Die Zusammensetzung der Jury steht in der Kritik

 

 

Für zwei Ortsvorsteher hat das Ergebnis des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ ein „Geschmäckle“

„Ohne Umschweife: Wir hätten gerne gewonnen“, gibt Niederwalgerns Ortsvorsteher Hans-Heinrich Heuser zu, freut sich über eine „tolle Präsentation“ – kritisiert allerdings die Bewertungskommission.

von Florian Lerchbacher

Momberg. Platz zwei, Platz vier und einmal „mit Erfolg teilgenommen“ – so schlecht liest sich das Ergebnis der drei Ortschaften aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf, die am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teilgenommen hatten, nicht. Und eigentlich sind auch alle drei Ortsvorsteher damit zufrieden, wie sich ihre Heimatorte präsentierten. Doch für zwei von ihnen hat das Resultat ein zumindest leichtes „Geschmäckle“.

Ganz deutlich drückt sich Hans-Heinrich Heuser aus, der mit Niederwalgern beim Regionalentscheid auf Platz zwei landete und die Qualifikation für den Hessenentscheid haarscharf verpasste: „Ich bin sehr enttäuscht über die Zusammensetzung der Bewertungskommission mit sechs Mitgliedern aus dem Kreis Waldeck- Frankenberg und dreien aus Marburg-Biedenkopf. Ich glaube nicht, dass ein Marburger Ort hätte gewinnen können.“ Er wolle zwar keinem Jurymitglied Böses unterstellen: „Aber man muss sich mal fragen, wie man sich entscheiden würde, wenn die Wahl besteht zwischen einem Ort aus der näheren Umgebung und einem in größerer Entfernung. Viele Menschen haben sich in den Wettbewerb eingebracht – und jeder von ihnen hofft auf eine faire Bewertung, die sich an den Vorgaben orientiert.“

Nicht ganz so drastische Worte wählt Jörg Grasse, der mit Momberg auf Platz vier einlief: „Ich hielte es für besser, wenn die Jury aus Menschen besteht, die aus einem ganz anderen Kreis kommen. Auch er ist der Meinung, dass Wohlwollen mit Nachbarorten bei knappen Entscheidungen durchaus eine Rolle spielen könnte. Und knapp war es beim Regionalentscheid der beiden benachbarten Kreise: „Die Entscheidung war noch nie so schwierig und noch nie so knapp – uns rauchten am Entscheidungstag bei den intensiven Diskussionen die Köpfe, wir mussten öfters die Dorf-Fragebögen und Fotos der Bereisungen zur Hilfe nehmen“, teilt Kommissionsleiterin Sigrid Göbel mit.

„Wir haben schon mit einem Platz auf dem Treppchen geliebäugelt“, bekennt Grasse und ergänzt:

„Ich müsste lügen, wenn ich sage, ich sei nicht ein bisschen enttäuscht.“ Immerhin hätten sich zahlreiche Momberger in die Vorbereitung der Wettbewerbsteilnahme eingebracht – und für sie hätte er sich als Anerkennung eine bessere Platzierung gewünscht. Ähnlich sieht das Heuser, der – ebenso wie Grasse – aber auch die Nachhaltigkeit in den Projekten sieht. Das Engagement im Dorf sei da: „Die Ehrenamtier sind zusammen und treiben ihre Projekte voran. Eigentlich präsentieren sie in dem Wettbewerb nur, was sie über die Jahre erarbeitet haben.“ Für Grasse ist klar: „Wir haben Momberg auf die Beine gebracht und werden uns die Bewertung genau anschauen, damit wir wissen, wo es fehlte und an welchen Punkten wir noch arbeiten müssen.“

Der einzige, der keine Kritik äußert, ist Kleinseelheims Ortsvorsteher Rainer

Waldhardt: Es sei nicht das Ziel gewesen, zu gewinnen. Vielmehr sei der Wettbewerb eine Chance zu sehen, wo das Dorf steht und wie es sich entwickelt – und dies dann auch zu präsentieren: „Neben dem zentralen Thema Nahwärme haben wir noch viele weitere Themen, die wir verfolgen.“ Es sei wichtig, weiter zusammenzuwachsen: „Ein Prozess, der niemals abgeschlossen ist.“ Letztendlich blicken alle drei Ortsvorsteher zuversichtlich nach vorne. Heuser bedauert zwar, dass Niederwalgern nicht beim Hessenentscheid dabei sein darf – denn das „hätte zusätzlichen Schwung“ gebracht. Ganz oben auf der Agenda steht für ihn der Neubau der Grillhütte. Für Grasse ist klar, dass die eigentlich positive Rückmeldung der Kommission zeige, dass Momberg auf dem richtigen Weg sei. Und auch dem verpassten Treppchen gewinnt er letztendlich etwas Positives ab: „Das weckt unseren Eifer für die nächste Teilnahme.“

 

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