Neustädter Mitteilungsblatt

522. Trinitatis-Kirmes

Welches Wetter ist denn nun zur Neustädter Kirmes ideal? Der eine wünscht sich Sonnenschein, ein anderer ist hingegen schon zufrieden, wenn es nicht regnet und ein Dritter hofft auf ein kühlendes Lüftchen beim Festzug. So unterschiedlich sind also die Erwartungen. Letztlich muss man es aber so nehmen, wie es kommt… auch 2026, wo von allem etwas dabei war. Viele dürften sich in diesem Zu­sammenhang noch an einen Ausspruch des langjährigen Festausschussvorsitzenden Ludwig Dippel erinnern, der mehr als einmal gesagt hat, dass der Wettergott, wenn es darauf ankomme, doch ein Neustädter sei. Auch dies hat sich in diesem Jahr bewahrheitet.

Bewährt hat sich nun schon seit mehreren Jahren der Kirmes-Auftakt am Wallgrabenpavillon. Diese Lokalität mit dem Blick auf das „Geburtstagskind“, das Rathaus und den Junker-Hansen-Turm bie­tet einfach ein Flair, den weder das Festzelt noch das KuBüZ haben. Es darf halt nur nicht regnen.
Pfarrerin Kerstin Kandziora und Pfarrer Andreas Rhiel hielten den traditionellen ökumenischen Gottesdienst am Beginn der fünftätigen Festfolge. Zu Beginn der Predigt nutzte die Pfarrerin ein Fernglas und erblickte nicht nur das „Geburtstagskind“ und deren „kleine Schwester“, sondern in der ersten Reihe auch die „haute volaute“, den Arzt und den Bürgermeister. Humorvoll sprach Kerstin Kandziora, dann und wann ergänzt durch „Bruder“ Rhiel, über das Mitei­nander der beiden christlichen Kirchen vor Ort, fand aber auch nachdenkliche Worte über die nach wie vor fehlende Mahlgemein­schaft bei katholischen und evangelischen Christen. Gemeinsam wünschten die beiden Geistlichen eine schöne Kirmes.
Für die Umrahmung sorgten auch diesmal wieder in bewährter Weise die Trinitatis-Bläser der katholischen Pfarrgemeinde und der evangelische Kirchenchor, womit auch bei der Musik des Abends die Ökumene gewährt war.
Danach begrüßte Bürgermeister Thomas Groll, der 2026 wieder selbst die Moderation der Veranstaltung übernommen hatte, die inzwischen über 200 Gäste. „1492 entdeckte Christoph Kolumbus Amerika, 1503 malte Leonardo da Vinci seine „Mona Lisa“ und 1517 schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche. Zwischen solchen teils epochalen Ereignissen mit großer Tragweite, nämlich von 1502-1504, ließ Hans von Dörn­berg, dessen 600. Geburtstag wir im nächsten Jahr feiern werden, die Neustädter Stadtpfarr­kirche errichten. Bei der Besinnung auf die Historie erkennt man, wie alt unser Heimat­fest nun schon ist. Weder Kriege noch Pande­mien ließen die Trinitatis-Kirmes untergehen. Es liegt an uns, ob wir den kommenden Ge­nerationen bloß Asche oder tatsächlich das Feuer weitergeben. Zeigen wir, dass uns die Kirmes und das damit verbundene Geschehen wichtig ist“, so der Bürgermeister unter dem Applaus der Anwesenden. Spontan rief er Frieda Schmittdiel zu sich. Die Schulanfänge­rin im Biedermeierkleidchen, so Groll, stehe mit ihren kleinen Freunden dafür, dass die Kirmes Zukunft habe.
Dann gab es einen kurzen „Werbeblock“. Fa­bian Lapp, Geschäftsführer des EMA-Parks,
stellte den Neustädter „Turmgeist“ vor, der in der ehemaligen Ka­serne im „Brennpunkt 19“ hergestellt wird, und hatte „Probier- Fläschchen“ für alle dabei. Prost & Dankeschön.
