Betreutes Wohnen für das Sorgenkind

Für die Fremdenzimmer des Hauses der Begegnung gibt es Hoffnung Zwei-Millionen-Euro-Projekt geplant

Das sanierungsbedürftige Haus der Begegnung ist wie ein schwarzes Loch, in dem immer mehr Geld verschwindet. Einen Teil davon wird die Stadt bald los sein – ein privater Betreiber bekundet Interesse.

von Florian Lerchbacher

Neustadt. Seit einigen Jahren befindet sich die Stadt in einem Dilemma: Auf der einen Seite braucht sie das Haus der Begegnung für größere Veranstaltungen, auf der anderen Seite muss sie immer wieder hohe Beträge hinein pulvern, um das sanierungsbedürftige Haus über die Runden zu bringen. 3,5 Millionen Euro würde eine Komplettsanierung kosten – die natürlich ob der klammen Kassen nicht in Frage kommt. Zu den Nebenkosten muss die Stadt zudem noch bis 2042 jährlich 40 000 Euro an die Bundesrepublik Deutschland zahlen, um den Kauf des Gebäudes abzustottern.

Die Sorgenfalten der Kommunalpolitiker werden entsprechend tiefer, doch nun gibt es zumindest einen Hoffnungsschimmer: Die „Projektentwicklung 60 plus GbR“ möchte die ehemaligen und nicht mehr genutzten Fremdenzimmer vom Haus der Begegnung abtrennen, den Gebäudeteil sanieren und dahinter ein Haus mit 20 bis 24 Einheiten a 50 bis 60 Quadratmeter für betreutes Wohnen einrichten. Auf rund zwei Millionen Euro schätzen Bernd Combe, Hans-Jürgen Bindbeutel und Architekt Dieter Wolf die Investitionskosten für das Projekt, für das die Stadt einen Teil des Bürgerparks abgeben würde – allerdings einen, der laut Bürgermeister Thomas Groll für den Großteil der Neustädter nicht zur eigentlichen Naherholungsstätte gehört: „Für die meisten beginnt der Park erst hinter der Brücke.“ In eben jenem Bereich zwischen Fremdenzimmern und Brücke, einer etwa 1 500 Quadratmeter großen Fläche, soll das neue Haus entstehen.

Der Bürgermeister hatte betreutes Wohnen für Neustadt im vergangenen Jahr in seinem Wahlkampf als ein Ziel ausgegeben. Nach der Wiederwahl nagelten ihn der Momberger Hans-Jürgen Bindbeutel, der in Wehrda die Seniorenbetreuung Weißer Stein betreibt, und Bernd Combe, der über 20 Jahre lang das Seniorenheim Wiesenhof führte, darauf fest. Nun nehmen ihre Pläne immer konkretere Formen an – und die Stadtverordneten machten in ihrer Sitzung am gestrigen Abend den Weg schon einmal frei: Sie segneten einen Bebauungsplan ab, der die planungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Wohnbebauung mit einem erweiterten Angebot für ältere Menschen ermöglicht.

Seitens des Projektträgers ist ein Erwerb der notwendigen Flächen und des Wohnhaus-Traktes bis spätestens 31. Dezember 2016 vorgesehen – darüber soll ein „Angebot zum Ab-schluss eines Kaufvertrages notariell bekundet werden. Der Projektträger übernimmt die Kosten für das

Bauleitverfahren zunächst vollständig. Nach erfolgreichem Abschluss und dem Erwerb von Flächen und Wohnhaus soll die Stadt die Hälfte davon tragen -was laut Groll an den Interessen der Stadt an der bauleitplanerischen Sicherung der Nutzung des Hauses der Begegnung liegt.

Als Bauträger fungiert „WBC GbR – Bauen für Senioren“. Ins Obergeschoss des bisherigen Fremdenzimmer-Traktes soll ein Verwaltungstrakt mit Büros kommen. Ins Erdgeschoss wollen die künftigen Betreiber eine Art Begegnungsstätte installieren – wahrscheinlich in Form einer öffentlich zugänglichen Cafeteria. „Wir möchten ein Teil des Lebens in Neustadt sein und keinen großen Zaun um die Einrichtung ziehen“, hebt Combe hervor. Entsprechend müssten auch Vereine keine Angst haben, dass Veranstaltungen im Saal des Hauses der Begegnung nicht mehr möglich sind: „Die Bewohner freuen sich bestimmt, wenn direkt neben-dran was los ist.“

Das „Direkt-Nebendran“ macht das derzeitige Sorgenkind der Stadt im Übrigen auch so interessant für die „Projektentwicklung 60 plus GbR“: „Man ist sofort im Park. Und die Infrastruktur ist hervorragend: Lebensmittelmarkt, Bäcker oder Metzger sind beispielsweise fußläufig zu erreichen“, erklärt Bindbeutel die attraktive Lage und betont, dass sich die Neustädter auch keine Sorgen um die Attraktivität ihres Bürgerparks machen müssen: Das seniorengerechte und barrierefreie Haus für betreutes Wohnen werde ein unauffälliger Bau sein, der in die Umgebung passe – eine Aussage, auf die Groll besonderen Wert legt.

Der Bürgermeister ist froh über den Hoffnungsschimmer. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt er und betont: „Wir haben keine vernünftige Verwendung für das Wohnhaus und könnten es auch nicht wirtschaftlich betreiben.“ Insofern sei die Abtrennung vom Haus der Begegnung etwas sehr Gutes.

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