das Festzelt war erneut toll dekoriert. Neu war der leicht erhöhte Biergarten im Zelt. Auch dessen Pendant im Außenbereich wurde ebenso wie der Bierwagen, in diesem Jahr übrigens ein besonderer Blickfang, von den Gästen gut angenommen. Die Lokalität der Familie Asmuß auf dem oberen Platz hatte nicht zuletzt aufgrund des guten Wetters ebenfalls regen Zuspruch über die Kirmestage. Gegenüber Bürgermeister Thomas Groll regte Adi Ahlendorf an, 2018 den Biergarten im Zelt noch zu erweitern und Reservierungen und „VIP-Service“ anzubieten. Die hierbei erzielten Einnahmen könnten in das Festprogramm investiert werden. Eine überlegenswerte Idee.

Schausteller haben es heute nicht einfach

An den Tagen des Aufbaus hatten Bürgermeister Thomas Groll und Rene Spatzier, der die Vorbereitung und Durchführung der Kirmes seitens der Stadtverwaltung betreut, Gelegenheit, mit zahlreichen Schaustellern zu sprechen. Dabei wurde deutlich, dass sich diese gegenwärtig in keiner einfachen Situation befinden. Es gibt einfach zu viele Alternativen zum traditionellen Rummelplatz. Zugleich betonten die Schausteller aber, dass sich die Trinitatis-Kirmes nach einem „Durchhänger“ insbesondere nach der Jubiläumskirmes 2004 in ihrer Wahrnehmung – auch im Vergleich zu anderen traditionellen Volksfesten – wieder positiv entwickelt habe. Auch wenn die Umsätze „natürlich immer noch ein wenig besser sein könnten“ waren sie mit dem Verlauf der diesjährigen Kirmes sehr zufrieden. An allen Tagen sei ein „ordentlicher Besuch“ in der „Lehmkaute“ zu verzeichnen gewesen. Samstag und Sonntag seien erkennbar besser gewesen, als in den letzten Jahren.

Aus (Unter-) Franken kam die Musik

Gegen 21.00 Uhr begann dann der Disco-Abend mit DJ „Nachtrocker“, der im Südwesten Deutschlands einen hohen Bekanntheitsgrad genießt. Er zeigte im Verlauf der Veranstaltung, dass er sein Handwerk versteht und brachte viele auf die Tanzfläche. Nachdem bei schönem Wetter zunächst der Festplatz mit Jugendlichen und das Areal rund um den Bierwagen mit den etwas älteren Neustädtern gut gefüllt war, verlagerte sich das Geschehen gegen 23.00 Uhr dann zusehends ins Zelt.

DJ „Nachtrocker“ wurde von den Verantwortlichen ebenso wie sämtliche Kapellen der diesjährigen Trinitatis-Kirmes bei der Künstleragentur volkston.de aus Unterfranken gebucht. Die Premiere ist nach den Worten von Bürgermeister Groll gelungen und es gab während der Kirmestage erfreulicherweise zahlreiche positive Rückmeldungen. Daher kündigte der Bürgermeister für 2018 bereits eine Fortsetzung der Zusammenarbeit an.

Für den Verzicht auf ein Programm am Samstagnachmittag gibt es Gründe

Seit dem Ende der legendären „Miss Neustadt-Wahl“ vor über 25 Jahren blieben alle Versuche, am Samstagnachmittag ein Unterhaltungsprogramm im Festzelt anzubieten, leider immer „sehr überschaubar“. Ob Bull-Riding, Spiel ohne Grenzen für Neustadts Vereine, Clown oder Zauberer, die Mehrzahl der Bänke blieb leer. Dem, so Bürgermeister Groll, habe man nun seit drei Jahren Rechnung getragen und verzichte auf ein Programm im Zelt. Dies sei zwar bedauerlich, aber eben auch folgerichtig. Wer eine neue, erfolgsversprechende Idee habe, die zumindest 150 Besucher anspreche, sei herzlich eingeladen, mit Rene Spatzier oder ihm in Kontakt zu treten. Dies gelte natürlich auch für alle, die sich zum diesjährigen Kirmesgeschehen äußern wollen. Für konstruktive Kritik sei man dabei ebenso dankbar wie für positive Rückmeldungen. Am einfachsten geht es unter www.magistrat@neustadt-hessen.de

