Neustadts langer Weg in Richtung des „grünen Kilometers“ und des Klimaschutzes
Von Florian Lerchbacher
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Neustadt.
Flächen aus Klimaschutzgründen entsiegeln oder nicht? „Ich glaube, dass das Verständnis bei den Menschen für solche Maßnahmen begrenzt ist“, sagt Neustadts Bürgermeister Thomas Groll und ergänzt: Insbesondere, wenn es sich um Parkflächen handele, die eigentlich noch gut nutzbar seien. „Dann dürfte die Akzeptanz nicht so groß sein.“
Anke Stark (SPD), die das Thema mit einer Anfrage während der Stadtverordnetenversammlung aufs Tableau gebracht hatte, sieht das anders: „Wenn das richtige Material verwendet wird, der Platz weiter gut nutzbar ist und man die Maßnahme zum Beispiel mit einem Schild erklärt, dann dürfte man sehr wohl auf Verständnis stoßen.“
Sie hatte in der Anfrage darauf verwiesen, dass der „sehr heiße Sommer“ gezeigt habe, wie wichtig es sei, sich auf den Klimawandel vorzubereiten. Asphalt und Betondecken würden tagsüber massiv Wärme speichern und diese nachts nur langsam wieder abgeben. Ohne Pflanzen und offene Bodenflächen fehle die natürliche Kühlung durch die Verdunstung von Wasser. Ein weiterer Grund zur Flächenentsiegelung sei die Verbesserung des Wasserhaushalts, da Regenwasser versickern könne.
Bei Bauprojekten halte die Kommune die gesetzlichen Vorgaben ein und begrenze die Flächenversiegelung auf ein Minimum, antwortete Groll. In Sachen Entsiegelung kämen am ehesten die Parkplätze am Waldstadion und am Freibad in Betracht: „Allerdings befinden sich beide Flächen in gutem Zustand, so dass eine Entsiegelung gegenwärtig nicht angezeigt ist.“ Zudem müsse angesichts der finanziellen Lage geschaut werden, ob und wie die Kofinanzierung für Projekte der klimagerechten Stadtentwicklung erbracht werden könne. Und da kommt wiederum der „grüne Kilometer“ ins Spiel. Vor rund zweieinhalb Jahren hatten die Stadtverordneten einstimmig beschlossen, einen solchen „grünen Kilometer“ in Neustadt zu schaffen, der vom Friedhof bis zur Waldschule reicht. Dessen Ziel sind Projekte der Grün- und Freiraumentwicklung, die sich dem Klimawandel entgegenstellen und so zur CO₂‑Minderung beitragen. Als Beispiele wurden einst die Schaffung klimaangepasster Aufenthaltsbereiche und Verkehrsräume, das Entsiegeln von Flächen und das Pflanzen klimaresilienter Bäume genannt.
Damals wurden der Stadt eben auch Fördermittel zugesagt, die dabei zum Einsatz kommen können. Und das nicht zu knapp: Die Stadt rechnet mit Kosten von rund 1,35 Millionen Euro – von denen 1,14 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ kommen. Und an dieser Stelle stehen auch Entsiegelungen auf dem Plan, wie Groll aufzählt: Als Projekte seien die „Neugestaltung/Entsiegelung“ der Parkplätze am Kultur- und Bürgerzentrum und am Friedhof der Kernstadt sowie des Schulhofs der Waldschule vorgesehen.
Außerdem will die Stadt Bäume auf dem Friedhof in der Kernstadt pflanzen und „Nachpflanzungen“ in der Allee vornehmen. „Durch die Renaturierung eines weiteren Teils der Wiera im Bürgerpark wurde ein Himmelsteich geschaffen, der auf natürliche Weise mit Wasser gespeist wird, was zusätzlich auch einen Beitrag zum Hochwasserschutz darstellt“, sagt der Bürgermeister und betont, dass die Umsetzung all der Projekte des „grünen Kilometers“ sehr „langatmig“ seien.
Der Zeitaufwand für die Abstimmung mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung sowie mit dem Projektträger Jülich und der Oberfinanzdirektion Frankfurt sei hoch. Die Unterlagen seien zur baufachlichen Prüfung eingereicht: „Leider können Ausschreibungen erst nach Erlass des geänderten Zuwendungsbescheides erfolgen, da erst dann feststeht, welche Projekte in welchem Umfang gefördert werden.“ Die Umsetzung solle aber „nach Erhalt des Änderungsbescheides unter Berücksichtigung der saisonalen Gegebenheiten“ erfolgen. Alle Projekte müssen bis November 2027 erledigt und endabgerechnet sein.
Unabhängig vom „grünen Kilometer“ zeigt sich Groll offen für Anregungen zu Projekten, die zum Klimaschutz beitragen. „Gibt es kleine, versiegelte städtische Flächen, die man entsiegeln könnte und auf denen sich ein Baum pflanzen ließe?“, fragte Hans-Gerhard Gatzweiler während der Stadtverordnetenversammlung und verwies darauf, dass die Stadt bei solchen Vorhaben bestimmt leichter auf Verständnis stoße. Darüber habe er auch schon nachgedacht, aber es sei ihm nichts eingefallen, entgegnete der Bürgermeister und betonte, für Ideen und Vorschläge ein offenes Ohr zu haben.

