Neustadt bekommt für Neubau fast drei Millionen Euro

Neustadt. Geldsegen für Neustadt: Das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz stellt der Stadt über das Städtebauförderprogramm 2,88 Millionen Euro zur Verfügung – zu denen die Neustädter für den Neubau des Hauses der Begegnung lediglich rund 300 000 Euro beisteuern müssen. Doch damit nicht

genug: Die Stadt erhielt zudem aus Wiesbaden die Nachricht, dass sie zusätzlich mit ihrem Vorhaben in den Investitionspakt „Soziale Infrastruktur im Quartier“ aufgenommen wird. Wie viel Geld sie dann noch bekommt, teilt das Ministerium aber erst Anfang Dezember mit. „Wir sind auf gutem Weg“, freut sich Bürgermeister Thomas Groll.

Fördertopfkönig gelingt Meisterstück

Stadt Neustadt bekommt über „Soziale Stadt“ 2,88 Millionen Euro für Neubau des Hauses der Begegnung

Seit vielen Jahren ist das Haus der Begegnung Neustadts Sorgenkind – aber nicht mehr lange. Aus einem Fördertopf bekommt die Stadt nun 2,88 Millionen Euro, ein weiterer Geldsegen wird folgen.

von Florian Lerchbacher

Neustadt. „Das ist der Wahnsinn“, kommentiert Bürgermeister Thomas Groll (Archivfoto: Hirsch), nur um sofort hinzuzufügen: „Der Wahnsinn, Teil eins.“ Die Stadt Neustadt will schließlich für fast fünf Millionen Euro ihr Haus der Begegnung abreißen und neu bauen, braucht also – trotz ihrer inzwischen wirtschaftlich wieder stabilen Lage – noch mehr Geld.

Doch das wird kommen: Priska Hinz, Hessens Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, hatte nämlich nicht nur die Info über die gewährten Fördermittel aus dem Topf „Soziale Stadt“ gen Neustadt geschickt, sondern gleich noch ein Schreiben folgen lassen, dass die Kommune am 1. Dezember mit ihren Plänen für das Haus der Begegnung in den Investitionspakt „Soziale Infrastruktur im Quartier“ aufgenommen wird.

Über die Förderhöhe ist indes noch nichts bekannt. Entsprechend will Groll darüber auch nicht spekulieren. „Wir nehmen, was kommt und sind – wie immer – optimistisch“, kommentiert der Bürgermeister. Als die Kommune im Mai die Anträge stellte, hoffte sie auf Zuschüsse von insgesamt mehr als vier Millionen Euro.

„Die Nachricht über die Mittel aus dem Städtebauförderprogramm ist eine sehr gute, aber wir haben erst die halbe Etappe geschafft“, zeigte Groll leichte rechnerische Schwächen angesichts von einer bereits gesicherten Förderung von 2,88 Millionen Euro – zu denen die Stadt lediglich rund 300 000 Euro beisteuern muss. 200 000 Euro davon sind für den Abriss des Gebäudes vorgesehen, der gleiche Betrag noch einmal für den Außenbereich. Der Rest fließt in die Bau- beziehungsweise Planungskosten.

Er habe sich nach Erhalt der ersten Nachricht hinsetzen und tief durchatmen müssen, bekannte Groll im Gespräch mit dieser Zeitung – und das, obwohl der Fördertopfkönig angesichts der vergangenen Jahre nun wirklich Erfahrung im Abgreifen von Geldern hat.

Er hat aber inzwischen auch Erfahrung darin, beim Haus der Begegnung durch Wechselbäder der Gefühle zu gehen. Die Neustädter hatten sich schließlich schon einmal auf der sicheren Seite gewähnt, als sie die Sanierung des Gebäudes bis ins Detail geplant hatten und dann Besuch eines Mitarbeiters der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen bekam – der einen lockeren Strich durch die Pläne machte, weil er das Haus für wenig sanierungswürdig hielt.

Innerhalb weniger Wochen trieb Groll damals Förderanträge für einen Neubau voran, dessen Kosten mit grob fünf Millionen Euro geschätzt wurden. Doch nun scheint klar, dass die damals vollzogene Kehrtwende ein Segen für die Stadt ist. „Die Aufnahme in das Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt‘ ist ein Glücksfall für Neustadt. Wir sind auf sehr gutem Weg“, freut sich Groll und bezeichnet das

Land – das in der Ernst-Moritz – Arndt-Kaserne eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge unterbrachte und danach auf Bitten der Neustädter stets zur Unterstützung bereitstand – als „verlässlichen Partner“. Nun muss die Stadt schließlich nicht ein altes, marodes, unpraktisches und letztendlich auch hässliches Gebäude sanieren, sondern kann es eingeschossig neu bauen. Sie plant, dort neben einem großzügigen Saal zum Feiern auch das Familienzentrum, die Bücherei, eine Begegnungsstätte in Kooperation mit Hephata, eventuell das Büro des Quartiermanagements der „Sozialen Stadt“ und eine Außenstelle des Bürgerbüros unterzubringen.

Noch vor wenigen Jahren wäre ein solcher Neubau undenkbar gewesen. Damals kämpfte Neustadt ebenso wie viele andere Kommunen mit tiefen Haushaltslöchern und suchte nach Möglichkeiten, Geld zu sparen. Eine Zeit lang drehte die Stadt den Bürgern nachts sogar das Licht aus. „Im Jahr 2012 mussten wir für Arbeiten am Haus der Begegnung sogar einen Förderbescheid über 380 000 Euro zurückgeben, weil wir nicht in der Lage waren, die Kofinanzierung zu übernehmen. Hätten wir damals von einem Neubau gesprochen, hätten wir wohl nur ein mitleidiges Lächeln geerntet“, erinnert sich der Bürgermeister zurück – der dieses Mal seinen Titel als Fördertopfkönig des Landkreises mit seinen Mitstreitern teilt: Er hebt hervor, dass das überzeugende Nutzungskonzept für den Neubau ein Gemeinschaftsprodukt von Stadt, Landkreis, Mar- tin-von-Tours-Schule, Hephata und dem Quartiersmanagement sei.

Das Land Hessen stellt für 32 Projekte an 21 Standorten insgesamt 28,3 Millionen Euro zur Verfügung. Nach Neustadt fließt mit rund zehn Prozent der Gesamtsumme das meiste Geld – Grund genug für Groll, dann doch noch ausgiebig zu jubeln. Stadtallendorf kommt immerhin in den Genuss von 373 000 Euro für sein Konzept „Inseln in der Stadt II“.

Nun heißt es für Groll, auf den 1. Dezember zu hoffen: „Es wäre ein Traum, wenn wir auch beim Investitionspakt noch einen großen Fördertopf erhielten, dann könnten wir tatsächlich ein Bürgerhaus für Neustadt schaffen, von dem wir vor wenigen Jahren nicht zu träumen gewagt hätten.“

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