„Golddorf“ wird doch nicht abgehängt

Mengsberg bekommt vollwertigen Internetanschluss Kabel von Momberg nach Mengsberg wird verlegt

Das Interesse an einer schnellen Internetverbindung scheint in Mengsberg riesengroß zu sein. An einer am Ende nicht mehr nötigen Unterschriftenaktion beteiligten sich 260 Mengsberger

von Michael Rinde

Mengsberg. Es gab bei der Informationsveranstaltung von Breitband GmbH und ihrem Partner Telekom am Mittwochabend tatsächlich gute Nachrichten für Mengsberg: Der Neustädter Stadtteil wird beim Breitbandausbau für schnelle Internetverbindungen nun doch in vollem Umfang berücksichtigt – und damit nicht schlechter gestellt als das übrige Kreisgebiet. Dies verkündeten Klaus Bernhardt, Geschäftsführer der Breitband GmbH und Winfried Moser als Telekom-Repräsentant.

Das hatte bei einer Informationsveranstaltung in Neustadt Anfang Februar ganz anders geklungen. Seinerzeit wurde den anwesenden Bürgern mitgeteilt, dass Mengsberg beim Ausbau mit Glasfaser außen vor bleibt. Eine Welle des Protestes war die Folge (die OP berichtete mehrfach).

Von Klaus Bernhardt gab es gleich zu Beginn der Infoveranstaltung am Mittwoch in diesem Zusammenhang ein klares Statement: Er entschuldigte sich für die damaligen Mitteilungen vor den anwesenden rund 30 Bürgern. Kreis, Breitband GmbH und Telekom hatten am Mittwoch eine Nachtragsvereinbarung speziell zum „Fall Mengsberg“ unterschrieben.

Dass Mengsberg nunmehr gleich behandelt wird, verursacht aber auch einigen Zusatzaufwand. Von Momberg aus muss nun ein Glasfaserkabel bis nach Mengsberg verlegt werden. In Neustadt werden insgesamt 13,4 Kilometer Breitbandkabel verlegt, wobei für 10,8 Kilometer davon Erdarbeiten nötig sind. Auch in Mengsberg wird es entsprechende Straßenarbeiten geben, sobald der Ausbau in diesem Abschnitt des Kreises beginnt. Feststeht: Bis August 2015 soll das Breitband-Netz in Betrieb gehen. Und fest steht nach Aussage von Bernhardt und Moser auch, dass für 99 Prozent der Mengsberger Haushalte eine Übertragungsrate von bis zu 50 Mbit pro Sekunde möglich sein soll.

Spitzenposition bei Datenrate ist möglich

Damit nehme Mengsberg künftig im Kreis sogar eine Spitzenposition ein, kommentierte Bernhardt. Im Regelfalle bringt der Glasfasernetz-Ausbau zwischen 25 und 50 Mbit pro Sekunde, so steht es auch in der Vereinbarung zwischen Breitband GmbH und Telekom. Wie Bernhardt gegenüber der OP erläuterte, entstehen dem Landkreis durch die Nachtragsvereinbarung für Mengsberg keine Zusatzkosten. „Es bleibt beim Vertrag von 10 Millionen Euro“, erklärt der Geschäftsführer.

Vier sogenannte Kabelverzweiger müssen in Mengsberg technisch aufgerüstet werden. Das wird auch optisch zu erkennen sein, denn die Schaltkästen am Straßenrand fallen in Zukunft in den meisten Fällen deutlich größer aus. Nur die

„letzte Meile“ bis zum Haus besteht bei der kreisweit gewählten Ausbauvariante aus Kupferkabel. „Jetzt bin ich glücklich und zufrieden“, kommentierte Mengsbergs Ortsvorsteher Karlheinz Kurz die Mitteilungen. Dass es nun doch zu einer solchen sehr guten Lösung kommt, schreibt er dem Druck zu, den der Ort aufgebaut hat. Am Mittwochabend übergab der stellvertretende Mengsberger Ortsvorsteher Björn Wolfig trotz der guten Nachrichten die gesammelten Unterschriften für einen gleichwertigen Breitband-Ausbau in Mengsberg. 260 Bürger des 900-Einwohner-Dorfes hatten unterschrieben. In Mengsberg existieren rund 270 Telefonanschluss-Möglichkeiten.

Dass Mengsberg die Verbesserung dringend braucht, zeigt der Status quo in Sachen Netz. Aktuell liegt die entscheidende Datenübertragungsrate bei 76 Prozent der angeschlossenen Haushalte nur zwischen 2 und 6 Mbit pro Sekunde. Als Winfried Moser diese Zahlen nannte, gab es das einzige Mal Protest: „Wie kommen Sie zu den Zahlen? Ich habe grad mal 540 Kilobyte“, rief ein Mengsberger.

Wer das schnelle Internet nach dem Ausbau in seiner Region nutzen will, muss allerdings auch selbst noch etwas tun: Er muss seinen Vertrag, gleichgültig ob bei der Telekom oder einem anderen Anbieter, entsprechend der schnellen Netzanbindung umstellen. Außerdem sollte sich jeder Interessent weiterhin auf der Internetseite www. breitband-marburg-biedenkopf.de registrieren. Damit sind keine Verpflichtungen verbunden. Die Informationen dienen der Planung.

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