Der Besuch bei der Fußballübertragung war überraschend gut

Um 19.00 Uhr begann dann bereits der Auftritt der Partyband „Bayernmän“. Auch wenn das Zelt zunächst noch dünn besetzt war, gaben die Musiker, die seit Jahren auf dem Münchner Oktoberfest auftreten, ihr Bestes. Profis eben. Sie sorgten mit ihrem Können und ihrer Programmvielfalt bis gegen 3.00 Uhr für einen äußerst gelungenen Abend und eine volle Tanzfläche. Das Motto lautete dabei „Partypower pur“. Unterbrochen wurde der Auftritt der selbsternannten „Partykracher“ von der Live-Übertragung des EM-Qualifikationsspiels Deutschland gegen San Marino.

Als man Anfang 2017 die Entscheidung traf, „König Fußball“ die Ehre zu erweisen und entsprechend disponierte, war nicht absehbar, dass Jogi Löw nicht mit der Topmannschaft zum Confed-Cup und in das WM-Qualifikationsspiel gehen würde. „Hätten wir das vorher gewusst, hätte es durchgängig Musik gegeben“, so der Bürgermeister am Samstagnachmittag. Infolgedessen befürchteten Thomas Groll und Adi Ahlendorf keine große Resonanz beim Fußballspiel. Doch sie wurden eines Besseren belehrt. Vielleicht auch gerade durch die Spielfreude der jungen Mannschaft war das Zelt gut gefüllt und die verbilligten Biermarken gingen vor 22.00 Uhr aus. Der Festwirt entschuldigt sich dafür und verspricht, dass so etwas nicht mehr vorkommt.

Im kommenden Jahr findet am Kirmessamstag übrigens das Champions League-Finale statt. Ein lustiger Zeitgenosse meinte in diesem Zusammenhang, wenn die TSG Hoffenheim dann auf RB Leipzig träfe, wäre das Festzelt sicher brechend voll, denn wer wolle schon wieder Bayern gegen Real sehen…

Ein sensationelles Feuerwerk!

Punkt 23.00 Uhr zündete Pyrotechniker (und JBO-Dirigent) Christoph Jarkow das Feuerwerk. Er sorgte dafür, dass der Himmel über Neustadt in bunten Farben erstrahlte und so manche Sternschnuppe niederging. Die Betrachter waren sich in ihrer Bewertung einig:

Ein sensationelles Feuerwerk. Das beste seit Jahren. Verdienter Applaus war der Lohn für diese klasse Leistung.

Muss das sein? Wir wollen fröhlich feiern.

Leider nicht erhört wurde des Bürgermeisters Wunsch nach einer gänzlich friedlichen Kirmes. Am Freitag wurde ein Schaltkasten der Telekom aus der Verankerung gerissen und es gab ein paar Schmierereien in den Toiletten. Ebenso wie am Samstag war zudem ein Polizeieinsatz nötig, um einige Hitzköpfe zur Ruhe zu bringen. Das muss doch nicht sein. In diesem Zusammenhang übrigens vielen Dank an Polizei, Deutsches Rotes Kreuz und auch den Sicherheitsdienst für ihre Arbeit. So können wir anderen viel entspannter feiern.

