Wenn der Eintopf ein Stück Heimat ist

Beim 1. Neustädter Suppenfest kamen unterschiedliche Gerichte und verschiedene Nationalitäten zueinander

Jihan Issa aus dem Irak findet die Idee schön, für das 1. Neustädter Suppenfest eine typisch kurdischirakische Suppe zu kochen. „So kann ich zeigen, wer ich bin“, sagt sie.
von Karin Waldhüter
Neustadt. Seit einem dreiviertel Jahr lebt Jihan Issa in Neustadt. Die deutsche Sprache fällt ihr noch ein wenig schwer, doch mit einem offenen fröhlichen Lachen und einer duftenden Suppe lässt sich so manche Sprachbarriere schnell überwinden.
Auch für Heliosa Karla Ferrante steht ihre zubereitete Gemüsesuppe für ein Stück brasilianische Heimat. Das Familienrezept mit Gemüse und roter Bete habe ihre Mama immer für sie gekocht, erzählt sie. Minestrone mit Hackfleisch gibt es am Stand der Hephata Diakonie zu kosten. Gemeinsam haben die Mitarbeiter mit den Bewohnern vom Betreuten und vom stationären Wohnen stundenlang Karotten, Kartoffeln, Lauch und Zucchini geschnippelt und drei große Töpfe vorbereitet. „Es war zwar viel Arbeit, aber macht den Bewohnern Spaß“, erzählt Mitarbeiterin Monika Stark.

Das Fest ist gut besucht, und viele Besucher lassen sich im Stehen die Suppen schmecken. Andere bevorzugen einen Sitzplatz und genießen die Suppen in ein Gespräch vertieft an einem der aufgestellten Tische. Freuen können sich die Besucher auf 15 verschiedene Suppen – von einer nach Frühling duftenden Bärlauchcremesuppe über eine deftige Sauerkrautsuppe und türkische Linsensuppe bis hin zur exotischen Kokossuppe ist alles vertreten und somit für jeden Geschmack etwas dabei. Gegen einen Unkostenbeitrag von drei Euro für Erwachsene und einem Euro für Jugendliche konnte man nach Herzenslust jede Suppe probieren.
Friedei Kropatscheck findet die Idee des Suppenfestes gut. „Noch besser wäre es, wenn es nicht so heiß wäre“, findet sie. Einer der jüngsten Besucher ist der neunmonatige Moritz, der sich auf Mama Susann Olbrichts Arm die Pfifferling-Rahm-Sup- pe, zubereitet vom Förderverein des Waldkindergartens, schmecken lässt. Auf dem Außengelände des Pfarrheims unterhält die Gruppe „Krün“ mit Folk- Rock. Die Jugendlichen vom Jugendraum der Stadtjugendpflege, mit den Mitarbeiterinnen Martina Troglic und Anne Gasse, lassen sich beim Kochen ihrer „Wundersuppe“ in der Live- Küche über die Schulter schauen.
„Die Suppe ist ein Werkzeug, um miteinander ins Gespräch zu kommen“, erzählt Annika Schlüter, beim bsj zuständig für die Gemeinwesenarbeit. Sie hat mit Svetlana Nerenberg von Quartiersmanagement und einer Gruppe Ehrenamtlicher aus Neustadt das Fest organisiert. Mit dem Fest wolle man auch zeigen, dass man nicht nur für Flüchtlinge, sondern für alle in Neustadt da ist. Und dass sich über gemeinsames Speisen Menschen zusammenbringen lassen. Besonders freut sich Schlüter, dass auch Bewohner des Soziale-Stadt-Fördergebiets Leipziger Straße mit dabei sind. Im Vorfeld sei es kein Problem gewesen, Köchinnen und Köche für das Fest zu finden.

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