Die ehrenvolle Aufgabe des Fassanstiches durfte dies­mal Felicitas Trebes- Börner überneh­men. Damit, so der Bürgermeis­ter, wolle man aber nicht ihren runden Geburtstag Mitte Mai, sondern ihr vielfältiges Engage­ment wür­digen. Feli ist seit über
20 Jahren Sitzungspräsidentin der St. Maria-Fastnacht, gehört seit deren Gründung den Bieder­meierdamen an und war im Vorstand der Bürgerwehr. Sie leistet den Küsterdienst in der katholischen Kirche und sorgt da­für, dass es dort überhaupt noch Messdiener gibt und diese betreut werden.
Gekonnt stach sie das erste Fass Licher Bier mit zwei kräftigen Schlägen an, das anschließend als „Freibier“ an das aktuelle St. Maria-Komitee und die anwesenden „Damen mit Erfahrung“ (O-Ton Bürgermeister über die ehemaligen Komitee-Mitglieder) sowie die Biedermeier-Damen, welche gemeinsam Felicitas Tre­bes-Börner beim Schlag mit dem Hammer die Daumen drückten, übergeben wurde.
Bürgermeister Thomas Groll, Stadtverordnetenvorsteher Hans- Dieter Georgi und Erster Stadtrat Wolfram Ellenberg stießen dann gemeinsam mit Felicitas Trebes-Börner, Christian Dörigmann von der Licher Brauerei und weiteren Honoratioren auf eine gute Kirmes 2026 an.
Natürlich durfte auch in diesem Jahr der Neubürgertrunk nicht fehlen. Thomas Schmid hatte wieder alles vorbereitet – Weide und Brunnen waren selbstverständlich vor Ort – und wurde wie ge­wohnt bei der Zeremonie von Karla Schulze unterstützt.
Bevor es aber losging, nutzte Bürgermeister Thomas Groll die Ge­legenheit, dem Allgemeinmediziner für sein über 30-jähriges Wir­ken in Neustadt zu danken, denn in wenigen Wochen tritt er in den Ruhestand. Groll hob hervor, dass sich Thomas Schmid im Laufe der Jahrzehnte immer wieder ehrenamtlich in der Kommune ein­gebracht und die Neubürger „hochgehalten“ habe. Neben einem Präsent gab es verdientermaßen einen kräftigen Applaus.
Der „Spiritus Rector“ der Neubürger setzte sich auch diesmal wieder mit Geschehnissen in „Neustadt und der Welt“ auseinan­der, stellte seine berühmte 10 Euro-Frage – keiner wusste, was die Zunge eines Wales wiegt – und gab Einblicke in die Lebensläufe der beiden diesjährigen Neubürger.
Christine Kaufmann wurde ii Wehrda geboren und wohnte in Emsdorf, bevor sie nach Neustadt kam. Sie absolvierte eine Ausbil­dung zur G r o ß – und Außen­handelskauffrau und arbeitet inzwi­schen im KFZ- Meisterbetrieb ihres Lebensgefährten Ralf Tilger in Stadtallendorf. Ihre Hobbies sind Garten- und Handarbeit, das Restaurieren von Möbeln und das Sammeln von Eulen.
Schwalm-Eder im zentralen Projekt- und Digitalisierungsmanage­ment tätig. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Ricarda (geb. Hill) hat er zwei Söhne und erwarb ein Haus in der Nellenburgstraße. Sein ■ großes Hobby ist die Musik. So singt er bei den Kolping „Gasse­jongen“ mit und dirigiert das Neustädter Blasorchester.
Für Junker Hans Nick Streichert und seine Burgfräulein Natalie Walz und Antonia Huber hieß es an diesem Abend Abschied nehmen von ihrem Amt, dass sie seit der letzten Trinitatis-Kirmes wahrneh­men durften. Gemeinsam blickten Nick und Natalie mit einer kurzen Rede auf die vergangenen Monate zurück und sagten „Dankeschön“. Antonia konnte leider nicht aus Schottland anreisen.
