Warum die Autobahn 49 Fluch und Segen zugleich für eine Radwegeverbindung ist
Von Florian Lerchbacher
Neustadt.
„Da fährt es sich richtig schön drauf“, freut sich Thomas Groll, während er probehalber mit seinem E-Bike den frisch asphaltierten Radweg zwischen Neustadt und Wiera befährt. Er habe auch schon zahlreiche Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten, wie toll die rund anderthalb Kilometer lange Strecke zwischen den beiden Ortschaften nun sei – dabei stehen die Arbeiten erst kurz vor dem Abschluss. „Die Bankette muss noch fertiggestellt werden“, berichtet Hannes Diehl vom Bauamt der Stadt Schwalmstadt, der das Projekt gemeinsam mit seinem Kollegen Alexander Inden begleitete. Außerdem soll noch Schotter von der Fahrbahn entfernt werden, der derzeit noch am Ende des frisch asphaltierten Stücks auf Neustädter Seite vor allem das Fahren durch eine Kurve etwas schwieriger macht.
Auch vor und während der offiziellen Eröffnung durch Neustadts Bürgermeister Thomas Groll, Lothar Ditter (Erster Stadtrat von Schwalmstadt) und Jens Womelsdorf (Landrat Marburg-Biedenkopf) waren bereits zahlreiche Radfahrende auf der Strecke zwischen Neustadt und Wiera unterwegs. Ihr Vorteil gegenüber der Verbindung durch Momberg über den Deutschlandradweg 4: Steigungen und Gefälle sind weitaus geringer, zudem führt sie nicht an der Autobahn 49 vorbei und ist durchaus idyllisch.
Zwei Städte und Kreise kooperieren – und sahnen ab
Eben jenes Autobahn-Teilstück war es, das überhaupt eine Alternativroute zum Deutschlandradweg nötig machte: Denn während des Baus war die Strecke gesperrt und es musste sowohl für Freizeitradler als auch für Drahtesel-Pendler eine Ausweichmöglichkeit her. Diese führt durch das sogenannte „Frauenrod“ – ursprünglich jedoch über Wirtschaftswege, die sich aufgrund der großen landwirtschaftlichen Nutzung nicht gut mit Fahrrädern nutzen ließen. Auf Initiative der Städte Neustadt und Schwalmstadt bekam die Strecke im Jahr 2022 eine neue Schotterschicht, doch das Problem war noch immer nicht vollständig gelöst: Weiterhin lockerten die landwirtschaftlichen Fahrzeuge die Oberfläche und erschwerten das Radfahren, erinnert sich Ditter.
Groll und sein Schwalmstädter Amtskollege Tobias Kreuter setzten sich daher schon 2022 für eine Asphaltierung ein und fanden Unterstützung bei den Landräten Jens Womelsdorf und Winfried Becker (Schwalm-Eder). Eine „nachhaltige und sicherere Radwegeverbindung“ war das Ziel der Rathauschefs, die unter Hervorhebung der Aspekte „Förderung der umweltfreundlichen Mobilität“, „Verbesserung der Verkehrssicherheit“, „Förderung des Tourismus“ und „Gesundheitsförderung“ Bundesgelder beantragten – und bekamen.
Ursprünglich waren die Kosten für das Projekt auf 462.000 Euro veranschlagt worden. Letztlich kostete es „nur“ 334.000 Euro. 75 Prozent der Kosten, also 250.000 Euro, werden über Fördermittel des Bundes getragen. Da 65 Prozent der Gesamtroute auf Neustädter Gebiet liegen, hätte die Stadt einen entsprechenden Anteil am Rest der Kosten zahlen müssen, während Schwalmstadt für den übrigen Betrag aufgekommen wäre. Doch beide Landkreise hatten Unterstützung zugesichert, sodass Neustadt am Ende 19.000 Euro zahlt, der Landkreis Marburg-Biedenkopf 35.000 Euro, Schwalmstadt 7.000 Euro und der Schwalm-Eder-Kreis 29.000 Euro. „Das ist ein starkes Zeichen“, sagt Groll und bekommt von Womelsdorf ein Lob zurück für die neue „hervorragende Alltagsverbindung“, die ein guter Beitrag zum Radwegenetz im Kreis und darüber hinaus sei. Leider seien in der Verkehrsplanung Radfahrende früher nicht mitgedacht worden: „Das ist jetzt anders.“
Auch die Stadt Neustadt
plant ein Radwegeprojekt
Auf Neustädter Stadtgebiet will der Landkreis im Jahr 2027 den zweiten Abschnitt des Radweges zwischen Mengsberg und Momberg angehen – also das Teilstück zwischen der Hardtmühle und Mengsberg. Beim dritten Abschnitt zwischen der Mühle und der Kläranlage gebe es noch einige „naturschutzrechtliche Herausforderungen“, die noch bewältigt werden müssen, berichten Groll und Womelsdorf.
Auch die Stadt Neustadt selbst hat ein Radwegeprojekt auf dem Plan: Im kommenden Jahr wird parallel zur Bismarckstraße ein Radweg gebaut, der insbesondere den Schulweg für junge Neustädterinnen und Neustädter sicherer machen soll, wie Wolfram Ellenberg, Erster Stadtrat, erläutert.
Er ist übrigens seit Jahren der lokale Koordinator der Aktion „Stadtradeln“, aus der Neustadt in diesem Jahr als „beste Kommune im Landkreis“ hervorging.
Insgesamt beteiligten sich in der Ostkreis-Kommune 187 Radfahrende, die 40.694 Kilometer zurücklegten. 11.926 Kilometern steuerte dabei das Team „800 Jahre Momberg“ bei – der zweitbeste Gesamtwert im Kreis.

