Neustädter Mitteilungsblatt

Holger Michel 25 Jahre im öffentlichen Dienst

Am 1. Oktober 2015 konnte Amtsrat Holger Michel auf eine fünfundzwanzigjährige Tätigkeit im öffentlichen Dienst zurückblicken. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde ließ Bürgermeister Thomas Groll zunächst den schulischen und beruflichen Werdegang des Jubilars Revue passieren.

Nach Erlangung der Mittleren Reife an der Gesamtschule Neustadt (Hessen) besuchte Michel die Fachoberschule, Fachbereich Wirtschaft und Verwaltung, in Kirchhain. Dort erwarb er 1990 das Fachabitur. Anschließend absolvierte er seinen Grundwehrdienst.

Im Sommer 1991 folgte dann der Beginn der Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt Neustadt (Hessen), die Holger Michel 1994 erfolgreich abschloss. War er in der Folge zunächst u. a. als Ordnungspolizeibeamter tätig, wurde ihm 2000 die Möglichkeit eröffnet, den Inspektorenlehrgang zu besuchen. Ziel war es seinerzeit, Führungskräfte aus dem eigenen Personalnachwuchs rekrutieren zu können. 2003 erwarb er den Titel eines Diplom-Verwaltungswirts (FH) und es folgte die Ernennung zum Inspektor. 2006 schloss sich die Beförderung zum Oberinspektor und 2010 zum Amtmann an. Seit dieser Zeit steht Holger Michel dem Fachbereich Finanzen, Soziales und Kultur vor. Davor hatte er bereits die Finanzabteilung geleitet. Im Zuge der Umstrukturierung der Stadtverwaltung wurde ihm zum 1.1.2015 die Leitung des neugeschaffenen Fachbereichs Finanzen, Ordnungswesen und Soziales übertragen. Am 1.9. dieses Jahres erfolgte dann die Ernennung zum Amtsrat. Bürgermeister Thomas Groll verwies darauf, dass sich Holger Michel im Laufe seiner Tätigkeit bei der Kommune stets fortgebildet habe und technischen Neuerungen immer aufgeschlossen gegenüber stehe. So betreue er noch heute das gesamte EDV-Wesen der Verwaltung und arbeite derzeit daran, die elektronische Archivierung einzuführen.

Der Bürgermeister stellte heraus, dass der Jubilar sich bei der Einführung der Doppik als neuer Buchführungsform der Kommune große Verdienste erworben habe. Gemeinsam sei man die Veränderungen im Bereich der Verwaltung in den letzten Jahren angegangen. Diesen Weg, so Groll, gelte es nun fortzuführen und dabei auch nach weiteren Möglichkeiten der Interkommunalen Zusammenarbeit zu schauen. Der Bürgermeister bezeichnete Holger Michel als einen Beamten mit Tatkraft und Umsicht, der sich den Herausforderungen des beruflichen Alltags immer wieder neu stelle, und in der Lage sei, sich schnell in neue Aufgabengebiete einzuarbeiten. Auch zukünftig werde er gerne auf dessen Fachwissen, insbesondere in Finanzfragen, zurückgreifen.

Personalratsvorsitzender Stephan Henrich schloss sich den Dankesworten des Bürgermeisters an und verwies darauf, dass Holger Michel auch für Personalfragen zuständig sei und es daher immer wieder Berührungspunkte mit dem Personalrat gebe. Dabei habe man immer gemeinsam nach Lösungen gesucht und diese auch gefunden. Der Leiter des Fachbereiches II, Bauen, Planen und Umwelt, Thomas Dickhaut, gratulierte Holger Michel im Namen der Kolleginnen und Kollegen ebenfalls zum Dienstjubiläum und dankte für das kollegiale Miteinander. Holger Michel dankte abschließend für die guten Worte und betonte, dass er im Neustädter Rathaus nicht nur gerne arbeite, sondern mit seiner Ehefrau Simone auch sein persönliches Glück gefunden habe.

Gedenkveranstaltung „70 Jahre Flucht und Vertreibung“ Vortrag und Lesung der Eheleute Gömpel im Historischen Rathaus

