Holztor ist für Narren kein Hindernis

Karnevalisten erstürmten das Rathaus und freuten sich über gut gefüllte Kassen und Getränkevorräte
Das kommt davon, wenn man trödelt: um ein Haar hätten Neustadts Karnevalisten für die Rathauserstürmung die närrisch angemessenen 1:11 Stunden gebraucht. Tatsächlich waren sie aber erst nach 1:12 Stunden fertig.
von Florian Lerchbacher
Neustadt. „Ihr seid uns hier gar nicht willkommen, habt den Büroschlaf uns genommen“, rief Bürgermeister Thomas Groll den Narren aus einem Rathausfenster entgegen und versuchte verzweifelt, die anstürmende Meute zur Vernunft zu bringen: „Gemeinsam tun wir hier agieren, zum Wohle Neustadts wir regieren.“ Doch nicht einmal das Versprechen, weitere Fördertöpfe anzapfen zu wollen, hielt die Karnevalisten ab.

Sie kamen und ließen sich nicht einmal von einem Holztor aufhalten, das sie mit Gewalt aufbrachen und sogleich Rathaus samt zugehörigem Platz annektierten. Mitten drin Michel Gnau als Junker Hans und Burgfräulein Julia Schmidt, die zwar eigentlich mit der Bürgergarde das mit „Mauern“ verbarrikadierte Rathaus und dessen volle Kassen verteidigen wollten. Sie erkannten die Übermacht der Narren dann aber schnell an und richteten ihr Wort an den Bürgermeister: Dieser solle dafür sorgen, dass die Bundesregierung keine weiteren Panzer in die Türkei exportiert, sondern selbige der Bürgergarde für die Verteidigungsversuche im nächsten Jahr zur Verfügung stellt.
Denn zumindest die Rathauserstürmung solle im kommenden Jahr stattfinden, wenn schon der Karneval aufgrund des Neubaus des Hauses der Begegnung ausfalle, fügten Milena Mock und Leon Krapp, das Prinzenpaar des Jugendblasorchesters hinzu: „Denn was die Stadt zusammenhält, sind die Vereine -nicht das Geld.“
Prinz Thomas (Heide) schlug gemeinsam mit Prinzessin Emilia (Mann) vor, an der Waldschule einen Faschingskurs anzubieten. Der närrische Herrscher – im realen Leben Inhaber eines Baumarktes – brachte sich zudem als Bauherr für das Haus
der Begegnung ins Gespräch: Dann werde das Gebäude in einem Vierteljahr stehen.
Die Sitzungspräsidenten Felicitas Trebes-Börner (St. Maria), Michaela Gies (Frauenverein), Carmen Clös-Kleinert (Jugendblasorchester), Andreas Gnau (Kolpingfamilie) und Michael Launer (VfL) hielten erstmals gemeinsam eine Rede und hatten einige Vorschläge für den Neubau ihres Bürgerhauses. Sie
wünschten sich beispielsweise einen Spielplatz im Gebäude, zittern aber auch vor einem Anliegen der Prinzessin: „Bei ihrem Wunsch, da wird uns bange: Sie hätt‘ gern eine Pole-Dance- Stange.“
Bevor sich die Narren dann aber endgültig ans Leeren der städtischen Kassen und der Getränkevorräte machen, gaben noch die Garden Kostproben ihres Könnens: Auf die Prinzengarde folgten die Majoretten des Jugendblasorchesters, die Hipp de Bibbs, die Tänzerinnen des Frauenvereins und der Kolpingfamilie sowie die kleine Garde des VfL.

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