Bau des Feuerwehrhauses wird weit mehr als sechs Millionen Euro kosten / Standort noch unklar
Von Florian Lerchbacher
Neustadt.
6,3 Millionen Euro wird der Neubau des Neustädter Feuerwehrhauses kosten – zumindest nach dem jetzigen Stand der Planungen und einer derzeitigen Kostenschätzung. „Aber seien wir ehrlich: Das wird noch teurer“, sagt Bürgermeister Thomas Groll. Denn zunächst einmal müsse die Stadt den (noch nicht einmal begonnenen) Bau eines weiteren Kindergartens für die Kernstadt abschließen, ehe sie ein weiteres Großprojekt beginnen könne.
Im Sommer 2028 solle die neue Einrichtung für Neustadts Nachwuchs fertiggebaut sein, womit der Neubau des Feuerwehrhauses voraussichtlich im Jahr 2029 beginnen könne: „Und bis dahin steigen die Preise bestimmt noch einmal“, stöhnt der Rathaus- und somit auch Feuerwehrchef: „Dabei handelt es sich schon jetzt um das größte Bauvorhaben, das die Stadt in ihrer Geschichte stemmen muss.“
Das bisherige Feuerwehrhaus, das seit 1982 in der Lehmkaute 17 steht, entspreche nicht mehr den Anforderungen der Zeit. Der Platz für Fahrzeuge und Geräte, aber auch für das Personal sei zu gering, erklärt Groll: „Es gibt zu wenig Parkplätze, keine Schwarz-Weiß-Trennung, keine Absauganlage in der Fahrzeughalle, außerdem können Männer und Frauen nicht so getrennt werden, wie man es heute macht.“
Verantwortliche holen sich Inspiration
Entsprechend hätten der technische Prüfdienst, die Brandschutzaufsicht und die Unfallkasse der Stadt mitgeteilt, dass Handlungsbedarf bestehe. „Wir haben mit ihnen besprochen, dass wir erst den Kindergarten bauen müssen und dann das Feuerwehrhaus angehen können. Mit ein paar kleinen Verbesserungen dürfen wir das alte Gebäude nun vorerst weiter nutzen“, berichtet der Bürgermeister und stellt heraus: „Das ist eine pragmatische Entscheidung, für die ich sehr dankbar bin.“ Mit der Vorbereitung des Neubaus hat die Stadt aber trotzdem schon begonnen – und bezieht dabei die Feuerwehrführung mit ein. Bisher haben sich die Verantwortlichen in Oberaula sowie im Lahntal Feuerwehrhäuser angeschaut. Angedacht ist ein zweistöckiges Gebäude, in das unten fünf Fahrzeugboxen und die Umkleiden kommen und oben ein Sozialtrakt mit Schulungs- und Versammlungsraum sowie Büros.
„Die bisher besuchten Feuerwehrhäuser waren kleiner als das, was wir benötigen. Wir werden uns daher noch Gebäude in Herbstein und in Niedersachsen anschauen, die in etwa die Größe haben, wie es hier gebaut werden soll“, berichtet Groll. Es dürfe auch nicht vergessen werden, dass für die Einsatzkräfte Parkplätze und Übungsfläche gebraucht werden – und zwar mindestens 30. Daher rechnet die Kommune mit einem Platzbedarf von rund 4.000 Quadratmetern.
Eine Großinvestition wie diese wolle wohlüberlegt sein, stellt der Bürgermeister noch einmal heraus und zitiert Winston Churchill, der einst sagte, dass getroffene Entscheidungen vor der Ausführung immer noch einmal reflektiert und kritisch hinterfragt werden sollten.
Das gelte auch für die Frage des neuen Standortes. Bisher galt stets der Festplatz als Favorit, doch auch der ehemalige Hartplatz der Bundeswehr ist nicht komplett aus dem Spiel. Stadtbrandinspektor Frank Bielert begrüßt das Vorgehen: „Vielleicht finden wir ja noch einen dritten Standort, quasi einen Kompromiss, der allen Anforderungen Rechnung trägt.“ Rechtlich erfüllen beide Standorte die Voraussetzungen, beim Festplatz sind aber mehr Atemschutzgeräteträger schneller verfügbar.
An den Überlegungen rund um den Festplatz wurde in Neustadt auch schon Kritik laut – vor allem vor dem Hintergrund, dass dort die Kirmes, das älteste Volksfest des Landkreises, stattfindet. Der Festplatz insgesamt ist rund 11.000 Quadratmeter groß. Würde dort das Feuerwehrhaus hinkommen, würde laut Groll ein großes Karussell wegfallen müssen: „Wir müssen uns aber auch fragen: Wie entwickelt sich die Kirmes in den nächsten Jahren? Gibt es in Zukunft überhaupt noch so viele Schausteller und Fahrgeschäfte? Und brauchen wir zukünftig noch ein großes Festzelt – oder reicht weniger Platz? Vertragen sich Feuerwehrhaus und Kirmes tatsächlich? Was wäre später einmal, bei einer Erweiterung?“, wirft der Bürgermeister einige Fragen in den Raum.
„Wir planen also ein bisschen ins Unsichere hinein, haben aber zum Glück noch Zeit, um uns gemeinsam viele Gedanken zu machen“, lautet sein Fazit. Er plant übrigens, im September 2027 einen Förderantrag einzureichen, und rechnet mit zehn Prozent an Förderung. Die Fertigstellung des Gebäudes soll 2031 sein.
Der bisherige Standort der Feuerwehr ist jedenfalls schon im neuen Städtebauförderprogramm vermerkt: „Wir wollen schauen, wofür wir ihn nutzen können: Verschiedene Vereine haben Interesse bekundet, aber auch wir als Verwaltung haben Platzbedarf“, sagt Groll und fügt hinzu: „Die Gebäudesubstanz ist insgesamt in Ordnung.“

