Mehrere Erlen müssen „höheren Zielen“ weichen

Umwelt- und Naturschutzgruppe unterstützte den Landkreis bei Gehölzschnitt am Otterbach
Am Otterbach im FFH-Ge- biet „Maculinea-Schutz- gebiet“ wurden Ufergehölze zurückgeschnitten, um die Lebensbedingungen für seltene und schützenswerte Tier- und Pflanzenarten zu erhalten und zu verbessern.
Neustadt. Das Gemeinschaftsprojekt der Stadt Neustadt und des Landkreises Marburg-Biedenkopf umfasst einen rund i50 Meter langen Gewässerabschnitt am Otterbach. Dort wurde etwa die Hälfte der Erlen entfernt und zu Hackschnitzeln verarbeitet, die dann in den Bioenergiedörfern des Landkreises als regenerativer Brennstoff dienen sollen. „Damit werden auch regionale Kreisläufe in der Energieversorgung mit unterstützt“, teilt der Landkreis mit. Die Arbeiten hatte ein Forstunternehmen mit tatkräftiger Unterstützung durch die Umwelt- und Naturschutzgruppe Momberg ausgeführt.

Im FFH-Gebiet sind vor allem die seltenen Ameisen-Bläulinge (Maculinea) und die artenreichen mageren Flachlandmähwiesen geschützt, die in anderen Gegenden selten geworden oder verschwunden sind. Im Schutzgebiet gibt es noch überregional bedeutsame Vorkommen von den Bläulingen und den bunten, artenreichen Wiesen mit Orchideen, Heilziest oder Teufelsabbiss.
Die Landwirte erhalten über Pflegeverträge finanzielle Unterstützung, um die Wiesen unter Naturschutzauflagen zu bewirtschaften und zu pflegen. Dies bedeutet in der Regel einen völligen Verzicht auf Düngung und die Einhaltung von Mahdterminen, die Insekten schonen und optimal für die Pflanzenvielfalt sind. Die traditionelle Heuwiesennutzung durch die bäuerlichen Landwirtschaftsbetriebe stellt eine wesentliche Voraussetzung zum Erhalt der Grünlandbiotope dar.
„Wenn die Erlen am Bach nun zu dicht und zu hoch werden, kommt es auf den angrenzenden Wiesen zu einer zu starken Beschattung und die Flächen können zu nass werden“, erläutert der Landkreis. Die Folge sei dann, dass die schützenswerten Tiere und Pflanzen verloren gehen – auch weil die Landwirte kein Heu mehr machen können. Meist entstehen relativ artenarme Pflanzengesellschaften aus Binsen, Mädesüß und Brennnesseln.
Ziel am Otterbach ist es, einen Ufersaum aus Gehölzen zu schaffen – aber mit Lücken, um die angrenzenden Wiesen mit ihrer Artenvielfalt zu erhalten. Dabei wird darauf geachtet, dass die Bäume unterschiedlich alt sind. Beispielsweise wurde auch auf Altbäume mit Höhlen für Brutvögel ein Augenmerk gelegt. Durch die Maßnahme werde daher auch die biologische Vielfalt (Biodiversität) des Gewässers und des ganzen Talraumes verbessert.
Für das FFH- Gebiet gibt es einen Plan, in dem verschiedene Projekte aufgeführte sind, die in den vergangenen Jahren mit den betroffenen Behörden, Landwirten und Naturschutzverbänden abgestimmt wurden. Das Projekt am Otterbach ist eines der vorgesehen Projekte, die nach und nach umgesetzt werden. Michael Zerbe, der Betreuer des FFH-Gebietes beim Fachbereich Ländlicher Raum und Verbraucherschutz (Fachdienst Agrarumwelt) koordiniert und betreut die Vorhaben.

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