Ab morgen rollt der Ball auch offiziell

Höhepunkt der Kunstrasenplatz-Einweihung wird Spiel „Neustadt Allstars“ gegen Eintracht-Traditionsteam

Abends, wenn das Flutlicht an ist, gefällt VfL- Vorsitzendem Klaus Busch der neue Kunstrasenplatz am besten: „Er leuchtet dann in einem herrlichen, satten Grün. Das sieht wunderbar aus.“

von Florian Lerchbacher

Neustadt. Für viele Neustädter Fußballer ist ein Traum wahr geworden: Wo einst Lederbälle über den holprigen Hartplatz rumpelten, gleiten nun moderne Fußbälle über einen gleichmäßigen Kunstrasen. „Ganz ehrlich: Ich konnte mir nicht vorstellen, wie das hier aussehen würde und habe nicht daran geglaubt, dass die Arbeiten so schnell und reibungslos vonstatten gehen“, freut sich Klaus Busch, der Vorsitzende des VfL Neustadt. Sein Amtsvorgänger, Wolfram Ellenberg, hatte vor zwei Jahren während der Feierlichkeiten anlässlich des 150-jährigen Vereinsbestehens das erste Mal den Wunsch nach einem modernen Kunstrasenplatz geäußert und damals von vielen, nicht zuletzt von Bürgermeister Thomas Groll, nur ein Lächeln geerntet. Auch er scheint es noch nicht ganz glauben zu können, dass das Projekt Realität geworden ist, wenn er mit leuchtenden Augen über die moderne Anlage geht.

Doch tatsächlich: Die Neustädter Ochsenwiese ist inzwischen ein Kunstrasenplatz. Und zu verdanken haben die Fußballer dies im Endeffekt den Flüchtlingen – und Bürgermeister Groll. Als Anfang des Jahres 2015 bekannt wurde, dass die Stadt eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge bekommt, stand er sofort bei der Landesregierung in Wiesbaden auf der Matte und äußerte einige „Wünsche“. Unter anderem forderte Groll einige infrastrukturelle Verbesserungen – so schlug er etwa auch die Umwandlung des Hartplatzes in einen modernen Kunstrasenplatz vor.

Das Hessische Ministerium , des Inneren und für Sport stellte letztendlich 300 000 Euro i zur Verfügung. Die Stadtverordneten bewilligten einen Zuschuss von 75 000 Euro, der Landkreis steuerte 66 000 Euro bei. Den Rest der kalkulierten 660 000 Euro trägt der Verein – maßgeblich unterstützt durch Eigenleistungen von Mitgliedern und Spenden.

Und so ist Busch dann auch voll des Lobes für die fleißigen Helfer (und die Fachfirmen). Viele VfLer, die selbst wahrscheinlich nie auf dem Platz spielen werden und auch keine Kinder haben, die ihn nutzen könnten, hätten sich beteiligt: „Sie haben erkannt, dass der Verein eine historische Chance hat, etwas Tolles für die fugend zu schaffen.“ Und wer nicht geholfen habe, der sei zumindest als Kiebitz vorbeigekommen: „Aber auch insgesamt haben viele Neustädter großen Anteil am Umbau genommen. Ich hatte den Eindruck, dass der ein oder andere seinen täglichen Heimweg extra abgeändert hat, am den Baufortschritt verfolgen zu können.“

Am morgigen Samstag steht nun also die offizielle Einweihung des neuen Kunstrasenplatzes an – auf dem allerdings schon gekickt wurde. Los geht das „Sportwochenende“, dessen Programm sich noch einmal geändert hat, um 12 Uhr mit einem Spiel unter dem Motto „Sport verbindet“. Dann treten Einheimische, ausländische Neustädter und Flüchtlinge in zwei Teams gegeneinander an. Ab 13.15 Uhr spielt die B-Jugend-Regionalauswahl Marburg-Gießen gegen die U 19 der Sportfreunde Blau-Gelb Marburg. Um 15 Uhr steht der offizielle Teil mit Platzübergabe sowie Festreden von Busch, Groll und Landrätin Kirsten Fründt an. Danach folgt der Höhepunkt des Wochenendes: Ab 15.30 Uhr treffen lokale und überregionale Fußballhelden beim Spiel der „Neustadt Allstars“ gegen die Traditionsmannschaft von Eintracht Frankfurt aufeinander.

In Reihen der ehemaligen Profis laufen Uefa-Pokalsieger (Norbert Nachtweih, Ronny Borchers), EM-Teilnehmer (Slobodan Komljenovic), Europapokal-Helden (Edgar Schmitt), Freistoß-Spezialisten (Erwin Skela) oder schlicht Eintracht- Legenden (Uwe Bindewald, Thomas Sobotzik) auf – Manfred Binz musste verletzungs- bedingt absagen, und auch auf Bundesliga-Rekordspieler Charly Körbel müssen die Neustädter verzichten.

Dafür finden sich in Reihen der „Neustadt Allstars“ noch einige Spieler von Rang und Namen wieder. „Uns war wichtig, dass alle, die schon höher spielten, dabei sind“, sagt Busch – der das Team-Management an Sascha Müller übertragen hat.

Dieser dürfe selber nicht mitspielen, weil er noch nicht das „magische Alter“ von 35 Jahren erreicht hat. Als Mitglied der „fußballverrückten Müller- Jungs“ habe er aber unbedingt mitmachen sollen. Sascha Müller sagte zu und machte Bruder Thorsten und Alex Huber, den wohl bekanntesten Fußballer der Stadt, zu Trainern. Letzterer war unter anderem für Eintracht Frankfurt, Kickers Offenbach, den FSV Frankfurt und 1899 Hoffenheim aktiv, stand sogar einmal im Uefa-Cup auf dem Feld – ist aber derzeit vereinslos und verletzt. Weitere Bekanntheiten sind unter anderem Thomas „Hackl“ Griedl (der in Landes- und Hessenliga spielte) und Mike Kleinmann (Eintracht Stadtallendorf, SC Neukirchen, Offenbacher Kickers und andere Vereine).

Das Neustädter Allstar-Team, das aus rund 30 Spielern besteht, trainierte bereits gemeinsam auf dem Kunstrasen. Der Enthusiasmus ist entsprechend groß, und Busch hofft, dass der Elan bleibt und der Verein nun wieder in allen Altersklassen Mannschaften stellen kann.

Das Sportwochenende, zu dem samstags für Kinder auch das Spielemobil der Sportjugend Hessen kommt, endet am Sonntag mit den Meisterschaftsspielen VfL Neustadt II gegen TSV Speckswinkel und VfL Neustadt I gegen SF/BG Marburg II.

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