Begleitet von der Historischen Bürgerwehr mit Stadthauptmann Andreas Gnau an der Spitze zogen ihre Nachfolger ein. Zukünf­tig verkörpert Louis Henkel (18) die Symbolfigur Neustadts. Nach Ablegung des Realschulabschlusses und einer Tätigkeit bei FELO beginnt er im kommenden August eine Ausbildung im Bereich Garten- und Landschaftsbau in Schwalmstadt. In seiner Freizeit spielt er Fußball beim VfL, gehört zum Elferrat der Kolpingsfamilie und trifft sich gerne mit seinen Freunden. Louis freut sich darauf, die Kommune in den kommenden Monaten repräsentie­ren zu dürfen und möchte einen Beitrag dazu leisten, Traditionen zu erhalten. Ihm zur Seite stehen die Burgfräulein Marie Pfab und Melina Wesseier. Marie (19) legt gerade ihr Abitur ab und absol­viert demnächst eine Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheits­wesen. Ihre Hobbies sind Reiten und Gardetanz bei der „Roten Garde“ des Frauenvereins. Darüber hinaus unterstützt sie Vater und Bruder bei der Pflege des „Waldstadions“. Für sie ist es ein lang gehegter Wunsch, einmal Burgfräulein zu sein. Auch Melina (18) steht aktuell vor dem Abitur. Ab Herbst dieses Jahres möchte sie dann Grundschul­lehramt studieren. Sie tanzt ebenfalls in der „Roten Garde“ und hat sich gefreut, als sie gefragt wurde,ob sie 2026 nicht Burg­fräulein sein möchte.
Für das neue Trio gab es ebenso einen Salut der Bürger­wehr wie bereits zum Fassanstich
und zum Neubürgertrunk.

Ab Freitag wurde die Kirmes dann auf dem Festplatz in der Lehmkaute fortgesetzt. Dort sorgten die Schausteller mit ihren zahlreichen Fahrgeschäften und Buden wieder für ein buntes Bild. Schön, dass der Platz wieder gut bestückt war. Für kleine und große Besucher gab es auch 2026 die passenden Karussells, verschiedene Ausspielungsgeschäfte wie Dosenwerfen, Enten-Angeln oder eine Schießbude und auch eine Geisterbahn war wieder einmal vor Ort. Ließ sich auch diesmal wieder kein Fisch-Imbiss für Neustadt gewinnen, so war doch das Angebot an Speisen und Getränken dennoch reichhaltig. Erfreulich, dass nach Jahren der Abstinenz auch eine Losbude dabei war. Gehört sie doch für viele zu einem Rummelplatz dazu. Ein Dankeschön an Generalpächter Konrad Ruppert und seine Kollegen, denn nur durch ihr Kommen nach Neustadt kann man richtig Kirmes feiern. Mögen die Schau­steller inzwischen auch zum „immateriellen Kulturgut“ der Euro­päischen Union zählen, so haben sie es dennoch gegenwärtig nicht zuletzt aufgrund der hohen Spritpreise und der wirtschaftlichen Flaute recht schwer. Hoffen wir, dass sie weiterhin „durchhalten“.
Am Eröffnungsabend spielten erneut die „Coronas“ mit dem trompetenden Busfahrer Konni Will und Andreas Gnau nutz­te die Gelegenheit, um Matthias Weigang für 30 aktive Jahre in der Bürgerwehr auszuzeichnen. Ein Dankeschön gilt auch Maria Happel & Team für die Bewirtung am Eröffnungsabend.
Zwei Biergärten und das Festzelt der Familie Ahlendorf boten wie­der genügend Sitzplätze, um ins Gespräch zu kommen, Kirmes zu feiern und dabei einen Schoppen, einen Cocktail oder etwas Alkohol­freies zu trinken.
