Kirmes-Eröffnung in Neustadt: Louis Henkel ist der neue Junker Hans
Von Florian Lerchbacher
Neustadt.
Das älteste Volksfest des Landkreises Marburg-Biedenkopf hat begonnen – und mit einer nicht ganz so alten Tradition gebrochen: Seit Jahren ist es üblich, dass die Bürgergarde nach dem feierlichen Anstich das erste Fass Bier verarzten darf. Ausnahmen bestätigen die Regel – wie im vergangenen Jahr, als die Feuerwehr die schäumende Leckerei erhielt. Und dieses Mal kam es auch wieder alles anders. Felicitas Trebes-Börner, seit mehr als 20 Jahren Sitzungspräsidentin der Sankta-Maria-Fastacht und noch an vielen anderen Stellen ehrenamtlich tätig, durfte unter Anleitung von Christian Dörnigmann von der Licher-Brauerei die ehrenvolle Aufgabe des Fassanstichs übernehmen.
Im Nu floss der Gerstensaft: Zunächst in die „offiziellen Kehlen“, danach in jene des Sankta-Maria-Komitees und der Biedermeierdamen, denen Trebes-Börner seit ihrer Gründung angehört – und die an die Bürgerwehr angedockt sind. Somit könnten die Gardisten unter Umständen Gnade walten lassen und Bürgermeister Thomas Groll im nächsten Karneval bei der Rathaus-Erstürmung gegen die Närrinnen und Narren unterstützen. Vielleicht. Denn der Bürgermeister vergaß auch noch, die Bürgerwehr ihren ersten Salutschuss abfeuern zu lassen. Doch Neustadt ist bereits in Feierlaune. Und so übte sich Hauptmann Andreas Gnau in Vergebung und Humor.
Eröffnung mit ökumenischen Gottesdienst
Apropos Humor: Die Eröffnung des Kirchweih-Festes begann, auch das ist seit einigen Jahren Tradition, mit einem ökumenischen Gottesdienst, den Pfarrerin Kerstin Kandziora und Pfarrer Andreas Rhiel hielten. Und die beiden Geistlichen waren dabei auch noch witzig: Kandzira suchte die Reihen der Gläubigen mit dem Fernglas ab und hielt auch noch nach „ihrer“ evangelischen Kirche Ausschau, während Rhiel gespielt auf dem Altar zusammensackte. Den musikalischen Rahmen gestalteten die Trinitatis-Bläser und der evangelische Kirchenchor – und im Anschluss, zwischen den anderen Programmpunkten, die „Coronas“.
Die Moderation des Abends hatte Bürgermeister Thomas Groll übernommen. Er erinnerte daran, dass Hans von Dörnberg (dessen 600. Geburtstag im kommenden Jahr gefeiert wird) von 1502 bis 1504 die katholische Stadtkirche Neustadts hatte bauen lassen.
Keine Fischbrötchen auf dem Festplatz
„Bei der Besinnung auf die Historie erkennt man, wie alt unser Heimatfest nun schon ist. Weder Kriege noch Pandemien ließen die Trinitatis-Kirmes untergehen. Es liegt an uns, ob wir den kommenden Generationen bloß Asche oder tatsächlich das Feuer weitergeben“, sagte Groll, der auch noch eine schlechte Nachricht hatte: Auf dem Festplatz gibt es in diesem Jahr keine Fischbrötchen.
Danach würdigte er Thomas Schmid, der alljährlich mit Unterstützung von Karla Schulze den Neubürgertrunk moderiert – vornehmlich aber 30 Jahre lang in Neustadt als Allgemeinmediziner wirkte und in wenigen Wochen in den Ruhestand geht. Schmid hieß anschließend zwei Neu-Neustädter willkommen. Zum einen Christine Kaufmann, die nach einer Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau jetzt in einem KFZ-Meisterbetrieb in Stadtallendorf arbeitet, Eulen sammelt und gerne Möbel restauriert und im Garten arbeitet. Zum anderen Tobias Geißel, einen Logistikmanager der Sparkasse Schwalm-Eder, der mit Ehefrau Ricarda (geborene Hill) zwei Kinder hat, bei den „Gassejongen“ der Kolpingfamlie mitsingt und das Neustädter Blasorchester dirigiert. Als Höhepunkt lüftete die Stadt das Geheimnis der Nachfolger von Nick Streichert, Natalie Walz und Antonia Huber als Junker Hans und Burgfräulein: Das nächste Jahr lang verkörpert Louis Henkel (18) die Symbolfigur Neustadts. Unter anderem spielt er Fußball beim VfL und gehört zum Elferrat der Kolpingfamilie.
Ihm zur Seite stehen die Burgfräulein Marie Pfab (19) und Melina Wesseler (18). Beide tanzen in der Roten Garde des Frauenvereins. Marie unterstützt ihren Vater und ihren Bruder (der 2023/2024 Junker Hans war) bei der Pflege des „Waldstadions“. Melina steht aktuell vor dem Abitur.
Die eigentliche Kirmes findet von Freitag, 29. Mai, bis Montag, 1. Juni, statt. Alljährlicher Höhepunkt ist der bunte Festumzug am Sonntag durch Neustadts Straßen (Beginn 14 Uhr).

