Kran wuchtet die drei zentralen Bestandteile des neuen Hochbehälters an ihren Standort
Von Florian Lerchbacher
Neustadt-Speckswinkel.
Schweres Gerät war im Wald bei Speckswinkel im Einsatz, als die Bestandteile des neuen Hochbehälters angeliefert wurden. Nachts kamen die drei riesigen Röhren auf einem Lastwagen in dem Neustädter Stadtteil an und wurden dann mittels eines Krans an ihren Standort in der Nähe des Brunnens und des alten Hochbehälters gesetzt. Kurz nach der Anlieferung wurden die zwei Wasserkammern dann mit der sogenannten Schieberkammer, in der sich die technischen Anlagen befinden, verschweißt. „Ein bisschen ist es wie Fertigbau“, sagt Bürgermeister Thomas Groll.
Doch damit ist das von einer heimischen Firma umgesetzte Projekt noch lange abgeschlossen, wie Thomas Dickhaut, der Leiter des Fachbereichs Bauen, Planen und Umwelt der Stadt, erläutert. Die Bauzeit der Gesamtanlage, deren Fassungsvermögen sich auf 200 Kubikmeter Wasser beläuft, betrage rund vier Monate. Nach dem Verschweißen der drei Teile werde Flüssigboden unter den neuen Hochbehälter geschüttet, um eine „homogene Bettung“ zu ermöglichen.
Dann wird die Anlage mit Erde überschüttet und vorne Mauerwerk angebracht, ehe die Anschlussleitungen gelegt werden. Zudem müsse der 90 Meter tiefe Brunnen noch mit einer Kamera befahren und eine neue Pumpe eingebaut werden. Dieses Vorgehen habe gegenüber einer Sanierung des alten Hochbehälters den Vorteil, dass Speckswinkel über selbigen bis zum Tag X – also der Fertigstellung des Gesamtprojektes – versorgt werden könne, um dann sozusagen den Hebel umzulegen und die Versorgung über den neuen Hochbehälter zu starten. Eine Sanierung des alten, aus den 1920er-Jahren stammenden Hochbehälters wäre nicht wirtschaftlich gewesen, berichtet das Stadtoberhaupt: „Er war nicht mehr Up-do-date, und das Gesundheitsamt hatte uns Veränderungen aufgetragen.“ Er spricht von Kosten in Höhe von etwa 1,1 Millionen Euro. Diese würden gemäß der Wasserversorgungsordnung (die Stadt ist in den Ortsteilen selbst Wasserversorger, während in der Kernstadt der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke zuständig ist) zu 95 Prozent von den Verbrauchenden getragen – also von den Bürgerinnen und Bürgern, aber in Teilen auch von der Kommune, da sie schließlich mit Zollhof und Feuerwehrhaus auch Abnehmerin ist. Die restlichen fünf Prozent trägt die Stadt, da sie für die Löschwasserreserven verantwortlich ist.
Seit vielen Jahren schon ist der Hochbehälter ein Thema, mit dem sich die Speckswinkler und ihr Ortsbeirat auseinandersetzen. Auch daran erinnert der Bürgermeister noch einmal und betont, dass die „HD-PE-Variante“ (also bestehend aus High-Density-Polyethylen, einem Kunststoff) als die sinnvollste erachtet wurde.
Der Ortsbeirat hatte einst den Magistrat dafür kritisiert, erst sehr spät Informationen über das Projekt bekommen zu haben, und erklärt, dass so Misstrauen entstanden und die Idee einer Umfrage bei den Bürgern entstanden war.
Dessen Ergebnisse wurden im Juni 2025 dem Magistrat vorgelegt: Dabei sprachen sich 63 Prozent dafür aus, die PE-HD-Variante noch einmal zu überdenken – es hatten allerdings auch nur 40 Prozent der Bürgerinnen und Bürger mitgemacht, was der Beirat damals bemängelte.
Der Magistrat lobte damals in einem öffentlichen Schreiben die Sachlichkeit, in der das Thema behandelt wurde. Das Gremium blieb aber bei seiner Entscheidung: „Nach Auffassung des Magistrates entspricht diese Lösung dem Stand der Technik, weist keine Gesundheitsgefährdung aus und verspricht, die kostengünstigere Alternative zu sein.“ Nach den Sommerferien soll es einen Tag der offenen Tür geben, teilt die Stadt mit.