In der heutigen Zeit steht auch bei einem Fest wie der Trinitatis- Kirmes (leider) die Sicher­heit oben an. Ohne den Einsatz von Bauhof, Hausmeistern, Ver­waltung, Polizei und Freiwilliger Feuerwehr – allen sei dafür an dieser Stelle ein­mal herz­lich gedankt! – mit zu berech­nen, belaufen sich die Kosten hierfür auf etwa 12.000 Euro. Security und Verkehrssicherung – wegen der Autobahnabfahrt Speckswinkel deutlich umfangrei­cher als früher – sind wichtig, aber eben auch teuer. In den Dank ist natürlich auch Rene Spatzier von der Stadt­verwaltung eingeschlossen, der gemeinsam mit Thomas Groll die Vorbereitungsarbeiten erledigt und während der Festtage Ansprechpartner „für alle Belange“ ist. In diesem Jahr arbeitete die Kommune bei Licht, Ton und dem Engagement der Akteure im Festzelt erstmals mit Henning Michel, Lukas Krapp & Team aus Mom­berg und Neustadt zusammen. Sie haben ihre Sache gut gemacht.
Freitag füllte sich der Platz in den Abendstunden mit vielen Ju­gendlichen aus Neustadt und der Umgebung, die auch schon recht fleißig Karussell fuhren. Gegen 21 Uhr legte dann DJ Asap aus Kassel im Zelt „die Mucke“ auf. Er bediente alle Richtungen und kam gut an. Aufgrund des einsetzenden Regens füllte sich das Zelt ab 22 Uhr rascher als sonst. Der Besuch des Abends war insge­samt gut und wäre ohne Niederschlag sicher noch besser gewesen. Randale waren erfreulicherweise keine zu vermelden und dass ein „Spaßvogel“ einen Wasserhahn vor dem Nachhause gehen auf­drehte und für eine kleine Überschwemmung sorgte, vermerken wir mal unter alkoholbedingtem Unfug.
Übrigens, auf der Kirmes gab es auch Nostalgie pur: Die „Pinkelrinnne“ war wieder in Betrieb. Das freute „Klo-Mann“ Uwe und viele Herren. Der WC-Container fand kaum noch Zuspruch.

Samstagnachmittag gab es in diesem Jahr keine Veranstaltung im Festzelt. Alle Versuche der letzten Jahre brachten für die Verantwortlichen einfach nicht den gewünschten Er­folg. Weder junge noch ältere Besu­cher kamen in der erhofften Anzahl.
Ist es zu warm, kommt kaum einer. Regnet es, kommen wenige. Seien wir ehrlich, seit den Miss Neustadt-Wahlen der 1980er Jahre zog keine Veranstaltung mehr die Massen an und ob diese den heutigen „Geschmack“ treffen würden, ist auch offen …
So gab es nachmittags „nur“ Rummelbetrieb und vorrangig Fa­milien fanden den Weg in die Lehmkaute. Am Abend war der Festplatz gut frequentiert und die Schausteller nach Aussage des
Generalpächters mit dem Besuch sehr zufrieden. Um 21 Uhr be­trat dann „Dezibel“ die Bühne im Festzelt. Die sechsköpfige Band aus Nordhessen begeisterte 2025 bereits beim Kreisfeuerwehrtag in Neustadt das Publikum und ist derzeit in der Region „in“, was die Anzahl ihrer Auftritte belegt.
Mit ihrer außergewöhnlichen Bühnenshow und einem enorm viel­fältigen Programm mit Hits von Rio Reiser über Robbie Williams und Adele bis hin zur Spider Murphy Gang und Wolfgang Petry traf „Dezibel“ auch diesmal wieder den Geschmack der Besucher. Das Zelt und die Tanzfläche waren bestens gefüllt und die Stim­mung wurde im Laufe des Abends immer besser.
Unterbrochen wurde der Auftritt um 22.30 Uhr, für das Feuer­werk. Kurzfristig (gegen 15.00 Uhr) hatte der seit über einem Jahrzehnt bewährte Feuerwerker Christoph Jarkow absagen müs­sen und Ersatz geschickt. Dessen Leistung reichte aber bei weitem nicht an die Feuerwerke der letzten Jahre heran. Vie­len Raketen fehlte die Höhe und mit gerade einmal fünf Mi­nuten war es einfach zu kurz. Der Kommentar des Bürgermeis­ters fiel knapp aus: „Wir haben zweifellos Ge­sprächsbedarf.
