Verunglimpfung auf Bild eines Kindes überschattete das Straßenmalerfestival Neustadt
Von Florian Lerchbacher
Neustadt.
Klare Kante zeigen – gegen Rassismus, Hass, Verunglimpfung, Sexismus. Etwas anderes kommt für Roswitha Trümpert nicht infrage. Und so hat die Vorsitzende gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Arbeitskreises Straßenmalerfestival nun Anzeige gegen unbekannt wegen Beleidigung, Verleumdung und Sachbeschädigung erstattet. Sie reagierten damit auf einen rassistischen Vorfall, der sich bei der jüngsten Auflage ihrer beliebten Veranstaltung ereignet hatte.
Am späten Samstagabend hatte eine Unbekannte oder ein Unbekannter auf dem Bild eines Kindes einen rassistischen Schriftzug in arabischer Sprache hinterlassen (die OP berichtete). Zunächst habe sie befürchtet, die Worte richteten sich gegen die aus Syrien stammende Familie des Jungen – die hervorragend integriert sei, wie Trümpert betont. Nach einer Übersetzung habe sich gezeigt, dass die „sehr beleidigenden Worte“ gegen Syrien insgesamt gingen. Die Straßenkünstler und die Mitglieder des Arbeitskreises seien fassungslos gewesen, sagt die Vorsitzende. Die Worte stünden „im starken Gegensatz zu den friedlichen Kunstwerken des Festivals“, bei dem in diesem Jahr das Thema Vielfalt im Mittelpunkt stand.
Die Organisatoren der Veranstaltung dokumentierten die Schmiererei und entfernten sie unverzüglich. Schon in der Vergangenheit hatte es immer mal wieder Vorfälle gegeben, die Trümpert und ihre Mitstreitenden entsetzt hatten: Als es um Menschenrechte ging, seien Kunstschaffende von Besuchenden beschimpft worden. In einem anderen Jahr habe es sexistisches Verhalten gegeben. Dabei stehe doch eigentlich das Miteinander im Vordergrund, bedauert sie: „Es geht um Vielfalt und darum, dass die Menschen friedlich und respektvoll miteinander umgehen“, so Trümpert.
Kunst solle Grenzen überwinden und Räume für Dialog schaffen. Diese friedliche Botschaft sei nun durch die Schmiererei mit Füßen getreten worden. Es habe daher auch nicht zur Debatte gestanden, den Fall auf sich beruhen zu lassen: „So etwas nicht anzusprechen – das geht nicht.“ Deshalb jetzt auch die Anzeige, die Trümpert bei Gunter Weber, dem Schutzmann vor Ort, erstattete. Von ihm habe sie erfahren, dass der Fall wohl an den Verfassungsschutz weitergeleitet wird. Sie appelliert an Bürgerinnen oder Bürger, die am Samstagabend (22. August) des Straßenmalerfestivals Verdächtiges beobachtet haben, sich entweder an die Polizei oder an sie zu wenden.
Auch Bürgermeister Thomas Groll verurteilt das Geschehene: „Das Straßenmalerfestival steht für Vielfalt. Die Farben der Bilder sind so bunt wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Das Straßenmalerfestival steht für Offenheit und Vielfalt. Jeder ist hier willkommen – sei es als Künstlerin oder Künstler oder als Besucher. Deshalb fehlt uns jedes Verständnis dafür, wenn das Bild eines Kindes dazu missbraucht wird, einen rassistischen Schriftzug zu platzieren. Hierfür ist beim Straßenmalerfestival kein Platz.“