„Ein Haus voll Glorie schauet…

Wenn einmal im Jahr das Lied „Ein Haus voll Glorie schauet, weit über alle Land. Aus ew’gem Stein erbauet, von Gottes Meisterhand“ von den Trinitatis-Bläsern intoniert auf dem Marktplatz erschallt, dann ist zweifelsfrei Dreifaltigkeitssonntag, dann feiert man in Neustadt Trinitatis-Kirmes. Eine erfreulich große Gottesdienstgemeinde, darunter der Junker Hans mit seinen Burgfräulein, Gardisten der Bürgergarde und Biedermeierdamen, war zusammengekommen, um mit Pfarrer Andreas Rhiel das Festhochamt zu feiern. Gemeindereferentin Mechtild Lotz trug mit Unterstützung weiterer Gemeindemitglieder die Geschichte von der „Konferenz der Steine“ vor. Pfarrer Rhiel bezog sich darauf in seiner nachfolgenden Ansprache. Sein Fazit: Es kommt auf jeden Stein an, wenn ein Haus gebaut werden soll, nicht nur auf die schönen und funkelnden. Zum Abschluss des Gottesdienstes erhielten die Gläubigen ein vom Pfarrgemeinderat gebackenes „Kirmesplätzchen“.

Der Festzug, ein Höhepunkt der Kirmes!

Gegen 14.00 Uhr setzte sich dann der große Festzug mit 46 Nummern bei herrlichem Sommerwetter in Bewegung. Ein paar Grad weniger hätten es aber schon sein können, so wurde der Weg durch Neustadts Straßen gerade für die Kleinsten zu einer wahren Kraftanstrengung. Ein solch bunter Zug ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr und es gibt ihn nur noch in wenigen Kommunen. „Ein herzliches Dankeschön all denen, die Jahr für Jahr dabei mitmachen“, so Thomas Groll. Aber auch ein Dank an die Stadt Neustadt (Hessen), die sich in diesem Bereich engagiert. Sechs Kapellen, die flott aufspielenden „Boptown Cats“ auf dem Wagen der US-Car Freunde Neustadt, zwei Trachtengruppen, das „Rotkäppchen“ und viele mehr sorgten auch 2017 für einen gelungenen Festzug. Toll, dass neben zahlreichen Neustädter Vereinen auch wieder die beiden Kindertagesstätten und die Patenkompanie der Bundeswehr dabei waren. Gerade die Jüngsten, passend zu den Themen „1001 Nacht“ und „Circus“ kostümiert, erhielten immer wieder Beifall von den vielen Besuchern am Straßenrand. Aber auch aus Mengsberg, Schwalmstadt, Stadtallendorf und Neukirchen kamen diesmal Beiträge. Und auch das Team der Gemeinwesenarbeit hatte mit Geflüchteten einen Wagen vorbereitet. Farbenfrohe Kostüme und gelungene Motivwagen, das ist Neustadts Festzug. Die Repräsentanten der Kommune, Stadtverordnetenvorsteher und Bürgermeister, und ihre Gäste wurden diesmal im „Rotkäppchen-Express“ gefahren. Bundestagsabgeordneter Sören Bartol, Landtagsabgeordnete Handan Özgüven und Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow waren auf Einladung des Bürgermeisters ebenso dabei wie Festwirt und Generalpächter. Auch Ehrenstadtrat Ludwig Dippel, der „das Fest mit Herz“ über zwei Jahrzehnte hinweg als Vorsitzender der Festkommission geprägt hatte, winkte fleißig und Ortsvorsteher Klaus Groll, einstmals Schriftführer dieses Gremiums, schoss zahlreiche Fotos. „Überraschungsgast“ auf dem Wagen war Wenzel Zupfer. Der inzwischen 81jährige war als Dirigent der “Waldnaabtaler Musikanten“ zwei Jahrzehnte in Neustadt zu Gast und wurde von vielen Besuchern erkannt. Gemeinsam mit Sohn und Enkeln war er extra zum Festzug aus Neustadt a.d. Waldnaab angereist. Der Festzug wies immer wieder einmal Lücken zwischen den einzelnen Teilnehmern auf. Hier wollen die Verantwortlichen über Verbesserungen nachdenken. Auch der Einsatz einer weiteren Kapelle soll im Laufe der nächsten Monate überdacht werden.