Nach Mitter­nacht gab es leider auch die scheinbar unvermeidliche Kirmesschlägerei. Ein Einsatz des DRK endete zudem tragisch. Eine Frau brach zusammen und verstarb.

Am Sonntagmorgen fand zunächst der Festgottesdienst aufgrund des Regens nicht an der Stadtmauer, sondern in der Pfarrkirche statt. Zelebrant und Prediger war Pfarrer Andreas Rhiel. Die Trinitatis-Bläser spielten auf, Volker Krapp griff in die Tasten der Orgel und Junker Hans, Burg­fräuleins und eine Abordnung der Bürgerwehr und der Biedermeier-Damen sorgten gemeinsam mit über zehn Messdienern für ein festliches Bild. Schade aber, dass doch viele Bänke leerblieben …
Pfarrer Rhiel bezog sich in seiner Predigt zunächst auf den Ro­man „Jugend ohne Gott“ des deutschsprachigen ungarischen Schriftstellers Ödon von Horvath aus dem Jahre 1937, der dar­in das Leben in einer Kleinstadt zu Beginn der NS-Zeit 1933/34 schildert, um dann letztlich bei Papst Leo XIV. und dessen Ro­senkranzgebet für den Frieden in der Welt am 30. Mai zu enden.

Vor dem Segen versicher­te der Geistliche dem Bürgermeister, dass das Wetter beim Festzug hal­ten werde und er ohne Sorge sein könne … Er hatte Recht!
Der Festzug der 522. Trinitatis-Kirmes war wieder der eindrucks­volle Höhepunkt der Feierlichkeiten und begeisterte bei er­freulicherweise gutem Wetter viele hundert Zuschauer entlang der Straßen. Schön, dass auch die Senioren vom „Wiesenhof“ und „Arte Care“ sowie die Bewohner der HEPHATA-Wohngemeinschaft Bahnhofstraße 1 den Zug verfolgten. Insge­samt 53 Zugnummern reihten sich in den farbenfrohen Zug ein, der zeigte, wie lebendig Brauchtum, Vereinsleben und Gemeinschaft in der Junker-Hansen-Stadt doch immer noch gepflegt werden. Einen solchen alljährlichen Festzug gibt es im Landkreis Marburg-Biedenkopf nur noch zum Gladen­bacher Kirschenmarkt und zur Momberger
Kirmes. Danke allen, die das Jahr für Jahr mög­lich machen.
Angeführt wurde der Festzug vom Stadtwappen, das den Heiligen Martin von Tours und das Mainzer Rad zeigt. In diesem Jahr fand sich leider kein Reiter, der den Stadtpatron hoch zu Ross darstell­te. Schade. Dafür war aber das musikalische Angebot 2026 reich­lich, denn der Zug wurde gleich von acht Musikgruppen begleitet. Mit dabei waren der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Momberg, das Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Marburg mit dem Landtagsabgeordneten Dirk Bamberger, das Neustädter Blasorchester mit seinen Majoretten, die Junker-Hansen-Musikanten, das Blasorchester des Musikvereins Gladenbach, die Blas­kapelle Momberg, die Emsdorfer Blasmusik sowie die Schwalm- Granaten, die allesamt entlang der Strecke für gute Stimmung sorgten.
Für Tradition und Brauchtum standen die Trachten- und Volks­tanzgruppe aus Speckswinkel und die Schwälmer Volkstanzgrup­pe Rollshausen, welche die Kornernte in der Schwalm darstellte. Vertreten waren natürlich auch wieder die Modelle der katholi­schen Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit und der evangelischen Kirche, die in Eintracht hintereinander fuhren. Auch Pfarrerin Kerstin Kandziora war mit „Konfis“ und weiteren Gemeindemit­gliedern dabei.
