Neustädter Mitteilungsblatt

Neustadt wird bunter – Gründen und Werken“ Selbsthilfewerkstatt und Infobörse eröffnet

Am 20. Juli 2016 wurde die im Rahmen des vom Land Hessen finanzierten Modellprojektes „Integration von Flüchtlingen im ländlichen Raum“ eingerichtete Selbsthilfewerkstatt und Infobörse in der Neustädter Marktstraße offiziell eröffnet. Hieran nahmen zahlreiche ehrenamtlich Tätige und Kommunalpolitiker teil. Aber auch die Mitarbeiter des bsj und Flüchtlinge hatten den Weg in das bisher leerstehende Ladenlokal neben der Pizzeria „Roma“ gefunden.

In seiner Ansprache verwies Bürgermeister Thomas Groll darauf, dass es im Jahre 2015 vorrangig darum gegangen sei, die nach Deutschland eingereisten Flüchtlinge vernünftig unterzubringen. Diese Herausforderung habe man gelöst. Nunmehr gelte es, die Integration der zu uns gekommenen Menschen mit Bleibeperspektive voranzutreiben. Dies sei nach seiner festen Überzeugung das weitaus schwierigere Vorhaben. Ziel müsse es dabei sein, die Flüchtlinge mit den hiesigen Gewohnheiten und Anforderungen des Arbeitsalltages vertraut zu machen. „Wir sind bereit, Ihnen zu helfen, erwarten aber nach meiner Auffassung zu Recht, dass Sie bereit sind, sich an unseren Gegebenheiten zu orientieren“, betonte Thomas Groll. Seiner Auffassung nach habe man sich in Neustadt (Hessen) den Aufgaben bisher mit großem Engagement gestellt und könne durchaus zufrieden auf das Erreichte zurückblicken. Sein Dank geht diesbezüglich einmal mehr allen in der Flüchtlingsarbeit Tätigen, gleich ob ehrenamtlich oder hauptberuflich. Nunmehr gelte es aber, nach vorne zu schauen und die anstehenden Herausforderungen zielorientiert anzugehen. In der Selbsthilfewerkstatt und Infobörse, die ebenso wie der Begegnungstreff in der Marktstraße 6 vom bsj im Auftrag der Kommune betrieben wird, geht es aktuell darum, dass Flüchtlinge die Möglichkeit erhalten, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Es ist eine kleine Fahrradreparaturwerkstatt eingerichtet und Nähmaschinen stehen zur Verfügung. Nach Worten von Sozialarbeiter Martin Methfessel ist beispielsweise kurzfristig auch ein Nähkurs angedacht. Darüber hinaus sollen den Flüchtlingen in den Räumlichkeiten Informationen der Agentur für Arbeit und des Kreis Jobcenters zugänglich gemacht werden. In einem zweiten Schritt wird es dann darum gehen, Flüchtlinge und Neustädter Betriebe zusammenzuführen und diesen dort Praktikumsmöglichkeiten zu vermitteln. Auch über die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten, bezuschusst durch den Bund, denke man intensiv nach, erklärte Groll. Martin Methfessel erläuterte anschließend kurz das Konzept der neuen Räumlichkeiten und lud zum Gespräch untereinander ein.

„Und ewig fällt das Wembley-Tor…“

Kölner Fußball-Legende Wolfgang Weber erinnerte sich an WM-Endspiel 1966

Kein Tor in der Geschichte des Fußballs ist bis heute so umstritten wie das 3:2 für England im Endspiel um die Fußball-Weltmeisterschaft 1966 gegen Deutschland. Die Geschehnisse aus jener 101. Minute werden immer noch kontrovers diskutiert. Das „Wembley- Tor“ von Geoff Hurst ist einfach legendär. Auch 1982, 1986 oder 2002 stand Deutschland im WM-Finale, aber an diese Spiele erinnert sich kaum noch jemand, ganz anders ist es mit dem Endspiel von 1966. Dieses Spiel kommt für viele Freunde des runden Leders – insbesondere in Deutschland – unmittelbar nach dem ‚Wunder von Bern“.