Nachdem Bürgermeister Thomas Groll allen Mitwirkenden von der Festzeltbühne aus für ihr Engagement gedankt und Burgfräulein Julia Schmidt zum Geburtstag gratuliert hatte, moderierte Christoph Jarkow die anschließende Musikschau mit dem Jugendblasorchester Neustadt, dem Spielmannszug Homberg/Efze und der Musikkapelle Niederklein. Auch ihm, „dem Mann mit der Leidenschaft für Feuer und Musik“, dankte Groll und zwar zum einen für das gelungene Feuerwerk und zum anderen dafür, dass er das Jugendblasorchester seit Jahren gekonnt leitet.

Bereits ab 18.00 Uhr übernahmen die „Partyräuber“, ebenfalls mit Oktoberfesterfahrung, das Kommando und sorgten für gute Unterhaltung. Goldrichtig war die Entscheidung, die bestens beim Publikum ankommende Partyband unmittelbar nach der Musikschau auftreten zu lassen, um „Leerlauf“ zu vermeiden. Ihnen gelang es bereits gegen 19.00 Uhr, eine Polonaise zu initiieren. Angeführt von den „Süßen REWE-Früchtchen“ folgten Bürgergarde und Biedermeierdamen und Soldaten der Patenkompanie. Kirmesstimmung pur.

Am Montagmorgen wurde zunächst der Toten gedacht. Zu Beginn fand ein Requiem in der Friedhofskapelle statt und Pfarrer Andreas Rhiel segnete die Gräber der Verstorbenen.

Im Anschluss trafen sich Mitglieder des VfL 1864/87 Neustadt, der bis 1956 Ausrichter der Kirmes war, Vertreter der Kommune und eine starke Abordnung der Bürgergarde gemeinsam mit Angehörigen am Grab von Carl-Heinz Schmidt. Vorsitzender Klaus Busch hielt dort eine sehr persönliche Ansprache und gedachte des langjährigen aktiven Fußballers und Karnevalsprinzen. Zum Abschluss erklang ein von Karl-Joseph Lemmer gespieltes Trompetensolo.

Gemeinsam mit den „Rhönrebellen“ zog man dann ins Festzelt. In der „Lehmkaute“ fand auch wieder ein Krammarkt statt. Hier will man sich für das kommende Jahr um ein paar Händler mehr kümmern, diesmal waren immerhin acht vor Ort.

Langsam, aber sicher füllte sich das Zelt zum Frühschoppen, der auch diesmal wieder von Michael Launer und Andreas Gnau moderiert wurde. Gegen 13.00 Uhr war es dann bestens gefüllt. Die „Rhönrebellen“ sorgten mit ihrer Musik für gute Stimmung und Neustadts „beliebteste männlichen Karnevalssitzungspräsidenten“ luden zu zwei Spielen auf die Bühne. Bürgermeister Thomas Groll und Hauptmann Tim Schneider von der Patenkompanie mussten sich im „Wasserlassen“ – dem Befüllen eines Weizenbier-Glases mit verbundenen Augen – messen und weitere 4 Besucher wurden zu einem Nagelwettbewerb mit erschwerten Bedingungen gebeten.

Das Thema „Wasserlassen“ oder besser die neuen WC-Container und die fehlende „Pinkelrinne“ bestimmten übrigens so manches Thekengespräch. Es ist interessant, wie schnell die Kritik der vergangen Jahre in Vergessenheit gerät und nostalgische Gefühle Oberhand gewinnen. Wenn eine ausrangierte „Pinkelrinne“ der Kritikpunkt an der diesjährigen Kirmes ist, dann war es wohl ein gelungenes Fest.

Unterbrochen wurde der Auftritt der „Rhönrebellen“ dann noch vom Helene-Fischer-Double Isabell Plaue. Sie machte das Publikum „Atemlos“ und wollte „Nur mit Dir“ in Neustadt Kirmes feiern.

Aufgelöst wurde von Sparkassen-Filialleiter Andreas Blattner und Alexandra Richber auch das „Kronkorken-Schätzspiel“. Im Glas waren 859 Kronkorken. Ganz nah dran mit einer Abweichung von nur 3 Stück war Andreas Reuscher, der damit ein XXL-Grillpaket gewonnen hat.

