Stadt finanzierte Verkehrszählung / Umleitungsstrecke ist problematisch
Von Michael Rinde
Neustadt.
In Neustadt gibt es erstmals seit der Freigabe der Autobahn 49 belastbare Zahlen zur Verkehrsentwicklung. Was viele bereits gefühlt so wahrgenommen hatten, hat sich bestätigt: Die Autobahnanbindung hat zu einer Entlastung geführt, vor allem bei der Zahl der Neustadt durchfahrenden Lastwagen.
Zweimal hat die Stadt zählen lassen, laut einer Mitteilung: am 14. November 2024 und am 21. Oktober 2025 an mehreren Stellen in der Innenstadt. Die Autobahn ist seit März 2025 für den Verkehr freigegeben.
Auszüge aus den Ergebnissen: An der oberen Marburger Straße vor der Querallee ergibt sich eine Verringerung von 2.263 Pkw und 225 Lastwagen. Bei den Autos bedeutet das nach Angaben der Stadt ein Minus von 18 Prozent, bei Lastwagen ein Minus von sogar 62 Prozent. Dort fuhren im Oktober 2025 gezählte 10.873 Pkw und 284 Lastwagen.
Im Bereich der Querallee ergibt sich eine Verringerung von 653 Pkw und 337 Lkw. Das steht für ein Minus von 9 Prozent bei den Pkw und 61 Prozent bei Lastwagen. Dort fuhren im Oktober 2025 gezählte 6.758 Pkw und 214 Lastwagen.
Lehmkaute weiter im Blick
Mit einiger Spannung wurden die Zahlen zur Lehmkaute erwartet. Schließlich ist diese Strecke zu einem Zubringer zur A49-Auf- und Abfahrt Neustadt geworden. Wie erwartet gibt es Verkehrszunahmen. In Fahrtrichtung nach Momberg ergibt sich eine Erhöhung von 189 Pkw, ein Plus von 10 Prozent, und 52 Lastwagen, ein Plus von 82 Prozent. Dort fuhren im Oktober 2025 1.993 Pkw und 115 Lastwagen nach Angaben der Stadt Neustadt.
In Fahrtrichtung nach Speckswinkel ergibt sich eine Erhöhung von 410 Pkw, ein Plus von 28 Prozent, und 41 Lastwagen, ein Plus von 69 Prozent. Dort fuhren im Oktober 2025 1.853 Pkw und 110 Lastwagen. Bürgermeister Thomas Groll verweist aber darauf, dass während der Oktober-Zählung verstärkt Schwerlastverkehr vom Steinbruch Mengsberg über die Lehmkaute stattfand. Die Zahl der regelmäßig die Lehmkaute durchfahrenden Lastwagen müsste deshalb niedriger ausfallen.
Die Zahlen hatte die Stadt Neustadt auf eigene Kosten durch das Büro mociety consult GmbH aus Wiesbaden ermitteln lassen. Für Bürgermeister Thomas Groll (CDU) zählt vor allem die generelle Abnahme des Verkehrs in der Neustädter Innenstadt. Das ist ein Punkt, der die Stadt schon viele Jahre immer beschäftigte und der bereits zu diversen Verkehrsversuchen und Veränderungen führte. Das geschah teilweise schon unter Grolls Vorgänger Manfred Hoim.
An der ein oder anderen Stelle habe er allerdings einen noch deutlicheren Rückgang bei den Fahrzeugzahlen erwartet, sagt Groll gegenüber der OP. Unmittelbare Handlungszwänge sieht er für die Stadt nach diesen Ergebnissen nicht. Die Lehmkaute bleibt für Groll aber weiterhin ein Punkt. Die Straße ist klassifiziert, gehört also nicht der Stadt Neustadt. Ihr Fahrbahnbelag befindet sich in schlechtem Zustand. Groll sieht auch noch ein anderes Problem für die Stadt. Kommt es zu Sperrungen auf der A49, ist die Straße zwischen Momberg und Speckswinkel ein Teil der Umleitungsroute. „Sie ist dann komplett zu, also überfüllt, vor allem mit Lastwagen“, sagt er. Das hat Folgen für den Zustand, vor allem die Bankette haben seitdem immer wieder massiv gelitten.
Noch keine Lärmwerte
Nach der Neuordnung des Straßennetzes gehört die Straße inzwischen der Stadt Neustadt. Sie musste elf Kilometer Fahrbahn von Kreis und Land übernehmen. Das ist buchhalterisch zwar ein Vermögenszuwachs, belastet in der Unterhaltung aber die Kommune. „Dort verteilt man die Last auf uns“, beklagt Groll mit Blick auf die Problemstrecke zwischen Momberg und Speckswinkel. Von Hessen Mobil hat er schon mitgeteilt bekommen, dass man dort keinerlei Grund dafür sieht, etwas zu ändern.
Offen ist auch noch die Frage, wie mit der zusätzlichen Lärmbelastung durch die Autobahn am Ende umgegangen wird. Noch liegen der Stadt keine Ergebnisse von Lärmberechnungen vor, die die Autobahn GmbH des Bundes als Verantwortliche angekündigt hat.