Nach dem Modell des Junker-Hansen-Turms folgte der neue Jun­ker Hans Louis Henkel gemeinsam mit seinen beiden Burgfräulein Marie Pfab und Melina Wesseier. Die drei erhielten viel Beifall von den Besuchern. Die historische Bürgerwehr der Junker-Hansen-Stadt marschierte traditionsgemäß mit zahlreichen Gardisten auf und natürlich bereicherten auch die Biedermeier-Damen mit Kindern in zeitlich passender Kostümierung wieder den Festzug. Bürgermeister Thomas Groll, Stadtverordnetenvorsteher Hans- Dieter Georgi und Erster Stadtrat Wolfram Ellenberg wurden nicht nur von Landrat Jens Womelsdorf, dem Bundestagsabge­ordneten und Parlamentarischen Staatssekretär Sören Bartol und dem Landtagsabgeordneten Sebastian Sack begleitet, sondern auch vom Neustadt-Maskottchen „Juno“. Die Ideengeberin Stefa­nie Pieper hatte sich wieder das Kostüm angelegt. Im Cabrio da­hinter Hessens Milchkönigin Hanna Theis aus Speckswinkel und Pfarrer Andreas Rhiel.
In diesem Zusammenhang ein herzliches Dankeschön an alle, die Autos, Schlepper und Hänger für den Festzug zur Verfügung stellten, insbesondere der Fa. Bernd Geißel danke für die große Unterstützung.
Die Neustädter Neubürger ließen es sich ebenfalls nicht nehmen mit einem Wagen dabei zu sein. Momberg war anlässlich seiner 800-Jahr-Feier mit Wagen und Fußgruppe vertreten, um für die zahlreichen weiteren Veranstaltun­gen des Dorfjubiläums zu werben. Zahlreiche Neustädter Vereine, Gruppen und Unternehmen prä­sentierten sich mit kreativen Beiträ­gen. So zeigte das Kolpingtanzpaar „Konfetti im Herz“, die Kolpinggarde präsentierte unter dem Motto „Phoe­nix aus der Asche“ ihre Ideenvielfalt und auch die Kolping-Sternchen meisterten den über 2 km langen Weg von der Niederkleiner Straße in die Lehmkaute.
Der Deutsche Kartslalom-Meister Vin Lemmer war mit seinem Rennauto vertreten und freute sich über Beifall für seine sport­lichen Leistungen. Die Handball-Spielgemeinschaft Kirchhain- Neustadt beteiligte sich ebenso wie die Garde des Frauenvereins 1958 e.V. in bunten Kostümen, deren Motto diesmal „Drachen“ lautete.
Die Werkzeugfabrik Felo nahm ebenso wie REWE Richber dan­kenswerterweise zum wiederholten Male am Festzug teil. Die Kindertagesstätte „Sonnenschein präsentierte das Motto ihres Sommerfestes „Dschungel“, Kinder und Erzieherinnen des Wald­kindergartens zeigten sich als „Waldtiere“ und die Gruppe der Kindertagesstätte „Regenbogen“ verwandelte sich in einen bunten Circus. Teilweise waren auch die Eltern kostümiert dabei. Schön, dass die Kleinsten Jahr für Jahr mit dabei sind und den Festzug be­reichern. Die Freiwillige Feuerwehr sorgte mit ihrer „90er-Party“ für Stimmung und auch die Jugendfeuerwehr lief wie jedes Jahr mit. Die katholische Frauengemeinschaft St. Maria suchte unter dem Motto „Bares für Rares“ nach so manchem Schätzchen und fand beispielsweise die „Grolli Schokolade“ aus dem Jahre 2007. Das Musical-Ensemble „Mister Ruhl“ stellte die Auswanderung nach Amerika um 1900 dar. 40 glückliche Gewinner durften auf einem Planwagen von Rent-Your-Tour mitfahren und wurden dabei bes­tens mit Getränken versorgt. Ihnen dürfte die Festzugsteilnahme aus anderer Perspektive sicher bestens gefallen haben.
