Zweiter Schritt in Richtung Integration

Stadt und Gemeinwesenarbeit eröffneten Anlaufstelle für das „Gründen und Werken“

Flüchtlinge, aber auch Neustädter, nehmen die Angebote der Gemeinwesenarbeit so gut an, dass der Begegnungstreff in der Marktstraße nun eine Art „Außenstelle“ für die praktischen Dinge des Lebens bekommt.

von Florian Lerchbacher

Neustadt. Fröhlich heißt Aqeel Bahiya die Besucher der von der Gemeinwesenarbeit neben der Pizzeria in der Marktstraße eingerichteten „Werkstatt“ willkommen. Der 46-Jährige hat die Verantwortung für die „Außenstelle“ des Begegnungstreffs übernommen und steht zu den Öffnungszeiten (montags bis freitags zwischen 9 und 12 Uhr sowie 15 und 18 Uhr) als Ansprechpartner bei Fahrradreparaturen – oder als Helfer – zur Verfügung.

Seit März lebt der Iraker in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Nahezu jeden Tag besuchte er seit seiner Ankunft in Neustadt den Begegnungstreff der Gemeinwesenarbeit und bot seine Hilfe an. Er habe eben Spaß daran, sich zu engagieren, zu helfen und zu arbeiten, erklärt der gelernte Chemie-Ingenieur. Noch dazu komme er dabei in Kontakt mit Menschen und lerne sie sowie Sitten und Gepflogenheiten kennen.

Er ist hilfsbereit und zuverlässig, wirft Martin Methfessel vom Verein bsj ein. Entsprechend sei ihm und seinen Mitstreitern die Entscheidung leicht gefallen, dem Flüchtling die Verantwortung für die neue Einrichtung zu übertragen, die den Namen „Neustadt wird bunter – Gründen & Werken“ trägt.

Dort hat die Gemeinwesenarbeit eine Selbsthilfewerkstatt für Fahrradreparaturen eingerichtet und gibt Menschen die Möglichkeit, sich an Nähmaschinen auszutoben – so, wie es Mohamed Yousuf Jelani aus Somalia macht. Zahlreiche Taschen aus Kunstleder – die dort gegen eine Spende erhältlich sind – hat er bereits hergestellt.

Ursprünglich waren diese beiden Beschäftigungsfelder auch Teil des Angebots im Begegnungstreff wenige Häuser weiter – doch Flüchtlinge wie auch Neustädter nahmen die Einrichtung so gut an und nutzen sie so ausgiebig, dass schlicht eine Außenstelle her musste. Bürgermeister Thomas Groll bezeichnete den neuen Standort der Gemeinwesenarbeit, wo selbstständig oder mit Anleitung repariert und genäht werden kann, als „zweiten Schritt im Bestreben, die Integration der Flüchtlinge voranzubringen“.

Dort könnten die neuen Mitbürger zeigen, was sie können. Eine der nächsten großen Aufgaben sei es schließlich, Flüchtlinge und Unternehmen zusammen- und die Menschen in Beschäftigungsverhältnisse zu bringen. Entsprechend gelte es, den Austausch mit der Agentur für Arbeit oder dem Kreisjobcenter zu fördern.

Bürgermeister lobt die bsj-Mitarbeiter

Der Rathauschef hob zudem die gute Resonanz auf den Begegnungstreff hervor und sprach den Mitarbeitern der Gemeinwesenarbeit – Martin Methfessel, Annika Schlüter und Matthias Bunzel – ein großes Lob aus. Sie seien sehr engagiert und viel besser vernetzt, als er es sich jemals erhofft hatte.

Der Standort Marktstraße 6 mache seinem Namen alle Ehre und sei ein echter Treffpunkt im Herzen der Stadt geworden. Flüchtlinge bekommen dort zum Beispiel Hilfe bei Fragen zu Behördengängen, Formularen oder anderen Themen des Alltags.

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