Am späten Nachmittag klang der Frühschoppen aus und manche blieben gleich vor Ort, um ab 19.00 Uhr mit der Partyband „Obacht“ weiter zu feiern. Die Musiker aus Franken machten zum Kirmesausklang nochmal richtig gute Musik bis Mitternacht und hielten somit viele der noch verbliebenen Gäste im Zelt.

Ein erstes Fazit der Kirmes 2017

Am Montagnachmittag zog Bürgermeister Thomas Groll ein erstes, äußerst positives Fazit der 513. Neustädter Trinitatis-Kirmes. Dabei zeigte er sich mit dem Verlauf der fünf „Feiertage“ sehr zufrieden. „Der Zuspruch war insgesamt besser als in den Vorjahren, das belegt auch der leicht angestiegene Bierkonsum. Die Zusammenarbeit mit Festwirt, Generalpächter und Künstleragentur verlief reibungslos. Das gefundene Programmschema, gerade auch der Kirmesauftakt an der Stadtmauer, wird von den Besuchern angenommen. Feuerwerk und Festzug waren Höhepunkte der diesjährigen Kirmes. Die Partybands kamen allesamt bei den Besuchern an. Es war, natürlich auch wetterbedingt, eine sehr gute Kirmes.“

Der abschließende Dank des Bürgermeisters galt allen, die sich in Vorbereitung und Durchführung der Kirmes 2017 eingebracht haben. Besonders hob er dabei Rene Spatzier hervor, der als „Mann für alle Fälle“ an den fünf Kirmestagen bei Bedarf stets zur Verfügung stand.

Aber auch Thomas Groll selbst gehört ein Dankeschön. Neben dem Verfassen der Festschrift, führt er vorab alle Verhandlungen bzw. Gespräche mit Generalpächter, Festwirt und Künstleragentur.

Übrigens, vom 24.-28. Mai 2018 findet die 514. Neustädter Trinitatis-Kirmes statt. Sie sind doch sicher wieder mit dabei?!

„Runder Tisch“ Feldwege in der Stadt Neustadt (Hessen)

Auf Initiative von Bürgermeister Thomas Groll trafen sich Vertreter der Kommune und Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde bzw. des Fachbereichs Ländlicher Raum und Verbraucherschutz des Landkreises Marburg-Biedenkopf mit den Ortslandwirten, den Jagdpächtern, dem Vorsitzenden der Hegegemeinschaft III-„Ostkreis“ und örtlichen Naturschutzgruppen zu einem Meinungsaustausch.

Gegenstand der konstruktiven Unterredung, die nach der Begrüßung durch Bürgermeister Thomas Groll von Uwe Krüger, dem für Neustadt zuständigen Sachbearbeiter der Unteren Naturschutzbehörde, moderiert wurde, war die Pflege der Feldwege bzw. die Pflege von Gehölzen im Bereich landwirtschaftlicher Nutzflächen. Krüger hob hervor, dass es sicherlich ideal wäre, dass Wege (Raine) möglichst nicht vor Juni/Juli gemulcht werden und dann auch nur dort, wo verkehrliche Belange es erfordern. Im Optimalfall könnten sich so kraut-/blütenreiche Säume bilden, die vorteilhaft für Insekten seien und auch Wirbeltieren Nahrung sowie Deckung böten. Es sei allerding so Uwe Krüger, erkennbar, dass dieses Ideal nicht durchgängig erreichbar sei – zum Beispiel aus Gründen einer „Feldhygiene“ oder zwecks Erleichterung der Erntearbeiten. In diesem Zusammenhang müsse auch berücksichtigt werden, dass der städtische Bauhof vier Gemarkungen zu betreuen habe und nicht alle Arbeiten gleichzeitig ausführen könne. Daher kam man überein, in besonderen „sensiblen Bereichen“ (etwa „Hienerwiesen“ bei Neustadt) den Mulchzeitpunkt soweit wie möglich nach hinten zu verlegen. Auch wurden die Ortslandwirte gebeten, anhand von Gemarkungskarten jene Wege zu kennzeichnen, wo auf ein Mulchen möglicherweise verzichtet werden könne. In diesem Zusammenhang soll geprüft werden, ob zwecks einer verbesserten Information von Landwirtschaft und Öffentlichkeit durch die Agentur Naturentwicklung Marburg-Biedenkopf ein Flyer zu diesem Thema erstellt werden kann.

