Energetische Sanierungen stellen Mengsbergs Bioenergiegenossen vor eine Herausforderung
Von Florian Lerchbacher
Neustadt-Mengsberg.
Was für Möglichkeiten gibt es, um in Neustadt, Momberg und Speckswinkel eine Nahwärmeversorgung auf die Beine zu stellen? Diese Frage steht im Mittelpunkt der kommunalen Wärmeplanung, mit der sich Menschen aus dem Stadtgebiet in den vergangenen Monaten auseinandersetzten. Ganz anders ist die Situation in Mengsberg, dem östlichsten Stadtteil. Dort gibt es seit fast zehn Jahren eine gut funktionierende Nahwärmeversorgung, die zu 81 Prozent über Holzhackschnitzel, zu 16 Prozent über die Sonne und zu drei Prozent mit Biogas betrieben wird.
Das besonders Tolle daran ist, wie „Rohstoffbeschaffer“ Erwin Schorbach hervorhebt: Das Brennmaterial kommt aus der näheren Umgebung – und trägt damit nicht nur zur regionalen Wertschöpfung bei, sondern hilft auch, den Wald im Umkreis zu pflegen und zu schätzen. Denn die Anlage, die er als „Allesfresser“ bezeichnet, lasse sich auch problemlos mit Holz befeuern, das vom Borkenkäfer oder dem Eichenprachtkäfer befallen ist.
Energiegewinnung ist auch gut für den heimischen Wald
Das bedeutet: Es kann aus dem Wald geholt und noch sinnvoll genutzt werden – und es bleibe nicht liegen und diene Schädlingen als Nahrungsgrundlage. „Wir leisten also auch einen wichtigen Beitrag zum Waldumbau und zur Minimierung des Schädlingsbefalls“, berichtet das Aufsichtsratsmitglied, das gleichzeitig auch Vorsitzender der Waldinteressenten ist.
20 Prozent des Holzes, das die Mengsberger Nahwärmgenossen verwenden, stamme aus dem Staatswald. 40 Prozent kommen aus dem Stadt- und 20 Prozent aus dem Interessentenwald. Der Rest sei Gehölzschnitt, der ebenfalls in der nahezu anspruchslosen Anlage verfeuert werden könne. Insgesamt werden in Mengsberg für das Beheizen von 158 Anschlüssen 6.000 Schüttraummeter Holz beziehungsweise Brennmaterial verwendet, was rund 3.000 Festmetern entspricht.
Aber, ein kleines Manko gebe es doch, sagt Vorstandsmitglied und Ortsvorsteher Karlheinz Kurz. Und zwar eines, das eigentlich auf einem sinnvollen Vorgehen basiert: Genossenschaftsmitglieder erneuerten ihre Fenster und würden insgesamt die Dämmung ihrer Gebäude verbessern – was zur Folge habe, dass sie weniger Wärme abnähmen. Das wiederum bedeute, dass die Genossenschaft entweder neue Abnehmerinnen und Abnehmer finden oder eines Tages die Preise anheben müsse. Letzteres wollen sie natürlich nicht, stellt Kurz heraus. Daher hat die Genossenschaft nun ein Infoblatt entwickelt, um neue Mitstreitende zu finden.
Und Potenzial im Dorf sei noch genug vorhanden, sagt der Ortsvorsteher, denn insgesamt gebe es in Mengsberg 220 Gebäude. Noch dazu habe ein Anschluss an die Nahwärmeversorgung zahlreiche Vorteile, fügt Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Stern hinzu. Ein Beispiel sei, dass man als Mitglied ein Projekt aus Mengsberg für Mengsberg unterstütze und die Hilfe im Dorf sitze und im Fall der Fälle – der so gut wie nie eintrete – schnell vor Ort sei. Natürlich sind die Helfenden allesamt Ehrenamtler, aber Fachkompetenz ist mehr als genug vorhanden: Friedhelm Vauth, Mitglied der „Technikgruppe“ und Kesselwart, ist beispielsweise gelernter Heizungsbauer, oder Gerhard Heinmöller, der die technische Leitung innehat, arbeitet als Projektleiter bei der Firma Viessmann.
Die Nahwärmegenossenschaft wirbt unter anderem mit ausgereifter, zuverlässiger Technik, Unabhängigkeit von fossilen Energiestoffen und -preisen, einer hohen Versorgungssicherheit, klimafreundlicher Wärme und Platzgewinn im Haus, da die Übergabestation nur sehr klein sei. In ihrem neuen Flyer führt sie auch eine Modellrechnung auf, was der Anschluss eines Zweifamilienhauses bedeute.
Die Kilowattstunde kostet 16,5 Cent plus Steuer
Laut Genossenschaft entstehen beim Anschluss Kosten in Höhe von rund 30.000 Euro. Es sei aber eine Förderung von rund 50 bis 70 Prozent über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) möglich. Bei einer Förderung von 50 Prozent koste der Anschluss also 15.000 Euro, was bei einem geschätzten Verbrauch von 440.000 Kilowattstunden in 20 Jahren einen Preis von drei Cent pro Kilowattstunde als Grundinvestition ergebe – zuzüglich der 13,5 Cent pro Kilowattstunde, die von der Bioenergiegenossenschaft berechnet werde. Somit ergebe sich ein Preis von 16,5 Cent zuzüglich Mehrwertsteuer, rechnet die Genossenschaft vor und verspricht: Wenn ihre Abschreibungen und Darlehen getilgt seien, dann könne ihr Preis von 13,5 Cent gesenkt werden.
Oftmals würden Menschen vor einem Wechsel bei der Wärmeversorgung zurückschrecken, wenn sie die Vorgaben sehen, die für eine Förderung notwendig sind, berichtet Kurz. Aber: So schlimm sei es gar nicht – und die Verantwortlichen der Genossenschaft stünden gerne beratend zur Seite. Etwas, das sie insgesamt auch gerne tun, denn nicht erst einmal kamen Menschen aus vielen anderen Ortschaften Deutschlands nach Mengsberg, um sich über den Aufbau und die Funktionsweise der Nahwärmeanlage informieren zu lassen.

