Heimat- und Verschönerungsverein löst das Mengsberger Dorfmuseum auf / Einblicke gibt es bald nur noch online
Von Florian Lerchbacher
Neustadt-Mengsberg.
Historische Nähmaschinen, uralte Bügeleisen, ein Waschbrett samt Zuber, ein Spinnrad, wunderbare Holzmöbel, Gugelhupfformen, Bettpfannen und verschiedene Schwälmer und Marburger Trachten. All das und vieles mehr gab es über mehrere Jahrzehnte im Mengsberger Dorfmuseum beziehungsweise der „Trachtenstube“ zu sehen. Doch diesen Einblick in die Geschichte des Lebens und den Alltag der Menschen in früheren Jahren gibt es bald nur noch online: Der Heimat- und Verschönerungsverein muss diese kleine, aber feine Einrichtung schließen. Sehr zum Bedauern der Mitglieder, die aber keine andere Wahl haben.
Zum einen bleiben seit Jahren die Gäste aus, berichten Helmut Zieße, der maßgeblich zum Ausbau des Dorfmuseums beigetragen hatte, und Elfi Printz, die jede Menge Ausstellungsstücke herangeschafft und sich jahrelang um die Einrichtung gekümmert hatte. Es sei zwar ein großer Gewinn für die Kinder gewesen, als die Bücherei in der Schule eröffnet wurde, aber eben auch ein großer Verlust für den Verein, sagt Zieße: Denn die im Museum angesiedelte Dorfbücherei habe maßgeblich dazu beigetragen, dass Menschen ins Haus kamen – und insbesondere Kinder, die vornehmlich Bücher ausleihen wollten, hätten sich immer wieder durch die historischen Exponate gestöbert und Interesse gezeigt.
„Das meiste kannten sie ja gar nicht“, erinnert sich der langjährige Vereinsvorsitzende. Und so hätten sie dann im Dorfmuseum erfahren, wie Sensen funktionierten, was es mit den Trachten auf sich hatte – oder gerne auch mal eine historische Feuerwehrmütze aufgezogen. „So um die 50 Besucherinnen und Besucher waren monatlich hier“, erinnert sich Zieße und ergänzt: „Also … wenn es viele waren.“ Doch auch viele Einwohner aus dem Dorf hätten bei Veranstaltungen auf dem Lindenplatz, zu denen das Museum dann extra geöffnet wurde, immer wieder die Chance genutzt, um mal wieder einen Blick hineinzuwerfen: „Und bei den Kreismuseumstagen waren wir auch immer dabei.“ Doch die Zahl der Neugierigen sei extrem zurückgegangen.
Und so steht der Verein nun vor dem nächsten Problem: Die Stadt, der das Gebäude gehört, möchte es loswerden. „Es ist einfach sehr marode“, berichtet Richard Rudewig vom Vorstandsteam, das in der Nachfolge Zießes den Heimat- und Verschönerungsverein inzwischen anführt. Bürgermeister Thomas Groll habe die Mitglieder mehrfach darauf hingewiesen, sei sehr zugewandt gewesen und habe viel Geduld gezeigt, ergänzt Rudewigs Ehefrau Mirjam. Letztendlich bot er den Mengsbergern sogar an, das Haus für einen Euro zu übernehmen. Eine Sanierung könne der Verein finanziell aber nicht stemmen, sagt Richard Rudewig voller Bedauern. So bleibe nichts anderes übrig, als das Dorfmuseum aufzulösen.
In einem ersten Schritt ruft der Vorstand nun alle Personen auf, die dem Museum Exponate als Leihgaben zur Verfügung gestellt hatten, sich zu melden, sofern sie ihre Stücke zurückerhalten möchten. Stichtag für die Rückmeldung ist der 30. Oktober. Danach will der Vorstand die übrigen Stücke anderen Museen und Trachtengruppen anbieten und in einem letzten Schritt dann einen Flohmarkt veranstalten. Nur einige historische Dokumente (unter anderem die älteste Urkunde aus dem Jahr 1294) und die Medaille vom Sieg beim Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ sollen ins neue „Haus für alle“ wandern. Es habe mal die Hoffnung gegeben, in dem neuen Gebäude auch ein paar der alten Trachten zu zeigen, erklären die Rudewigs. Das sei aber aus Brandschutzgründen nicht umsetzbar gewesen.
Damit geht die rund 50- bis 60-jährige Geschichte zu Ende. Begonnen hatte sie einst auf Initiative von Willi Weitzel. Gustav Scherwenings und Heinrich Hasenpflug trugen später, so erinnert sich Zieße, zahlreiche Teile von Trachten zusammen. Nach rund 15 Jahren, in denen die Arbeit des einstigen Heimat- und Verkehrsvereins stillstand, hätten engagierte Bürger ihn vor rund 20 Jahren wieder aufleben lassen – als Heimat- und Verschönerungsverein und mit Zieße an der Spitze. Dann folgte die Überarbeitung der Ausstellung – unter anderem dank des Engagements des damaligen Dorfchronisten Walter Gömpel und seiner Frau – und der Ausbau der „Trachtenstube“ im ehemaligen Armenhaus der einst selbstständigen Gemeinde.
Und auch wenn die Ausstellung nun in ihrer realen Form verschwindet, so ist sie zumindest noch online unter www.mengsbergerchronik.de zu sehen. Ziel sei es, dort auch noch einige erklärende Texte auf Platt einzusprechen, betonen die Rudewigs – denn auch der heimische Dialekt verschwinde Stück für Stück aus dem Dorfleben. Die Eheleute sind Ansprechpartner bezüglich der Exponate: via E-Mail an r.rudewig@hvvmengsberg.onmicrosoft.com oder telefonisch unter 0170-5415696.

