„Goldener Biber“ bietet internationales Show-Flair

Die Künstler und Künstlerinnen fesselten das Publikum in Neustadt während der gesamten Vorführung
Von Niko Dziehel

Neustadt.
Die Beleuchtung vor dem Junker-Hansen-Turm in Neustadt ließ keine Zweifel. Hier findet an diesem Samstagabend keine gewöhnliche Veranstaltung statt. Bratwurst muss es geben, und Popcorn, beides riecht man. Dann taucht es auf, das rot-weiße Zirkuszelt, das die Bühne für artistische Vorführungen, humorvolle Einlagen und tierische Begleiter bieten wird. Der Vorplatz ist gut gefüllt, besser als erwartet, und die Manege top vorbereitet.
Das Publikum in Neustadt sollte nicht enttäuscht werden. Mit einem Line-up, das internationaler war denn je. Varieté aus Berlin, Artisten aus Tschechien, Papageien aus Ungarn und natürlich Clown Charlie aus den Niederlanden, der während des gesamten Abends Langeweile nicht mal in die Nähe der Sitzplätze kommen ließ. Der bunte Haufen, den Bürgermeister Thomas Groll mit seinem Team für diesen Abend zusammengestellt hat, probte den Ernstfall erst wenige Stunden zuvor. Davon spürte man so gut wie nichts, auch wenn nicht alles nach Plan lief. Ziegen haben halt ihren eigenen Kopf, und das dürfen sie beim Goldenen Biber auch.

Am Nachmittag noch klang Groll wegen der Vorverkaufszahlen für die Abendvorstellung verhalten, doch das sollte sich dank vieler Menschen an der Abendkasse ändern. Und dem Publikum wurde eine zweistündige Show geboten, an die man sich noch lange erinnern wird. „Die Show gestern war nochmals etwas Besonderes“, sagte er rückblickend. Seit sieben Jahren plant die Stadt schon den Goldenen Biber, eine gewisse Routine kommt da schon. An diesem Abend aber „hatten wir Nummern, die es in den letzten Jahren nicht gab“, fasst Groll zusammen, und zeigte sich hocherfreut über die Harmonie im Zelt. Das Publikum blickte während der gesamten Dauer gebannt auf die Showeinlagen.

Schon vor Sonnenuntergang, gut eine halbe Stunde vor Beginn, bietet der Trubel vor dem Zelt schon genug Möglichkeiten, den Abend dort zu verbringen. Die Happy-Sax-Gang vom Happy-Sound-Orchestra aus Neustadt sorgt für die Musik im Vorzelt, in dem die Gäste mit Getränken und natürlich frischem Popcorn versorgt werden. Und mittendrin freudig strahlend Clown Charlie, der für jeden ein Lachen, einen kleinen Spaß im Vorbeigehen bereithält.

Dann beginnt es zu knistern, das Publikum betritt wie auf Kommando das Zelt und nimmt Platz. Familien, Pärchen, die Großeltern mit den Enkeln füllen das Innere entgegen der ersten Prognose von Bürgermeister Groll beachtlich. Die Spannung steigt nicht nur hinter der Bühne.

Nach der Eröffnung lichtet sich der Vorhang zur Manege zum ersten Mal. Und es wird gleich gewirbelt. Die drei Frauen vom Artistikstudio Toledes zeigen ein großes Portfolio aus Figuren und nehmen das Publikum von Anfang an mit. Die Pause nutzt Clown Charlie für ein Selfie, das bei einem Clown natürlich nicht ganz glatt läuft. Es folgt der erste Auftritt der Familie Wertheim aus Tschechien, deren Performances sich im Laufe des Abends immer weiter steigern werden.

Die Ponys übernahmen danach und erfreuten vor allem die kleinen Besucherinnen und Besucher. Was danach kam, hätte als Finale den Höhepunkt markieren können. Die Tochter der Wertheims trat in die Mitte der Manege und lächelte während der Schlangenfrau-Show durch die eigenen Beine schauend ins Publikum. Wer dachte, besser kann es nicht werden, wurde von Varieté-Künstlerin Silea aus Berlin eines Besseren belehrt.

Charlie setzte sich zur Freude aller Anwesenden kreativ über das Blasinstrumente-Verbot hinweg, machte dann Platz für die bunten Vögel aus Ungarn. Die Papageien boten eine beeindruckende Flugshow mit Partnerin Julia Hajdu aus Ungarn. Dann war Pause und Zeit für eine Stärkung.

Mit ihrer zweiten Nummer holte Silea, diesmal auf dem Seil, die Gäste wieder ab. Auf dem Einrad ging es weiter inklusive Jonglage. Dann war wieder Zeit für eine Tiernummer. Auch wenn die Ziegen etwas bockig waren, was aber perfekt zum Programm passte. Danach wurde es heiß! Die Feuershow heizte dem Publikum ordentlich ein. Noch einmal betreten die drei Frauen die Bühne. Den Schlusspunkt setzten spektakulär die tschechischen Gäste mit einer atemberaubenden, waghalsigen Show in schwindelerregender Höhe.

Gabriele Schäfer-Langohr aus Bad Homburg beeindruckte schon vor der Pause die Show. „Bisher gefällt mir die Jonglage am besten, aber dicht gefolgt von der Varieté-Künstlerin“, verriet sie. Sie war schon mehrfach zum Goldenen Biber nach Neustadt gekommen. Auch Felix (11) aus Neustadt war begeistert. „Am Anfang fand ich die Balance-Show am besten, aber die Ziegen waren auch cool“, sagt er nach der Show.

Hellauf begeistert zeigte sich auch Bürgermeister Groll am Tag nach der Premiere. So richtig jemanden hervorheben mochte er nicht, es sei ein gutes Zeichen, „dass man über verschiedene Nummern spricht“, und fand lobende Worte für die Artisten, aber auch das Drumherum.