Dorfzentrum macht Namen alle Ehre

Dank viel ehrenamtlichen Engagements entwickelt sich der alte Kindergarten Mombergs hervorragend
Von Florian Lerchbacher

Neustadt-Momberg.
Immer mehr Menschen strömen in den Saal des angrenzenden Dorfgemeinschaftshauses zum Momberger Mittagstisch. Währenddessen ist Fußpflegerin Heidi Sack in einem Raum des Dorfzentrums schwer am Werkeln, und Stefanie Schmitt und Anke Stark können sich wieder einen Raum weiter ein Lachen nicht verkneifen. Die beiden Frauen gehören zu einem kleinen Team, das sich seit drei Jahren um die Veranstaltungen und Angebote im Gebäude kümmert – und die immer mehr werden.
„Ich muss zugeben: An diese Entwicklung habe ich nicht geglaubt“, sagt Thomas Groll voller Anerkennung. Vor einigen Jahren hatte sich die Frage gestellt, was nach dem Umzug des Kindergartens mit dem Gebäude geschehen soll. „Von Lagerraum bis Leerstand war einiges in der Diskussion“, erinnert sich der Neustädter Bürgermeister. Doch zum Glück für die Mombergerinnen und Momberger hatte die mittlerweile verstorbene Landrätin Kirsten Fründt ein „Leuchtturmprojekt“ im Sinn und trieb die Idee eines multifunktionalen Hauses voran.

380 Veranstaltungen in einem Jahr

Die Idee fiel auf fruchtbaren Boden. Mit viel Eigenleistung aus dem Ort kam es nach einigen Jahren der Planung und Vorbereitung zur Sanierung des Gebäudes. Im März 2023 fand die offizielle Einweihung statt, und ein gutes Jahr später gründete sich der „Trägerverein Dorfzentrum“, denn so heißt der neue soziale Mittelpunkt Mombergs mittlerweile. Schon im ersten Jahr fanden dort 233 Veranstaltungen statt, im vergangenen Jahr waren es sogar 380 – Tendenz steigend.

Die Angebote sind geprägt von großer Vielfalt: Vereine nutzen die Räumlichkeiten für Jahreshauptversammlungen oder andere Treffen, es gibt Beratungstermine für pflegende Angehörige, außerdem bieten zwei Fußpflegerinnen und eine Friseurin dort ihre Dienstleistungen an – die auch rege besucht werden. Zum Beispiel von Markus Stamm, der als orthopädischer Schuhmacher selbst ein Fachmann für Füße ist und extra aus Willingshausen nach Momberg kommt, um Heidi Sacks Dienste in Anspruch zu nehmen: „Weil sie einfach gute Arbeit macht“, lobt er die Fußpflegerin.

Vor allem aber beleben die Aktivitäten der vier Abteilungen des Trägervereins – die Kaffeetanten, Momberg4Kids, Mittagstisch und 800 Jahre Momberg – das Dorfzentrum. Als „Renner“ habe sich das „Café Amandina“ entpuppt, freut sich Anke Stark. Zweimal im Monat gebe es von den „Kaffeetanten” selbst gemachten Kaffee und Kuchen, und die Besucherinnen und Besucher aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf und dem Schwalm-Eder-Kreis kämen in Scharen.

Benannt ist das im Haus und dem Hof aufgebaute Café nach Schwester Amandina, die 28 Jahre lang die Kita leitete und, so Stark, in Momberg sehr beliebt gewesen sei. Die Schwester hätte in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Grund richteten die Organisierenden ein besonderes Fest aus, das rund 160 Menschen besuchten. Zur Erinnerung an frühere Zeiten führten Mitglieder des Trägervereins beispielsweise einen umjubelten Bändertanz auf.

Mittagstisch ist besonders beliebt

Außerdem stehen Konzerte, Theateraufführungen oder Lesungen auf dem Programm. Unter anderem trugen schon Tim Frühling, Astrid Ruppert oder der heimische Autor Manfred Diel aus ihren Werken vor. Das gemütliche Ambiente komme nicht nur bei den Zuhörerinnen und Zuhörern, sondern auch bei den Lesenden gut an, so Stark. Und die Einnahmen von Veranstaltungen wie diesen oder auch den Cafés würden natürlich in die stetige Weiterentwicklung des Dorfzentrums investiert.

Einmal wöchentlich finden dort zudem eine Krabbelgruppe statt sowie Veranstaltungen für Kinder wie zum Beispiel Bastel- oder Legonachmittage. Großer Beliebtheit erfreut sich der monatliche Mittagstisch unter dem Motto „Gemeinsam ist es einfach schöner“: Das Essen kommt von einer Fleischerei, um die Ausrichtung kümmern sich elf Ehrenamtliche um Christiane Schenk – und zumeist sind 80 bis 100 Gäste mit dabei. „Mehr als 100 Personen können wir nicht bewirten“, sagt Schenk. Aus diesem Grund hätten sogar schon Besuchende abgewiesen werden müssen: „Ungern natürlich, aber sonst wird es einfach zu eng.“

Das einzige, was nicht so angenommen wird, wie einst erhofft, ist die Unterkunft für Pilger. Doch auch davon lassen sich die Organisierenden nicht entmutigen. Und so gehen sie einfach die nächsten Projekte an. Als Nächstes soll in der ehemaligen Wohnung im Dorfgemeinschaftshaus ein Kreativraum entstehen – ausgestattet mit Werkbänken für Kinder und Erwachsene, einem Plotter mit Laptop und vielem mehr.

Oma-Strickcafé oder ein Repair-Café

„Wir warten noch auf den Förderbescheid der Region Marburger Land – und hoffen auf eine finanzielle Unterstützung durch das Neustadt-Budget“, sagt Stark und resümiert: „Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung des Dorfzentrums. Ein wenig mehr Auslastung ist noch möglich – und wir würden gerne noch einige Dinge anregen, beispielsweise ein Oma-Strickcafé oder ein Repair-Café. Die Räume sind vorhanden, aber jemand müsste die Organisation übernehmen.“