Auch ein aktuelles Thema fand diesmal seinen Platz: Die Initia­tivgruppe „Nahwärme Neustadt“ warb für das Vorhaben, künftig verstärkt Sonne und Windenergie in die Kommune zu bringen. Die Pfadfinderschaft „Himmelsreiter“, der Bürgerverein „WIR für UNS!“, die „Diamonds“ des Frauenvereins unter dem Motto „Feuer und Eis“ sowie die türkisch-islamische Gemeinde mit ih­rem Motto „Hand in Hand für eine gemeinsame Zukunft in Neu­stadt“ zeigten die Vielfalt des Lebens vor Ort.
Der SV Horrido präsentierte junge Sporttalente. Schön, dass auch die „All Inclusives“, die Karnevalsgruppe HEPHATAS bekannt von der St. Maria-Fastnacht, die „Hipp de Bibbs“ von St. Maria als Polizisten, die Oldtimer- und Youngtimer-Interessengemeinschaft und die Gemündener „Barbarenköpfe“ den Festzug durch ihre Beiträge bereicherten.
Mit dabei waren außerdem die Patenkompanie der Kommune, die 4. Kompanie des 7. Versorgungsbataillons aus Stadtallendorf, die Tanzgarde des VfL, welche auf Safari ging, und das Prinzenpaar, Prinz Patrick Fischer und Prinzessin Hanna Haberzettl-Reperowicz, welches dem Publikum freundlich zuwinkte. Beim Karne­vals-Komitee des VfL hieß das Motto „Sommer, Sonne, Strand und mehr“. Die Prinzengarde sorgte mit ihrer „Royalen Rebel­lion“ für Stimmung und auch die Zahnarztpraxis Jana Fischer
präsentierte sich erneut im Festzug.
Den Abschluss eines gelungenen Festzuges bildeten die Jugendspielgemeinschaft Stadt Neustadt unter dem Motto „Talente von heute – Weltmeister von morgen“ sowie das Schlussfahrzeug des Deutschen Roten Kreuzes.
Etwas Kritik wurde daran laut, dass der Verkehr einige Minuten zu früh wieder freigegeben wurde, da sich doch noch etliche Zuschauer auf der Marktstraße befanden, um zum Festplatz zu gehen. Hier, so die Verantwortlichen, werde im kommenden Jahr nachgebessert.

Bürgermeister Thomas Groll dankte später im Festzelt allen Mitwirkenden, Vereinen, Gruppen und Helfern, die den Fest­zug auch 2026 wieder mit viel Engagement gestaltet hatten. Erst durch ihren Einsatz sei dieser Umzug wieder zum Höhepunkt der 522. Trinitatis-Kirmes geworden. Die von der Kommune hierfür bereitgestellten Gelder seien gut verausgabt, denn jeder habe die Möglichkeit, sich am Festzug zu erfreuen.
Nach dem Umzug war der Festplatz „voll“ und im Festzelt spiel­ten der Musikverein aus Gladenbach und die „Lokalmatadoren“ vom NBO auf. Nach 18 Uhr setzte dann Regen ein. Der Wetter­gott hat sich also – passend zu Ludwig Dippels Worten – wieder als Neustädter erwiesen.
Zum Abschluss des Tages gab es dann für die Unentwegten noch Musik von der Partyband „Sunday“.

Mangels Masse gab es wie schon 2025 keinen Krammarkt mehr in der Lehmkaute.
Um 10.00 Uhr fand ein Gottesdienst für die Verstorbenen der katholischen Kirchengemeinde in der Friedhofskapelle statt, das Gebäude wurde 1576 – also vor 450 Jahren – auf dem Lauren­tiusberg, damals noch vor den Toren der Stadt, errichtet. Zum Ab­schluss segnete Pfarrer Rhiel noch die Gräber.
