Altenhilfe kommt aus den Startblöcken

 

 

Großes Interesse an Informationsmesse in Neustadt  Konzept zeigt Handlungsbedarf in allen Stadtteilen

Fast 100 Interessierte kamen zu der zweiteiligen Veranstaltung in das Haus der Begegnung, bei der das Altenhilfekonzept für Neustadt vorgestellt wurde.

von Klaus Böttcher

Neustadt. Der Konzeptvorstellung vorgeschaltet war eine Informationsmesse, die sehr gut angenommen wurde. Aus erster Hand informierten Ehrenamtliche und Hauptberufliche über ihre Organisationen, die sich im Prinzip alle mit der Altenhilfe beschäftigen. Bei dieser Messe unter dem Motto „Älter werden in Neustadt“ informierten beispielsweise die Bürgerhilfe der Seniorenwohnanlage Wiesenhof, die Alzheimergesellschaft, der Sozialverband VdK, der Kreisseniorenrat, das Erzählcafe Mengsberg oder „3 x 20 plus und minus“ der katholischen Pfarrgemeinde. Insgesamt waren es 16 Informationsstände, an den die Fragen der Senioren oder deren Angehöriger beantwortet wurden und ihnen Informationsmaterial an die Hand gegeben wurde. Die Besucher nahmen die Messe positiv auf. Der Tenor: „Jetzt weiß man doch, an wen man sich wenden könnte.“

Zwei der informierenden Organisationen trugen später zur Auflockerung beim Vortrag bei, indem sie ihre Arbeit in Kurzform der Allgemeinheit vorstellten. Das war der Mitarbeiter des Pflegestützpunktes des Landkreises Dieter Kurth. Er und seine Kollegen haben eine beratende Funktion. Betroffene, aber in erster Linie Angehörige, können bei ihnen Rat rund um die Pflege kostenlos einholen. Ist es jemandem nicht möglich, in die Beratungsstelle zu kommen, findet die Beratung auch zu Hause statt. Christina Stettin stellte I die Bürgerhilfe der Stadt Amöneburg vor, die bis 2013 „Leben und Alt werden in Mardorf und Umgebung“ hieß. Sie erklärte was ihre Bürgerhilfe macht, wie sie organisiert ist und wie sie sich finanziert. Dabei ließ sei ihre Erfahrungen einfließen.

Die Diplomingenieurin Heike Brandt und Elena Hansjürgens vom Büro „akp Stadtplanung und Regionalentwicklung“ stellten ihre Arbeit zum Altenhilfekonzept vor. Sie sprachen zunächst von den Zielen des Konzeptes.

Geringer Rücklauf bei Fragebogenaktion

Dazu zählten die Erfassung der Situation und die Bedürfnisse der älteren Menschen ebenso wie die Feststellung der Lücken und die Entwicklung von Lösungswegen. Seit Dezember vergangenen Jahres waren sie aktiv und zwar in allen Stadtteilen. Neben persönlichen Gesprächen hatten sie Fragebögen ausgegeben und später ausgewertet. Schwerpunkte waren die Infrastruktur, die Mobilität, die Pflege und Hilfe im Alter sowie das Wohnen im Alter. Sie stellten die Fragebögen für die älteren Menschen und die für helfende Angehörige vor. Etwas mager war der Rücklauf der Fragebögen. Von den zirka 2 400 Menschen über 60 Jahren haben nur 107 (4,4 Prozent) geantwortet.

Bei der Zusammenfassung schilderten die Expertinnen, detailliert nach Stadtteilen, was verbesserungswürdig ist. Häufige Wünsche waren ein Fahrdienst, eine Begegnungsstätte oder Bewegungsangebote. Deutlich wurde, dass fast alle Befragten in der eigenen Wohnung bleiben möchten und dass Beratungsbedarf für Umbaumaßnahmen besteht. Erstaunlich der Umstand, dass die älteren Menschen ihre Informationen nicht nur aus persönlichen Kontakten und der Presse entnehmen, sondern sehr viele auch aus dem Internet. Die herauskristallisierten Handlungsschwerpunkte sind in den Stadtteilen unterschiedlich.

Ehrenamtliches Netzwerk auf der Wunschliste

Handlungsbedarf gibt es bei der Versorgung, der Mobilität sowie der Tages- und Kurzeitpflege. Ebenso gehört dazu der Aufbau eines ehrenamtlichen Netzwerkes, die Schaffung von Einrichtungen zur Begegnung und niederschwellige Hilfe zur Entlastung der Angehörigen.

Der Idealzustand sieht eine kommunale Koordinationsstelle der Altenhilfe vor, die einerseits mit Altenhilfeteams in den Stadtteilen und der Kernstadt vernetzt ist, aber auch Kontakte halten zum Landkreis, zu sozialen Einrichtungen, Beratungsstellen sowie zu lokalen Gruppen oder Vereinen.

„Wie will ich im Alter leben und wohnen? Diese und andere Fragestellungen überfordern einen schnell“, sagte die Landrätin Kirsten Fründt in ihrem Grußwort. „Die Menschen werden heute anders älter, dem muss man sich stellen.“ Sie lobte die Arbeit des Bürgermeisters Thomas Groll mit seinen Gremien. Neustadt sei die erste Gemeinde im Kreis, die sich auf den Weg zum Altenhilfekonzept gemacht habe. Es gebe auch eine Finanzierungshilfe, die 70 Prozent betrage.

Thomas Groll selbst erklärte, dass man sich als Kommune um die Kinder, die Jugend oder die Dorfentwicklung kümmere und auch um die Senioren. Die Notwendigkeit belegen die Zahlen, dass in Neustadt über 2 400 Menschen älter als 60 Jahre sind und von denen rund 1500 über 70 Jahre.

„Wir wollen nicht am grünen Tisch arbeiten, sondern mit den Leuten, die es betrifft“, betonte Groll und machte aber auch gleich deutlich: „Eine große Rolle wird das Ehrenamt spielen, denn mit Hauptamtlichen kann man das nicht stemmen.“ Groll verglich das Altenhilfekonzept mit einem Hundertmeterlauf. Danach sei man gerade aus den Startblöcken gekommen. „Wir müsse beginnen. Was in dem kleinen Mardorf möglich ist, muss doch in einer größeren Stadt auch möglich sein“, betonte er. „In zwei Jahren wollen wir etwas umgesetzt haben.“ Man setzte auf das neue Haus der Begegnung. Dort solle – wenn alles klappt – 2020 ein Zentrum geschaffen werden für werdende Eltern bis zu den Senioren.

■ Die nächste Veranstaltung zu dem Thema Altenhilfekonzept findet am 12. September ab 16 Uhr im Haus der Begegnung statt. Unter dem Thema: „Impulsveranstaltung für Interessierte“ sollen Menschen Zusammenkommen, die mitmachen möchten.

 

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