Festzug lässt Mombergs Geschichte aufleben

27 Gruppen zogen durch die Straßen des Ortes
Von Laura Lansche

Momberg.
Trotz des heißen und sonnigen Sommertags säumten zahlreiche Menschen die Straßenränder, um dem historischen Festzug zu sehen. Manche hielten sich im Schatten auf, andere hatten Sonnenschirme dabei. Der Weg des Festzugs war mit bunten Wimpeln geschmückt. Von weitem waren schon die ersten hohen Töne auf der Flöte und Paukenschläge zu hören.
Zu Beginn des Festzugs liefen zwei Personen, die eine „800“ aus grünen Zweigen trugen. Später kämpften zwei Frauen in mittelalterlicher Kleidung mit Schwertern und Schildern gegeneinander. Sie waren vom Verein Reenactment Combat Fighting Marburg. Der Sportverein Momberg veranschaulichte die Pest, die im 14. Jahrhundert in Momberg wütete. Manche lagen vermeintlich krank auf einem Wagen. Dahinter liefen ein Pestarzt mit einer Schnabelmaske und Mönche in braunen Kutten. Der Momberger Kindergarten spielte Räuberbanden nach, die sich im 18. Jahrhundert in der Hardtmühle versteckt hielten und ihr Diebesgut vergruben. Die Freiwillige Feuerwehr Momberg präsentierte ihre alten Wasserspritzpumpen.

Die erste Pumpe in Momberg stammt aus dem Jahr 1885, berichtet Arno Sack von der Feuerwehr. Eigentlich wurde sie von Pferden gezogen, beim Festzug war es stattdessen aber ein Traktor. „In Momberg sind heute alle auf den Beinen. Mehr sind beteiligt, als zuschauen können“, sagte der 63-Jährige.

Gut, dass deshalb auch Besucherinnen und Besucher von außerhalb kamen. So wie Michaela Kuhn, die mit ihrem Ehemann am Straßenrand im Schatten stand. Das Paar fuhr mit dem Fahrrad aus Neustadt zu dem Festzug nach Momberg. Schließlich sei das Event etwas Besonderes. „Hut ab, was sie bei der Hitze leisten“, sagte die Neustädterin.

„Die Aufmachung mit Liebe zum Detail, die altertümlichen Kostüme fand ich richtig schön“, sagte die 60-Jährige. Einen Favoriten hatte sie nicht. Sie war von allen Gruppen begeistert.

Der Tauziehclub stellte den Abbruch der alten Kirche im Jahr 1867 nach. Drei Jahre später war der Kirchenneubau fertig. Manche auf dem Wagen bauten an einem Gebäude, ein anderer tauchte Zweige in Wasser und sagte: „Der Herr segne dieses Haus.“ Ministranten verdeutlichten die katholische Prägung in Momberg. Manche klapperten wie an Karfreitag und -samstag – denn an diesen Tagen läuten keine Kirchenglocken.

Auch der Ortsdiener lief mit, der bis ins Jahr 1974 Neuigkeiten der Gemeinde im Dorf verbreitete. Den Wagen schmückten Schilder, die verdeutlichten, dass dies nun mittels sozialer Medien geschehe. Ein anderer Wagen zeigte die „Spellstubb“ oder Spinnstube. In dieser trafen sich im Winter Frauen zur Handarbeit und Männer, um „ein Bierchen zu trinken“, sagte Arno Sack.

„Ich halte es für sehr beachtlich, dass ein Dorf mit etwa 1.200 Einwohnern so einen Festzug auf die Beine stellt“, sagte Monika Groll. „Ich kenne so viele Momberger. Wenn sie sich so viel Mühe machen, muss man einfach herkommen und seine Anerkennung zeigen“, sagte die 76-Jährige aus Neustadt.