Aktuell können Bürgerinnen und Bürger ihr Interesse bekunden / Netz könnte in vier bis fünf Jahren fertig sein
Von Laura Lansche
Neustadt.
Eine Nahwärmeversorgung in der Kernstadt von Neustadt, in Momberg und Speckswinkel könnte bald Realität werden. Ein Nahwärmenetz ist in der Anfangsphase. Ob es umgesetzt wird, hängt aber davon ab, „ob genügend Menschen bereit sind, mitzumachen“, sagt Neustadts Bürgermeister Thomas Groll (CDU).
Aktuell wird überprüft, ob genügend Hauseigentümerinnen und -eigentümer an dem Projekt interessiert sind. Dazu gehen Ehrenamtliche von Tür zu Tür, fragen das Interesse ab und laden zu einer Infoveranstaltung ein, erklärt Groll. Momentan sind sie in Neustadts Süden unterwegs. In den Dörfern sollen sich Menschen zusammenfinden, die nach weiteren Interessenten an einer Nahwärmeversorgung suchen, sagt Dr. Sebastian Guth, Technikvorstand der Energiegenossenschaft Vogelsberg. Ziel ist es, in Speckswinkel und Momberg Genossenschaften zu gründen. „Die ersten Gespräche sind positiv verlaufen“, sagt der Bürgermeister. Bürgerinnen und Bürger mit einem Interesse an einer Nahwärmeversorgung haben momentan die Möglichkeit, ihren Wärmeverbrauch unverbindlich anzugeben, damit besser geplant und ein Wärmepreis berechnet werden kann. Durch die Gespräche entstehen noch keine Verpflichtungen, teilt die Energiegenossenschaft Vogelsberg mit.
Ergebnis noch dieses Jahr erwartet
Im Laufe des Jahres 2026 soll das Ergebnis feststehen. „Für uns ist es wichtig, zu wissen, wie viele Interessenten es gibt, damit wir in die Detailplanung gehen können“, erklärt Guth. „Wenn jeder zweite Haushalt bei dem Netz mitmacht, wird es funktionieren“, ergänzt er. Je mehr Menschen bei dem Nahwärmenetz dabei sind, desto günstiger werde auch die Wärme.
In der nächsten Phase wird die Machbarkeit geprüft. Anschließend wird die Finanzierung geklärt, sagt Groll. Dabei geht es um mögliche Zuschüsse und wie viel das Nahwärmenetz für Neustadts Bürgerinnen und Bürger kosten würde. Das Projekt werde laut der Energiegenossenschaft Vogelsberg nur umgesetzt, wenn die Wärmekosten langfristig günstiger sind als der Betrieb einer fossilen Heizung.
Erst nach all diesen Schritten werde mit dem Bau begonnen. Bis das Nahwärmeprojekt fertig ist, dauere es laut Groll noch zwischen vier und fünf Jahren. „Das Ziel des Nahwärmeprojekts ist, in möglichst vielen Wohnquartieren Nahwärme herzustellen“, sagt Groll weiter.
Wärmepumpen wandeln Windenergie um
In dem Projekt soll Windenergie genutzt werden. In Neustadt sei geplant, Anfang 2027 fünf neue Windräder zu bauen, erklärt Groll. Diese sollen für das neue Nahwärmenetz genutzt werden. In den anderen Ortsteilen werden bereits bestehende Windräder genutzt.
Die Windenergie werde laut der Energiegenossenschaft Vogelsberg über Wärmepumpen in klimafreundliche Wärme umgewandelt. „Aus lokalem Strom wird lokale Wärme”, sagt Guth. Durch eine Anbindung an das öffentliche Stromnetz und einen Reservekessel entstehe eine hohe Versorgungssicherheit. „Man muss also keine Angst haben, dass es kalt wird, wenn mal kein Wind weht“, betont Guth. In einer Wärmezentrale – einem großen Heizkeller – sollen große Wärmepumpen stehen, die durch den Strom aus den Windrädern angetrieben werden. Von dort aus gehen dann Leitungen zu den Haushalten. An welchem Ort die Zentrale entstehen soll, ist laut Guth noch in Planung.