Behandelt wurde weiterhin der Rückschnitt von Sträuchern bzw. gelegentliche Pflegeschnitte bei Obstbäumen. Seitens der Behördenvertreter wurden hierzu nähere Erläuterungen und Tipps gegeben. Es soll überlegt werden, ob die Mitarbeiter der Kommune an entsprechenden Schulungen teilnehmen.

Die Gesprächspartner vereinbarten, im Herbst wieder zusammenzukommen, um eine Bestandsaufnahme der Sommermonate vornehmen zu können und das weitere Vorgehen abzusprechen.

„Deutscher Herbst“ 1977 – 40 Jahre RAF-Terror

Gedenkveranstaltung mit Hanns-Eberhard Schleyer

1977 erreichte der Terror der Roten Armee Fraktion (RAF) seinen unrühmlichen Höhepunkt. Im April wurden in Karlsruhe zunächst Generalbundesanwalt Siegfried Buback und zwei ihn begleitende Personenschützer erschossen. Ende Juli ermordeten Terroristen dann den Vorstandssprecher der Dresdner Bank AG Jürgen Ponto. Im September wurden in Köln die vier Leibwächter Hanns-Martin Schleyers von der RAF umgebracht und der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie bzw. der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände entführt. Unmittelbar nach der von der GSG 9 beendeten Entführung der Lufthansamaschine „Landshut“ in Mogadischu, zuvor war Flugkapitän Jürgen Schumann ermordet worden, brachten Terroristen im Oktober auch Schleyer um. Drei in Stammheim einsitzende Terroristen begingen seinerzeit Selbstmord.

Im Rahmen ihrer zeitgeschichtlichen Erinnerungsreihe wird die Stadt Neustadt (Hessen) am 27. September 2017, 16.00 Uhr, an den „Deutschen Herbst“ 1977 und damit an 40 Jahre RAF-Terror erinnern. Bürgermeister Thomas Groll ist es abermals gelungen, einen Zeitzeugen nach Neustadt einzuladen. Hanns-Eberhard Schleyer, der älteste Sohn des Arbeitgeberpräsidenten, wird zu der Thematik sprechen. Schleyer, Jahrgang 1944, war von 1978-1981 als Staatssekretär Bevollmächtigter des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund und anschließend bis 1988 unter Ministerpräsident Bernhard Vogel Chef der Mainzer Staatskanzlei. Anschließend wirkte er bis 2009 als Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.

Im Oktober 1977 kämpfte Hanns-Eberhard Schleyer namens der Familie um das Leben des Vaters, indem er – letztlich vergeblich – versuchte, vor dem Bundesverfassungsgericht die von den Entführern geforderte Freilassung inhaftierter Terroristen von der Bundesregierung zu erreichen.

Für den Verlauf des Jahres, so Bürgermeister Groll, sei auch noch eine Gedenkveranstaltung über Leben und Wirken des Gründungskanzlers Konrad Adenauer geplant, der vor 50 Jahren, 1967, verstarb.

Fachausschuss I

Zur Vorbereitung der nächsten Stadtverordnetenversammlung tagte am vergangenen Mittwoch unter dem Vorsitz von Markus Bätz (FWG) auch der Fachausschuss I (Grundsatzangelegenheiten, Finanzen, Öffentliche Sicherheit).

Zunächst wurde ein Antrag der FWG-Fraktion, der sich mit dem Anbringen von zwei zusätzlichen Verkehrsspiegeln an den Kreuzungen „Kohlscheider Weg / Willingshäuser Straße“ und „Am Weizenberg / Willingshäuser Straße“ befasst, aufgerufen. Stadtverordnetenvorsteher Franz W. Michels stellte hierzu fest, dass die Stadtverordnetenversammlung hierüber nicht befinden könne. Es handele sich um eine straßenverkehrsrechtliche Frage, welche in die ausschließliche Zuständigkeit des Bürgermeisters falle. Dieser hatte aber bereits im Vorfeld signalisiert, sich natürlich zu dem Thema äußern zu wollen. Daher soll der Antrag in eine Anfrage umgedeutet und in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung behandelt werden.