Unmittelbar nach dem Ende des II. Weltkrieges begann im Frühsommer 1945 die Vertreibung von über 12 Millionen Deutschen aus den Ostgebieten. Das Schicksal der Frauen, Männer und Kinder aus Schlesien, Pommern oder dem Sudetenland wurde in der „alten“ Bundesrepublik nur vereinzelt thematisiert. Wer sich damit näher befasste, galt schnell als ewig Gestriger. Heute, sieben Jahrzehnte später, nimmt die Reihe der Zeitzeugen stetig ab und Flucht und Vertreibung drohen dadurch vollends in Vergessenheit zu geraten. Aus diesem Grund behandelte die Stadt Neustadt (Hessen) die damaligen Geschehnisse erneut im Rahmen ihrer zeitgeschichtlichen Erinnerungsreihe. War im April zunächst der emeritierte Weihbischof Gerhard Pieschl (Limburg) bei einer denkwürdigen Gedenkveranstaltung gemeinsam mit dem Heimatkreis Schwerin/Warthe im DGH Momberg zu Gast, konnte Bürgermeister Thomas Groll diesmal Horst W. und Marlene Gömpel aus Schwalmstadt als Referenten im Historischen Rathaus begrüßen. In seinen einleitenden Worten zeigte er sich erfreut darüber, dass sich über 60 Interessierte aus Neustadt und den umliegenden Städten und Gemeinden zu deren Vortrag und Lesung über das Schicksal der Sudetendeutschen eingefunden hatten. Groll erinnerte daran, dass gerade die Sudetendeutschen über die Jahrhunderte hinweg immer wieder bedeutende Schriftsteller, Baumeister und Künstler hervorgebracht hätten, deren Wirken heute noch sichtbar sei. Städte wie Eger, Karlsbad oder Marienbad seien zudem ebenso bekannt wie etwa das Altvatergebirge. 1945/46 mussten über 3 Millionen Sudetendeutsche, darunter auch seine Großeltern mit ihren beiden Kindern, die alte Heimat schlagartig verlassen, um in der Fremde neu anzufangen. Nach dem Krieg seien dann gerade durch die Flüchtlinge bedeutsame Beiträge zum Wirtschaftswunder geleistet worden. Der Bürgermeister erinnerte in diesem Zusammenhang an zahlreiche Firmenansiedlungen durch vertriebene Unternehmer in unserer Region. „Das Schicksal der Heimatvertriebenen muss uns immer Mahnung bleiben. Aktuell beherrscht die Flüchtlingsproblematik wieder die Nachrichten. Aus den damaligen Ereignissen muss man sicher Lehren ziehen, gleich setzen sollte man die Geschehnisse aber nicht“, so Thomas Groll.

2014 stellten die Eheleute Gömpel das 500 Seiten umfassende Buch „angekommen…“ fertig. Dieses befasst sich mit dem Sudetenland, der Vertreibung und dem Neuanfang in Nordhessen, speziell in den Altkreisen Ziegenhain, Fritzlar-Homberg und Melsungen. Fast 100 Zeitzeugen wurden befragt und diese bedeutsamen Quellen für das Buch genutzt. Zwischenzeitlich konnten Horst W. und Marlene Gömpel fast 50 Lesungen durchführen. Dabei bitten sie stets um eine kleine Spende. Mit den Erlösen wurde u. a. die Renovierung der katholischen Kirche in Quinau unterstützt. Horst W. Gömpel, gebürtig in Treysa, machte die Zuhörer mit der Entwicklung im Sudetenland in den Jahren 1919-1945/46 vertraut und berichtete näher über die Vertreibung. Seine Ehefrau Marlene, gebürtig in Reischendorf und von dort als Dreijährige mit Eltern und Geschwistern vertrieben, las eindrückliche Passagen aus dem Buch vor, die sich mit ihrer Kindheit nahe Wabern und den Erfahrungen der Einheimischen mit den „Neubürgern“ befassten. Für die musikalische Umrahmung des Abends sorgte Nina Köhler, Leiterin der hiesigen Musikschule, auf dem Klavier.

„Das Gerücht ist blind, aber es läuft schneller als der Wind“

Im Zusammenhang mit den in der Erstaufnahmeeinrichtung Neustadt untergebrachten Flüchtlingen nehmen in letzter Zeit die Gerüchte zu. Es verhalte sich hier wie bei dem deutschen Sprichwort „Das Gerücht ist blind, läuft aber schneller als der Wind“, stellt Bürgermeister Thomas Groll dazu fest.

Aktueller Fall ist die in der Kommune und sozialen Netzwerken verbreitete Behauptung, dass eine Schließung des NEUKAUF- Marktes aufgrund wachsender Schwierigkeiten mit Flüchtlingen bevorstehe. Nachdem er davon Kenntnis erlangte, suchte Groll sofort das Gespräch mit dem Eigentümer. Dieser versicherte ihm, dass an der Behauptung nichts dran sei.

„Wir befinden uns vor Ort in einer herausfordernden Situation. Gerüchte, bewusst gestreut oder unbedacht weiterverbreitet, sind da nicht hilfreich. Jeder sollte seinen Teil dazu beitragen, dass es nicht zu unnötigen Spannungen kommt, dies gilt für Einheimische ebenso wie für Flüchtlinge“, so der Bürgermeister.

Klar sei aber auch, dass man Fehlverhalten offen ansprechen müsse. „Von Menschen, die in unserer Stadt Obdach gefunden haben, muss man erwarten, dass sie sich benehmen. Ladendiebstähle, Pöbeleien u. ä. sind in diesem Zusammenhang nicht akzeptabel. Wenn so etwas an mich herangetragen wird, suche ich stets den Kontakt zu den Verantwortlichen“, betont Groll.