Erinnerte die Stadt Neustadt (Hessen) 2014 an den WM-Sieg der Herberger-Elf gegen Ungarn, so ging es diesmal am 25. Juli um das Wembley-Tor und die alles entscheidende Frage „Drin oder nicht drin?“. War seinerzeit der Weltmeister Horst Eckel zu Gast, gelang es Bürgermeister Thomas Groll diesmal, die Kölner Fußball-Legende Wolfgang Weber zu gewinnen. Dieser war von der Idee so angetan, dass er keinerlei Gage für sein Kommen erbat. Außer im deutschen Fußballmuseum in Dortmund dürfte nämlich wohl keine andere Veranstaltung zur Thematik landesweit stattfinden.

Der 53fache Nationalspieler bestritt 1966 alle sechs WM-Spiele, war 356 Mal für den 1. FC Köln in der Bundesliga aktiv und errang mit den Geißböcken mehrfach die Deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal. Über 130 Fußballfreunde fanden sich im „Haus der Begegnung“ ein. Darunter die Landtagsabgeordnete Handan Özgüven, die Kreisbeigeordneten Sigrid Waldheim und Manfred

Hoim, die Bürgermeister Christian Somogyi, Jochen Kirchner und Heinrich Vesper, Kreisfußballwart Peter Schmidt, Sportkreisgeschäftsführer Peter Jakobi und der DFB-Ehrenamtsbeauftragte Henner Auffarth. Die Riege der örtlichen Kommunalpolitiker wurde von Stadtverordnetenvorsteher Franz-W. Michels und Erstem Stadtrat Wolfram Ellenberg angeführt. Neben dem 1. Vorsitzenden Klaus Busch waren im Anschluss an den Spatenstich für den Kunstrasenplatz auch zahlreiche VfL’er vor Ort, aber auch Vertreter von Intertürk und Fußballfreunde aus Mengsberg, Momberg und Speckswinkel waren zugegen. Zudem konnte Thomas Groll Köln-Fans aus Neustadt und der Region begrüßen. Ein würdiger Rahmen für den Besuch Wolfgang Webers. Nach der musikalischen Eröffnung durch das Trio Semplice und einleitenden Worten des Bürgermeisters folgte ein Grußwort von Rolf Hocke, dem Ehrenpräsidenten des Hessischen Fußball-Verbandes und langjährigen Vize-Präsidenten des DFB. Dieser ordnete das WM-Finale 1966 zeitgeschichtlich ein, stellte den Hessischen Fußball-Verband kurz vor und ging auf aktuelle Geschehnisse zwischen Profi- und Amateurfußball ein. Rolf Hocke überreichte Klaus Busch zum Abschluss einen Fußball als Gastgeschenk.

In die 1960er Jahre wurden die Anwesenden mittels eines von Verwaltungsmitarbeiterin Gitta Vettel zusammengestellten Einspielfilms zurückversetzt. Es gab die erste Bundesligameisterschaft der Kölner 1964 zu sehen. Das Europapokalspiel Köln-Liverpool, bei welchem Wolfgang Weber trotz Wadenbeinbruchs 120 Minuten durchhielt und welches die Engländer durch Münzwurf gewannen, war dabei und natürlich das WM-Finale 1966. Wolfgang Weber erzielte seinerzeit in der 90. Minute das 2:2 und köpfte in der 101.

Minute den auf die Torlinie aufspringenden Ball nach dem Schuss von Hurst über das Tor. Der Altinternationale, Jahrgang 1944, ist also ein hervorragender Zeitzeuge. Das dachte sich auch der HR, der mit einem Radioreporter vor Ort war.

Höhepunkt des Abends war dann der rund 70minütige Fußball- Talk von Wolfgang Weber mit Thomas Groll. Das Gespräch der beiden war informativ, unterhaltsam und wurde nie langweilig. Groll gab die Stichworte und Weber ließ die Besucher mit seinen Antworten an einer großen und erfolgreichen Karriere Anteil nehmen. Die beiden spannten den Bogen vom WM-Endspiel 1954, das Weber als zehnjähriger verfolgte bis in die Gegenwart. Die erste Bundesligasaison 1963/64 wurde ebenso angesprochen wie die Weltmeisterschaften 1966 und 1970 an denen Wolfgang Weber teilnahm. 1977 endete dessen Profilaufbahn aufgrund einer Herzmuskelentzündung. 25.000 Besucher kamen damals zum Abschiedsspiel. Weber gilt bis heute als einer der besten deutschen Verteidiger. Hart, aber fair. Während seiner Karriere flog er nie vom Platz und hielt den Kölnern stets die Treue. Nach einem kurzen Intermezzo als Trainer bei Werder Bremen wurde er Adidas- Repräsentant. Noch heute verfolgt Weber die Spiele seiner Kölner und unterstützt seinen Heimatverein Porz. Zudem engagiert er sich im sozialen Bereich, ist Spielplatzpate in seinem Viertel und im Bürgerverein aktiv. Ein Vorbild eben. Vorbildlich auch sein Verhalten nach Veranstaltungsende und Eintrag ins Goldene Buch der Kommune: Hier ein Foto, da ein Autogramm oder ein kurzes Gespräch. Allen Fans widmete sich Wolfgang Weber. Die Besucher waren sich einig, dass es ein gelungener Abend war und dass die Kommune wieder einmal „den Richtigen“ eingeladen hatte.