Ein weiterer Prüfantrag der FWG, der sich mit der Feststellung der Kosten, die durch die Vor- und Nachbereitung der Ausschusssitzungen und Stadtverordnetenversammlungen entstehen, wurde ebenfalls behandelt. Die FWG möchte diese Kosten dann mit einer Einführung eines elektronischen Sitzungsdienstes vergleichen. Ein solcher, so Fraktionsvorsitzender Karsten Gehmlich, könne die Mitarbeiter der Stadtverwaltung entlasten und die Porto-, Papier- und Druckkosten reduzieren. Bürgermeister Thomas Groll stellte dazu fest, dass viele Vorbereitungsarbeiten auch bei einem elektronischen Sitzungsdienst anfielen. Die aufwändigen Kopierarbeiten würden zumeist von Praktikanten übernommen. Einsparungen werde es daher schwerpunktmäßig beim Porto dem Papier und den Kopierkosten geben. Der Bürgermeister schlug vor, die Kosten zu ermitteln und zugleich bei anderen Kommunen, die eine Umstellung vollzogen hätten Informationen einzuholen. Dieser Anregung stimmte Reiner Bieker (SPD) zu. Der Ausschuss sprach sich einstimmig dafür aus, so zu verfahren. Die bereits in im Fachausschuss II behandelten Magistratsvorlagen betreffend der überplanmäßigen Ausgabe im Rahmen der Innenstadt Offensive „Ab in die Mitte 2017“, der Schaffung der Voraussetzungen für die Einrichtung eines Waldkindergartens sowie zwei weitere überplanmäßige Ausgaben im Zusammenhang mit dem Dorfgemeinschaftshaus Momberg und der Sanierung des Toilettengebäudes auf dem Festplatz „Lehmkaute“ wurden vom Fachausschuss I ebenfalls einstimmig befürwortet. Ebenso einstimmig sprachen sich die Ausschussmitglieder für den Erwerb eines Anteils von 0,75 Prozent im Wert von 2.250 Euro an dem Projekt „Kommunale Energie aus der Mitte GmbH“ (KEAM) zu. Damit soll interessierten Kommunen, kommunalen Einrichtungen und Landkreisen durch die EAM als regionaler Energieversorger die Möglichkeit eröffnet werden unkompliziert, preisgünstig und sicher Energie für den eigenen Bereich zu beziehen. Zugleich soll auch so die Wertschöpfung in der eigenen Region gefördert werden.

