Auswandererschicksal zum Greifen nah

Musical über Neustädter Bürger des 19. Jahrhunderts war ein großer Erfolg
Von Kunst- und Kulturverein Neustadt

Neustadt.
Schon zum zweiten Mal wurde in Neustadt im Kultur- und Bürgerzentrum ein Musical aus der Feder von Christiane Krapp aufgeführt: das Publikum erfuhr im Musical `Mr. Ruhl – Das Leben eines Neustädter Auswanderers´, wie es Theodor Ruhl mit rund 600 Neustädter Bürgern zwischen 1820 und 1920 in scheinbar auswegloser Situation nach Amerika zog, um dort das ersehnte Glück zu finden.
Über 60 Mitwirkende im Alter zwischen 6 und 84 Jahren brachten dieses Musical zur Aufführung und nahmen die Zuschauer stimmungsvoll mit in die damalige Zeit. Nicht nur die für die Neustädter Kirmes in Detroit einstudierten Tänze und die teils selbstgenähten Kostüme zeigten, mit wie viel Freude und Engagement sich jeder auf seine Weise zum Gelingen der Aufführungen einbrachte. Es gelang dem Ensemble auf eindrucksvolle Weise, sowohl die Stimmungen der Menschen in der Heimat Neustadt als auch der Auswanderer in Detroit für das Publikum unmittelbar spürbar zu machen, was insbesondere Besucher mit eigenen Migrationserfahrungen innerhalb ihrer Familien emotional oft stark berührte. Die Zuschauer an den verschiedenen Empfindungen, nämlich dem Abschied aus der Heimat, der Ankunft im Westen, der Sehnsucht nach der Heimat sowie der Rückkehr nach Neustadt teilhaben zu lassen, war der Verdienst der ausdrucksstarken Spielweise aller Mitwirkenden, allen voran jedoch der des Hauptdarstellers Tobias Sollorz als Theodor Ruhl. Ihm gelang es, all die Höhen und Tiefen eines bewegten Lebens mit großer Intensität auszuspielen und dabei alle Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Wer hatte keine Gänsehaut, als die von Christiane Krapp arrangierten Sologesänge von Jacqueline Witt als Theos Tochter Martha und Theo erklangen? Wer war nicht betroffen von Theos Not, als er nach seiner Rückkehr nach Neustadt durch Kriegsumstände bettelarm wurde? Auch die zum Mitsingen animierenden bekannten Lieder verstärkten diese Wirkung.

Dass die Not, sei sie auch noch so groß, durch Gemeinschaft, Zusammenhalt und Eigeninitiative gelindert werden kann, war letztendlich die Botschaft, mit der die dargebotene tragische, wahre Lebensgeschichte von Theodor Ruhl ein hoffnungsvolles Ende fand.