„Wir stellen vor…..“ die neuen Gesichter der städtischen Gremien

Nach der Hessischen Gemeindeordnung besteht der Magistrat aus dem Bürgermeister, dem Ersten Stadtrat und weiteren Stadträten. Der Magistrat ist die Verwaltungsbehörde der Kommune. Er besorgt im Rahmen der bereitgestellten Mittel die Geschäfte laufenden Verwaltung, bereitet Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung vor und setzt diese um. Der Magistrat erarbeitet alljährlich den Entwurf des von der Stadtverordnetenversammlung zu beschließenden Haushaltsplanes.

Der Bürgermeister wird alle sechs Jahre indirekt von der Bürgerschaft gewählt. Die nächste Wahl findet im I. Quartal 2019 statt. Der Magistrat wird nach einer Kommunalwahl aufgrund von Vorschlägen der in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Fraktionen neu zusammengesetzt, dabei wird deren Stärkenverhältnis berücksichtigt.

Neben Bürgermeister Thomas Groll gehören dem Magistrat in der Legislaturperiode 2016-2021 drei Damen und vier Herren an.

Nachdem Erster Stadtrat Wolfram Ellenberg bereits vorgestellt wurde folgen heute Kurzportraits der weiteren Magistratsmitglieder.

Ella Milewski

66 Jahre, verheiratet, 1 Tochter, war von 2003-2011 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und gehörte auch der Festkommission an. Seit 2011 ist sie Mitglied des Magistrats. Ella Milewski engagiert sich als Schriftführerin des SPD-Ortsvereins, Kassiererin des Fördervereins Bürgerpark und bringt sich auch beim alljährlichen Straßenmalerfestival aktiv ein. Mit Begeisterung boult sie regelmäßig an der Stadtmauer. In den kommenden Jahren möchte sie die Sanierung der kommunalen Infrastruktur („Haus der Begegnung“ und Freibad) ebenso begleiten wie das Förderprogramm Soziale Stadt. Wichtig sind ihr zudem die Entwicklung der Martin-von-Tours-Schule und die Integration der Flüchtlinge.

Karl-Eugen Ramb

62 Jahre, verheiratet, 3 Töchter, 4 Enkel, ist noch bis April nächsten Jahres als Verwaltungsfachangestellter beim Gesundheitsamt in Marburg tätig. Seit fast 30 Jahren gehört er kommunalen Gremien an, zunächst waren es Stadtverordnetenversammlung und Ortsbeirat Momberg, seit 2006 ist es der Magistrat. Karl-Eugen Ramb gehört dem Vorstand des CDU-Stadtver- bandes an und singt aktiv im Gesangverein „Concordia“ Momberg. Seine kommunalpolitischen Ziele sind die Aufnahme der Stadtteile in das Dorferneuerungsprogramm des Landes, der Einsatz für vom Bürger leistbare Gebühren und Beiträge und geordnete städtische Finanzen.

Horst Bätz

61 Jahre, verheiratet, 2 Söhne, gehörte von 1993-2016 der Stadtverordnetenversammlung an und war u. a. Ausschussvorsitzender und stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher. Im April wurde der Krankenpfleger in den Magistrat gewählt. Horst Bätz ist auch im Kreisvorstand der Freien Wähler aktiv und seit 2006 Mitglied des Kreistages Marburg-Biedenkopf. Die Erhaltung der örtlichen Infrastruktur (Einkaufsmöglichkeiten, Haus- und Zahnärzte, Bürgerhaus, Freibad) ist ihm ebenso wichtig wie die Bereitstellung von Bauland für junge Familien und eine solide Finanzpolitik.

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