Mit der EAE-Leitung und der Polizei sei die Kommune regelmäßig in Kontakt. Man versuche, im Rahmen des Möglichen, auf die Flüchtlinge einzuwirken. „Wir müssen ihnen deutlich machen, dass das Fehlverhalten einiger negativ auf alle wirkt. Ich setze nach wie vor darauf, dass die bald beginnende Ehrenamtsarbeit hier ansetzt und Schritt für Schritt Erfolge erzielt.“

Erhöhte Schlüsselzuweisungen für 2016 erwartet

Aufgrund der Mitteilungen des hessischen Finanzministers Dr. Thomas Schäfer zum Kommunalen Finanzausgleich (KFA) geht die Stadt Neustadt (Hessen) davon aus, so Bürgermeister Thomas Groll, dass der Kommune 2016 rund 650.000 € mehr zur Verfügung stehen werden als 2015. Bei der Differenz aus den Einnahmen bei den Schlüsselzuweisungen und den Ausgaben bei der Kreis- und Schulumlage könne man wohl mit einer Verbesserung von 300.000 Euro rechnen. Dieser Betrag beruht auf einer leichten Besserstellung der Kommune beim KFA sowie der insgesamt positiven wirtschaftlichen Lage. „Wie sich der KFA 2017 für Neustadt entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Derzeit gehören wir durchaus zu den Gewinnern. Hoffentlich bleibt dies auch zukünftig so“, stellte Bürgermeister Groll fest. Zudem wird es 2016 eine Sonderzahlung für Kommunen mit Erstaufnahmeeinrichtungen (EAE) aus dem Landesausgleichsstock geben. Aufgrund der aktuellen Belegungszahlen geht man hier von einer Mehreinnahme von rund 350.000 Euro aus. Die vom Land in diesem Zusammenhang genannten 268.000 Euro beruhen auf der Belegungszahl von Ende August. Wie sich diese Zahlung 2017 darstellen wird, ist derzeit offen. Nach den Worten Grolls werden die Mehreinnahmen vorrangig zur Haushaltskonsolidierung verwendet und kommen auf diese Weise allen Bürgern zugute. „Nach heutigem Stand wird es 2016 möglich sein, auf eine abermalige Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuer zu verzichten. Auch die Lohnzuwächse bei den Erzieherinnen werden wir so auffangen. Damit müssen die Kindergartengebühren nicht über das bereits beschlossene Maß hinaus erhöht werden.“ Der Bürgermeister plant zudem, neben der vom Land finanzierten Gemeinwesenarbeit auch eine Unterstützung für die Arbeit der Ehrenamtlichen im Bereich der Flüchtlingshilfe in den Haushalt 2016 einzustellen.

Verkehrsschau durchgeführt

Ende September 2015 fand die turnusgemäße „große Verkehrsschau“ für die Stadt Neustadt (Hessen) statt. Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, eine solche alle zwei Jahre durchzuführen. Hierzu sind einzuladen die Straßenverkehrsbehörden des Regierungspräsidiums Gießen und des Landkreises Marburg-Biedenkopf, Vertreter von Hessen Mobil, dem regionalen Verkehrsdienst, der Polizei, der Straßenmeisterei, der Omnibusbetriebe, der örtlichen Fahrschulen, der Industrie- und Handelskammer, des ADAC’s und der Verkehrswacht. Auch die Ortsvorsteher werden regelmäßig hinzugebeten.

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Thomas Groll im Sitzungssaal des Rathauses nahm die Gruppe gemeinsam mit den Fachbereichsleitern Holger Michel sowie dem zuständigen Sachbearbeiter Walter Eva zahlreiche Punkte in Neustadt und den Stadtteilen Momberg, Mengsberg und Speckswinkel in Augenschein. Ziel der Verkehrsschau ist es, gemeinsam zu schauen wo es Optimierungsbedarf gibt. Die Kommunen nutzen diesen Termin zudem gerne dazu, sich bei anstehenden Entscheidungen durch die Experten beraten zu lassen.

In Neustadt wurde beispielsweise die Frage diskutiert, ob aufgrund des starken Parkverkehres und der damit verbundenen Einengungen die Bogenstraße zumindest vorübergehend als Einbahnstraße ausgewiesen werden kann. Dieses Ansinnen wurde positiv bewertet. Im Bereich der Marburger Straße ging es um deren Belastung durch Lkw- und Pkw-Verkehr im Zuge der Sperrungen im Bereich der B 454. Bei der Querallee, die 2016 als Baumaßnahme anstehen wird, wurde geschaut, wie die recht komplizierten Umleitungsverkehre angelegt sein können. Eine „Patentlösung“ wurde allerdings noch nicht gefunden. Die Anregungen von Anliegern nach Verkehrsberuhigungen aufgreifend, wurden zudem in verschiedenen Wohnstraßen der Kernstadt geschaut, ob man diesen Wünschen Rechnung tragen kann. Nicht immer vermochten die Experten den Wünschen der Bürger zu folgen.

Im Stadtteil Momberg wurde die Situation bei der bisherigen Grundschule, dem neuen Kindergarten, betrachtet. In Mengsberg ging es ebenfalls um die Schule sowie ebenso wie in Momberg um Umleitungsverkehre aufgrund von Sperrungen. In Speckswinkel wurde u. a. der Durchgangsverkehr angesprochen.

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