Im Zusammenhang mit der möglichen Einführung der wiederkehrenden Straßenanliegerbeiträge ging Bürgermeister Groll noch einmal auf die kürzlich stattgefundene Informationsveranstaltung ein und resümierte die wichtigsten Punkte. Die in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Fraktionen sollen nun intern darüber beraten und bis Mitte August mitteilen, zu welcher Entscheidung sie gekommen sind. Anschließend werden die Ortsbeiräte um ein Votum gebeten. Die erstellte Modellberechnung und die rechtlichen Voraussetzungen für die wiederkehrenden Straßenbeiträge sollen dann – eine grundsätzliche Zustimmung der Fraktionen unterstellt – der Öffentlichkeit im Rahmen von Bürgerversammlungen im September näher erläutert werden. Im Vorfeld sollen die Bürger bereits schriftlich über grundsätzliche Fragen informiert werden. Die Entscheidung über das Beibehalten der bisherigen Regelung oder die Einführung des neuen Systems könnte dann bei der Stadtverordnetenversammlung am 23. 10. fallen. Aus einem Wortbeitrag von Georg Metz (SPD) wurde deutlich, dass die Einführung des neuen Veranlagungssystems hochkomplex ist. Die Kommune würde hier ein Büro beauftragen, das bereits mehrere Städte und Gemeinden umgestellt hat. Die Arbeiten würden sich über mehrere Monate erstrecken und mit zumindest 50.000 Euro zu Buche schlagen. Metz hatte darauf hingewiesen, dass es Straßen wie den „Ruscheiberg“ gebe, die noch nie für den Straßenbau veranlagt wurden. Hier sei zu prüfen, ob es sich tatsächlich um eine Straße im rechtlichen Sinne oder eine noch anstehende Erschließungsmaßnahme handelt. Was sich nach einer juristischen Spitzfindigkeit anhört, so Bürgermeister Thomas Groll, sei ein ernstes Problem und habe für die Anlieger erhebliche Folgen. Wenn man in solchen Fällen dazu kommt, dass es sich um eine Straße handelt, dann unterliegt eine spätere Baumaßnahme dem Straßenbeitragsrecht. Ist es aber eine Ersterschließung, dann greift die Erschließungsbeitragssatzung. Bei letzterer tragen die Anlieger 90 Prozent der Kosten. Nach dem Straßenbeitragsrecht fielen gegenwärtig „nur“ 75 Prozent der Kosten an, bei einer Systemumstellung wären es sogar nur äußerst geringe Zahlungen über vier Jahre hinweg. Ein spannendes Thema, dass sicher noch für Diskussionen sorgen wird.

Neuer Schriftführer im Fachausschuss I ist Verwaltungsfachwirt Frank Wüst.

Einstimmig votierten die Ausschussmitglieder für den Verwaltungsfachwirt Frank Wüst, Leiter der Stadtkasse, als neuem Schriftführer des Fachausschusses I. Im Bedarfsfall wird er durch Oberinspektorin Guendalina Balzer vertreten. Diese war die bisherige Schriftführerin und wechselt nun in den Fachausschuss II

Vereinsgespräch mit der SPD Neustadt

Am 23.5.2017 hatte die SPD Neustadt zum diesjährigen Vereinsgespräch ins Haus der Vereine geladen. Nachdem der Vorsitzende Reiner Bieker alle Anwesenden begrüßt und kurz einander vorgestellt hatte, ging es an die Belange der einzelnen Vereine.

Der VfL berichtet, dass der Kunstrasenplatz eine sehr gute Investition gewesen sei und dass auch die kleinen Terminengpässe mittlerweile behoben seien. Der Förderverein Bürgerpark und der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Neustadt sind mit der Zusammenarbeit zwischen Stadt und Verein zufrieden und haben auch sonst keine großen Sorgen oder Probleme.

Das JBO weist auf den kalten Probenraum im Jugendheim hin, hier entstehen Heizkosten zwischen 1.500 und 2.500 € pro Jahr. Von dem Frauenverein 1958 e.V. wird, wie auch bei allen anderen Vereinen, der zu geringe Nachwuchs und die fehlende Bereitschaft zum Ehrenamt angesprochen. Zudem haben kleinere Vereine auch das eine oder andere finanzielle Problem, wie z.B. die Miete für das HdB.

Die Türkisch-Islamische Gemeinde Neustadt berichtet von finanziellen Engpässen im Zusammenhang mit den muslimischen Flüchtlingen, die zum Beten in die Moschee kommen. Durch das Ritual der Fusswaschung vor dem Gebet und der Ausgabe von Gebetseppichen und Gebetsketten entstehen dem Verein Kosten von mehreren Tausend Euro im Monat. Auch der Platz in und um die Moschee wird langsam etwas knapp.

Alle anwesenden Vereinsvertreter sind sich einig, dass es generell und in allen Vereinen an Nachwuchs und der Bereitschaft zum Ehrenamt fehlt.

Die Mitglieder der SPD in der Stadtverordnetenversammlung werden versuchen, sich dem einen oder anderen Problem anzunehmen und Lösungen zu finden.

Wir bedanken uns an dieser Stelle nochmals bei allen Anwesenden und wünschen uns auch für die Zukunft solche offenen Gespräche.

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