Neustadt drängt weiter auf barrierefreien Umbau des Bahnhofsgebäudes
Von Michael Rinde
Neustadt.
Der Bahnhof in Neustadt ist zweifellos ein prägendes Gebäude in Neustadts Innenstadt und bereits von Weitem sichtbar. Doch leider ist es um ihn nicht bestellt angesichts seines Zustandes und der fehlenden Barrierefreiheit. Auch hinter der Sicherheit machen Zuggäste Fragezeichen, wie eine Befragung gezeigt hatte.
Im Jahr 2024 wurde Neustadt auch vor diesem Hintergrund eine von sechs Pilotkommunen in Hessen, die am damals neuen Programm „Kompass Bahnhof“ teilnahmen. Rein formal ist dieses Sicherheitsprogramm, das vom Innenministerium angestoßen wurde und getragen wird, für die Pilotkommunen jetzt abgeschlossen. Innenminister Professor Roman Poseck (CDU) überreichte den Teilnehmern beim Hessentag in Fulda eine Urkunde und ein Schild.
„Es darf aber nicht sein, dass es mit einem Schild, das wir aufhängen, jetzt vorbei ist“, sagt Neustadts Bürgermeister Thomas Groll (CDU) auf Nachfrage der OP. Groll hatte Schild und Urkunde in Fulda selbst entgegengenommen.
Am Ende ein Haltepunkt?
Was hat „Kompass Bahnhof“ im Falle Neustadts ganz konkret gebracht? Groll lobt vor allem den Dialog. Polizei, Bundespolizei, Bahn und Stadt hätten an einem Tisch gesessen und sich ausgetauscht. Ohne den Anstoß durch „Kompass Bahnhof“ hätte es das sicherlich so nicht gegeben, meint Groll.
Zwar hätten Bürger bei der erwähnten Umfrage des Schutzmannes vor Ort den Bahnhof als unsicher empfunden. Doch objektiv sei das nicht so. Die Bahn hat unter anderem in Mobiliar am Bahnsteig investiert. Die Stadt hatte das Graffiti in der Bahnhofsunterführung initiiert und auf mehr Reinigungen durch die Bahn gedrängt. Für Groll steht fest: „Ein paar kleine Erfolge hat das Programm gebracht“.
Doch das Hauptproblem des Neustädter Bahnhofes ist dadurch natürlich nicht gelöst. Das bleibt die mangelnde Barrierefreiheit. Und da geschieht, Stand Juni 2026, auf lange Sicht wohl erst einmal überhaupt nichts. Die nächstgelegenen barrierefreien Bahnhöfe sind in Treysa beziehungsweise in Stadtallendorf.
„Was ich zuletzt gehört habe, war das Jahr 2034. Das wäre entschieden zu lange“, sagt Thomas Groll dazu. Es habe immer wieder neue Jahreszahlen gegeben, zuerst 2028, dann 2030 und jetzt 2034. Er fordert belastbare Aussagen ein, die dann auch Bestand haben. Ein Bahnhofsumbau in Neustadt könnte in die Zeit der Main-Weser-Bahn-Generalsanierung fallen. Die ist für 2034 nach bisher letzten Angaben angepeilt. Ob sie dann tatsächlich stattfindet, bleibt abzuwarten, wie es die Erfahrung mit der Bahn gelehrt hat.
Die Bahn müsse sich jetzt erst einmal endlich festlegen, was sie wolle, sagt Groll in mehrfacher Hinsicht. Damit meint er nicht nur den Zeitpunkt eines Umbaues. Zunächst geht es um die generelle Frage, was aus dem Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1850 werden soll. Bleibt es Bahnhof? Oder entsteht gar ein neuer Haltepunkt in einigen Metern Entfernung? Beides ist denkbar, entschieden und kommuniziert ist bisher nichts.
Die Stadt will ihrerseits das Thema Bahnhof im Blick behalten. Beim Handlungskonzept für das Städtebauförderprogramm „Wachstum und nachhaltige Entwicklung“ spielt der Bahnhof jedenfalls eine Rolle. Es geht um Fördergelder für denkbare Umgestaltungsvorhaben. Wobei zuvor die Pläne der Bahn mit den Überlegungen der Stadt Neustadt abgestimmt werden müssten. Vielleicht bringt das ja die erhoffte Bewegung in das Thema Bahnhof Neustadt.