Anschließend hatte der VfL 1864/87 zur Totenehrung ge­laden. Vereinsmitglieder, Vertreter der Kommune und >eine große Abordnung der Bürgerwehr sowie die beiden Burg­fräuleins trafen sich an der Grabstätte von Hella und Wolf­gang Baum. Vereinsvorsitzender Klaus Busch schilderte
ein Jahrzehnt später Prinz. Wolfgang erwarb sich Verdienste als Jugendtrainer, war ein scharfzüngiger Redner bei der Prunksit­zung und an vorderer Stelle beim Bau des Vereinsheims. Busch
den Lebensweg der beiden, die einst als Flüchtlinge nach Neustadt kamen und sich über Jahrzehnte mit dem VfL identifizierten und für den Verein en­gagierten. Hella war einst Karnevals­prinzessin und ihr Ehemann rund erinnerte auch an die Vereinsmitglieder Dieter Masjost, Martina Zinser und Jürgen Wermann, die ebenfalls seit der letzten Kir­mes verstürben. Konni Will umrahmte die Totenehrung mit seiner Trompete.
Gegen 11.30 begann dann der traditionelle Frühschoppen zum Abschluss der Kirmes. Langsam aber sicher füllte sich das Festzelt. Vor Ort waren auch die Bür­germeister Dietmar Krist (Antrifttal), Christoph Lück (Kirtorf) und Andre Schlipp (Amöneburg), die Thomas Groll aus nachbar­schaftlicher Verbundenheit eingeladen hatte. Dieser zog dann in einer kurzen Ansprache auch ein erstes positives Fazit der dies­jährigen Trinitatis-Kirmes.
Bis in den späten Nachmittag hinein spielte die Partyband „The Music Jokers“ und präsentierte den Besuchern eine vielseitige Auswahl von volkstümlicher Musik über aktuelle Schlager- und Partyhits bis hin zu Rockklassikern.
Auf dem Festplatz gab es verbilligte Preise bei den Fahrgeschäf­ten, was doch etliche Kinder und Jugendliche nutzten und gegen 20.00 Uhr klang die Kirmes 2026 aus.
Am Montagnachmittag gab es eine erste Bilanz von Bürgermeis­ter Thomas Groll zur 522. Neustädter Trinitatis-Kirmes: „Mit dem Festverlauf kann man nach meiner Einschätzung insgesamt zufrieden sein. Es war eine gute Kirmes. Wo noch Luft nach oben ist, werden wir schauen, was verbessert werden kann bzw. muss. Das Wetter können wir leider nicht beeinflussen. Wir haben aber das Beste daraus gemacht. Die diesjährige Kirmes bot für jeden etwas. Freuen wir uns bereits heute auf den 20. Mai 2027, denn dann beginnt die 523. Trinitatis-Kirmes.“
2029 steht dann übrigens ein Jubiläum an: 525 Jahre Trinitatis- Kirmes. Für dieses besondere Fest, so Bürgermeister Thomas Groll, werde man sich sicher etwas einfallen lassen. Er will in die­sem Zusammenhang nicht ausschließen, dass es auch wieder ein­mal einen „Top Act“ gegen Eintritt im Festzelt geben könnte.

Neustädter Familienzentrum erhält erneut Landesförderung

Das hessische Ministerium für Familie, Gesundheit, Pflege und Sport hat das Neustädter Familienzentrum erneut als förderfähig angesehen und gewährt der Kommune eine Zuwendung in Höhe von 18.000 Euro für Personal- und Sachkosten.
Hierin, so Bürgermeister Thomas Groll, komme auch die Wert­schätzung für die Arbeit der Mitarbeitenden und das vielfältige Angebot der Einrichtung zum Ausdruck.
Das Familienzentrum ergänze die wichtige pädagogische Arbeit der örtlichen Kindergärten und sei bestens vernetzt mit weiteren freien und kommunalen Trägern vor Ort und in der Region, betont Groll.
„Durch die Neuaufstellung der Kinder- und Jugendarbeit in Neu­stadt unter unserer Trägerschaft werden die Angebote des Familienzentrums sogar noch weiter ausgebaut. Unsere Einrichtung ist für eine kleine Kommune im ländlichen Raum sicher nicht gewöhnlich“, hebt der Bürgermeister hervor.