Tempo 30 für fünf Straßen?

Der Momberger Ortsbeirat und Bürger tragen Wünsche an die Stadt Neustadt heran
Von Florian Lerchbacher

Neustadt.
Der Verkehr in Neustadt und den Stadtteilen – insbesondere auf den „großen“ Straßen, die in die Ortschaften hineinführen – ist immer wieder ein viel diskutiertes Thema. Nun ist es erneut brandaktuell: Insbesondere in Momberg und in der Kernstadt wird an verschiedenen Stellen eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde angeregt.
Im größten Stadtteil hat der Ortsbeirat einen Wunsch an die Gemeindeverwaltung herangetragen, den zahlreiche Bürgerinnen und Bürger unterstützen. „Die Speckswinkeler und die Mengsberger Straße sind sehr stark und schnell befahren, vor allem an den Ortseingängen“, sagt Ortsvorsteher Timo Stark und betont, dass es gerade für Kinder daher gefährlich sei, diese beiden Hauptverkehrsstrecken zu überqueren.

Schon vor Jahren war die Forderung nach Querungshilfen aufgekommen, aber daran gescheitert, dass die notwendigen Mindestwerte bei Erhebungen nicht erreicht wurden, erinnert sich Stark. Doch inzwischen seien die Mengsberger und die Speckswinkeler Straße von Kreisstraßen zu kommunalen Straßen herabgestuft worden – und daher hegten die Mombergerinnen und Momberger die Hoffnung, anders Besserung zu erzielen: und zwar mit Tempo 30.

Auswirkungen der Autobahn 49

„Geschwindigkeitsmessungen haben gezeigt, dass zu schnell gefahren wird. Aber sie haben ebensowenig gebracht wie die Warntafeln, die wir aufgehängt hatten“, sagt Stark. Daher gebe es nun die Überlegung, entweder durch sogenannte Legobuchten die Fahrbahn an den Ortseingängen zu verengen oder eben die Maximalgeschwindigkeit von 50 auf 30 zu reduzieren.

Neustadts Bürgermeister Thomas Groll zeigt sich prinzipiell offen für die Anregung, bittet aber um etwas Geduld: Die Stadt als nunmehr zuständige Straßenverkehrsbehörde werde die Angelegenheit noch einmal genau prüfen, damit eine Abänderung „rechtssicher“ auf den Weg gebracht werden kann.

Etwas anders sehe es in der Kernstadt aus: Dort hätten Bürgerinnen und Bürger den Wunsch an die Kommune herangetragen, in der Willingshäuser (Kreisstraße) sowie in der Wasenberger Straße und der Lehmkaute (beides Landesstraßen) Tempo 30 einzurichten. Dort müsse sich die Stadt als Erstes mit dem jeweiligen Baulastträger und dann noch mit dem Regionalen Verkehrsdienst der Polizei in Cölbe verständigen. „Tempo 30 auf Durchgangsstraßen – also nicht im Wohngebiet. Das ist da nicht so einfach angeordnet“, kommentiert er.

Es müsste schon ein besonderes Gefahrenpotenzial geben, erklärt der Rathauschef und nennt die Marburger Straße als Beispiel, wo vor etwas über einem Jahr teilweise Tempo 30 eingerichtet wurde, weil dort ein Seniorenzentrum angesiedelt ist. Hilfreich sei es außerdem, wenn es einen Schulwegeplan gebe – über den Neustadt allerdings nicht verfügt. Aber, so berichtet der Bürgermeister, die Stadt wolle in Zusammenarbeit mit Schule und Kreis einen solchen Plan erstellen.

Einen zusätzlichen Hoffnungsschimmer für die Lehmkaute hat er noch: Seit Eröffnung des Teilstücks der Autobahn 49 bei Neustadt sei der Verkehr dort nachweislich gestiegen. Entsprechende Zählungen würden dies beweisen. „Damit hat auch der Lärm dort zugenommen“, sagt er und hofft, dass ein ähnlicher Effekt eintritt wie am Ortseingang von Stadtallendorf (aus Neustadt kommend). Dort hat der Landkreis vor wenigen Wochen aus Lärmschutzgründen zumindest nachts die Geschwindigkeit auf einem Teil der Bundesstraße 454 auf 30 begrenzt. In der Begründung wurde auf eine Lärmberechnung verwiesen, die auf einer Verkehrsmengenerhebung aus dem Jahr 2021 basierte – also einer Zeit vor Fertigstellung und Freigabe der Autobahn 49 im Bereich Stadtallendorf.

Wird der Lärmgrenzwert überschritten?

„In dieser Zeit wurden entsprechende Lärmgrenzwerte zwar noch nicht überschritten, jedoch bereits erreicht oder annähernd erreicht“, hatte Kreissprecher Stephan Schienbein erläutert. Die Fertigstellung und Freigabe der Autobahn 49 und damit insbesondere auch der Anschlussstelle „Stadtallendorf-Nord“ habe die Schlussfolgerung zugelassen, dass die damit verbundene Erhöhung der durchschnittlichen täglichen Verkehrsmenge auch eine Steigerung der Lärmbelastung und entsprechender Beeinträchtigungen für die Anwohnerinnen und Anwohner in diesem Bereich mit sich bringe. Der Kreis geht in diesem Fall davon aus, dass die Lärmbelastung und Beeinträchtigungen jenseits dessen liegen, was zumutbar ist.

„Es war klar, dass die Lehmkaute den Zu- und Abfluss der Autobahn abbekommen wird und der Lärm dort zunimmt“, sagt Groll und ergänzt: „Daher wollen wir versuchen, etwas Abhilfe zu schaffen.“ Neue Lärmberechnungen sollten jedenfalls auf den Weg gebracht werden.